Ich kehre zu Windows zurück

Dieser Post ist inzwischen nicht mehr aktuell. Für die Gründe lies bitte hier. Der Inhalt wird jedoch unverändert bestehen gelassen, da er meine Gedanken und Beweggründe zu jener Zeit widerspiegelt und somit ein „historisches Dokument“ darstellt.

Ja, ich kehre tatsächlich zurück! Nach fünf Jahren Mac als Privatcomputer steige ich wieder auf Windows um, sobald mein Lenovo-Notebook nächste Woche geliefert wird.

Und ihr fragt euch zurecht, wie das sein kann, warum ich nach so langer Zeit als überzeugter Apple-Nutzer wieder zu einem Windows-Laptop zurückkehre. In diesem Blogbeitrag versuche ich, darauf eine Antwort zu geben, ein paar Einblicke in die Gründe für den Umstieg aufzuzeigen und zu erklären, warum VoiceOver und seine Bedienkonzepte und meine Arbeitsweisen nicht mehr zusammenpassen.

Ein wenig Geschichte

Als ich 2008 anfing, mich mit dem Mac zu beschäftigen, war mir schnell das Potential klar, dass ein Ausliefern eines Screen Readers mit einem Mac hat. Einen Screen Reader mit einem Betriebssystem zu bündeln kannte ich schon von Linux bzw. dem GNOME Desktop. Apples Vorteil ist jedoch, dass sie genau wissen, welche Hardware in ihren Rechnern steckt. Ein blinder Anwender kann sich also sicher sein, dass er einen Mac, den er sich gekauft hat, auch selbstständig einrichten kann.

Unter Windows und Linux besteht dagegen das Problem, dass das Betriebssystem nie weiß, welche Hardware es vorfindet. Da braucht nur mal eine supertolle neue Soundkarte eingebaut worden sein, für die die aktuelle Version des Betriebssystems noch keine Treiber hat, und schon kann eine Sprachausgabe ihre Mitteilungen nicht mehr loswerden. Auf Rechnern von der Stange ist das sicher nicht so das Problem, auf selbst gebauten Rechnern dagegen durchaus. Da kann Microsoft oder die Linux-Distribution noch so schöne Möglichkeiten bieten, Sprachausgaben während der Installation zu starten: Ohne Soundkartenunterstützung läuft nichts.

Und VoiceOver hatte auch in OS X 10.5 Leopard schon viele Features. Es ging nicht nur das Browsen im Internet schon ganz ordentlich, auch Braillezeilen liefen, Mail sowieso, und der Kalender war einer der zugänglichsten, den ich auf Desktops jeder Coleur je gesehen hatte. Dies bezieht den Outlook-Kalender und die diversen Screen-Reader-Unterstützungen mit ein. An einer von denen hatte ich ein paar Jahre zuvor ja sogar selbst mitgearbeitet. Und einige Apps von Drittherstellern liefen auch. Mein erster Twitter-Client war ein Mainstream-Mac-Programm, das viele Sehende auch genutzt haben.

Am Anfang gab es eine durchaus zu erwartende Lernkurve. VoiceOvers Paradigma, mit Elementen zu interagieren, unterscheidet sich in Teilen grundlegend von dem, was man von Windows her gewohnt ist. Gerade das sogenannte Interagieren mit Elementen wie Symbolleisten, Tabellen oder Webinhalten kann zu Beginn sehr verwirrend sein. Wer mit VoiceOver nicht vertraut ist: Interagieren heißt hineinzoomen. Eine Tabelle bekommt dann auf einmal Zeilen und Spalten, eine Tabellenzeile individuelle Tabellenzellen, und jede Zelle den detaillierten Textinhalt, wenn man nacheinander in jedes dieser Elemente hineinzoomt, in die Hierarchie „hinabsteigt“.

2009 erschien dann OS X 10.6, auch unter dem Namen Snow Leopard bekannt. Es gab eine Fülle neuer Features. So gab es nun eine Unterstützung der TrackPads moderner MacBooks und später auch des Magic TrackPad, die der Bedienung von iOS-Geräten wie dem gerade erschienenen iPhone 3G S nicht unähnlich war. Die Elementliste, VoiceOvers Entsprechung einer Liste von Links oder Überschriften, wurde um diverse Elemente von Webseiten erweitert. Es gab nun Webspots, die entweder selbst erkannt oder frei definierbar waren. Sogenannte VoiceOver-Steuerungen erlaubten das Zuweisen verschiedenster VoiceOver-Befehle und Skripts an Tastenkombinationen oder Touch-Gesten. Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere noch: Snow Leopard kostete 29 Euro, und neben dieser Fülle an neuen VoiceOver-Features brachte es natürlich eine ganze Reihe anderer neuer Features mit, die für alle gedacht waren. Ein geflügeltes Wort war: Andere Screen-Reader-Hersteller brauchen drei Updates, um diese Menge an Features einzubauen, und verlangen auch gleich genauso viele Updategebühren dafür. Und es stimmte!

2011 erschien dann OS X 10.7, Codename Lion. Dieses brachte wiederum eine große Menge an neuen Funktionen mit, unter anderem wurden internationale Sprachausgabestimmen mitgeliefert, so dass man im Deutschen nicht mehr darauf angewiesen war, sich externe Stimmen wie die von AssistiveWare zu kaufen. Braille bekam internationale Unterstützung, inklusive Kurzschrift. Und es gab eine ganze Menge weiterer neuer Features für die Barrierefreiheit, über die ich ausführlicher in meinem Beitrag zu OS X Liongeschrieben habe.

Die ersten Probleme

In Lion tauchten auch die ersten Probleme auf. Einige Funktionen fühlten sich nicht zu Ende gedacht oder implementiert an. So war und ist es bis heute nicht möglich, in der deutschen Kurzschrift die Großschreibung abzuschalten. In normaler Literatur wird im Deutschen nichts außer Abkürzungen wie GmbH und die Anrede „Sie“ groß geschrieben. Da im Deutschen ja jedes Nomen groß geschrieben wird, wäre das sonst eine viel zu große Platzverschwendung. Im Englischen werden nur Satzanfänge, Abkürzungen und Eigennamen groß geschrieben, so dass dort die Menge an groß zu schreibenden Wörtern viel geringer ist. Sowohl unter OS X als auch unter iOS ist die Großschreibung nicht abschaltbar, während dies in anderen Screen Readern unter Windows zum Standardumfang gehört. Platz auf einer Braillezeile ist kostbar! Ich reichte hierfür auch einen Bug ein, dieser wurde aber irgendwann archiviert, ohne dass etwas passiert wäre.

Auch andere Probleme mit Braille schlichen sich ein. So muss ich aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen bis heute oft zweimal oder noch öfter auf eine Routingtaste drücken, bis sich der Cursor bequemt, an die gewünschte Stelle zu springen. Unter Windows ist eine Reaktion mit der richtigen Cursoranzeige ausnahmslos sofort gegeben. Weiterhin kann man in der Ausführlichkeit für Braille zwar die Menge an Informationen einstellen, aber was für einen bestimmten Elementtyp angezeigt wird, ist nicht veränderbar. So ist ein „geschlossen Schließdreieck“ genau das auf einer Braillezeile. Auf einer 14-stelligen Mobilzeile verschwendet das zwei Anzeigelängen, auf einer 40-stelligen Zeile immer noch genügend Platz, um kaum noch was anderes sinnvolles anzuzeigen.

Auch andere Funktionen gaben mir das Gefühl, dass sie nicht fertig geworden waren. So war, wie im oben verlinkten Blogbeitrag erwähnt, die Anzeige von WAI-ARIA-Landmarks sehr umständlich. Das war umso unverständlicher, wenn man bedachte, dass dieselbe Ansage unter iOS so wunderbar funktionierte. Die Vocalizer-Sprachausgaben hatten einen Chipmunk-Effekt, der zuerst zwar recht lustig war, im täglichen Einsatz dann aber doch sehr nervte.

OK, dachte der Apple Fanboy, der ich nun einmal war, warten wir auf die Updates, das sind so offensichtliche Fehler, dass sie garantiert behoben werden. Aber nichts dergleichen geschah. Die inkrementellen Updates brachten zu keinem meiner an Apple berichteten Probleme Korrekturen.

Ein Jahr später erschien dann Mountain Lion, OS X 10.8. Auch hier gab es einige neue Features, aber viel weniger als vorher. Zugegeben, während zwischen den Versionen 10.5, 10.6 und 10.7 jeweils zwei Jahre lagen, war nun lediglich ein Jahr vergangen. Es wurden ein paar kleine und nicht zu spannende neue Funktionen nachgereicht wie die Möglichkeit, Spalten in Tabellen neu anzuordnen. Safari lernte mehr HTML5 und WAI-ARIA und war weniger oft beschäftigt als vorher, aber das war’s dann auch im Grunde schon. Bis auf den Chipmunk-Effekt wurden beschriebene Probleme nicht behoben.

Auch schlichen sich neue Probleme ein. Ich besitze eine Handy Tech Modular Evolution als Schreibtisch-Braillezeile. Diese funktionierte auf einmal von einem Mountain-Lion-Update zum nächsten nicht mehr, und es dauerte mehrere inkrementelle Updates, so dass die Zeile über vier bis fünf Monate im Grunde nur Platz auf dem Schreibtisch verschwendete.

Und so ging es weiter

Und so ging es auch mit OS X 10.9 Mavericks weiter. Wieder kamen nur einige wenige neue Features hinzu, alte Probleme wurden nicht behoben, aber neue eingeführt. So funktioniert seit dem Update meine Laptop-Zeile Handy Tech BrailleStar 40 nicht mehr. Sie wird schlicht nicht erkannt, wenn man sie an den USB-Port anschließt. Wie ich in einer Google-Group gelesen habe, ist Handy Tech das Problem bewusst, aber sie können nichts machen, weil Apple die Braillezeilentreiber selbst programmiert. Man kann nur hoffen, dass das Problem noch in einem 10.9 Update gefixt wird.

Aber auch in anderen Bereichen gab es deutliche Verschlimmbesserungen. Das Handling von Konversationen in Mail ist jetzt echt umständlich. Die einzelnen Mails sind nur noch eingebettete Objekte, keine echten Tabellenzellen mehr wie in 10.7 und 10.8, und wenn man eine Konversation anwählt, springt der Fokus immer auf die neueste Mail. Man muss also selbst nach rechts auf die älteren Mails navigieren, um die Unterhaltung linear lesen zu können, dann natürlich von rechts nach links.

Auch dem Kalender hat ein neuerliches Redesignen nicht wirklich gut getan. Es ist zwar alles irgendwie zugänglich, jedoch so verschachtelt und teilweise mit so unberechenbaren Fokussprüngen, dass er zwar rein technisch zugänglich, aber nicht mehr benutzbar ist. Der Kalender scheint eh in jeder Version neu designt zu werden, wenn man nach den Kommentaren sehender Mac-Benutzer geht.

Und dennoch ist ein zugänglicher Kalender eines der Dinge, die ich beim Umstieg auf Windows vermissen werde. Es gibt zwar Versuche, den Kalender in Outlook zugänglich zu machen, aber dieses Tätigkeitsfeld ist auch immer wieder der Anlass für Hotfixes und andere Update-Notwendigkeiten diverser Screen Reader. Ich werde in Zukunft meine Kalenderaktivitäten hauptsächlich von iOS-Geräten aus betreiben. Hier habe ich nämlich alles unter Kontrolle.

iBooks, welches neu in 10.9 ist, ist ein komplettes Zugänglichkeitsdisaster. Fast alle Buttons sind nicht beschriftet, und es ist sehr träge. Auch das kurz nach Erscheinen von Mavericks freigegebene Update und auch das große Update auf Mavericks 10.9.1 kurz vor Weihnachten 2013 lösten keines dieser Probleme.

Aktivitäten sind laut Aussage eines Bekannten ziemlich kaputtgegangen. Sie werden einfach nicht mehr gestartet, selbst wenn man sie neu einrichtet.

Und nun mal Butter bei die Fische!

Und hier sind wir beim ersten Grund dafür, dass ich wieder zu Windows zurück wechsle. All die oben erklärten Punkte summieren sich zu einem Eindruck, dass Apple längst nicht mehr so hinter VoiceOver auf dem Mac stehen wie früher und es inzwischen nur noch stiefmütterlich behandelt wird. Es bekommt längst nicht mehr die Aufmerksamkeit, die es vor ein paar Jahren noch bekam. Alte Bugs werden nicht behoben, neue eingeführt, die echte Produktivitätskiller sind. Und obwohl sie von Beta-Testern, von denen ich auch einer war, frühzeitig berichtet wurden, wurden sie nicht behoben wie die Punkte in Mail, dem Kalender oder iBooks.

Oh ja natürlich: Pages wurde endlich, nach über vier Jahren, zugänglicher und kann jetzt auch Tabellen in Dokumenten zugänglich machen. Mit Keynote kann man jetzt auch als VoiceOver-Anwender Präsentationen vorführen und diese auch kontrollieren. Diese wiegen aber die erwähnten Punkte nicht auf. VoiceOver müsste als integrierter Bestandteil des Betriebssystems viel mehr Pflege als diese erfahren, die es im Grunde seit dem Erscheinen von Lion, also seit fast 2,5 Jahren, bekommt.

Der nächste Punkt betrifft einen, der schon in diversen Foren und Mailinglisten heiß diskutiert worden ist. VoiceOver ist deutlich weniger effizient, wenn man im Internet surft als Screen Reader unter Windows. Das Navigieren von Element zu Element ist nicht wirklich schnell. Das Springen von Überschrift zu Überschrift hat je nach Komplexität der Seite auch immer Verzögerungen. Die Art, wie Apple seine Schnellnavigation entworfen hat, ist zu kompliziert. Man muss zum einen mit Pfeil Links + Rechts die Schnellnavigation einschalten, zusätzlich aber einmalig unter Steuerungen im VoiceOver-Dienstprogramm die Navigation mit einzelnen Buchstaben aktivieren. Ist die Schnellnavigation eingeschaltet, bewegt man sich nur mit Cursor links und rechts durch ein Dokument, nicht von oben nach unten, wie man es von Webinhalten, die ja immer noch weitgehend dokumentenbasiert sind, vermuten würde. Außerdem hat die zuletzt genutzte Schnellnavigationstaste Einfluss darauf, womit sich die Elementliste (VoiceOver+U) öffnet. Ist man zuletzt mit dieser Liste zu einem Link navigiert, hat danach aber z. B. mit den Schnellnavigationstasten Überschriften oder Formularfelder angesprungen, öffnet die Liste jetzt auf der Seite der Überschriften oder Formularfelder. Man muss dann erst mit Pfeil links und rechts zur Seite mit den Links umschalten. Das wird auf die Dauer sehr umständlich.

VoiceOver ist auch nicht gut darin, die zuletzt gelesene Stelle auf einer Webseite zu behalten. Sobald die Interaktion beendet und später neu gestartet wird, startet VoiceOver wieder am Anfang der Seite. Screen Reader unter Windows merken sich mit ihren virtuellen Cursorn die aktuelle Leseposition in Webdokumenten, auch in mehreren parallel geöffneten. Auch Skype, Adium und Apples eigene Nachrichten-App sind von diesem Problem betroffen. Man kann kaum in eine Unterhaltung hinein oder aus ihr heraus springen, ohne seine Leseposition zu verlieren. Auch die VoiceOver-Tastenkombination VoiceOver+J, um zwischen verbundenen Bildschirmelementen zu springen, hilft hier nicht wirklich. Die ist nämlich öfter mal kaputt, wird dann wieder repariert und ist später wieder oder anders kaputt. Apples eigene Nachrichten-App ist hierfür das beste Beispiel.

Es gibt noch viele weitere Kleinigkeiten, die mir in der Summe das Gefühl geben, wesentlich weniger produktiv zu sein, wenn ich mit VoiceOver im Web unterwegs bin als unter Windows.

Der nächste Punkt ist VoiceOvers Konzept der Interaktion mit Elementen. Wo dies nämlich auch zum Tragen kommt ist, wenn ich detailliert Text lesen möchte. Ich muss immer erst soweit mit den Elementen interagieren, bis ich auf der Textebene, der untersten Ebene, angekommen bin, um Text zeichen- oder wortweise lesen zu können. Nach Beendigung des ausführlichen Lesens von Text muss ich dann die Interaktionsebenen wieder hinaufklettern, um mit der Anwendung weiter zu interagieren oder zum nächsten Element zu gehen. Oh ja, es gibt durchaus Befehle, um zeichen-, wort- oder sogar satzweise zu lesen. Alle VoiceOver-Befehle werden jedoch mit der Tastenkombination Control+Auswahltaste eingeleitet. Die meisten Tastaturen wie die von MacBooks oder das Wireless Keyboard haben jedoch eine Control-Taste nur links. Die Buchstaben für diese Operationen werden auch mit links gedrückt. Ich muss also, wenn ich meine Hand nicht verdrehen will, die rechte Hand zu Hilfe nehmen. Sie muss also ihre normale Position verlassen und auf der linken Seite der Tastatur Buchstaben greifen, während die linke Hand Control und Auswahl festhält. Auch das Einschalten der Funktion „VoiceOver-Tasten feststellen“ trägt hier am ehesten noch zum Verkomplizieren des gesamten Vorgangs bei.

Dieses Modell der Interaktion wird auch auf die Erforschung des Bildschirms per TrackPad angewendet. Man ist ständig am Interagieren oder Aufheben der Interaktion, um ein Gefühl für den gesamten Bildschirm zu bekommen. Und selbst dann habe ich immer das Gefühl, ich könnte noch etwas übersehen haben. Anders auf iOS, wo ich immer das Gefühl habe, den ganzen Bildschirm im Griff zu haben und wo es dieses Modell der Interaktion mit Elementen gar nicht gibt. Zugegeben, einen ganzen Desktop-Bildschirm auf einem kleinen TrackPad abzubilden würde zu Elementen führen, die so klein sind, dass man sie nicht mehr richtig berühren könnte. Daher nutze ich diese Art der VoiceOver-Interaktion, wenn’s hoch kommt, lediglich vier- bis fünfmal pro Jahr zu ganz spezifischen Anlässen.

Ein weiteres Problem, das mir sehr oft im Weg steht, ist die inkonsequente Darstellung, die ich in Braille erhalte. Entweder zeigt Braille lediglich das an, was die Sprachausgabe mir vorliest, manchmal ist es eine semi-räumliche Darstellung der Bildschirmumgebung des Fokus, und manchmal ist es die Beschriftung für ein Element mit abgeschnittenem Text rechts oder links und dem Cursor nicht immer an vorhersehbaren Positionen. Die nicht abschaltbare Großschreibung in der deutschen Kurzschrift habe ich bereits erwähnt, sowie die Tatsache, dass ich die Routingtasten fast immer mehr als einmal drücken muss, damit der Cursor dahin geht, wo ich ihn haben will. Die Brailleimplementierung in VoiceOver hinterlässt einen sehr unfertigen Eindruck und fühlt sich an wie von jemandem gemacht, der selbst kein Braille liest und nicht weiß, worauf es bei der Benutzung einer Braillezeile ankommt.

Nächstes Problem: Textverarbeitung. Oh ja, Pages wurde in der neuen Version deutlich zugänglicher, wie bereits erwähnt. Dennoch sind es wieder die Bedienkonzepte von VoiceOver, die einem produktiven Arbeiten hier im Wege stehen. Will man etwas auf einer Symbolleiste einstellen, muss man den VoiceOver-Cursor vom Systemfokus abkoppeln. Tut man dies nicht, wird der System-Fokus aus dem Dokument heraus verschoben. Eventuell markierter Text wird entmarkiert, und das ganze Vorhaben ist hinfällig und muss von neuem begonnen werden. Hat man ihn entkoppelt, muss man später dran denken, ihn wieder zu koppeln, denn ansonsten kann es aus Gewohnheitsgründen zu anderen unvorhergesehenen Erlebnissen kommen, weil der System-Fokus auf einmal nicht dort ist, wo man ihn erwartet. Und wieder ist auch das Paradigma, dass VoiceOver fast nur horizontal navigiert, sehr unintuitiv, wenn es dazu kommt, dass mehrere Seiten in Pages, Nisus Writer Pro oder anderen Textverarbeitungen angezeigt werden. Für den Blinden erscheinen sie nämlich so nebeneinander, obwohl sie visuell wahrscheinlich untereinander angeordnet sind. Jede Seite ist auch ihr eigener Container, mit dem natürlich wieder interagiert werden muss. Dies alles hinterlässt bei mir das Gefühl, meine Dokumente nicht so im Griff zu haben wie unter Windows mit MS Word oder sogar OpenOffice oder LibreOffice in den aktuellen Entwicklerversionen. Auch bekomme ich unter Windows mehr Informationen frei Haus mitgeliefert, nach denen ich mit VoiceOver explizit suchen muss, wie z. B. die aktuelle Seitennummer, die standardmäßig angesagt wird. NVDA, und wahrscheinlich andere auch, hat auch Unterstützung für mehrsprachige Dokumente in Word. Ich höre also sofort, mit welcher Rechtschreibprüfung mein Text korrigiert wird, sogar runtergebrochen auf Sätze oder Absätze.

Weitere Probleme wurden bis zum heutigen Tage nicht angegangen. So gibt es keinen mir bekannten PDF-Leser, der mit für Zugänglichkeit getaggten PDFs klarkommt. Vorschau nutzt die Tags nicht und gibt einem auch in anständig getaggten PDFs nur die Ansicht, die es bei normaler Textextraktion gibt. Man hat also keine Navigation per Überschriften, keine Tabelleninformationen oder andere Dinge, die von zugänglichen PDFs unterstützt werden, zur Verfügung.

Außerdem gibt es kein zugängliches Flash-Plug-In für OS X. Dies hat schon des öfteren dazu geführt, dass ich eine virtuelle Maschine für Windows gestartet habe, nur um mir in Blogbeiträgen eingebettete Videos anschauen zu können. Dies ist nicht Apples Schuld, sondern die Schuldigen sind Adobe, die kein zugängliches Flash-Plug-In für OS X erstellen. Es fügt sich aber in die Reihe der Dinge ein, die dazu führen, dass ich unter OS X längst nicht so produktiv sein kann wie ich dies unter einem Desktop-Betriebssystem sein möchte. Klar, HTML5 Video ist auf dem Vormarsch und hält in immer mehr Videoportalen Einzug, aber Flash wird noch ein paar Jahre unser Begleiter sein, so dass ich auch in Zukunft immer wieder auf dieses Hindernis stoßen werde.

Fazit

Abschließend möchte ich noch einmal betonen, dass ich mit all den oben erwähnten Punkten nicht sagen möchte, dass Apple keinen guten Job gemacht hätten, was das allgemeine Konzept eines zugänglichen Desktop- oder MacBook-Rechners angeht. Gerade unter iOS haben sie in den vergangenen Jahren unglaubliches für Blinde und Menschen mit anderen Behinderungen geleistet! Und dass man sich heute einen Mac kaufen und diesen als Blinder selbstständig konfigurieren kann, kann nicht genug gelobt werden! Auch dies werde ich beim Umstieg vermissen, denn es ist unter Windows weiterhin nicht möglich, einen Rechner komplett neu aufzusetzen, ohne sehende Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen.

Es ist nur so, dass ich im Verlauf der Jahre festgestellt habe, dass einige Designentscheidungen, die Apple in Bezug auf VoiceOver getroffen hat, Bugs, die nicht behoben werden oder die einen nach Jahren neu eiskalt erwischen, und die Tatsache, dass Apps entweder weitgehend zugänglich sind, oder komplett gar nicht, und es kaum Zwischenstufen gibt, auf lange Sicht nicht mit mir und der Art, wie ich einen Desktop- oder Laptop-Computer produktiv nutzen möchte, kompatibel sind. Unter iOS habe ich nach wie vor das Gefühl, dass Apple mit Volldampf dabei sind, neue Zugänglichkeitsfunktionen in jedes Release einzubauen und Fehler zu beheben wie die von Jonathan Mosen in diesem englischsprachigen Blogbeitrag aufgezeigten Brailleprobleme. Bei OS X bin ich nicht mehr überzeugt davon, dass Apple noch mit all dieser Hingabe dabei sind. Ich habe auch allgemein das Gefühl, dass OS X demnächst ein Produkt mit weniger hoher Priorität als iOS sein wird. Aber auch das ist nur meine persönliche Ansicht.

Da haben wir’s! Das sind die Gründe, weswegen ich zukünftig privat mit einem Lenovo-Notebook und NVDA als meinem primären Screen Reader unterwegs sein werde. Beruflich werde ich weiter auch mit einem Mac arbeiten, privat wird jedoch mein MacBook durch ein Windows-Notebook abgelöst. Ich will schnell, effektiv, produktiv und mir sicher sein, dass meine Hilfstechnologie nicht auf einmal nicht mehr mit meiner Braillezeile funktioniert. Auch will ich sicher gehen, dass diese Hilfstechnologie nicht auf einmal von einer Geschäftsentscheidung betroffen ist, die weniger hohe Priorität auf sie setzt. Hersteller von Screen Readern sind unabhängige Firmen oder Organisationen und darauf ausgerichtet, ihre Software weiterzuentwickeln.

Und es gibt Auswahl. Wenn ein Screen Reader meinen Belangen nicht mehr genügt, gibt es andere, die dies dann höchstwahrscheinlich tun und die Lücke füllen können. Unter OS X gibt es diese Auswahl nicht.

43 Gedanken zu „Ich kehre zu Windows zurück“

  1. Danke, Marco, für diesen Artikel. Den Eindruck, den du von VoiceOver und Mac OS beschreibst und die Problme, die du schilderst, sind genau die Dinge, die ich mir auch denke, seitdem ich einen Mac habe und mir seit Lion ansehe, wo die Entwicklung hingeht.

    Ich verwende meinen Mac nur privat, nutze kaum Braille oder Office Anwendungen, und bin meistens mit den Standard-Apps von Apple unterwegs und komme damit, bis auf die von dir geschilderten Dinge, ganz gut klar, trotzdem überlege ich auch, ob ich dauerahft weiter Mac OS nutzen werde. Solange mein Mac Book funktioniert und es keinen Grund gibt neue Hardware anzuschaffen, werde ich es wohl weiter nutzen, aber sobald ein neues Notebook her muss, steht auch bei mir die Entscheidung an dabei zu bleiben, oder doch wieder auf Windows bzw. Linux zurück zu wechseln, wobei ich die beiden letztn Systeme beruflich eh noch nutze und auch privat noch sehr viel mit Linux mache.

    Das Experiment Mac OS nicht sofort abzubrechen hat eigentlich zur Zeit nur den einen Grund für mich, mämlich dass ich schon zu viel Geld in den Mac und die darauf verwendete Software gesteckt habe. Das jetzt von einen auf den anderen Tag hinzuwerfen und überhaupt nicht mehr mit Mac OS zu arbeiten, widerspricht meinem wirtschaftlichen Denken :-). Daher bleibe ich dabei, investiere so wenig Geld in das System wie nötig bzw. möglich, und schaue mir die Entwicklung weiter an, solange es mein Mac noch tut und ich privat die Dinge so damit erledigen kann, dass ich einigermaßen zufrieden und produktiv bzw. zeitsparend damit arbeiten kann, muss ich nicht auf ein anderes System umsteigen bzw. zu Windows und co zurückkehren. Ich sag aber auch klar und deutlich, dass ich nach dem derzeitigen Stand niemanden mehr wirklich empfehlen würde, auf einen Mac bzw. Mac OS zu setzen oder umzusteigen…, würde ich mir das zur Zeit selbst überlegen, würde ich es nicht mehr tun.

  2. Ja irgendwie hat man den Eindruck, die Nutzbarkeit (ich mag den engl. Ausdruck nicht) steht heute überwiegend abseits. Es muss alles nur „gut“ aussehen. Bananenware, soll der Anwender mit dem zufrieden sein was er bekommt.
    Ähnliches beobachtet man auch unter Android, wo selbstverständliche Tastaturfunktionen gestrichen werden, und man auf weitere Apps zurückgreifen muss. Statt es dem Anwender freizustellen, wie und welche Tastatur er denn verwenden möchte. Angefangenbei den fehlenden Cursor-Tasten, gewöhnliche Tastenkombinationen (CTRL bzw FN Taste und Cursor, beim G1 sogar noch der Trackball, um Texte zu markieren, kopieren, löschen, einfügen, usw.
    Unter Windose ab Vista ist auch hier alles bunt und rund, sinnlose Verstreuung von Systemoptionen, die noch unter XP wie auch zuvor im sinnergebenden Zusammenhang standen, und Menüzeilen die sich nichtmehr ausblenden lassen, fortgeführt von Hardware die der Anwender, obwohl noch funktionstüchtig, wegen fehlenden / nicht signierten Treibern neu anschaffen müsste.
    Hinweise auf Mißstände werden generell ignoriert, da ist Steves Vermächnis kein Sonderfall.
    Muss es denn dann noch immer das neuste sein, jedes Update mitmachen, jedem Hype folgen?
    … war früher doch alles besser? …
    Oder einfach bei dem bleiben das funktioniert und sich bewährt hat.
    Den Gängelungen die Stirn bieten und die künstliche Panikmache zur dann fehlenden Sicherheit eines OS schmunzeln zur Seite legen, nicht den selbsternannten Propheten nachm Mund reden und sich selbst eine Meinung bilden.
    Hier jedenfalls bleibt alles links liegen das nicht nach unseren Vorstellungen funktioniert. Gerne können wieder die Propheten vom Berg rufen, dass ab April sich jedes XP in Suizit begibt. Was bringt das neuste OS, wenn der Anwender dennoch jede Malware anklickt?
    Ein gut gewartetes XP hinter einem gut konfigurierten Router und Anwender der weoß was er tut, wird so ein OS auch noch in weiteren 10 Jahren ohne Zwischenfälle betreiben.

  3. Danke für diesen ausführlichen Beitrag. Viele, die den Mac und sein Voiceover hoch gelobt haben, verwenden meist nur Basisfunktionen. Erst dann, wenn man wirklich mit dem System arbeitet, komplexe Anwendungen etc. bedienen muss, zeigt sich, was ein Screenreader wirklich leisten kann. Unter Windows hat die Entwicklung vieler Standardfunktionen der Reader lange gedauert und es hat eine Konkurrenz gegeben, sodass sich die besten Ideen durchsetzen konnten.

    Auch wenn ich ein Windows-Poweruser bin, bin ich über deine Erfahrungen nicht froh. Es wäre gut, wenn wir auf allen Systemen gute Screenreader hätten und nicht auf Windows festgenagelt sind. Linux haben wir quasi schon verloren, zumindest die grafische Oberfläche ist nicht wirklich gut zugänglich.

  4. Hallo Marco,
    Dank für diesen sehr informativen Beitrag. Auch ich arbeite ja seit einigen Jahren unter MacOS und muß die von Dir geschilderten Schwierigkeiten z. B. mit Handytech-Braillezeilen leider bestätigen. Der für mich wesentliche Grund vorerst bei MacOS zu bleiben, ist die Möglichkeit das OS als blinder Nutzer ohne sehende Hilfe mit dem Screenreader selbst zu warten, ggf auch völlig neu aufzusetzen. Da ich nicht immer sofort sehende Hilfe zur hand hätte, ist das für mich ein sehr wesentlicher Vorteil, den MacOS im Vergleich zu anderen OS hat. Wenn den eines Tages z. B. Windows in gleicher Weise bietet, werden die karten sicher neu gemischt. Bleibt zu hoffen, daß Dein Beitrag auch bei Apple gelesen und verstanden wird, es ist wie im Sport: ein einmal erarbeiteter Vorsprung ist, wenn man nachlässig wird, schnell dahin.

  5. Hi Marco,

    auch von mir Dank für den Artikel. Ich kann mich da anderen nur anschließen, vieles ist nachvollziehbar. Auch ich habe seit fast fünf Jahren mit OS X zu tun und habe immer mit Spannung die Entwicklungen erwartet. Klar, hat es erst mal den Eindruck, dass es scheint, die primären Kerne werden stiefmütterlich behandelt. Sicherlich kommt es auch auf die Arbeitsweisen an, die man für sich findet. Und es ist einfach so, dass man Äpfel nicht mit Birnen vergleichen kann, um es mal so auszudrücken. Klar stimme ich dem zu, dass das Konzept eines Screen Readers unter Windows vom OS X unterscheidet, hier läuft es so, und da läuft es anders. Marco hat wohl seine richtige Arbeitsweise gefunden und das ist gut. Ich bleibe aber noch dran, weil ich immer noch das Gefühl habe, dass der Mac „mein Computer“ ist, den ich selbstständig von Anfang an, out of the Box, bedienen kann und mir das Gefühl gibt, mein Computer zu sein. Mal sehen, was 10.9.3 verspricht, denn man kündigte an, bei den Beta-Test den Fokus auf VoiceOver zu richten.

  6. Hallo Marco!
    Das ist ja ein Ding! Danke für diese ausführlichen, überzeugenden Erläuterungen. Es ist wohltuend zu sehen, dass man das Thema OS vs Windows auch ohne Polemik behandeln kann. Was gab eigentlich den Anstoß dafür, in die Apple Produkte schon von vornherein Barrierefreiheit einzubauen? Dieser Frage bin ich in meinem Artikel „IOS 7 – Apples Sündenfall?“ nachgegangen. Nach meinen Recherchen gaben Steve Job’s Lebenserfahrung und seine Geisteshaltung den entscheidenden Anstoß. Die Zugänglichkeit für Blinde war sein persönliche s Anliegen geworden. Da drängt sich zwangsläufig die Frage auf, ob mit Steve Job’s Tod der Elan womöglich dahin ist. Übrigens wird das Thema Barrierefreiheit in der bekannten Biografie von Isacson mit keinem Wort erwähnt. Ein Beispiel mehr dafür, dass das, was für uns so wichtig ist, von der Öffentlichkeit gar nicht wahrgenommen wird. Hier noch der direkte Link zu IOS 7:
    http://clru.wordpress.com/2013/12/11/ios7-apples-sundenfall/

  7. Sehr interessanter Erfahrungsbericht. Hatte bei meinen wenigen Tests mit VO auf dem Mac bisher eigentlich immer den Eindruck, dass es sich um die mit Abstand stabilste Lösung für uns handelt, allerdings waren es wirklich immer nur Kurztests und v.A. den Braille-Support konnte ich mir nie im Detail anschauen. Leider lässt sich die Nachlässigkeit beim Fixen von Bugs mittlerweile teilweise auch unter IOs beobachten (fehlende Ansage beim Schließen von Ordnern, falsche Aussprache von VoiceOver usw…). Habe mich deshalb schon sehr oft gefragt, was die Tester eigentlich den ganzen Tag machen, aber wenn die Kommunikation mit den Devs anscheinend nicht funktioniert und Requests einfach ignoriert werden wundert es mich nicht.
    Bin gerade auch kurz vor der Anschaffung von neuen Geräten und derzeit in Sachen Notebook noch am Schwanken. Auch wenn ich vermutlich insgesamt anders als Marco arbeite, gefält mir die Entwicklung bei Apple gar nicht und werde daher wohl doch beim Thinkpad mit Linux und Orca bleiben…Btw: Dass die Zugänglichkeit von Desktops unter Linux unbrauchbar ist stimmt absolut nicht! Klar gibt es noch viel zu tun (Zugänglichkeit von Pdfs, Probleme mit Office-Anwendungen…), aber in den ca 6 Jahren, in denen ich die Entwicklung mittlerweile mitmache (wobei ich sehr oft Kompromisse eingegangen bin um nicht mehr Windows nutzen zu müssen), hat sich gerade in Sachen Orca wirklich sehr viel getan und das trotz des Rückzugs von Sun/Oracle. Und die Kommunikation zwischen Anwendern/Testern und Entwicklern funktioniert sehr gut, was natürlich auch am Community-Charakter von Linux insgesamt liegt, aber mache da teilweise auch andere Erfahrungen.

  8. Ich muss sagen, seitdem es NVDA gibt, habe ich mir keine Gedanken mehr über einen Umstieg auf den Mac gemacht. Für die meisten privaten Sachen reicht ja ein iPhone oder iPad vollkommen aus und dafür braucht man ohnehin keinen Mac, der ja gut das doppelte kostet. Aber dank NVDA muss man nicht mehr darauf warten, dass man eienn neuen Screenreader bekommt. Ich wette, viele der Leute, die an Win XP hängegen sind Blinde, die keinen neuen Screenreader bekommen und deshalb auch nicht auf aktuellere Systeme umsteigen können. Vieles, von dem, was hier berichtet wird erinnert mich auch an Jaws, die bringen alle Nase lang ne neue Version und schleppen dabei ihre Bugs mit. Mal gucken, vielleicht ist ja in Win 9 ein vernünftiger Screenreader integriert.

  9. Hallo Marco,

    das kommt imho u.A. sehr darauf an, welche Prioritäten man setzt (Stabilität vs. auf dem neusten Stand sein…). In unserem Umfeld wird sehr häufig Ubuntu/Debian eingesetzt und als Desktop ist wohl Gnome die erste Wahl, u.A. weil Orca de fakto ein Gnome-Projekt ist und mittlerweile sogar versucht wird, Orca VO-like als Feature in Gnome zu integrieren. Mittlerweile ist es z.B. durch einen Shortcut möglich, Orca jederzeit ein – und auszuschalten und angeblich soll das auch schon teilweise bei den graphischen Installern von Ubuntu und Co funktionieren, hab ich allerdings noch nicht getestet.
    Ich selbst verwende Arch Linux +Xfce als Desktop (da mir Gnome zu überladen ist). Diese Distribution ist bleeding edge und eher für fortgeschrittene User gedacht und im Standard-Image fehlt leider brltty, allerdings gibt es ein spezielles Image mit brltty und speakup, das recht gut gepflegt wird und mit dem sich das System ohne sehende Hilfe/blindes Nachinstallieren von Paketen aufsetzen und konfigurieren lässt. Ein graphisches/textbasiertes Setup gibt es nicht, aber der Installationsprozess ist im entsprechenden Wiki sehr gut dokumentiert.

  10. Hi Marco,

    danke für deinen tollen Bericht! Ich kann Dir in vielen Punkten total zustimmen! Ich bin beispielsweise froh, dass Apple die Reihenfolge in Mail geändert hat. Für mich war es wahnsinnig mühsam früher erst die Anzahl der Konversationen zu hören und ich bin froh, dass diese Info ganz ans Ende der Mail gerutscht ist 🙂 Solche Dinge sind denke ich mal Geschmack Sache. Persönlich wünsche ich mir natürlich auch das Fehler behoben werden. Vor allem dass sich VoiceOver selten die Stellen merken kann, wo man aufgehört hat zu lesen sind lästig. Aber damit kann ich leben, wenn im Gegenzug Dinge wie iMessage wieder richtig funktionieren. Da war der HTML Inhalt unter Mountain Lion ab einer Gewissen Anzahl von Konversationen nicht zugänglich. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass Apple mit Mavericks und IOS 7 die Barrierefreiheit um die Schaltersteuerung erweitert hat. Eine tolle Funktion für Menschen mit motorischen Schwierigkeiten. Solange ich solche Entwicklungen sehe, ist finde ich alles OK. Es kann sich halt nicht immer um uns blinde Menschen alles drehen 🙂

  11. Eine sehr realistische Zusammenfassung der Schwierigkeiten auf dem Mac! Ein ganz großes Lob für die Neutralität dieses Beitrages.
    Auch für mich sind 3 Punkte immer wieder ein Grund zu Windows zurück zu kehren. Die Mail App, ein brauchbares Office (Text und Tabellen) und die doch ziemlich dürren Werkzeuge für PDF.

    Nun steht bei mir im Mai ein neuer Desktop an. Im Augenblick komme ich mir jedoch vor als ob ich mich für Flöhe oder Läuse entscheiden muss.
    Der Mac hat für mich dann auch Vorteile. Die erstklassige Einbindung von GPG zum verschlüsseln meiner Mails. Die weitaus bessere Unterstützung von iTunes und die erstklassige Backuplösung.

    1. Hallo Thomas,

      ich bin gerade dabei, mir OpenPGP richtig einzurichten und nutze dafür unter Windows Thunderbird mit Enigmail und GPG4Win. Merke, dass da noch ein eigener Blogbeitrag zu entstehen könnte, wollte aber diese Info schnell loswerden. Es werden sowohl Inline-PGP als auch PGP/Mime unterstützt, man kann also auch HTML-mails signieren und verschlüsseln. Apple Mail und wenigstens das Program iPGMail unter iOS können damit auch umgehen.

  12. Mac hat mich nie so richtig überzeugt aus einem einfachen Grund: Dort, wo es für Windows 10 Tools gibt, zumeist mindestens ein kostenloses, gibt es beim Mac nur zwei, meist kostenpflichtig. Bei beiden Systemen kann man sich nicht sicher sein, ob überhaupt eines der Tools screenreadertauglich ist, aber bei Win ist die Wahrscheinlichkeit größer. Wer jetzt mit Linux kommt, ja, auch da gibt es jede Menge Tools, aber der Einstieg ist zu schwierig. Es gibt häufig Tools, die nur eine Aufgabe gut erledigen können. Das mag man praktisch finden, aber ich finde es Quatsch, für eine Aufgabe, die man vielliecht einmal erledigen muss x verschiedene Programme auszupboieren. Windows ist wie alte Klamotten, es hat viele Macken, aber es passt wie ein gut eingelaufener Schuh.

  13. Die angesprochenen, teils über Jahre angesammelten Defizite sind mir in der täglichen Arbeit auch nur zu bewusst und die aufgeführten Problempunkte alle nachvollziehbar. Bleibt zu den bisherigen Kommentaren als Ergänzung von mir einerseits der allgemeine Eindruck, den auch mein sehendes Mac-Umfeld rückmeldet und wahrnimmt, dass OSX in den letzten drei Hauptversionen zum einen eine rechte Menge inkonsistenter Designanpassungen erfahren hat, die nicht immer zum Besseren aufgenommen werden. Auch scheint eine zunehmende Code-Komplexität zunehmend zu Performanceschwund, Trägheit und rätselhafter Dysfunktion zu führen. Ganz zu schweigen von dem unglücklichen Händchen bzgl. der immer undurchsichtiger und fehleranfälliger werdenden iCloud-Implementierung. Möglich, dass VO eben durch seine tiefe Systemintegration auch mit darunter leidet, gerade die langen Reaktionszeiten in vielen Programmsituationen und speziell nach dem Hochfahren / Aufwachen, wo insbesondere seit 10.9 irgendwie eine Menge im Argen liegt, sind schwer erträglich. Was aber meinem Eindruck nach ziemlich gegen die Theorie der zunehmenden Nicht-Beachtung von VoiceOver in OSX spricht sind die Beta Release Notes und das Accessibility Team selbst. Noch vor einem Jahr war als nicht Beta-Tester auch auf sehr spezifische Anfragen an die Accessibility nur eine typische Appleantwort zu bekommen. „Danke für den Input. Wir können nichts zu zukünftigen Feature-Adds sagen etc…“ inzwischen werden die Reaktionen teils sehr spezifisch. Die eigenen Berichte werden kommentiert, Rückfragen werden gestellt, Diagnosedaten angefordert. Beispiel PDF: Da lauten Antworten von heute z.B. sinngemäß „Wir kennen das Problem der PDF-Lesbarkeit und arbeiten daran.“ Freilich! Passiert ist noch nichts entscheidendes, aber wieso die Kommunikationspolitik ändern, wenn man eh vor hat nichts zu unternehmen? Das Andere ist: Seit den letzten paar Betas von 10.9.2 glaub ich steht immer in den Notizen für die Entwickler als zu beachtender Punkt VoiceOver-Performance! Ich kann mich nicht erinnern das früher je gesehen zu haben.
    Also – auch wenn VO und allgemein OSX viel Potenzial verspielt haben, zweifellos – und Windows 8.1 zunehmend eine interessante Sache am Horizont ist… ich hoffe noch, dass Apple langsam mal wieder in die Spur kommt mit ihrem Desktop-System. 🙂

  14. Hallo Marco,

    vielen vielen Dank für deinen sehr neutralen Artikel. Du hast echt das „ausgesprochen“, was ich gedacht habe und versucht habe vielen bewusst zu machen. Entweder wollte man es nicht wahr haben oder man hatte immer nur gehofft gehofft und gehofft.

    Ich kenne einige Menschen, die ein Mac haben und nur die Basisfunktionen nutzen. Ich kannte sogar einige, die Mac nur als Host-System hatten und trotzdem ein Windows am laufen hatten. Das hatte mir gezeigt, dass man lange noch nicht so weit ist, wie man unter Windows ist. Schade eigendlich, da hat VoiceOver eigendlich viel Potential verspielt. Ich bin jedenfalls ziemlich froh, dass ich mich für ein Windows-PC mit Windows 8.1 – trotz anfangs schwieriger Umgewöhnung – entschieden habe. Auch wenn Microsoft mit Windows 8 bzw. 8.1 Fehler macht lässt es sich nicht leugnen, das Microsoft auch unter der Haube eine ganze Menge an Performanze-Verbesserungen vorgenommen hat.

  15. Hallo Marco,
    auch von mir erstmal vielen Dank für deine sehr interessante Sicht der Dinge und die Gründe, die dich bewogen haben, wieder zu Windows zurückzukehren.
    Ich selber habe seit 2010 einen Mac und habe seither auch immer alle Updates von OS X mitgemacht und natürlich auch die Neuerungen und Veränderungen an VO beobachtet und natürlich auch selber genutzt.
    Es wurden ja schon ziemlich viele Sachen von den Vorpostern hier angesprochen. Eines möchte ich aber noch zu bedenken geben, was hier noch nicht erwähnt wurde. Du hast ja selbst geschrieben, dass du für deine Arbeit am Rechner zu Windows zurückkehrst, als Smartphone aber weiterhin dein iPhone benutzt. Und hier kommt, meiner Ansicht nach, ein Problem zum tragen. iTunes ist unter Windows – egal ob mit JAWS oder NVDA – längst nicht so gut zu bedienen wie unter OS X. Ja, ich weiß, man braucht nicht zwingend ein iTunes unter Windows, um Daten auf’s iPhone zu bekommen. Aber es bietet letztendlich doch immer nocht den umfangreichsten Zugriff auf alle Funktionen, die für ein iPhone wichtig und interessant sind, beispielsweise auch den AppStore. Ich habe zwar die aktuellste iTunes-Version nicht auf meinem Win 8.1 Rechner installiert, doch kenne ich viele Windows-Nutzer mit iPhone, denen es vor iTunes graut. Ich bestücke mein iPhone auch ausschließlich mit meinem Mac und bin mit der Bedienbarkeit von iTunes unter OS X ganz zu Frieden.
    Gerade die Möglichkeit einen Mac vollständig selbst ohne sehende Hilfe neu aufzusetzen, ist für mich immer noch eine der schlagensten Funktionen von OS X. OK, so oft setzt man ein Betriebssystem nicht neu auf. Aber allein schon die Möglichkeit ist überzeugend. Ein Ubuntu-Linux kann ich als Blinder auch ohne sehnde Hilfe komplett installieren und sogar Debian hat seit einigen Versionen die Möglichkeit, das Setup eigenständig mit Hilfe von BRLTTY durchlaufen zu können. Das MS für Windows nicht mal eine rudimentäre Möglichkeit für eine braille- oder sprachgeführte Instalation bietet, ist meiner Meinung nach ein Armutszeugnis. Gerade wenn amn sich überlegt, wie verbreitet Windows im Vergleich zu OS X und Linux ist. Auch stört mich an Windows, und das schon seit XP, dass MS es bis 8.1 immer nocht nicht geschafft hat, in der Systemsteuerung ein einheitliches Look and Feel hinzubekommen. So erscheinen viele Einstellungen in der neueren HTML-Ansicht, die Internetoptionen dagegen sehen aus wie vor beinahe schon Jahrzehnten. Das findet man unter OS X so uneinheitlich nicht. Und das sind eigentlich auch nur Kleinigkeiten.
    Viele deiner Kritikpunkte kann ich aber verstehen und nachvollziehen. Ich selber nutze für einige Aufgaben auch heute noch Windows 8.1 und werde mich so schnell auch nicht davon verabschieden.
    Letztendlich bleibt wohl nur zu sagen, dass ale Systeme ihre Vor- und Nachteile haben und wohl auch immer haben werden.
    PS: Dieser Kommentar wurde mit JAWS 15 unter Windows 8.1 geschrieben.

  16. Hallo Marco,
    Mich würde noch interessieren, wie das mit der Übernahme der alten Dokumente geht?

    Hast du auf deinem MAC mit Libre-Office gearbeitet oder hast du eine Textverarbeitung aus der MAC-Welt verwendet?

    Petra

  17. Sehr interessant. Hatte zwar noch nie einen Desktop Mac, jedoch hab ich auch ähnliches am Rande mitbekommen.
    Meiner Meinung nach, ist genau der oft genannte Vorteil, nämlich das alles aus einer Hand kommt, das Problem. Das kann natürlich ganz toll, andererseits auch wieder sehr schlecht sein. Nämlich dann, wenn die Barrierefreiheit nicht im Hauptfokus der Entwickler ist und das Unternehmen auf einmal nicht mehr so viel lust auf die Weiterentwicklung hat. Aber es ist ja leider nicht möglich, Screenreader von Drittanbietern zu installieren. Wenn ich mich recht erinnere, gab es ja mal einen.

    Ein weiteres Problem ist die schnelle Veröffentlichung neuer Upgrades. Damit hat sich Apple selber eine Schlinge gelegt.
    Wenn man seine Fans einmal an eine so schnelle Veröffentlichung gewöhnt hat, ist das nur sehr schwer wieder aus den Köpfen der User rauszubekommen. Wenn es dann nicht jedes Jahr bahnbrechende neue Features gibt, ist der nächste Shitstorm nicht mehr weit. 😉

    Man hat ja an Windows gesehen, wie gut das funktioniert.
    Das nächste Betriebsystem soll ja jetzt auch erst 2015 und nicht 2014 auf den Markt kommen.

    1. @Maik
      Das nächste Betriebssystem – warscheinlich Windows 9 – ist gerüchten zu folge ende dieses Jahres für Hardware- und MSDN-Partner verfügbar. Also so ganz vergeht kein Jahr. Gut, für die Endkunden schon.

      1. Hallo Ali,

        danke für die Info. Das werde ich mir mal anschauen, wenn es da ist.
        Hoffentlich nicht wieder so ein Schrott wie 8. 😉 8.1 hat zwar irgendwie einige Punkte wieder ausgebessert, jedoch der Weisheit letzter Schluss war das auch nicht.

  18. Gut, dass du NVDA verwenden willst. Unter Windows 8 hat nämlich auch die Accessibility stark gelitten. Ich erwähne da gern die Windows Apps und die Hinweisdialoge, bei denen man am Titel den Inhalt erraten muss.
    Mit den zahlreichen Jaws-Abstürzen könnte es jedenfalls ein langer Arbeitstag werden. Classic Shell sowie die Möglichkeit, Ribbons aus dem Windows Explorer zu schmeißen erleichtern das Leben.
    Es gib durchaus gründe, nicht bei Win XP zu bleiben. Da wäre die Suchleiste im Startmenü. Windows 8 bringt auch viele Geschwindigkeitsvorteile mit sich.
    Ich konnte mich mit Voiceover unter Mac nicht anfreunden. Aber im Detail liegt auch unter Windows leidr der Hund begraben. Man wird schon einen barrierefreien Music Player finden. Aber versucht das ganze auch mal mit komplexen Programmen wie zB Textbearbeitung. Da wird man als blinder kaum den vorgegebenen Pfad verlassen können. Und um solche Programme geht es in der Arbeitswelt, von denen die meisten eben nicht barrierefrei sind, schon gar nicht von Haus aus.

  19. Ich danke dir für deine Ausführungen.
    Ein Macbook war schon immer eine feine Sache, dachte ich mir und kaufte ein Macbook Pro und war entsetzt, als Windows Nutzer, wie unübersichtlich und schwierig das Handling war.
    Nach dem kauf und vielen Stunden der Eingewöhnung lass ich von deinem Beitrag.
    Du sprichst mir aus der Seele.
    Nach viel Zeit und Frust habe ich das Macbook wieder in ein Windowssystem umgetauscht.
    Windows 8 ist zwar auch nicht das was ich unter Windows gewohnt war, aber es ist übersichtlicher und alle meine Programme laufen, was unter Mac nicht der Fall war.
    Schade, aber es geht nicht.
    Die Kombination mit dem IPhone währe für blinde sehr gut gewesen.
    Vieleicht kommt Apple wieder zur Vernunft.

  20. Ich habe diesen Artikel gefunden, da ich mich mal über die gegenwärtigen Probleme mit Orca/brltty unter Linux informieren wollte. Ein entsprechender zweiter Teil dieses Artikels wäre also auch mal spannend. 😉 Wichtiger als *alles* bedienen zu können sind mir, dass die grundlegenden und wichtigen Dinge stabil laufen und erträglich zugänglich sind und z. B. nicht alle 5 Minuten der Screenreader abraucht und sich vielleicht gar nicht mehr starten lässt. Grundlegende Dinge sind zum Beispiel Web-Browser, Email-Client, Texteditor und eine Textverarbeitung, Medienspieler, die grafische Oberflaeche als solche und die Textkonsole. Diesbezüglich hat sich NVDA unter Windows wirklich gut entwickelt. Allerdings würde ich mich gerne von Microsoft (und auch von Apple) lösen. Also wie sieht es zur Zeit unter Linux aus?

    1. Hallo Mario, ich plane zur Zeit keinen Versuch, auf Linux umzusteigen. ich habe mich vor ein paar Jahren mal vorübergehend damit beschäftigt, habe aber nach etwa einem Jahr frustriert aufgegeben, weil quasi mit jedem Update von Gnome oder Ubuntu, welches damals noch den Gnome Desktop verwendet hat, irgendwas kaputt ging und alles eher frustrierend als produktiv lief. das mag sich inzwischen geändert haben, mir fehlt aber derzeit die zeit und die Muße, mich damit zu beschäftigen.

    2. Das wäre in der Tat mal interessant, besonders, da sich hierzu kein einfacher Überblick gewinnen lässt, so veraltet und konfus die Orca bzw. Accessibility Dokumentation Sicht darstellt. So ist Orca wohl schon deutlich weiter, als es die Dokumentation scheinen lässt, sowohl bei Lokalisierung in verschiedenste Sprachen, als auch dem schlichten Funktionsumfang und Stabilität. Ohne ein Testsystem zu benutzen, so finde ich, kann man da keinen vernünftigen Einblick gewinnen. Man merkt beim betrachten der verschiedenen Wikis einfach häufig, dass das hier überwiegend Anwender sind, die nach dem Motto verfahren: wenn’s funktioniert, gut. Dokumentationen zu pflegen steht da nicht unbedingt im Fokus. und die Entwickler beschränken sich vermutlich auf die reine Fortentwicklung, solange ihre internen TrackingMechanismen funktionieren, steht eine Dokumentation für Endanwender wohl auch nicht besonders hoch auf der Prioritätenliste. 🙂 Um sich allerdings über den Status eines Projekts zu informieren finde ich eben solch eine doch am hilfreichsten, ohne sich komplett in die Entwicklung vertiefen zu wollen.

  21. Ich war bis vor einem Jahr langjähriger Windows Nutzer und habe von Windows 2000 bis Windows 8 alles mitgemacht. Seit ca 1 Jahr besitze ich einen iMac und ich bin damit sehr zufrieden. Office für Mac finde ich sogar besser und übersichtlicher als die für Windows. Zum Thema Systemstabilität ist Mac definitiv auch vorn. Bei Windows nervten mich die wöchentlichen Updates und die ganzen Fehlermeldungen. Was mich am meisten angekotzt hat „kann nicht gelöscht oder geändert werden weil es gerade verwendet wird“ sowas gibt es beim Mac nicht, da kann die Datei während es abspielt in den Papierkorb geworfen werden und es läuft weiter. Ich glaube es kommt tatsächlich auf die Haupttätigkeiten drauf an, welches System am besten für jemanden bestimmt ist. Ich mache viel mit Webdesign, Musik und Videoschnitt. Bearbeite viele Bilder ec. Da finde ich es am Mac wesentlich angenehmer zu arbeiten. Seit Windows 8 ist Microsoft bei mir unten durch. Wechseln möchte ich so schnell nicht mehr!

  22. Gibt es inzwischen schon Nueigkeiten bezüglich VoiceOver? In OS X 10.9.3 wollte man sich ja noch VoiceOver widmen, wenn ich die Postings zuvor richtig verstanden habe. Oder ist man davon wieder abgekommen?

  23. Also ich nutze mein MacBook nur privat, aber in einem Punkt muss ich Marco widersprechen: Die Navigation auf Webseiten funktioniert, zumindest wenn man die Schnellnavigation eingeschaltet hat (und bei mir ist die immer an, das Andere mit den ‚VO‘-‚Tasten ist mir viel zu umständlich), genauso wie unter iOS. Man kann also über den Rotor auswählen, welche Elemente man anspringen möchte. Ich zumindest bewege mich damit genauso schnell, wenn nicht noch schneller, im Internet wie mit Jaws unter Windows 7, wobei ja Jaws immer das Problem hat, dass es verschiedene Schnellnavigationstasten für verschiedene Überschriftebenen gibt, und man muss dann erstmal rauskriegen, auf welchen Ebenen es überall Überschriften geben könnte – oder ich habe was verpasst… Wenn man das umgehen will, muss man M.W. die Überschriftenliste aufrufen, das mache ich, ehrlich gesagt, immer ungern.

    Ansonsten stimme ich, soweit ich mitreden kann, dem Artikel zu; v.a. die schlechte Zugänglichkeit von iBooks fand ich auch extrem ärgerlich und hätte ich nicht erwartet.

    Gruß

    1. Wobei die Navigation in HTML-Bereichen ja seit 10.10 endlich auf via Pfeiltasten möglich ist.
      iBooks am Mac ist nun auch zugänglich, wenn auch das Interface mich immer noch nicht vom Hocker reißt, die Performance ist auch nicht so berauschend. Zwar ist meine Bibliothek recht groß, das dürfte sich aber dennoch nicht so auswirken. Trotzdem, Stillstand kann man den Entwicklern nicht unbedingt vorwerfen, obwohl sie auch wieder neue Bugs gebracht haben. 🙂

  24. Marco, vielelicht kannst du mir einen Tipp geben ich bin gerade vom Mac zurück zu Win, wegen Kompartibilität usw. und nun fehlen mir manche Spielereien, die den Mac doch sehr attraktiv machen: z.B. die aktiven Ecken … Gibt es dazu denn Lösungen?

  25. Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht. Das hat mir meine Unentschlossenheit, ob ich mir privat einen Mac zulegen soll (da ich in meinem Job immer mehr in den Grafikbereich rutsche), endgültig genommen. Ich bin seit Kindheit an Windows User und da ein Mac so etwas wie eine Religion für Kreative 😉 ist, überlege ich schon die längste Zeit… In meinem vorigen Job habe ich am Mac gearbeitet und hatte soweit keine Probleme… manche Dinge waren mir aber dann doch wieder zu kompliziert, weil ich ein Windows-Denker bin. Welchen Lenovo hast du gekauft?

    LG Elisabeth

  26. Super Artikel, ich hatte sei 2009 MacBook, iMac, iPhones, iPads und war auch ein Freak. Aber als Windows 8 durch Updates immer besser wurde bin ich komplett zurück gewechselt. Ich habe jetzt ein Surface von Lenovo und bin mehr als zufrieden. So kann ich mir das MacBook sparen und Tablett und Laptop in einem. Ich bin vor allem damals zu Apple gewechselt, weil Windows immer langsamer wurde mit der Zeit. Es er auch nicht wirklich sicher vor Vieren und beim Onlinebanking hatte ich immer ein schlechtes Gewissen. Das hat sich jetzt geändert. Windows 8 ist schneller wie ein iPad, und durch diverse Verbesserungen und dank Avast habe ich keine Vieren und muss mir auch keine Sorgen machen. Ich habe auch endlich eine Vernünftige Dateiverwaltung was mich beim iPad immer sehr störte. Was ich bei Apple sehr krass fand war dieser Zwang sich weiter Apple-Geräte kaufen zu müssen. Auch konfigurieren lässt sich da nicht viel. Bei Windows 8 gibt’s 1000 Farben zur Auswahl. Apple behandelt manchmal die User wie Kindergartenkinder und schränkt alles total ein. Unter Windows bin ich frei und wenn mir die Hardware nicht passt kann ich auch einen anderen Hersteller wählen. Das ist praktisch weil man die gekaufte Software weiterverwenden kann. Ich finde die Hardware ist bei Apple auch ziemlich teuer. Sogar Grafiker und Videobearbeiter wechseln zur Zeit wieder zurück zu Windows. Das war ja eigentlich mal die Zielgruppe von Apple. Ich sage nur eins: Machs gut Apple! PS: Wenn wir mal ehrlich sind: Apple lief nur super wenn Steve Jobs da gearbeitet hat. In den 90ern als er nicht da, da war ist Apple fast pleite gegangen, seit er tot ist läuft wieder alles schief. Apple sollte sich ein Beispiel an Pixar nehmen, die kommen schon länger erfolgreich ohne ihn klar:-)

  27. Hallo Marco und all die anderen,
    vielen Dank für Eure sehr informativen Beiträge.

    Ich selbst habe den MAC bisher aus genau den Gründen gemieden, die hier von Euch als Nachteil genannt wurden. Das Konzept erinnert doch sehr stark an Virgo. Das ständige Interagieren mit den Objekten und das fehlen einer echten Flächendarstellung schrecken mich sehr ab. Als Ausbilder erlebe ich täglich, wie schwer sich Anfänger mit welchen Konzepten tun. VOs Konzept ist schwer vermittelbar, wenig intuitiv und sehr ineffektiv. Wie soll ich denn einem Anfänger klarmachen, daß er sich jetzt auch noch mit der Objekthirarchie und den Objekteigenschaften im Hauptspeicher auseinanderzusetzen hat. Wir reden hier über reine Anwender, nicht über Leute, die die Grundlagen der objektorientierten Programmierung erlernen wollen. Warum bitte muß ich mit irgend etwas interaggieren, wenn ich einfach nur Mails schreiben oder einen ansprechenden Text verfassen möchte? Ein gut eingerichtetes Windows-System und einen effektiven Screenreader vorausgesetzt, merkt ein anwender in einer Standardsituation nicht einmal, daß er sich in einer GUI befindet. Er kann sich wie in einer reinen Textoberfläche fühlen. Wie ist denn eigentlich die Kommunikation mit Sehenden Anwendern bei VO? Wenn ein Sehender mir sagt: Das Symbol xyz liegt rechts vom Symbol abc. Abc findest Du etwas unterhalb der Titelzeile in der Mitte. Bei Jaws oder NVDA kann ich nun aufgrund dieser Beschreibung das gesuchte Symbol xyz tatsächlich finden. Ich mache aus der Beschreibung des Sehenden mir meine eigenen Handlungsanweisungen. Geht das auch unter VO? Gibt es überhaupt so etwas wie links, rechts, oberhalb unterhalb beim Betrachten der Bildschirmelemente? Die Titelleiste oder Fußzeile einer Textverarbeitung sind in der Flächendarstellung eben übereinander. So sieht auch ein Sehender den Bildschirm. Und so will auch ich den Bildschirm wahrnehmen. Ich will mit meinen sehenden Mitmenschen möglichst 1 zu 1 Diskutieren und mich über den Bildschirmaufbau austauschen.

    Wenn ich das richtig verstehe, muß man bei VO also aus dem Textbereich hinausnavigieren und zwar so lange, bis man das gemeinsame Elternelement in der Objekthirarchie erreicht hat. Direktes Wechseln zwischen den Geschwisterelementen ist nicht möglich, richtig?

    Zwar werde ich immer wieder von einem oder anderem bequatscht, mir endlich auch einen MAC zuzulegen, jedoch nutzen diese Anwender den MAC eben im Vergleich zu mir nur rudimentär. Daher bezweifle ich, ob ein MAC eben für mich das Richtige ist. Ich bin eben der Programmierer, der Techniker, der Hacker, dem die weitreichende Kontrolle über die Hard- und Software enorm wichtig ist. Alles andere empfinde ich als Gängelung.

    Gruß Hasan

    1. Hallo Hasan, et al,

      das erinnert mich daran, dass ich dafür schon längst eine Aktualisierung bzw. ein Follow-Up schreiben wollte. Denn der Vorsatz, nicht mehr mit Mac OS X zu arbeiten, hielt ziemlich genau bis Mitte September. Da hatte sich meine Windows-Installation, die ich ohne Crapware auf einem Lenovo ThinkPad hatte, schon zum zweiten Mal zerlegt. Ich hatte dann die Schnauze gestrichen voll und habe dann doch wieder mein MacBook im Einsatz, primär mit OS X und mit Windows 8.1 in einer virtuellen Maschine. Stelle aber fest, dass gerade mit den neueren Updates von Yosemite, also OS X 10.10, sich die Situation etwas gebessert hat gegenüber Mavericks, als ich den ursprünglichen Beitrag schrieb. Und auch, dass Google Chrome inzwischen Safari bei der Zugänglichkeit unter OS X den Rang abläuft, macht die Sache deutlich geschmeidiger.

      Ich bin nur schlicht aus verschiedenen Gründen nicht dazu gekommen, das auch richtig zu verbloggen.

      Gruß
      Marco

  28. Frische Installationen, die schon nach wenigen Monaten unbrauchbar werden, gab es in meinem Umfeld nur bei Hardwarefehlern z. B. Festplatte, Hauptspeicher, Stromversorgung Kühlung …

    Ansonsten gilt natürlich – wie für jedes System – stets ein Image des laufenden Systems verfügbar zu halten. Aber das macht man mit TimeMachine ja nicht anders.

  29. Du wirst wider wechseln Windows 10 ist da das wird dir das Hirn vergewaltigen 🙂 ich habe einen imac und einen Windows 7. windows benutze ich nur für den Börsenhandel. der iMac hält für alles hin : Musik,Videos,Bilder bearbeiten usw alles was mal so braucht. Ich würde nie wieder meinen iMac her geben ich habe gar keine Probleme. endlich hängt nix endlich stürzt nichts ab und meinen neuen iMac 5 K Retina (Ziemlich neue Anschaffung) der Leistet so gewaltiges das schafft mein Windows Rechner niemals mit Photoshop und Final Cut. Naja jedem das seine. Ich bin von Windows total angewidert wir motzen über Apple hier auf sehr hohem Niveau. Den wen ich anfangen würde was mich an windows stört bräuchte ich 20000 Seiten. Windows? der nicht mal einen Drucker erkennen kann ? nein danke 🙂

    Bin auch kein Apple Fanatiker aber alles läuft flüssig und einfach. heheh

    Sorry für die Rechtschreibfehler 😛

    Gruss ari

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