Apple AirPods: Meine Ersten Eindrücke

Durch eine unerwartete Warenlieferung an meinen örtlichen Apple Store war ich kurz nach Weihnachten in der Lage, mir einen Satz AirPods, die neuen drahtlosen Ohrhörer von Apple, zuzulegen. Hier sind meine ersten Eindrücke.

Auspacken und Pairing

Die Apple AirPods sind komplett drahtlose Ohrhörer. Sie kommen in einem kleinen Ladekästchen, das die AirPods über mehrere Abschnitte mit insgesamt ca. 24 Stunden Batterrieladung versehen kann. Selbst wird es per üblichem Lightning-Anschluss aufgeladen. Ein USB-zu-Lightning-Kabel liegt bei. Die AirPods selbst laufen mit einer Ladung etwa fünf Stunden. Setzt man sie dann in die Ladebox ein, haben sie nach bereits einer Viertelstunde wieder Ladung für weitere drei Stunden.

Die Box ist schön gestaltet, die beiden Ohrhörer werden reliefartig auf dem Deckel fühlbar, ähnlich wie dies z. B. schon lange bei iPhones auch üblich ist. Zum Lieferumfang gehört neben dem Kabel und dem Ladekästchen inkl. EarPods nur noch etwas Papierkram, eine Kurzanleitung, die eh niemand braucht. 😉

Die AirPods sitzen magnetisch gehalten im Ladekästchen. Die Halterung ist so konstruiert, dass jeder Ohrhörer nur in genau einer Position in die Box passt. Hat man den richtigen Ansatz gefunden, hilft der Magnetismus dabei, den Ohrhörer in die genau richtige Position zu bringen. Der Deckel der Ladebox ist ebenfalls mit einem Magnetverschluss versehen und schließt sicher.

Das Verpartnern der AirPods mit dem eigenen iOS-Gerät ist denkbar einfach: Dank des Apple W1 Chip öffnet man lediglich die Box neben seinem iPhone oder anderen iOS-Gerät und tippt auf Verbinden. Die AirPods werden sofort verpartnert und die Verpartnerung auch an alle anderen mit derselben iCloud-ID angemeldeten iOS-Geräte, Apple Watches und Macs weitergereicht. Voraussetzung ist lediglich, dass das Gerät mit iOS 10, WatchOS 3, MacOS 10.12 Sierra oder dem neuesten TVOS auf dem Apple TV der 4. Generation läuft. Man muss die AirPods also nicht auf jedem seiner Geräte extra neu koppeln.

Audioqualität und VoiceOver-Performance

Wer die Apple EarPods, also die Headsets, die mit iPhones mitgeliefert werden, kennt, kennt im Grunde auch den Klang der AirPods. Die Form ist fast identisch, der Stil, wo bei den EarPods das Kabel aus den Ohrsteckern kommt, ist bei den AirPods nur etwas länger, und der Teil, der ins Ohr eingesteckt wird, ein ganz klein bisschen größer. In meinen Ohren saßen schon die EarPods super, die AirPods sitzen perfekt. Ich habe es bisher auch nicht geschafft, sie durch Kopfbewegungen oder Positionswechsel zu verlieren. Die häufigste Ursache, warum EarPods aus den Ohren rutschen, dürfte eh Kabelzug sein, und der fällt hier ja weg.

Auch die Klangqualität ist den EarPods sehr ähnlich. Der Bass kommt noch etwas kräftiger, die Mitten und Höhen sind ähnlich brillant wie bei den kabelgebundenen Geschwistern.

Die Performance mit VoiceOver ist sehr gut. Es gibt kaum eine Verzögerung, wie man sie manchmal von anderen Bluetooth-Headsets oder -Kopfhörern kennt. Apple scheint bei der Eigenentwicklung des W1-Chips Wert darauf gelegt zu haben, dass es möglichst eine geringe Latenz gibt. Auch hat Apple in iOS 10.2 nochmals an dieser Performance geschraubt. Ich besitze auch ein paar Beats Solo3 Wireless-Kopfhörer, die ebenfalls mit einem W1-Chip ausgestattet sind, und die Latenz war vor iOS 10.2 definitiv höher.

Das Mikrofon

Die AirPods besitzen auch in jedem Ohrstecker ein Mikrofon. In der Standardeinstellung wird das richtige automatisch ausgewählt, um den möglichst besten Klang zu erreichen. Die Mikrofone haben bei Aufnahmen in z. B. der App Sprachmemos definitiv leichte Artefakte, die vom zur Verfügung stehenden Bluetooth-Protokoll herrühren. Die Qualität ist aber durchaus sehr annehmbar. Gerade wenn man telefoniert, dürften diese kaum ins Gewicht fallen. Ein Freund, der durch eine Hörbehinderung sehr kritisch ist, was Sprachverständlichkeit angeht, beschrieb sie mir so, dass die Tiefen und Höhen definitiv beschnitten sind, die Mitten dafür aber sehr kräftig kommen und für ihn S-, T- und P-Laute sehr gut hörbar waren. Die Qualität gefällt mir persönlich auch sehr, definitiv auch besser als bei den in den Beats Solo3 verbauten Mikrofonen, welche noch viel stärker nach GSM-Telefon klingen, selbst wenn man eine Aufnahme in Sprachmemos macht.

Die AirPods haben vom Mikrofon her also einen Klang, der dem der Mikrofone in den EarPods kaum unterlegen sein dürfte. Selbst WhatsApp-Sprachnachrichten kommen damit immer noch in einer annehmbaren Qualität rüber, können aber natürlich nicht mit dem Volumen und der Klarheit des ins iPhone oder iPad eingebauten Mikrofons mithalten. Aber das können die EarPods auch nicht. 😉

Handhabung mit mehreren Geräten

Die AirPods verbinden sich standardmäßig immer mit dem zuletzt verwendeten Gerät, wenn man sie aus der Ladebox nimmt und sich ins Ohr steckt. Gerade wenn mehrere bekannte Geräte in Reichweite sind, wie dies zu Hause ja in der Regel der Fall sein dürfte, bedeutet dies, dass keine automatische Umschaltung auf ein anderes bekanntes Gerät erfolgt, wenn man dieses zur Hand nimmt. Man muss also einmal übers Kontrollzentrum, Seite 2 das Audioziel auf die AirPods einstellen, und schon kommt sowohl VoiceOver als auch die Musikwiedergabe über die AirPods. Selbiges gilt auch für die Apple Watch und den Mac. Bei MacOS findet man die AirPods im Bluetooth-Extra-Menü.

Eine noch intelligentere Übernahme wäre natürlich wünschenswert, z. B. wenn man das iPad zuklappt und das iPhone zur Hand nimmt, das Apple TV schlafen schickt und zum iPad wechselt o. ä. Aber da Apple ja die Kontrolle über sämtliche Hard- und Software hat, dürfte hier auch noch mit weiteren Verbesserungen der Benutzbarkeit zu rechnen sein. Mich stören die paar Handgriffe jedenfalls nicht, wenn ich vom einen auf ein anderes Gerät wechseln will.

Weitere Beobachtungen

Die Handgriffe, um die AirPods aus ihrer Ladebox zu entnehmen oder sie dort wieder einzusetzen, gehen schnell in Fleisch und Blut über. Es geht definitiv schneller als das ständige Entwirren der EarPods-Kabel. Auch die Bewegungsfreiheit durch das Wegfallen der Kabel ist etwas, das ich sehr genieße. Das iPhone kann beim Hören von Musik oder ähnlichem in der Hosentasche verbleiben, und man muss nicht befürchten, es durch unbedachte Bewegungen am Kabel herauszuziehen und einen Absturz zu riskieren, wenn sein Eigengewicht stärker ist als die Steckverbindung. Gerade bei früheren 3,5-mm-Klinkenstecker-Modellen ist mir ein iPhone durchaus schon mal aus geringer Höhe abgestürzt.

Auch meine Befürchtung, ich könne mit der Akkulaufzeit nicht zurecht kommen, hat sich nicht bestätigt. Dadurch, dass man sie einfach immer in die Ladebox zurück packt, wenn man sie gerade nicht verwendet, laden sie sich ja ständig wieder auf. Man muss halt nur dafür sorgen, dass man die Box nachts immer auflädt, ähnlich wie die Apple Watch.

Fazit

Die „kabellose Zukunft“ von Apple gefällt mir sehr gut. Die AirPods sind ordentlich verarbeitet, das Ladekästchen ebenso, und es ist darüber hinaus ein echter Handschmeichler. Die AirPods sind so eines der Produkte, weswegen viele Apple lieben: Sie funktionieren einfach. Dieses super einfache Koppeln mit einem Tippen, das diese Kopplung per iCloud an alle anderen kompatiblen angemeldeten Geräte weiterreicht, ist eine echt feine Sache! Dass man nicht mehr mit Kabeln herumhühnern muss, ist ein echter Gewinn. Und die Audiosynchronisierung zwischen den beiden AirPods hat bei mir bisher keinen Grund zur Klage gegeben. Es kommt alles sauber in Stereo, so wie es soll. Die Performance mit VoiceOver ist sehr gut. Einzig das Handoff zwischen Geräten beim offensichtlichen Wechsel darf noch etwas reibungsloser und mit weniger Tipparbeit passieren. Aber Apple sind ja erst am Anfang dieses Weges, und dafür funktioniert’s schon echt prima!

6 Gedanken zu „Apple AirPods: Meine Ersten Eindrücke“

  1. Wie sieht es denn mit der Gestenbedienung (glaube Antippen an die Kopfhörer aus), funktioniert hier alles zuverlässig? Wie sind so die Erfahrungen mit Siri-Befehlen zur Musiksteuerung, da die Kopfhörer völlig ohne Knöpfe daherkommen, ist man ja darauf angewiesen?

      1. Hallo Marco,

        da ich selbst noch keine Zeit hatte mir die AirPods anzusehen, habe ich mit Interesse deinen Beitrag gelesen. Ich denke damit hat man schonmal einen sehr guten Überblick deiner ersten Erfahrungen gewinnen können.

        Auf ein paar Punkte bist du allerdings nicht näher eingegangen, daher möchte ich folgende Fragen stellen:
        – Wie gut funktioniert die Musikwiedergabe (vor allem die Lautstärkesteuerung) und Anrufannahme per Siri? Vor allem auch in etwas lauteren Umgebungen?
        – Wie gut funktioniert das Pairing bei Modellen ohne W1-Chip?
        – Haben die AirPods mehrere Größen für die Ohrstecker?
        – Verfügen die AirPods über ein Neckband (oder alternative Sicherung)? Wäre ja schon ungünstig, wenn man die z.B. in Bus oder Bahn verliert. Dann hätte man 180 € quasi „in den Gully“ gespült.

        1. In einer wirklich lauten Umgebung war ich bisher noch nicht, und nein, ich war tatsächlich auf keiner Silvesterparty. Bei allen bisherigen Einsätzen hat die Spracherkennung mit Siri aber sauber funktioniert. Die Mikrofonaufnahme ist auf die Stimme zugeschnitten, sie bringt besonders Mittenfrequenzen deutlich in den Vordergrund, und wie man bei Apple nachlesen kann, haben die Mikros eine Unterdrückung von Umgebungsgeräuschen.

          Es gibt keine unterschiedlichen Aufsätze für verschiedene Größen. Wie bei den drahtgebundenen Earpods gibt es eine Größe, und das war’s. Die AirPods sind quasi die EarPod-Stecker ohne jegliches Anhängsel.

          Und damit zu Deiner nächsten Frage: Apple liefert keine Sicherungsbänder oder sonst etwas mit. Die AirPods werden ins Ohr gesteckt und halten dort für meine Begriffe ziemlich gut. Das Herausfallen der EarPods geschieht eh meistens durch Kabelzug, und der fällt bei den AirPods ja komplett weg. Und sollte man doch mal einen verlieren, braucht man nicht gleich ein ganzes neues Set zu kaufen, sondern bekommt bei Apple Ersatzteile zu geringeren Preisen.

          Der W1-Chip sitzt in den AirPods, nicht den iOS-Geräten. Voraussetzung für das iOS-Gerät ist lediglich, dass es iOS 10 nutzt, um die ultra einfache Koppelung hinzubekommen. Ältere iOS-Versionen habe ich hier nicht mehr im Einsatz, meine Geräte können alle iOS 10. Insofern kann ich nicht sagen, wie sich die AirPods mit älteren Versionen von iOS koppeln lassen. Selbiges gilt für MacOS: Ich habe hier auf meinem Mac Sierra, also die neueste Version, im Einsatz, wie die AirPods mit älteren Versionen spielen, kann ich nicht testen.

  2. Huhu Marco,

    Deine Erfahrungen kann ich nach 3 Wochen Testzeit bestätigen. Folgende Fragen habe ich:

    1. Wie ist bei Dir untr iOS das Lautstärkeverhältnis zwischen Systemklängen (z.B. bei der Ankunft von Mails) oder Klicktönen beim Schreiben und der VoiceOver-Stimme? Hier gibt es bei mir Lautstärkeschwankungen, die ich für einen Bug halte. Ich hab das schon dem Accessibility Team gemeldet, und die haben das weitergegeben.

    2. Ich hatte gestern den Eindruck, dass entweder das iPhone meines Taxifahrers und/oder seine mit Bluetooth Access ausgestatete Anlage meine airPods störten. Als ich aus dem Taxi ausstieg, war das Problem weg. Ich habe das gestern bei Apple Care gemeldet, gehe aber von einem Firmware oder iOS-Problem aus. Die Hardware der airPods scheint mir in Ordnung zu sein.

    3. Wenn ich die airPods an einem Windows PC verwende, verstummen sie gelegentlich, und ich muss sie neu verbinden oder zurücksetzen. Reproduzierbar hervorrufen kann ich das leider noch nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass das auftritt, wenn die Trennungv vom ihone nicht zu 100 % gelungen ist. Möglich wäre allerdings auch, dass sich meine Bluetooth Zeile und die airPods in die Quere kommen. Allerdings trat bei einem kurzen Versuch mit derselben Braillezeile am iPhone das Problem nicht auf.

    Trotz dieser beschriebenen Ungereimtheiten möchte ich die airPods schon jetzt nicht mehr missen. Ihre Firmware lässt sich ja updaten, indem man sie in einem WLAN nahe dem iOS Gerät in die Box steckt und die Box ans Stromnetz oder einen Rechner hängt.

    LG

    Juvo

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