Regelmäßige Blogleser mögen sich an mein Experiment erinnern, mein langjähriges iPhone durch ein Android-Smartphone ersetzen zu wollen. Nach Teilen 1, 2, 3 und 4 kam ich letztendlich zu dem Schluss, dass zu diesem zeitpunkt ein Umstieg auf Android für mich nicht in Frage kam. Selbst nach einem Ausflug in die custom ROMs und einigen weiteren Basteleien ergab sich nichts neues, und ich beendete das Experiment vorerst.

Nun bleibt ja aber auch bei Android die Entwicklung zum Glück nicht stehen, und es wäre unfair, einen solchen Test nicht ab und an in Frage zu stellen und zu überprüfen. Genau dies soll Ziel dieses Artikels sein.

Eine der Änderungen ist natürlich das Erscheinen von Android 4.4 „Kitkat“, das ja für die Nexus 4, 5 und 7 beider Generationen angeboten wird. Dieses brachte zusammen mit TalkBack 3.5 eine erheblich verbesserte Reaktion auf Gesten mit sich. Dies bemerkte ich schon im Laufe der Monate beim Benutzen von Firefox für Android, den ich ja beruflich auf seine Qualität für Barrierefreiheit hin teste. Auch Android L ist ja nicht mehr weit.

Apropos Talkback: nach einer achtmonatigen Entwicklungspause geht es mit einer neuen Betaversion weiter. Diese wird nun nicht mehr per APK-Download über deren Google-Code-Seite vertrieben, sondern ordentlich über den Play Store, indem man sich als Tester registriert und dann Betaversionen automatisch geliefert bekommt.

Mit einem Nexus 5, das ich aus o. g. beruflichen Gründen eh hier habe, habe ich nun also mal meine Kritikpunkte überprüft und bin zu folgenden Ergebnissen gekommen.

Die Tastatur

Einer der wesentlichen Kritikpunkte war, dass man auf der Google-Tastatur keine deutschen Umlaute schreiben konnte. Auch war es nicht einfach möglich herauszufinden, welche Sprache bei mehreren installierten Sprachen die nächste sein würde, die man anspringt. Dieses letztere Problem ist immer noch vorhanden, allerdings ist die ansage nach dem Umschalten deutlich besser.

Außerdem bekam die Google Tastatur kürzlich ein Update spendiert. Und eine der wesentlichen Neuerungen ist, dass man jetzt auch bei eingeschaltetem TalkBack einen Finger auf dem Grundbuchstaben für einen Umlaut verweilen lassen kann. Es poppt dann eine Mini-Tastatur auf, die Sonderzeichen für diesen Grundbuchstaben enthält. Für ein a z. B. also nicht nur ein ä, sondern auch ein a mit französischen Accent-Balken oder einer Ligatur bestehend aus a und e. Einzige Merkwürdigkeit ist, dass das ä als „A mit Threema“ gelesen wird. Klingt, wie ein Kommentator zu meinem englischen Beitrag hierzu vermutete, nach einem UTF-8-Konvertierungsproblem. Wenn man sich daran gewöhnt, kann man jetzt prima Umlaute eingeben. Einfach das gewünschte Sonderzeichen ansteuern, Finger anheben, fertig! Man muss lediglich am Anfang etwas Lernzeit einplanen, denn das Popup reagiert etwas empfindlich darauf, wenn man außerhalb berührt oder mit dem Finger hin rutscht, und schließt sich dann gern mal, und man muss es neu aufrufen. Mit ein bisschen Fingerübung komme ich inzwischen aber prima damit klar.

Was die Tastatur auch gut beherrscht, ist, beim Berühren der Leertaste und einiger Interpunktionszeichen anzusagen, wenn eine Autokorrektur vorgenommen wird und was diese sein wird. Man kann dann also, ohne den Finger anzuheben, oberhalb der Tastatur hin fahren und z. B. einen anderen Vorschlag oder den Originaltext finden und so eine Autokorrektur auch verhindern.

Diese neue Version der Tastatur wird standardmäßig nicht über den Play Store als Update angeboten. Man muss sie explizit suchen und dann aktualisieren, oder man nimmt den oben stehenden Link und lässt sich die Tastatur bequem vom Browser aus auf seine Geräte schicken. 😉

Zwei Punkte abgehakt und sogar noch dazugewonnen!

Editierfunktionen

Ein weiterer essenzieller Kritikpunkt war, dass es keine Unterstützung für Editierfunktionen gab und man auf eine externe Tastatur angewiesen war.

Auch dieser Punkt hat sich mit einem TalkBack-Update erledigt. Im lokalen Kontextmenü eines Textfeldes (in einer Bewegung nach oben und rechts wischen) gibt es jetzt einen Punkt „Cursorsteuerung“. In diesem Untermenü befinden sich nicht nur Punkte, um den Cursor an den Anfang oder das Ende zu bewegen und allen Text zu markieren, sondern auch ein Punkt namens „Textauswahl beginnen“. Wählt man diesen, vollführen die Wischgesten nach links und rechts Textmarkierung bzw. heben diese auch wieder auf. TalkBack ist hier nicht sehr gesprächig, man muss also ein bisschen aufpassen, was man schon markiert hat und was nicht. Eine Möglichkeit, den markierten Text vorlesen zu lassen, habe ich noch nicht gefunden.

Ruft man danach dieses Kontextmenü wieder auf, gibt es im Untermenü „Cursorsteuerung“ Punkte zum Ausschneiden oder Kopieren. Befindet sich Text in der Zwischenablage, gibt es auch einen Punkt zum Einfügen von Text.

Wieder einer weniger!

Kontinuierliches Scrollen in Listen

Ein weiterer Punkt, der mich extrem störte, war der, dass man in Listen nicht kontinuierlich scrollen konnte. Dies wurde in einem recht frühen TalkBack-Update nach meinem Blogbeitrag als Feature hinzugefügt. Jetzt wird bildschirmweise weitergescrollt, wenn man das letzte angezeigte element erreicht hat und weiter nach rechts wischt. Ggf. muss man dieses Verhalten einmal in den TalkBack-Einstellungen aktivieren.

Und noch einer weg! 🙂

Der DB Navigator

Ein weiteres Problem war, dass der DB Navigator der Deutschen Bahn, den man ja doch hin und wieder braucht, wenn man in Deutschland unterwegs ist, nicht zugänglich war. Vor allem konnte man die gewünschte Abfahrtszeit und das Datum nicht einstellen.

Diese App hat im Laufe des letzten Jahres ein Update bekommen. Dieses vereint nun DB Navigator und DB Tickets in einer App, und es wird ein zugängliches Datums- und Zeit-Auswahl-Widget zur Verfügung gestellt, mit dem man wunderbar alle Angaben machen kann. Zusammen mit einigen Verbesserungen bei den verwendeten Webansichten ist nun das Heraussuchen von Verbindungen, Buchen von Tickets und das Vorzeigen im Zug mit der Android-App genauso möglich wie mit der App für iOS. Yay! 🙂

eBooks

Während sich bei Google Play Books wenig getan hat, ist die Amazon Kindle App, dem Beispiel der iOS-App folgend, auch unter Android inzwischen voll zugänglich, und man kann damit seine eBooks genauso lesen wie unter iOS. Das ist auch deshalb nicht überraschend, weil zumindest die englische Version von FireOS 3.0, die Ende 2013 zusammen mit den Kindle-Fire-HDX-Modellen erschien, diese Unterstützung ebenfalls bietet. FireOS ist ein Ableger von Android.

Kalender

In der ursprünglichen Fassung dieses Blogbeitrags schrieb ich im weiter unten stehenden Bereich der noch problematischen Dinge folgendes:

Zum einen ist dies der Kalender. Oh ja, auch der spricht inzwischen besser als damals, ich kann mit dem, was er mir erzählen möchte, aber nichts anfangen. Felder für Termine und Daten gehen munter durcheinander, und ich habe keine rechte Ahnung, was genau wohin gehört. Wenn hier jemand einen guten zugänglichen Ersatz kennt, bin ich für Hinweise immer dankbar!

Nach Veröffentlichung des englischsprachigen Posts hierzu erhielt ich auf der Eyes-Free-Mailingliste den Tipp, den Kalender in die Terminübersicht-Ansicht umzuschalten. Man aktiviert dafür oben links die Dropdown-Liste, deren Beschriftung „August 2014“ (oder welches Jahr und welchen Monat man eben gerade hat) lautet. Es öffnet sich ein Menü mit vier Optionen, und die unterste ist Terminübersicht. Diese ist in der Tat sehr zugänglich, und man kann problemlos erfassen, was an Terminen ansteht. Problem gelöst!

Andere Verbesserungen, die ich damals nicht als Problem erwähnte

Es gab in Android auch einige Verbesserungen, die in meinen ursprünglichen Posts keine Kritikpunkte waren, hier aber durchaus erwähnt werden sollten. So hat sich, wie oben bereits erwähnt, die Zugänglichkeit von WebViews in Android 4.4 merklich verbessert. Die GoogleMail-App liefert sogar so etwas mit, das stark nach ChromeVox klingt. Man muss lediglich zum Mailinhalt wischen, ihn nicht berühren, dann wird diese Unterstützung automatisch genutzt. Hiermit ist die Gmail-App inzwischen so gut zugänglich wie unter iOS seit einem Update im Frühjahr. Auch ist es nicht mehr nötig, in den Einstellungen für Bedienungshilfen die Skriptunterstützung für Webansichten einzuschalten, das passiert jetzt völlig automatisch.

Apps wie Google+ laufen unter Android sogar besser als unter iOS! Auch die Twitter- und Facebook-Apps haben erhebliche Verbesserungen bei der Zugänglichkeit erfahren, seit es in beiden Firmen Teams gibt, die für die Barrierefreiheit zuständig sind und die entsprechenden Ingenieure so schulen, dass diese die Zugänglichkeit bei neuen Features gleich mit beachten. Klappt sowohl unter iOS als auch Android noch nicht immer reibungslos, aber doch immer öfter! 🙂

Und eines sollte auch noch erwähnt werden: Chrome folgte dem Beispiel des Firefox und implementiert jetzt auch einen echten TalkBack-Support. Dieser steht seit Version 35 zur Verfügung. Somit ist Chrome keine selbst sprechende Anwendung mehr und integriert sich besser mit TalkBack und anderen alternativen Screen Readern.

Weitere Apps mit guten Alternativen

Etwas, das ich im Ausland viel nutze, ist eine App zur Geldschein-Erkennung. Unter iOS mache ich das immer mit dem LocTel Money Reader. Unter Android gibt es dafür inzwischen u. a. die App Blind-Droid Wallet, mit der ich gute Ergebnisse erzielt habe.

Auch für die Navigation scheint es inzwischen etwas vernünftigeres zu geben, u. a. die App DotWalker. Ich habe sie noch nicht testen können, bekam sie heute Vormittag erst empfohlen. Sie scheint nicht ganz den Funktionsumfang von BlindSquare zu beherrschen, aber auf einem guten Weg zu sein. Und wer weiß, vielleicht gibt es BlindSquare ja auch bald mal für Android! 🙂

Dinge, für die ich noch Alternativen suche

Von meiner Liste bleibt eigentlich nur ein Bereich übrig, für den ich bisher noch keinen adäquaten Ersatz bzw. eine Entsprechung gefunden habe.

Und dieser betrifft die Kamera und Gallerie. Auch diese scheint besser geworden, zumindest was die Kamera angeht, die Gallerie ist aber genauso unzugänglich wie damals, und das betrifft auch Apps, die diese einbeziehen, wie der ABBYY TextGrabber. Ich weiß von Benutzern eines Samsung Galaxy S5, dass Samsung sowohl bei der Kamera als auch der Gallerie richtig was getan haben und sich das für sie fast wie auf einem iPhone anfühlt, mit Gesichtserkennung, Panoramaunterstützung und so weiter, bei Google-Nexus-Geräten ist dies jedoch leider absolut nicht der Fall. Hier wären also Alternativen echt spannend.

Fazit

Von der Menge an Punkten, die ich damals zu kritisieren hatte, ist tatsächlich nur einer übrig geblieben, und dieser könnte durchaus als Nice-To-Have durchgehen. 😉

Es ist also sehr erfreulich zu sehen, dass Android aufholt und sich kontinuierlich verbessert und es somit tatsächlich mal eine ernstzunehmende Alternative zu Apples iPhone gibt! Auswahlmöglichkeiten sind auch für unseren Personenkreis sehr wichtig! Android als Alternative ist für mich jedenfalls heute viel wahrscheinlicher als vor einem Jahr!

Und nun freue ich mich auf eure Kommentare!

…und das Ergebnis ist, dass ich das HTC One, mit dem ich zuletzt experimentierte, verkauft habe und für mich kein Umstieg auf Android stattfinden wird.

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen hat Android 4.3 deutlich nicht das an Fortschritt bei der Zugänglichkeit gebracht, das ich mir erhofft habe. Lediglich ein TalkBack-Update brachte die Fähigkeit mit, kontinuierlich durch Listen wischen zu können. Und selbst das haben sie vergeigt: Beim Scrollen landet man auf dem Element, das von ganz unten nach ganz oben wandert, zweimal, man muss also nicht nur auf das Fertigstellen des Scrollens warten, sondern auch dann noch ein weiteres Mal wischen, um auf das nächste Element zu kommen. Wer bei Google diese Dinge programmiert, hat von vernünftiger Usability jedenfalls keine Ahnung.

Weiterhin ist es mir doch egal, ob Android mich jedesmal zutextet, welcher Typ Tastatur erscheint. Das großspurig als „Verbesserung der Tastaturunterstützung“ zu deklarieren, ist Makulatur. Umlaute kann ich deswegen immer noch nicht schreiben.

Und auch bei den Apps, die mir wichtig sind, hat sich in den letzten Monaten nichts signifikantes getan. Fixes an Button-Labels in einem Update wurden mit dem Redesign des nächsten Updates gern auch mal wieder verloren.

Will man sich ein vernünftig zugängliches Android bauen, das kein Google Nexus Android ist, verliert man die Fähigkeit, over the air zu aktualisieren. Man braucht also fürs Flashen neuer Firmware-Updates immer wieder sehende Hilfe. Und Google Nexus Android ist ja nur auf einer limitierten Auswahl von Geräten verfügbar.

Und ein wesentlicher weiterer Grund hat einen Ausschlag gegeben, der nichts mit Barrierefreiheit zu tun hat. In Android 4.3 macht Google es einem deutlich schwerer, seinen aktuellen Standort nicht mit ihnen zu teilen. Schaltet man die Funktion trotzdem aus, funktionieren auf einmal 3/4 der Apps nicht mehr oder nicht mehr richtig. Man ist also gezwungen, Googles Werbepartnern seinen Standort zu verraten, damit diese einem dann personalisierte und ortsbezogene Werbung aufdrängen können. Tut mir leid, aber da vertraue ich meine Daten dann doch viel eher einer Firma an, deren Agenda es ist, mir Hardware zu verkaufen, als einer, die mir Werbung verkaufen will.

Auch die Tatsache, dass man sich gegen heimliche Systemupdates nicht wehren kann, die quasi einer Installation eines Rootkit nahekommen, was anderswo als Malware gilt, trugen dazu bei, dass ich mein HTC One verkauft habe und mein neues Smartphone seit dem vergangenen Donnerstag ein iPhone 5s ist, das seine erste Feuerprobe am Wochenende bereits mit Bravur bestanden hat.

Ich werde Android in Zukunft nur noch dafür nutzen, den Firefox zu testen, und zwar auf von meinem Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Geräten. Ansonsten ist das Experiment „Umstieg auf Android“ für mich beendet.

Nach meinem Experiment, auf Android umzusteigen, ging mein Beobachten der Entwicklung und meine Forschung wie angekündigt weiter. Zum einen erschien vor kurzem eine erste Beta von TalkBack 3.4, welche einen meiner großen Kritikpunkte beseitigt: Kontinuierliches Scrollen beim Wischen durch Listen! Zum anderen gibt es mehrere Punkte an der Hardware des Nexus 4 auszusetzen, die im laufe der Zeit zu echten Störfaktoren wurden. Da ist zum einen ein bisher nicht gefixter Bug mit WLAN-Verbindungen. Nach jeweils ein, zwei Tagen bricht die Übertragungsrate regelmäßig gnadenlos auf unter ISDN-Geschwindigkeit ein. (nein, es ist kein von der Telekom gebrandetes Nexus 4 mit eingebauter Drosselfunktion! 😉 ). Dieser Bug betrifft laut mehrerer Issues im Android-Projekt diverse Besitzer von Nexus-4-Geräten und ist auch in Android 4.2.2 nicht behoben. Zum anderen ist das Glas auf der Rückseite des Nexus 4 sehr rutschig. Das Handy schliddert gern mal über Tischplatten oder rutscht aus der Hand. Trotz der Polykarbonat-Ränder habe ich nicht das Gefühl, einen guten Grip zu haben. Und dann ist da der Lautsprecher-Schlitz, der, sobald man das Handy auf eben so eine Tischplatte legt, so zugedeckt ist, dass die Sprachausgabe kaum noch verständlich ist.

Auch ging mir das HTC One der Herzdame nicht aus dem Kopf. Da ist zum einen die sehr gut verarbeitete Hardware, die so dicht an von Apple verbaute Hardware-Qualität rankommt wie kein anderes mir bekanntes Android-Smartphone. Und da ist zum anderen Beats Audio, die Technologie, die aus den Lautsprechern dieses Smartphones einen Sound holt, der einen echt glauben lässt, man hätte einen mittelgroßen Ghetto-Blaster vor sich stehen. Und da ich gern mal unterwegs Musik höre, reizte es mich schon sehr.

Nun ja….Es wohnt jetzt ein zweites HTC One hier, im von der Herzdame bevorzugten Schwarz, nicht in Silber, und das silberne wanderte dann zu mir. Wenn alles gut geht, werde ich das Nexus 4 demnächst verkaufen.

Tun was alle tun: CyanogenMod draufspielen

Fast schon reflexartig wurde dann CyanogenMod 10.1 Nightly für das HTC One installiert. Ein Kurztest mit der ursprünglichen Version der HTC-Firmware hatte gezeigt, dass weder die Telefon-App, noch die Tastatur, noch diverse weitere Systemprogramme mit TalkBack zusammenarbeiteten. Also taten wir, was fast alle blinden Android-Nutzer tun, die kein Nexus-Smartphone direkt erwerben. CyanogenMod gibt, wenn man vom Launcher Trebuchet absieht, dem Benutzer fast ein Nexus-Android. Als Launcher installierten wir Apex. Dabei übernahm die Herzdame die Installation, weil der Teil des Flashens nicht mit Sprachausgabe zugänglich ist, und machte das Gerät auch sonst fit für mich. Sie hat damit zum Glück viel Erfahrung!

Es lief danach auch soweit alles ganz ordentlich. Trotz der Tatsache, dass es sich um eine Entwicklerversion handelte, war an der Stabilität nichts auszusetzen. Allerdings gab es ein großes Problem: Beats Audio war nicht enthalten. Die Lautsprecher klangen dünn und flach, so wie beim iPhone oder iPod, oder eben dem Nexus 4. Zwar Stereo, aber eben ohne wirklichen Druck. Eine Recherche förderte zu Tage, dass auch die angekündigte HTC One Nexus Experience zwar über Beats Audio verfügen, dies aber nicht abschaltbar sein wird. Auch sonst wird die Nexus-Experience einige Hardware-Features nicht unterstützen.

Da ich aber auf diese Features nicht verzichten wollte, gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder das Zurückspielen der originalen HTC Firmware oder das Verwenden eines dieser Firmware sehr nahe kommenden Custom ROMs.

Achtung! Die bereits und im folgenden beschriebenen Schritte können zu einem Verlust des Garantieanspruchs führen! Rooten, das Entsperren des Bootloaders und das Installieren von Custom ROMs werden oft nicht akzeptiert, selbst wenn eindeutig ein Hardwaredefekt, der definitiv von der Software unabhängig ist, vorliegt. Auch ist das, was ich im folgenden beschreibe, nicht von einem Blinden selbstständig durchführbar. Man braucht hierfür zwingend sehende Unterstützung. Es gibt keine Skripts zur Automatisierung und keine verlässlichen Abzählmuster, um diese Vorgänge in der Recovery im Blindflug durchzuführen.

TrickDroid to the Rescue!

Da die Sense-Oberfläche nicht wirklich zugänglich ist, blieb als Antwort auf diese Frage nur Möglichkeit 2 übrig. Die Herzdame hatte sich das Custom ROM TrickDroid auch schon seit längerem auf ihr HTC One geflasht. TrickDroid ist eine HTC-Firmware mit Bugfixes und Tweaks. So kann man es anweisen, die Sense-Oberfläche zu deinstallieren (sog. De-Sensing), man kann einen eigenen Launcher installieren usw. Passenderweise bietet TrickDroid u.a. den Apex gleich als einen Ersatz-Launcher an. Auch ist Titanium Backup, die wohl mit Abstand beste Backup-Software für Android, bereits ins ROM integriert. Gerade ist Version 7.5, die internationale Version basierend auf Android 4.2.2, erschienen.

Also wurde nach einem Backup mit eben jenem Titanium Backup auch auf mein HTC One zunächst TrickDroid geflasht. Dabei wurde gleich das De-Sensing aktiviert, ein Adblocker installiert und auch OpenVPN-Support gleich mit eingeschaltet. Auch der Apex-Launcher wurde ausgewählt.

Nach erfolgreichem Neustart ging die Herzdame wieder ins Recovery, um weitere Tweaks vorzunehmen. So stellte sie ein, dass Custom GPS Config auf Europe stand. Sie aktivierte den AOSP Lock Screen und die Kamera und schob ein De-Sense an. Der Apex-Launcher und OpenVPN-Support wurden eingeschaltet. Keyboards außer German wurden deaktiviert.

Nach einem weiteren Start in den Recovery-Modus wurden Apps aktiviert und deaktiviert. Dies kann man nach den eigenen Wünschen und Bedürfnissen natürlich anders wählen als ich.

Nach dem Reboot und ersten Setup wurde schnell klar, dass die Tastatur nur teilweise zugänglich ist. Die Buchstaben funktionieren zwar, die Leertaste, Entfernen und Satzzeichen hingegen jedoch nicht. Die Lösung ist, sich die Tastatur aus dem Android Open Source Project (AOSP) zu installieren. Das geht aber nur mit Kniffen. In diesem Forums-Thread bei XDA-Developers haben wir uns die „Flashable“ ZIP-Datei dieser Tastatur heruntergeladen. Die Schritte, um sie tatsächlich zum Laufen zu bringen, sind wie folgt:

  1. Die Android-Tastatur aus dem CyanogenMod-Backup wiederherstellen.
  2. Diese dann von einer System- auf eine Benutzer-Komponente herunterstufen.
  3. Diese Tastatur dann unter Einstellungen/Sprache & Tastatur erst einmal deaktivieren.
  4. Die aus dem Forums-Thread heruntergeladene flashable Version per Recovery installieren.

Dies gibt uns endlich eine voll zugängliche Tastatur. Im nächsten Schritt muss dann über Einstellungen/Apps (Achtung! Nicht bei Sprache & Tastatur, sondern tatsächlich in den Apps!) die Komponente „HTC Sense Input“ deaktiviert werden. Nach einem weiteren Neustart des Handys ist die HTC-Tastatur nun vollständig verschwunden und kann nicht mehr dazwischenfunken.

Im nächsten Schritt werden per Titanium Backup die gewünschten Apps und deren Einstellungen wiederhergestellt. Dabei sollte man tunlichst darauf achten, CyanogenMod-spezifische Apps nicht wiederherzustellen. Zum einen sind viele für den täglichen Gebrauch nicht zwingend notwendig, zum anderen gibt es z. B. beim Musikabspieler bessere Alternativen als den Apollo. Und obendrein läuft man Gefahr, sich das System zu zerschießen.

Auf das Wiederherstellen der Benutzerkonten wie Google, Facebook usw. sowie der Systemeinstellungen muss man leider verzichten. CyanogenMod und TrickDroid sind hier nicht zueinander kompatibel, und ein Versuch, die Systemeinstellungen wiederherzustellen, führt zur Instabilität des Betriebssystems und vieler Apps. Beim Wiederherstellen von Apps und Daten werden jedoch auch einige Konten, die nicht unter den Konten in den Systemeinstellungen auftauchen, wiederhergestellt, so dass man nicht alle drölfzig Login-Vorgänge wiederholen muss, nur zwölfundzwanzig. 😉

Was geht nicht?

Ja, auch das gibt es hierbei zu beachten. Die Indikatoren für die WLAN-Signalstärke und die Mobilfunkverbindung werden von TalkBack nicht gesprochen. HTC bzw. TrickDroid verwenden eine andere Software-Komponente als das AOSP- bzw. Nexus-Android, und diese beiden Indikatoren sind nicht zugänglich. Während man für die Batterie, die zunächst auch nicht zugänglich ist, eine Einstellung vornehmen kann, dass der Füllstand in Prozent angezeigt wird, haben die Herzdame und ich für die WLAN- und Mobilfunk-Indikatoren bisher keine Lösung gefunden.

Fazit

Trotz dieser Einschränkung bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Das HTC One arbeitet flüssig, die Apps funktionieren, die Synchronisation von Musik und der tolle Klang der durch Beats Audio unterstützten Lautsprecher machen eine sehr gute Figur.

Und es zeigt sich, wie mächtig die offene Architektur von Android sein kann. Man kann selbst eine zunächst weitgehend unzugängliche Android-Variante durch Tweaks und einige Handarbeit auch für unseren Personenkreis zugänglich machen, ohne auf gerätespezifische Features wie in diesem Fall Beats Audio und das tolle Hardware-Erlebnis, verzichten zu müssen.

Meine Beobachtung und weiteren Tests, die mich vielleicht ja doch demnächst zu einem Umstieg führen können, werden jedenfalls jetzt mit diesem HTC One weitergehen!