Kurzes Update zu VoIP oder nicht VoIP

Inzwischen ist VoIP keine Frage mehr. Nach noch ein wenig mehr Recherche, einigem weiterem Feedback auf meine bisherigen zwei Artikel zum Thema und einem ausführlichen Gespräch mit meiner Herzdame habe ich am vergangenen Montag eine Vertragsverlängerung mit neuem Tarif bei der Telekom beantragt. Der Auftrag wurde mir bestätigt, und die Umstellung soll am 09.07.2014 erfolgen. Man darf gespannt sein!

VoIP oder nicht VoIP, Sammlung von erstem Feedback und weitere Recherche

Nach meinem ersten Post zum Thema Umstieg auf VoIP für unseren Telefonanschluss gingen nicht nur hier ein paar Kommentare ein, sondern auch auf Facebook und Twitter. Hier zunächst mal einiges öffentliches Feedback zu meinem Post von Twitter:

…und einen einzigen Tweet mit echter Problembeschreibung nach der Umstellung:

Das Feedback ist also relativ anbieterunabhängig überwiegend positiv zu bewerten.

Auf Facebook kam noch die Frage auf, was denn eigentlich mit Analoganschlüssen nach der Umstellung passiert, wo überhaupt kein DSL vorhanden ist. Darauf gibt der C’T-Artikel aus Ausgabe 23/2012, S. 124 ff. Antwort, der leider nur als kostenpflichtiger Download zur Verfügung steht. Bei solchen Anschlüssen übernimmt die Telefongesellschaft, also in der Regel die Telekom, den Internetzugang in der Vermittlungsstelle. Die Geräte dafür heißen POTS (Plain Old Telephone System), und der Anschlussinhaber bekommt davon im Zweifel gar nichts mit.

Ein weiterer angesprochener Punkt ist die sog. Nomadisierung des Anschlusses. Das bedeutet, dass man seinen Festnetzanschluss nutzen kann, auch wenn man in einem fremden WLAN angemeldet ist, indem man einen Sip-Client auf dem Computer oder Smartphone installiert und mit seinen Zugangsdaten füttert. Sipgate unterstützt diese von Haus aus, weil es sich hier um einen Anbieter ohne Festnetzbindung handelt. Die Telekom unterstützt sie ebenfalls. Andere Anbieter wie O2 unterstützen sie nicht. Man erkennt dies in der Regel daran, ob man für seinen Zugang echte Zugangsdaten bekommt (wie bei der Telekom) oder einen Router, den man einsetzen muss und der sich nur mit einer PIN im Netz anmeldet und alles andere selbst übernimmt (O2). Bei der Nomadisierung ist nur ein wichtiger Punkt zu beachten: Wählt man einen Notruf, gehen Polizei und Feuerwehr davon aus, dass man sich an seinem Festnetzort befindet. Ist man woanders, muss man dies entweder selbst mitteilen können oder im Vorwege konfigurieren, welchen Standort der VoIP-Anbieter im Falle eines Notrufs übermitteln soll, wie man dies z. B. bei Sipgate konfigurieren kann.

Apropos Sip-Clients: Für Windows gibt es den Client PhonerLite, welcher weitgehend gut zu bedienen ist und bei Sipgate sogar direkt, mit den eigenen Daten vorkonfiguriert, heruntergeladen werden kann. Für Screen-Reader-Benutzer ergeben sich ein paar leichte Probleme mit nicht beschrifteten buttons und manchmal einer etwas eigenwilligen Tastaturbedienung. Ansonsten scheint es aber nach meinen bisherigen Tests gut mit NVDA zusammenzuarbeiten.

Für iOS bin ich nach etwas Recherche auf Acrobits Softphone gestoßen, der vollständig mit VoiceOver bedienbar ist. Die Konfiguration von Sipgate ist denkbar einfach, und durch die Möglichkeit, Anrufe per Push-Service entgegenzunehmen, muss dieser Client auch nicht ständig im Hintergrund laufen und Batteriestrom verbrauchen.

Eine weitere Frage, die bei uns aufkam, und für die ich mal etwas recherchiert habe, ist die des Datenschutzes und der Abhörsicherheit von VoIP-Gesprächen im Vergleich zu Festnetztelefonie. Habe einen Forums-Thread dazu gefunden, der mir der vielversprechendste erschien. Die wirklich wichtigen Infos stehen in den Beiträgen 6 und 7, das Fazit des Fragestellers in Beitrag 8.

Ein letzter Punkt in diesem Beitrag betrifft die viel beworbene HD-Telefonie, die mit VoIP möglich wird. Die Realität hierzu scheint im Moment noch zu sein, dass netzintern (also von Telekom zu Telekom oder Sipgate zu Sipgate) bei entsprechenden Endgeräten auf beiden Seiten Verbindungen problemlos zustandekommen, dies über Netzgrenzen hinweg aber noch nicht funktioniert. Da die Sprachqualität in der Tat deutlich höher ist als beim herkömmlichen Codec (der Frequenzumfang verdoppelt sich fast), ist zu hoffen, dass im Zuge der immer weiter fortschreitenden Umstellung auf VoIP diese Netzgrenzen wegfallen.

Ich danke nochmals allen, die mir auf verschiedenen Wegen Feedback zu meinem ersten Beitrag gegeben haben! Feedback ist auch weiterhin sehr willkommen, das Projekt ist noch nicht abgeschlossen, die Entscheidung für eine baldige Umstellung noch nicht gefallen. 🙂

VoIP oder nicht VoIP, das ist hier die Frage

Nun, um ehrlich zu sein, es ist wohl inzwischen tatsächlich keine Frage mehr des „ob“, sondern des „wann“, dass in Deutschland alle Telefonanschlüsse auf die moderne IP-Technologie (Internet-Protokoll) umgestellt werden. Meldungen wie diese verfestigen den Eindruck, dass es dem klassischen Telefonanschluss, mit dem ich aufgewachsen bin, tatsächlich an den Kragen geht. Es wird davon ausgegangen, dass mit ISDN und analogen Anschlüssen spätestens 2018 schluss ist.

Dies war Grund genug für mich, mich endlich mal darum zu kümmern, wie meine eigene Festnetz-Telefonversorgung in Zukunft aussehen soll. Denn eines ist klar, ein „weiter so“ wird nicht mehr lange gehen.

Dabei bin ich, was IP-basierte Anschlüsse angeht, kein unbeschriebenes Blatt. In einer etwas turbulenten Zeit vor etwa vier Jahren war ich ein Dreivierteljahr Inhaber eines Anschlusses bei Alice (heute Telefónica O2), der IP-basiert war. Und, ach herrjee, hatte ich Probleme! Verbindungsabbrüche, sehr problematische Verständlichkeit der Sprache, wenn eine Seite eine Freisprecheinrichtung nutzte, und ein immer wieder mal hörbares Rauschen waren nur drei der Probleme, mit denen ich zu kämpfen hatte. Das guckte ich mir, wie gesagt, ein knappes Dreivierteljahr an und wechselte dann dank einer vierwöchigen Kündigungsfrist zur Telekom. Die bot mir nicht nur einen „sicheren Hafen“ mit einem analogen Anschluss, sondern obendrein auch noch einen VDSL-50-Anschluss, der in meiner damaligen Wohnlage ganz frisch verfügbar war. Wow, was für ein Gewinn!

Wiederum ein Dreivierteljahr später zog ich aus der Hamburger Randlage in meine heutige Wohnung in Hamburg Barmbek-Süd um und nahm den Telefonanschluss gleich mit. Ein halbes Jahr später bohrte ich diesen auf einen ISDN-Anschluss auf, weil eine veränderte Lebenssituation eine weitere Telefon- und eine Faxnummer erforderte. 😉 Auch ein IP-basierter Anschluss wurde mir vorsichtig angeboten, da die schlechten Erfahrungen aber erst zwei Jahre zurück lagen, lehnte ich dankend ab.

Dieser Vertrag ist nun ausgelaufen und läuft halt so weiter, aber es ist eben ein ISDN-Anschluss mit inzwischen allgemein veralteter Technik. ISDN wurde in den 1990er Jahren eingeführt und hat sich seitdem quasi nicht verändert. Wie in der C’T 23/12, S. 124 ff. zu lesen ist, gibt es inzwischen immer mehr Probleme bei der Versorgung mit Ersatzteilen für diese alte Technik, und Mitarbeiter der Telefongesellschaften mit dem Knowhow dafür gibt es aus Altersgründen auch immer weniger.

Dabei gibt es noch ein weiteres Problem, das mich beim Thema VoIP-Anschluss recht misstrauisch stimmt und welches z. B. auch in diesem PC-Welt-Artikel zum Thema angeschnitten wird: Ist der Strom weg oder das Internet ausgefallen, ist auch die Telefonversorgung weg. Bei zwei Menschen mit Schwerbehinderungen durchaus kein unwesentlicher Faktor, denn es kann ja immer ein Notfall eintreten, der ein schnelles Absetzen eines Anrufs erforderlich macht. Bei näherer Betrachtung stellte sich aber heraus: Dieses Problem habe ich mir schon mit einem ISDN-Anschluss eingehandelt, zumindest was den Aspekt des Stromausfalls angeht. Ein NTBA (ISDN-Box der Telekom) hat seine eigene Stromversorgung. Ist die weg, funktioniert höchstens noch eine Notspeisung aus der Telefondose. Da in diesem Haushalt aber kein reines ISDN-Endgerät außer der Fritz!Box mehr vorhanden ist, hätten wir im Fall eines Stromausfalls tatsächlich kein Telefon.

Von Telekom-Mitarbeitern wird für diesen Fall immer gern angeführt: „Ja, aber heute hat doch jeder ein Handy!“ Das stimmt, und auch in diesem Haushalt gibt es zwei davon. Allerdings befindet sich dieser Haushalt auch in einem verdammt solide gebauten Neubau von 2010. Während draußen die Versorgung mit LTE beim Vollanschlag ist, ist diese Versorgung schon beim Betreten des Treppenhauses und dem Zufallen der Haustür auf Edge reduziert. 3G hat hier auch noch nie funktioniert. In der Wohnung schwankt die Versorgung mit Edge zwischen 0 und 3 Balken (iPhone). Ja, es gibt regelmäßig den Fall, dass das Handy tatsächlich keinen Netzempfang hat. Das betrifft übrigens nicht nur Mobilfunkanschlüsse der Telekom, sondern aller vier – ach nee, bald sind’s ja wohl nur noch drei – Anbieter. Besonders im Wohnzimmer ist die Versorgung mit Mobilfunk sehr wackelig. Ob und wie dies gelöst werden kann, weiß ich noch nicht.

Auch muss ich zugeben – und ich werde von der Telekom nicht dafür bezahlt, dass ich das schreibe -, dass in den drei Jahren, die ich jetzt in Barmbek wohne, der DSL-Anschluss kein einziges Mal ausgefallen ist. Ausfälle lagen entweder an einer abgestürzten Fritz!Box oder am Verschlucken der Time Capsule, die bei uns das primäre WLAN zur Verfügung stellt. Ich schätze mal vorsichtig eine Verfügbarkeit von 99,9%. Das beruhigt, zumal bei Wegfall bei einer eventuellen Umstellung auf der Leitung nur noch ein Signal läuft, nämlich das DSL-Signal, das ISDN-Signal aber wegfällt, eventuelle Störeinflüsse also noch weiter verringert werden würden. Also sind die Bedenken wegen der Trennung von Telefon- und Internetversorgung zwar nicht gänzlich zerstreut, aber doch zumindest sehr stark vermindert.

Um nach diverser Lektüre von Foren, der Infoseite zum IP-basierten Anschluss der Telekom, zeitschriften- und Online-Artikeln mal echte VoIP-Erfahrungen jenseits von Skype und FaceTime zu sammeln, besorgte ich mir nun einen Zugang zu Sipgate Basic. Bei diesem Prepaid-Tarif bindet man sich vertraglich nicht, hat aber eine Rufnummer und die Möglichkeit, einen VoIP-Anbieter auf aktuellem Stand zu testen.

Die Einrichtung in der Fritz!Box 7390 war kinderleicht, innerhalb von Minuten konnte ich den Anschluss nutzen. Beim Testen stellten meine Herzdame und ich fest, dass mein olles Gigaset ASS28H, 2008 gebaut und 2010 für 30 Euro bei Saturn gekauft, sogar schon HD-Telefonie kann. Weitere Tests zeigten bisher, dass keine der Kinderkrankheiten von meinem damaligen Alice-Anschluss hier bisher aufgetreten sind. ich telefonierte heute Vormittag länger mit meiner Mutter, und sie hat fast immer die Freisprecheinrichtung an. Es gab keine Abbrüche, keine Sprachverständigungsschwierigkeiten und keine Echos. Ihr Anschluss ist ein ganz klassischer Analoganschluss der Telekom.

Auch bei Anrufen zu meiner Schwester (bei Alice) und besten Freund, bei dem ich nach einer Umleitung auf dem Handy landete, gab es keinerlei bzw. die bei Handytelefonaten durchaus üblichen akustischen Effekte. Beide bestätigten mir auch, dass ich nicht anders klingen würde als sonst.

Nach diesen ersten positiven Erfahrungen werde ich mit Sipgate noch weiter testen, die Bedenken zerstreuen sich aber zusehens. Auch beim „Gerätepark“ muss nichts erneuert werden. Die Fritz!Box 7390, immer auf dem aktuellen Stand gehalten, kann nicht nur VDSL, sondern auch seit der FritzOS-Version 6.0 das Vectoring, das VDSL nochmals aufbohrt. IP-Telefonie über diverse Anbieter, HD-Telefonie usw. gehören genauso zum Funktionsumfang, da braucht nichts nachgerüstet werden. Im Gegenteil: Sollten wir uns zum Umstieg bzw einer Vertragsverlängerung mit Umschalten zu einem IP-basierten Anschluss entscheiden, würde der NTBA und der Splitter (Frequenzweiche für ISDN und DSL) wegfallen, also weniger Kabel und ein Stromfresser weniger vorhanden sein. Ich bin gespannt, wie’s weiter geht!

Habt ihr Lust, mal eure Erfahrungen mitzuteilen, wenn ihr schon auf VoIP umgestellt habt oder umgestellt wurdet? Ich wäre sehr wissensdurstig! 😉