OpenPGP unter iOS einrichten

Heutzutage möchte man E-Mails nicht mehr nur auf dem Desktop- oder Laptop-Computer lesen und schreiben. Der mobile Zugriff per Smartphone oder Tablet sind inzwischen mindestens genauso wichtig. Das gilt natürlich auch für verschlüsselte E-Mails.

In diesem Artikel geht es um die Einrichtung und Nutzung von OpenPGP-Verschlüsselung unter iOS. Und wie heißt es so schön in einem sozialen Netzwerk? „Es ist kompliziert.“ Nun ja, nicht so kompliziert, dass es eine unüberwindliche Hürde wäre, aber doch eher umständlich. Dies liegt vor allem daran, dass das iOS-Mail-Programm keine Erweiterungen unterstützt und selbst keine Unterstützung für OpenPGP mitbringt.

Man muss also auf Apps von findigen Entwicklern zurückgreifen, die die Funktionalität zur Verfügung stellen und die Inhalte zwischen sich und der Mail-App hin und her reichen. Die umfassendsten und gangbarsten Lösungen, die ich bei meinen Recherchen gefunden habe, sind die kostenpflichtigen Apps iPGMail und oPenGP (beides iTunes Partner-Links). Ich werde anhand von iPGMail die Vorgehensweise erläutern, oPenGP ist ähnlich aufgebaut. Beide Apps sind für iPhone und iPad gedacht.

Grundsätzlicher Aufbau

iPGMail ist in fünf Tabs (Register) unterteilt:

Keys enthält die Schlüssel. Oben kann man die Anzeige nach öffentlichen (public) oder privaten Schlüsseln umschalten. Ein Tippen auf einen Schlüssel zeigt dessen Details an.

Decode dient zum Entschlüsseln von Text in der Zwischenablage oder aus Mail heraus übertragenen Anhängen (siehe unten).

Compose dient zum Erstellen von Mails.

Files beinhaltet die lokal gespeicherten heruntergeladenen oder aus iTunes übertragenen Dateien und bietet Zugriff auf Dropbox und iCloud. Hier können entschlüsselte Mails gelesen, Keys importiert, Dateien verschlüsselt o. ä. werden.

Settings enthält alle Einstellungen. Hier kann man das Entsperren per PIN und/oder Fingerabdruck (iPhone 5s, 6, 6 Plus oder iPad Air 2) einrichten, Dropbox und iCloud an- und abschalten, einstellen, wie oft nach der Passphrase gefragt werden soll usw.

Ersteinrichtung

Nach der Installation der App hat man zwei Möglichkeiten. Entweder man fängt ganz frisch an, weil man OpenPGP bisher noch nicht eingesetzt hat und erstellt ein neues Schlüsselpaar. Die Vorgehensweise ähnelt stark der Einrichtung unter Windows oder OS X: Man gibt Namen und E-Mail-Adresse an, wählt ggf. die Verschlüsselungsstärke, wobei der Standardwert OK ist, und lässt das iOS-Gerät den Schlüssel generieren. Die Option findet sich unter „Add“ auf dem Register „Keys“ der Anwendung.

Oder man hat seine Schlüssel schon unter Windows oder OS X erzeugt und möchte sie auch unter iOS nutzen. Dann muss man zuerst die Schlüssel in der jeweiligen Schlüsselverwaltung inklusive privatem Schlüssel exportieren (letzteres ist ganz entscheidend!) und diese dann per iTunes-Dateiübertragung oder notfalls per iCloud oder Dropbox auf das iOS-Gerät übertragen. Aus Sicherheitsgründen empfehle ich hier den Weg über iTunes: Gerät anschließen, in iTunes das Gerät auswählen, Register Apps, iPGMail auswählen und die Datei(en) des Exports hierher kopieren. Dann synchronisieren, so dass sie auf dem Gerät landen.

Alternativ speichert man sie in Dropbox, aktiviert dieses über den Settings-Tab auf dem Gerät, geht auf Files, wählt unter „Folders“ Dropbox aus, tippt die Datei an und wählt „Download“. Sie landet dann im lokalen Speicher und sollte danach umgehend aus der Dropbox gelöscht werden.

Nun öffnet man die Datei und wählt unter Actions dann „Decode“. Man wird nach der Passphrase des privaten Schlüssels gefragt, und danach sind die Schlüssel unter Keys im Reiter „Public“ und „Private“ zu finden.

Tipp: Beim Exportieren kann man auch alle anderen öffentlichen Schlüssel gleich mit auswählen, die man von Kontakten bekommen hat. So kann man den aktuellen Stand einmal in einem Rutsch in iPGMail importieren.

Empfangene E-Mail entschlüsseln

Empfängt man nun eine verschlüsselte mail in der iOS Mail App, gibt es zwei Möglichkeiten:

Die Mail ist mit Inline-PGP, also dem verschlüsselten Text im Mailtext verfasst. In diesem Fall muss man den kompletten Mailtext markieren und in die Zwischenablage kopieren. Dann geht man nach iPGMail, wählt die Registerkarte „Decode“ und wählt oben links den Schalter „Import“. Ggf. wird man nach der Passphrase gefragt, und die decodierte Mail landet dann in den Files.

Die bequemere Variante ist, dass man eine Mail im PGP/MIME-Format bekommen hat. In diesem Fall enthält die Mail zwei Anhänge. Der wichtige Anhang ist derjenige mit Namen encrypted.txt. Diesen lange antippen (VoiceOver-User: Doppeltippen und halten). Es öffnet sich dann ein Menü „Öffnen mit“, und man wählt hier iPGMail aus.

Der Mailtext wird nun automatisch decodiert und landet in den Files. Ggf. wird man nach der Passphrase gefragt. Spätestens jetzt zeigt sich noch ein großer Vorteil von PGP/MIME, denn das Umgehen hiermit ist wesentlich bequemer als das Markieren vielleicht mehrere Bildschirmseiten langer Mailtexte.

Erstellen oder Beantworten von Mails

Verschlüsselte Mails werden in iPGMail erstellt und dann an die Mail-App zum Versenden übergeben. Eine neue Mail erstellt man über das Register „Compose“. Auf eine Mail antwortet man, indem man die entschlüsselte Version unter „Files“ öffnet und dann oben rechts auf „Reply“ drückt.

In beidem Fällen öffnet sich ein Fenster zum Erstellen einer Mail. Man wählt die Absender-ID aus, gibt ggf. Empfänger ein (entfällt normalerweise bei Antworten), fügt ggf. Anhänge hinzu, die dann ebenfalls verschlüsselt werden, und schreibt seine Mail. Im Fall einer Antwort ist die ursprüngliche Mail im Klartext zum Zitieren schon vorhanden.

Zum Abschluss überträgt man mit dem Send-Schalter die Mail an die Mail-App. Sie wird verschlüsselt und dann als PGP/MIME-Mail in einer neuen Mail geöffnet. Nach Überprüfung des Absenders kann man hier einfach auf Senden drücken, und raus geht die Mail!

Fazit

Das war’s im Prinzip schon! Es ist wegen der Beschränkungen von iOS leider nicht möglich, die Ver- und Entschlüsselung von Mails direkt in der Mail-App vorzunehmen. Hier bleibt die Hoffnung, dass Apple sein Erweiterungssystem in Zukunft vielleicht dahingehend erweitert, dass solche Mail-Plugins möglich werden. So muss man sich eben immer vergegenwärtigen, Mails erst in iPGMail zu schreiben und dann an Mail zu übertragen. Und das Lesen der entschlüsselten Mail findet eben auch in iPGMail statt, nicht in der Mail-App selbst.

Wie sich andere Mailprogramme wie die App für Gmail oder Gmx mit iPGMail vertragen, habe ich nicht getestet. Fest steht, dass die Übergabe einer geschriebenen Mail immer an die interne Mail-App erfolgt. Ob man aus anderen Mail-Apps die Anhänge von PGP/MIME-Mails ebenfalls so öffnen kann, entzieht sich meiner Kenntnis.

Wie ich oben schon schrieb: OpenPGP in iOS zu nutzen ist möglich, aber komplizierter als unter Windows oder OS X, weil man immer mit zwei Apps hantieren muss. Aber es ist eben nicht unmöglich, und das ist heute ja nicht ganz unwichtig! 😉

3 Gedanken zu „OpenPGP unter iOS einrichten“

  1. Hallo Marco,

    danke für die Serie, ich glaube das ist ziemlich wichtig. Zur Übersendung des Kays mit Dropbox: Einige Menschen, die sich mit Kryptografie auseinandersetzen, würden argumentieren, dass der Key dadurch komprommitiert ist das er den eigenen Computer (oder vertraute Geräte) verlassen hat. Ich würde daher auch unbedingt empfehlen den Schlüssel über iTunes an das iPhone/iPad zu senden.

  2. Es könnte so einfach sein, wenn die Leute einfach mehr auf S/MIME anstelle des nicht standardisierten PGP setzen würden. Anstatt sich mehr für S/MIME einzusetzen und dafür, dass es dort mehr nichtkommerzielle Zertifizierungsstellen gibt, werden die Leute mit PGP überfordert, welches nirgendwo ohne Plugins funktioniert und wo der Nutzer sich um alles was mit Schlüssel zusammen hängt selbst kümmern muss. In meinen Augen steht PGP einer weiten Verbreitung von E-Mail-Verschlüsselung massiv im Weg.

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