Eine Fahrt in einem Tesla Model S

Ich hatte es neulich auf Twitter und Facebook schon mal angedeutet, aber hier möchte ich nochmal ausführlicher über meine erste Fahrt bzw. Mitfahrt in einem Elektroauto berichten.

Letzte Woche wurde ich vom Mozilla-Büro abgeholt und zum Flughafen Toronto gefahren. Der Fahrer fuhr ein Tesla Model S, also ein Elektroauto. Es war das erste Mal, dass ich mit so einem Wagen mitgefahren bin. Hybridautos wie die von Toyota kannte ich schon, aber eben noch kein vollelektrisches Fahrzeug.

Und ich muss sagen, dass ich tief beeindruckt war. Außer einem leisen Sirren beim Beschleunigen und Abbremsen war kein Motorengeräusch zu hören. Das Sirren erinnerte mich an moderne U oder S-Bahn-Züge, nur nicht so laut. Ansonsten war das einzige Geräusch dasjenige, welches durch die Interaktion von Reifen und Straßenbelag verursacht wurde. Je besser der Belag, desto ruhiger glitt das Auto dahin. Und ja, es fuhr nicht, es glitt förmlich. Keine Vibrationen durch einen Motor, und selbst auf dem Stück Autobahn, das wir fuhren, konnte man sich bequem unterhalten, da es kaum lauter war als im Stadtverkehr. Das Fahren fühlte sich regelrecht edel an.

Als Blindem sind mir aber natürlich die Probleme, die dies für mich und andere als Fußgänger verursacht, sehr bewusst. Als wir ausgestiegen waren und der Fahrer abfuhr, hörte ich nichts davon. Die anderen Autos waren einfach zu laut, genauso wie der restliche Umgebungslärm. Solange diese Autos also mit den lärmenden Benzinern und Dieseln koexistieren müssen, brauchen sie eine akustische Markierung nach außen hin, sonst hört man sie nicht. Wenn so ein Auto an einer Ampel steht, hört man es schlicht und einfach nicht. OK, das gilt auch für Hybrid-Fahrzeuge, aber die machen ja ab irgend einem Punkt wieder Motorengeräusche.

Der Fahrer sagte aber was sehr interessantes, als wir während der Fahrt über diese Problematik sprachen. Er fährt vorsichtiger, seit er den Tesla fährt. Ihm ist sehr wohl bewusst, dass Menschen auf der Straße ihn nicht hören können, und er meinte damit nicht nur Blinde.

In meiner Brust schlagen definitiv zwei Herzen: Das eine ist das umweltbewusste, das ganz klar möchte, dass sich diese Autos sehr sehr schnell durchsetzen und die Benziner und Diesel von der Straße verdrängen. Das andere ist das des Blinden, der immer hofft und bangt, dass die Fahrer von Elektroautos so verantwortungsbewusst sind und die akustischen Warnvorrichtungen, die es in Elektroautos gibt, nutzen und nicht grundsätzlich abschalten. Erst, wenn alle Autos elektrisch sind und keine lärmenden Altfahrzeuge sie mehr übertönen können, ist ein sicheres Miteinander ohne akustische Sondervorrichtungen wieder möglich, denke ich.

5 Gedanken zu „Eine Fahrt in einem Tesla Model S“

  1. Wir haben vor ein paar Wochen das erste mal einen Opel Ampera ausgeliehen. Das ist zwar grundsätzlich kein reines Elektroauto sondern hat einen Generator, der die Batterie lädt mit der Motor angetrieben wird, falls mal die Elektrizität ausgeht.

    Die nicht vorhandene Geräuschkulisse und das stufenlose Anfahren sind einfach eine Wucht und es macht einfach Spaß ohne laute Motorengeräusche zu fahren.

    1. Oh ja, das glaube ich Dir! Ich erinnere mich noch gut an meine erste Fahrt in einem dieser Toyotas, die bei den Hybriden Vorreiter waren. War eine Taxifahrt. Hat mich auch schon sehr beeindruckt. Aber diese Elektroantriebe mit nur zur Not zugeschaltetem klassischen Motor sind noch mal eine ganze Qualitätsstufe besser! 🙂

  2. Der Tesla ist schon ’ne tolle Maschine, was? Da braucht es schon ein paar Stunden, bis das dümmliche Grinsen wieder nachlässt. 🙂 Ich habe mir ’n BMW i3 ausgeliehen, und … nun, sagen wir mal: WOW.

    Interessant finde ich die Differenzierung, daß das leise Motorgeräusch nur so lange ein Problem darstellt, bis die große Mehrheit von Fahrzeugen elektrisch fahren. Übrigens betrifft das nicht nur Blinde – ich verlasse mich tagtäglich auf die Geräusche, die um mich herum entstehen, wenn auch nicht so stark wie dies ein Blinder tut. Ein Kollege von mir rauscht täglich mit seinem Prius an mir vorbei, und ich habe schon manchen Renault Zoe, BMW i3 und sogar zwei BMW i8 von Nahem gesehen.

    Für E-Autos ist schon ein Warnton-Generator im Gespräch. Für die Toyota ist er schon verfügbar. In diesem Artikel ist ein Video verlinkt, in dem man das futuristische Summen hören kann.

  3. Vielleicht wäre im Zusammenhang mit der Verbreitung von Elektroautos wie dem Tesla auch die Einführung autonom fahrender Autos letztendlich gar keine so schlechte Sache. Daran tüfteln Google, Apple und andere ja schon seit einiger Zeit.
    Dann wäre man nicht mehr auf das Verantwortungsbewusstsein der Fahrer oder dessen kompletten Verlust (z.B. nach Alkoholkonsum) angewiesen. Das könnte auch uns durchaus entgegenkommen.

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