Wie ich zum Programmieren kam

Heute ist der 20. November. Und an diesem 20. November feiert Turbo Pascal seinen 30. Geburtstag. Diese revolutionäre Entwicklungsumgebung, die zum ersten Mal unter MS-DOS Editor und Compiler, und später auch Debugger, unter einem Dach vereinte, war auch mein Einstieg in die Welt des Programmierens.

1988 bekam ich eine Version von Turbo Pascal 3.0 für das CP/M Betriebssystem, das ich auf meinem Commodore 128D laufen lassen konnte. Das Programmieren lernte ich durch das Diktat eines sehr simplen Programms, das einen eingegebenen Text in eine Datei schreiben und auch wieder aus ihr lesen konnte, das mir ein Erzieher von meiner Internatsgruppe diktierte. Manfred, wenn Du dies liest: Nochmals vielen vielen Dank für all Deine Zeit und Geduld!

Weiterhin studierte ich ein altes Basic-Buch aus der Presse von Regine Planer-Regis, das mir weitere Grundkonzepte beibrachte, die ja in verschiedenen Programmiersprachen gleich sind. Weiterhin diktierte mein Vater, der kein Englisch spricht, mir sämtliche Operatoren, reservierte Wörter und Prozeduren und Funktionen dieses Turbo Pascal 3.0 aus dem englischen Handbuch. Ich schrieb mir dies stichwortartig in Braille auf und heftete die Lose-Blatt-Sammlung in einen dünnen Ringordner. Außerdem half mir das Sonderheft „Simulation eines Taschenrechners“ der Paderborner Computerzeitschrift „Bits and Dots“ vom inzwischen verstorbenen Torsten Brand dabei, einige weitere Konzepte wie Referenzparameter zu verstehen. Dann begann ich selbst, ohne Sprachausgabe und nur mit Hilfe meines Vaters, der mir ab und an helfen musste, eigene Programme zu schreiben.

1991 bekam ich dann meinen ersten eigenen PC mit MS-DOS 3.3, einem Dolphin 1 Synthesizer und HAL 4.0. Turbo Pascal 5.5 gehörte zu meinen ersten installierten Programmen. HAL wurde mit Hilfe von Konfigurationsdateien und dem Erkennen von Hervorhebungsfarben dazu gebracht, damit nett zusammenzuspielen. Ich machte auch die Schritte auf Turbo Pascal 6.0 und Borland Pascal 7.0 mit. TP 6.0 begleitete mich auch ins Informatik-Studium. Mein letztes DOS-Programm schrieb ich, glaube ich, 1998.

1995/96 begann ich auch, mit dem damals gerade erschienenen Borland Delphi 1.0 und dem frisch erworbenen JAWS 1.21, erste Windows-Programme zu schreiben. Ich brachte JAWS dazu, besser mit Delphi zusammenzuarbeiten. Hierüber und über weitere Scripting- und Konfigurationserfahrungen schrieb ich damals in einem Henter-Joyce-Forum bei CompuServe. Dies führte letztendlich zu einer Einladung zu einem Workshop im Schwarzwald im Juli 1996 und dem Job bei Omni PC, welche 2001 Freedom Scientific einverleibt wurde.

Ich experimentierte in den folgenden Jahren mit verschiedenen Entwicklungsumgebungen wie Visual Basic, C# und .Net mit Visual Studio 2003, aber ich kehrte immer wieder zu Delphi zurück und machte dort bis ins Jahr 2007 meine privaten Programmierarbeiten.

Ich habe damals, sozusagen zwischen den Jobs bei FS und dem jetzigen bei Mozilla, als ich einen Burnout auskurierte, sogar Delphi betagetestet. Ich erlebte die Geburt von CodeGear als Abspaltung von Borland/Inprise live mit. Mein letztes Delphi, das ich noch benutzt habe und das hier auch irgendwo in einem Regal noch steht, ist RAD Studio 2007. Mein letztes großes Projekt war die Implementierung von MSAA in die Delphi-Komponente VirtualTreeView.

Ich bekomme sogar heute noch ab und zu Anfragen zu den Skripts, die ich damals für JAWS geschrieben und dem Produkt zur Verfügung gestellt habe. Auch zu aktuelleren Delphi-Versionen erreichen mich auch im Jahr 2013 immer noch Anfragen von rund um den Globus. Und es tut mir jedesmal leid, den Schreibern mitteilen zu müssen, dass ich mit Delphi seit dem Ende des Jahres 2007 nicht mehr gearbeitet habe und zu diesem Teil der Softwarewelt keinen Kontakt mehr habe.

Delphi gibt es übrigens immer noch, heute sogar mit Unterstützung für OS X und diverse mobile Plattformen.

Ich möchte also mein Glas für all diejenigen erheben, die an Turbo Pascal und Delphi mitgearbeitet haben oder dies immer noch tun, und ihnen danken! Ohne euch hätte ich vielleicht niemals mit dem Programmieren angefangen!

Program Feiern;

begin
  writeln('Prost!');
end.

3 Gedanken zu „Wie ich zum Programmieren kam“

  1. Für die jetzige Entwickler-Generation klingt das wie „Opa erzählt vom Krieg“ 😉 Weiter so – ich lese deine Artikel immer sehr gerne!

  2. @Patrick, für die heutige Entwicklergeneration bin ich ja auch ein Opa. ich bin im April 40 geworden. Von der Warte der Jungen aus ist das ungefähr so wie für uns damals die „alten“ Programmierer, die noch mit Lochkarten programmiert haben.

    1. Nicht ganz. Ich habe auch noch erste Gehversuche mit Turbo Pascal 6.0 gemacht, damals auf einem DAVID, einem integrierten Laptop mit Braillezeile der Firma Baum. Ich hatte das gute Stück, dass mit MS DOS 6.22 lief, aber auch noch bis 2002, als ich meinen Windows-Screenreader bekam. In der Schule haben wir auch noch 2007 Delphi verwendet, aber ich muss zugeben, dass ich das damals schon als rückschrittlich empfand, zumal es viele Probleme mit dem verwendeten Screenreader und Delphi gab.

      Und ich bin erst 25. Oder sollte das für die aktuelle Entwicklergeneration auch schon alt sein? Das wäre echt beunruhigend, wenn man bedenkt, dass ich noch studiere … 🙂

      Trotzdem, prost für Pascal. Es waren schöne Zeiten.

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