Mehrere nicht barrierefreie Relaunches in dieser Woche, die Wut ist groß

In dieser Woche gab es gleich mehrere Anlässe, weswegen ich das Gefühl hatte, mal einmal gepflegt über den Tisch kotzen zu wollen. Entschuldigt die derbe Ausdrucksweise, aber was anderes fällt mir zu den Relaunches des Bayerischen Rundfunks und von Der Westen nicht mehr ein.

Bayerischer Rundfunk

Fangen wir mal mit dem Bayerischen Rundfunk an. Aufmerksam wurde ich durch einen Tweet von Eric Eggert. Als Nordlicht ist der BR nicht unbedingt jeden Tag Ziel meiner Surfaktivitäten. Nach den ersten Hinweisen von Eric habe ich mir die Seite dann selbst angeschaut und bin doch ziemlich entsetzt. Folgende Dinge fallen sofort ins Auge bzw. für den Screen-Reader-Benutzer ins Ohr:

  • Zumindest für Firefox-Nutzer gibt es Sprunglinks, die auch zu halbwegs vernünftigen Zielen auf der Seite (und ich rede erst einmal nur von der Startseite) führen. Für Tastaturbenutzer von Webkit-Browsern (Safari, Chrome) scheint dies noch problematischer zu sein, wie dieser Tweet zeigt.
  • Die Überschriftenhierarchie lässt jegliche Konsistenz oder Konsequenz vermissen. So liegen die Hauptüberschrift „Bayerischer Rundfunk“ und die Überschrift zur Breadcrumb-Darstellung auf Ebene 1, die Überschrift „Inhalt“ sowie ein einzelner Artikel auf Ebene 2, die restlichen Artikelteaser auf Ebene 3. Die Überschrift „Hilfe und Kontakt“ liegt wieder auf Ebene 2.
  • Die Artikelteaser selbst bestehen aus einem Kuddelmuddel aus Text und Grafiken, eingefasst in Überschriften. Ein Beispiel, abgerufen am 28.10.2011:
    <h3>
    <a href="/themen/aktuell/inhalt/bundeswehr-standortschliessungen-bayern100.html" class="link_article contenttype_standard bundeswehr-standortschliessungen-bayern100" title="zum Artikel | Aktuell">
    <span class="teaser_picture">
    <img width="256" height="144" alt="Hinter wuchernden Pflanzen ist vor der Artillerie-Kaserne in Kempten das Wort Kaserne zu lesen. | Bild: picture-alliance/dpa" title="Hinter wuchernden Pflanzen ist vor der Artillerie-Kaserne in Kempten das Wort Kaserne zu lesen. | Bild: picture-alliance/dpa" src="/themen/aktuell/inhalt/kasernenschild100~_v-image256_-a42a29b6703dc477fd0848bc845b8be5c48c1667.jpg?version=1319722326985"/>
    <span class="teaser_icon">
    <span class="link_target"> zum Artikel </span>
    </span>
    </span>
    <span class="teaser_headline">
    <span class="teaser_overline">Bundeswehrreform</span>
    <span class="teaser_title">Suche nach einer neuen Zukunft</span>
    </span>
    </a>
    </h3>

    • Zum einen ist die Verdoppelung des Title zum Alternativtext des Images völlig unnötiger Ballast.
    • Das ganze in einen Link zu packen macht zwar alle Bestandteile klickbar, und man kommt zum Artikel, macht den Linktext für Screen Reader aber auch so behäbig lesbar, dass das spätestens beim dritten Artikel tierisch zu nerven anfängt.
    • Und nein, der Title für den Link wird nur in den wenigsten Fällen als Ersatz für vorhandenen Linktext für Screen Reader herangezogen.
    • Dass das ganze in ein H3 gepackt wurde, erlaubt wenigstens noch die Ansteuerung per Schnellnavigation, das H3 erfüllt sonst aber, glaube ich, so gut wie keine Funktion.

    Für Screen Reader hört sich dieser Teil der Seite dann übrigens so an:

    Hinter wuchernden Pflanzen ist vor der Artillerie-Kaserne in Kempten das Wort Kaserne zu lesen. | Bild: picture-alliance/dpa Grafik
    zum Artikel
    Bundeswehrreform
    Suche nach einer neuen Zukunft Überschrift Ebene 3

Öffnet man nun den oben auseinandergenommenen Artikel, offenbart sich wieder eine in teilen inkonsistente, aber doch etwas besser gelungene Überschriftenhierarchie. Auch hier wird wieder auf einen Artikel, in diesem Fall auf ein Interview, verlinkt, und das „Ungetüm“ liest sich genauso behäbig wie die Verlinkungen auf der Startseite.

Hier wurden zwar semantisch durchaus korrekte, von der usability her aber sehr unhandliche Strukturen geschaffen. Da hat offensichtlich niemand mit einem Screen Reader für Blinde mal drübergelesen, um sich anzuhören, was da eigentlich entsteht.

Es gibt auch hier und da noch auf Pfeilen fehlende Alternativtexte, die habe ich im einzelnen jetzt aber nicht rausgesucht. Es gibt jedenfalls an diesem Relaunch von der Usability her, von der Tastaturnavigation und von den Überschriftenstrukturen genug anzumerken um festzustellen, dass hier keine wirklichen Experten am Werk waren und das Ergebnis auch nicht von fachkundiger Seite geprüft wurde. Für eine Institution der ARD, die mit staatlichen Mitteln und GEZ-Gebühren gefördert wird und somit der BITV unterliegen dürfte, ein absolut erbärmliches und nicht schönzuredendes Ergebnis!

Der Westen

Gegen das, was derwesten.de aber in dieser Woche als Relaunch abgeliefert hat, muss man zwangsläufig beim BR noch von Luxus sprechen, vorausgesetzt man würde das als Maßstab betrachten. Denn:

  • Keine Skip-Links.
  • Keine Überschriften, stattdessen so Monstren aus den 1990ern wie <div class="hl">A 40 in Duisburg wird am Wochenende zum Nadelöhr</div>. „hl“ steht dabei vermutlich für „Header large“ oder so.
  • Auch entsetzlich und von Eric Eggert auf Twitter gepostet: <div class="cell"><a href="#" title="Arnsberg auswählen">Arnsberg</a></div>. Naja vielleicht sollten wir wenigstens dafür dankbar sein, dass nicht tatsächlich eine Layouttabelle verwendet wurde, oder wie?

Bei soviel Dilettantismus allein schon auf der Startseite erübrigt sich das Anschauen jeder weiteren Seite dieses im Oktober 2011 relaunchten Webauftritts. Die Note 6 steht jetzt schon fest.

Warum?

Die große Frage, die ich mir beim Lesen solcher Webauftritte stelle, ist, WARUM? Warum wird für so einen Mist so viel Geld verschwendet? Warum beherrscht nicht inzwischen jede halbwegs seriöse Webagentur in Deutschland wenigstens die Grundregeln modernen Webdesigns und warum rotzen uns immer noch so viele deutsche Webagenturen einen solchen 90er-Jahre-Dreck vor die Füße? Müssen wir uns das gefallen lassen? Denkt wirklich niemand in den Entscheidungsgremien mal daran, dass sie selbst in nicht allzu ferner Zukunft älter sein werden, Sehfehler bekommen, vielleicht eine Maus nicht mehr richtig halten werden können? Barrierefreies Webdesign ist nicht primär was für Blinde, sondern geht primär jeden etwas an, denn wir werden alle älter und nicht jünger, und wir wollen auch im Alter unsere Webauftritte bedienen können. Dazu braucht es ein weitsichtigeres Denken als das, was hier demonstriert wird. Nachhaltigkeit ist das Stichwort, und davon ist hier nichts zu spüren. Und da möchte man als jemand, der seit 15 Jahren für mehr Barrierefreiheit im Web eintritt, manchmal echt fragen, ob man nur für die Luft um einen herum aufklärt. Ich weiß zum Glück, dass es auch und gerade im Pott eine ganze Menge sehr fähiger Webagenturen gibt, die sich das Thema Barrierefreiheit zu einem Grundprinzip gemacht haben und dies all-inclusive in ihre Webauftritte mit einbauen und dass die Arbeit daher definitiv nicht um sonst ist. Es entsetzt mich jedoch, dass nach 15 Jahren bei so vielen großen und teuren Webagenturen davon anscheinend immer noch nichts angekommen ist!

33 Gedanken zu „Mehrere nicht barrierefreie Relaunches in dieser Woche, die Wut ist groß“

  1. Schön! Endlich sagt’s mal einer! Im Zuge dieses ganzen Responsive-Blödsinns wird doch meist das Wesentliche aus dem Focus gedrängt. Hab Deinen Artikel grad noch beim Designtagebuch gepostet…

    Greets,
    Spanky

  2. Von der Übersichtlichkeit will man gar nicht reden. Manche Webdesigner wollen am liebsten alle Inhalte gleichzeitig darstellen, die bei jedem Aufruf der Menüpunkte sichtbar sind. Das überlastet die Seite – und auch meine Konzentration – völlig, insbesondere, wenn alles durch Graphiken zugepflastert wird.

    Barrierefreiheit ist allgemein bei vielen Seiten, egal ob institutionell oder unternehmerisch, ein Fremdwort. Wenn man darauf hinweist, wird man nur ignoriert. Offenbar wird angenommen, dass a) die auf Barrierefreiheit angewiesenen Nutzer nicht zur Zielleserschaft gehören und b) man selbst nie in die Situation kommen wird, auf Barrierefreiheit angewiesen zu sein.

    Gruß,Felios

  3. Ich wundere ich mich auch jedes Jahr darüber, dass es so viele große Relaunches ohne besondere Qualität gibt. Vor kurzem habe ich erst auf die FAZ hingewiesen, die auf der Startseite ohne eine einzige Überschrift auskommt. Sie hat damit den bisherigen Spitzenreiter Süddeutsche geschlagen.

    Man sollte annehmen, dass sich so langsam Best Practices durchgesetzt hätten. Dem ist leider nicht so. Ich wüßte gerne die Gründe. Es ist nicht immer Unwissenheit der Entwickler oder deren Ignoranz. Bei Stern.de gibt es span.h2. Der Entwickler wußte also, dass es sich um eine Überschrift zweiter Ordnung handelt. Wer hat ihm aus welchem Grund gesagt, dass er die Überschrift nicht als solche auszeichnen darf?

    Im Web haben wir leider noch immer ein schwach ausgeprägtes Qualitätsbewußtsein. Jeder sieht nur die glänzende Oberfläche. Darunter schaut niemand. Das ist bedauerlich. Ich fürchte, das wird sich noch einige Jahre so hinziehen. Ich teile Deine Wut und kanalisiere sie auch immer wieder bei Vorträgen und Schulungen.

  4. Wo wir gerade dabei sind: einen weiteren Patzer leistet sich zur zeit auch der Tonträgerversender JPC, auch Dieser Webauftritt wurde einem Relaunch unterzogen, und hier sind beispielsweise in der Übersicht der gefundenen Suchergebnisse sämtliche Überschriften verschwunden, sodaß ein wichtiges Strukturelement fehlt. Ich habe direkt eine Mail an den dortigen Service verfaßt, und auch schon eine Antwort erhalten, man würde sich der Sache annehmen, und das Ganze entsprechend prüfen. Das ganze ist um so erstaunlicher, daß sich JPC infrüheren Zeiten doch immer viel Mühe gegeben hatte, sei es noch zu DOS Zeiten, wo es den Katalog auf Cd gab und später eine spezielle einfach.jpc-Seite, welche speziell für Screen Reader Nutzer erstellt wurde. Wollen wir hoffen, daß sie auch jetzt noch einmal nachlegen.

  5. @Madhyra: Kannst du sagen, von wem? würde mich ja interessieren, wo diese Seiten ein „pass“ bekommen haben. Und bezieht sich Deine Anmerkung auf beide relaunches oder nur auf einen bestimmten?

  6. Tja, das zeigt mal wieder, dass Barrierefreiheit häufig nach wie vor kein Entwicklungsziel ist. Aber mit dem Argument, dass ja auch alte Menschen schlecht sehen und deshalb auf Barrierefreiheit angewiesen sind, kommen wir, glaube ich, nicht weiter. Möglicherweise ist schlechteres Sehen im Alter gar kein so großes Problem. Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, warum praktisch alle sogenannten Senioren-Handys nur eine absolut grottige Anzeige (wie bei einem Taschenrechner aus den 80ern) haben…

  7. Hallo!

    Nachdem ich mich selbst ziemlich viel mit SEO beschäftige, finde ich die Überschriftstruktur und das HTML von Süddeutsche.de sehr gelungen.

    Es ist performant, es hat jeweils nur einen Link auf Artikeln, der Bild Dachzeile & Titel enthält und mobile wird das gleiche HTML mit anderem CSS verwendet.

    Ich finde das sehr gelungen und ein gutes Beispiel.
    viele Grüße Sebastian

  8. @Sebastian Blum

    Ihr Kommentar geht doch so ein klein wenig am Thema vorbei oder?
    So schön das HTML auch sein mag, solange es nicht Barrierefrei ist schließt es eine
    Menge an Personen einfach aus.

    In der Schule bei einem Aufsatz hätten sie jetzt eine 6, Thema verfehlt bekommen.

    Gruß Borys Sobieski

  9. Nachtrag an Herr Blum

    Als Projektleiter von sueddeutsche.de sollten Sie diesen Blogbeitrag als Anregung für sich nehmen und nicht billiges „fisching for compliments“ betreiben. Dies ist der Sueddeutschen nicht würdig.

    Gruß Borys Sobieski

  10. Hallo Sebastian,

    OK, von einer Seite, die genau EINEN Heading-Tag enthält, von „Struktur“ zu sprechen, ist schon spannend. 😉

    Fangen wir mal an, diese „Struktur“ auseinanderzupflücken:

    1.
    340 <li class=“pagenavsection“>
    341 Themen:
    342 </li>

    Hier wird eine Sektionsüberschrift, eine ganz klare Überschrift, durch ein *Listenelement* dargestellt. Warum?

    2.
    550 <div class=’panoramateaser Meinung‘>
    551
    552
    553
    554 <a href=“http://www.sueddeutsche.de/politik/wulffs-verhalten-in-der-kredit-affaere-wie-ein-landrat-von-osnabrueck-1.1249117″ class=“entry-title“ rel=“bookmark“ rel=“nofollow“>
    555 <strong>Wulffs Verhalten in der Kredit-Affäre </strong><span class=“offscreen“> —</span>
    556 Wie ein Landrat von Osnabrück
    557
    558
    559
    560
    561
    562
    563
    564 <div class=“ topbutton“>
    565
    566 <img src=“http://polpix.sueddeutsche.com:80/polopoly_fs/1.1247746.1325571976!/image/image.jpg_gen/derivatives/900×315/image.jpg“
    567 width=“900″ height=“315″ alt=““ />
    568
    569
    570
    571
    572
    573 <button data-href=“http://www.sueddeutsche.de/politik/neue-vorwuerfe-gegen-wulff-1.1249096″ class=“ref-video last“>Video</button>
    574
    575 </div>
    576
    577 </a>
    578 </div>

    Dieses Konstrukt sol,lte von Blinden mit Screen Readern doch leicht auffindbar sein, oder? WARUM befindet es sich dann in stinknormalen Divs? Divs sind von Screen Readern als solche zwar ansteuerbar, werden aber für alle möglichen Zwecke eingesetzt und wie in diesem Fall auch missbraucht. Das ist semantischer Bullshit, der NIEMANDEM nutzt. Und dabei habe ich den leeren alt-Text des Images noch gar nicht erwähnt, der nämlich dazu führt, dass Screen reader hier ein ziemliches Kauderwelsch vorlesen.

    Aber es wird noch besser, direkt darunter:

    3.
    583 <div id=“topthemen“ class=“teaserlist maincolumn hfeed“ role=“main“ aria-labelledby=“topthemenlabel“>
    584 <p class=“offscreen“ id=“topthemenlabel“>Top Themen</p>

    Da macht sich jemand die Mühe, für Screen Reader auffindbare, für andere aber nicht unbedingt nötig sichtbare Texte einzufügen. Aber wieder nur in ein Div. Den ganzen Schmuh hätte man sich sparen können, wenn der p einfach ein hx gewesen wäre, dann hätte man das aria-labelledby nämlich gar nicht gebraucht. Und auch dies ist ein semantisch völlig unsinniges Konstrukt. Nicht alle Screen Reader unterstützen nämlich das Navigieren nach WAI-ARIA Landmarks, aber ALLE können prima Headings finden. Und das gilt im vollen Umfang auch für mobile Screen Reader.

    Nein, diese Codes sind sehr viel gewollt und nicht gekonnt.

  11. Hallo,

    erstens zu meiner Person: Ich schreibe hier Privat.

    zweitens interessiert mich das Thema und daher schreibe ich auch. Ich möchte immer noch mehr dazulernen.
    Fakt ist auf jeden Fall, dass die SEO-Experten keine H-Tags auf der Seite erlauben und somit suche ich gerade nach Alternativen, wie Screen-Reader auch ohne H-Tags die Seite gut verstehen.

    Dennoch mit dem Blick aus der SEO-Brille finde ich es noch nicht ganz so schlecht, weil sich immerhin Aria-Labels und Texte für Screen-Reader darin befinden. Dass es noch ausbaufähig ist, das ist sicherlich allen klar.

    Das Konstrukt, nur einen Link auf einen Artikel zu haben und diesen mit Dachzeile und Titel und Bild ohne Alt-Tag (damit für SEO keine Keywordverwässerung stattfindet) finde ich einen guten Kompromiss, weil mehrere Links helfen auch keinem Benutzer mit Screen-Reader weiter.

    Ich werde mich mal weiter einlesen, wie man eine optimale Auszeichnung für Screen Reader unter SEO-Gesichtspunkten bewirken kann. Ich persönlich habe eine Vielzahl an Seiten, die ich gerne auch für Screen-Reader optimieren würde.

    schöne Grüße aus München
    Sebastian
    sb (at) sblum.de

  12. @Sebastian

    Das ist ja interessant, ich habe aus Fachbüchern sowie fachlich kompetenten Webseiten immer, und wirklich immer, die Info gezogen, dass eine vernünftige Semantik, die insbesondere auch die h-Tags benutzt (und zwar alle verfügbaren, da wo es im Artikel sinnvoll ist), den Suchmaschinen gerade gefällt. Üblicherweise werden die Keywords in den h-Tags nämlich stärker gewichtet als in div, p oder gar span.

    Von daher würde ich gern Quellen für die Angabe, dass h-Tags gerade unter dem SEO Aspekt „verboten“ seien, von Dir erfahren. Von welchen Experten hast Du dieses gelesen/gehört? Gibt es Nachweise im Internet, von rennomierten Fachleuten?

    Danke im Voraus,
    Petra

  13. @ Sebastian Blum

    Ich habe das Argument, dass SEO-Experten in den genannten Fällen von der Verwendung von H-Elementen abraten bzw. „nicht erlauben“ schon mehrfach gehört. Mich haben die Aussagen stets verblüfft und ich denke, dass gerade viele Webworker und Barrierefreiheitsspezialisten an konkreteren Aussagen dazu interessiert sind. Dabei interessiert mich weniger, um welche SEO-Experten es sich handelt, sondern vielmehr die Begründung(en) und Argumente.

  14. Hallo Sebastian,

    auch mich interessiert es brennend, wie diese „SEO-Experten“ darauf kommen, dass die Nutzung von h-tags aus SEO-Sicht „verboten“ sein sollten, da ich mich seit vielen Jahren mit der Entwicklung barrierefreier Internetseiten (mal mehr, mal weniger) befasse und diese Tags eher sogar wichtige und hilfreiche Strukturelemente darstellen.
    Deshalb auch von mir die Bitte nach Quellen zu der Aussage. Danke.

  15. Hallo!

    Zu aller erst einmal gibt es gerade im SEO-Bereich kein Gut oder Schlecht, sondern nur Erfahrungswerte oder Fallstudien.

    Bei meinen eigenen Webseiten als auch bei sueddeutsche.de wird die Strategie gefahren, dass jede Seite eine unterschiedliche H1 hat, die meistens auch mit dem Page-Title und den meisten Links auf eine Seite übereinstimmt.

    Beispiel:
    Artikel hat als H1: Dachzeile – Titel
    dieser Artikel wird auch so weit es geht und Sinn ergibt auch mit nur einem Link Dachzeile – Titel angelinkt (das erklärt auch, wieso ein zusätzliches Teaserbild einen leeren Alt-Tag hat)

    Startseite beim Logo hat eine H1 und keinen Link auf sich selbst. Alle anderen Seiten haben an der gleichen Stelle im HTML auf dem Logo einen Link auf Startseite mit dem Linktext, der der H1 der Startseite entspricht.

    Unterüberschriften (H2 bis H5) werden immer nur bei Absätzen in Texten eingesetzt, jedoch niemals auf statische Wörter wie TopThemen, Kommentare, …

    Mit diesem Vorgehen habe ich und meine SEO-Kollegen die besten Erfahrungen gemacht.

    War das verständich genug?

    viele Grüße
    Sebastian

  16. Hallo Sebastian,

    dass ihr genau *eine* h1 je Seite verwendet, verstehe ich. Dass ihr aber die einzelnen Überschriften, die zu unterschiedlichen Artikeln führen, nicht mit z.B. h2 auszeichnet, ist für mich aus Sicht der Barrierefreiheit und damit aus struktureller Sicht, nicht nachvollziehbar und widerspricht allem, was ich seit ca. 2003 über die Entwicklung barrierefreier Internetseiten gelernt habe.

    Enttäuschend!

  17. Das die Seiten mit der Keine-Überschriften-außer-der-einen-h1-Strategie gefunden wird, heißt nicht, dass die Seite mit ordentlicher Überschriftenstruktur nicht auch gefunden würde. Wir setzen seit 2001 ordentliche Überschriften ein, sowohl Suchmaschinen als auch Menschen kommen damit sehr gut zurecht.

  18. @ Sebastian

    Mir reicht das SEO-Sicht noch nicht ganz aus. Wie würden denn die SuMas reagieren oder es bewerten, wenn man z.B. die Startseite sauber mit H-Elementen der jeweils richtigen Ebene durchstrukturieren würde? Natürlich bin ich auch an den Fallstudien interessiert. Wo und wie bekommt man die?

  19. hallo!

    Womit wir in unseren SEO-Tests wirklich schlechte Erfahrungen gemacht haben, ist

    [a][h2]Dachzeile[/h2] Titel[/a]

    Zudem ist das nicht HTML konform, da eine Headline ein Blockelement ist und nicht innerhalb eines Links platziert werden dürfte.

    Mit
    [h2][a]Dachzeile[/a][/h2] [a]Titel[/a] habe ich 2 Links und wenn das Linkziel als H1 Dachzeile & Titel hat, zeigt nicht der optimale Linktext auf den Artikel und bringt somit auch SEO-Nachteile.

    Möglich wäre Beispielsweise:
    [h2]Themenschwerpunkt[/h2]
    [a] Dachzeile Titel[/h2]

    Das wäre sicherlich eine mögliche Alternative.

    Solche SEO-Tests führen wir oftmals in Österreich mit einer .at Domain durch, weil dort das Angebot deutlich geringer ist und die Chance, ohne Links zu ranken (würden das Ergebnis beeinflussen) deutlich höher ist.

    Wir hatten als Versuchsaufbau, eine Startseite, die wir mit einige Links versehen hatten und die hatte 9 Unterseiten mit gleichstarken Themen.
    Auf 3 Themen wurde HTML A getestet, auf 3 HTML B und die letzten 3 waren die Gegenprobe.

    Wir haben dabei schon signifikante Unterschiede heraufgefunden – wir meinen zumindest, dass es auf das HTML zurückzuführen sei – und somit kam die HTML Struktur zustande.

    viele Grüße, Sebastian

  20. @Sebastian Blum
    Das mit Links um Block-Elemente ist in der Tat ein Problem. Evtl. ließe es sich aber auch so lösen:
    [h2][a]Dachzeile[strong]Titel[/strong][/a][/h2]

    Das wäre »relativ« sauber und ihr könntet per CSS h2 a bzw. h2 a strong stylen oder sogar einfach h2 und h2 strong.

    Zumindest in der Zukunft ändert sich da ja etwas: mit HTML5 sind dann auch Block-Elemente in Links zulässig und valide.

    Grundsätzlich kann ich verstehen, dass aus SEO-Sicht, keine h1-h4-Header für »unwichtige« bzw. immer wieder kehrende Keywords/Struktur-/Meta-Links wie »Kommentare«, »Top-Themen« »verschwenden« möchte.
    Dann blieben noch immer h5 und h6, um diese dennoch mit einem Überschrift-Tag auszuzeichnen – auch wenn dann die Hierarchie nicht korrekt eingehalten wird. @Marco: wäre der Hierarchie-Bruch dann trotzdem besser als keine Überschriften?
    Aus SEO-Sicht sind h5/h6 ja nicht mehr »so« spannend. Zumindest blieben mit h1 bis h4 genügend Überschrift-Tags übrig, um übliche Texte korrekt und auch SEO-relevant auszeichnen zu können.

    Oder halt doch der Wechsel auf HTML5, da sich damit die Strukturen und Struktur-/Meta-Links besser auszeichnen ließen. Für ältere Internet Explorer wäre dann halt Java Script notwendig.

    Wenn man bei JavaScript ist, ließen sich ggf. auch innere Links nach »außen« stülpen bzw. vervielfachen. Das wäre dann aus SEO-Sicht neutral, und sollte für Screenreader-Benutzer dennoch besser zu lesen/verstehen sein. @Marco: oder?

    Egal wie, einen Tod stirbt man.

  21. [h2][a]Dachzeile[strong]Titel[/strong][/a][/h2]
    wäre eine Alternative, jedoch hat es den Nachteil, dass dort Links enthalten sind.

    Man stelle sich vor, man betrachtet eine Seite wie eine Diplomarbeit.

    Ganz vorne steht der Titel ganz groß auf der ersten Seite -> entspricht der H1 der Startseite. Alle anderen Seiten haben als Kopfzeile den Titel aufgeführt, das entspricht dem Link auf dem Logo, der wieder auf die Startseite führt.

    Dann habe ich das Inhaltsverzeichnis, das entspricht am ehesten der Startseite. Dort werden alle Kapital (die späten Überschriften in 2ter und 3ter Ebene verlinkt). Jedoch liegt die Betonung auf verlinkt und keine Überschrift, die wiederum einen Link auf die gleiche Überschrift enthält.

    Und genau dort liegt das Problem.

    In HTML versuche ich die Startseite mit einer H1 auf das Hauptthemengebiet (z.b. Nachrichten) zu kennzeichnen.

    Dann befinden sich die Links auf die Ressorts, die man als Unterthemengebiete verstehen kann ( am Beispiel der Diplomarbeit meine Kapitel)

    Und die eigentlichen Artikel sind dann die einzelnen Themengebiete eines Kapitels, die als Überschrift eine dritte Ebene haben.

    Wie schon gesagt, eine aus SEO-Sicht möglicher Ansatz wäre bei einer kleinen Seite:

    [H1] generisches Thema

    mehrere [H2] für verschiedenen Teilbereiche
    und eventuell jeweils [H3] für einzeilne Themen im den Teilbereichen

    aber von allem anderen kann ich aus reinen SEO Gesichtspunkten nur abraten.

    noch Fragen?

    viele Grüße
    Sebastian Blum

  22. Hallo Sebastian,

    vielen Dank für die Erläuterung. So langsam begreife ich, warum solche HTML-Missgebilde zustande kommen.

    Ich begreife allerdings nicht, warum man für Suchmaschinen sein schönes Handwerk komplett kaputt macht. Aus handwerklicher Sicht (HTML) ist das Ergebnis grottig. eigentlich könnten sich die Entwickler die Arbeit sparen, mehr als DIV und SPAN für die Seite auszusuchen. So kann damit dann auch der durchschnittliche Backend-Entwickler umgehen.

    Es mag ja sein, dass die Seiten viele Zugriffe über Google bekommen (andere Suchmaschinen sind in Deutschland eh nicht relevant). Wer aber garantiert, dass Google nicht in ein paar Wochen seinen Algorithmus ändert, weil sich endlich jemand mit semantischem HTML innerhalb von Google durchgesetzt hat?

    Ich schreibe lieber HTML für Menschen, nicht für Maschinen. Aber ich weiss, wozu SEO-Augen fähig sind. Ich musste in einem Projekt auch schon sinnvolle Überschriften entfernen, weil der Kunde darauf bestand.

    Ich persönliche sehe Dachzeilen auch immer als übergeordnete Schriften (also h2) zu der eigentlichen Headline (h3). Wenn man HTML5 nimmt, darf man dann auch noch die ganze Headline verlinken.

    Mein Plädoyer ist immer, erst an gutes Handwerk und an die Menschen zu denken. Erst danach an die Suchmaschinen. Da es keine wirkliche Dokumentation gibt, ist das eher Voodoo mit unklarer Haltbarkeit.

  23. Hallo Jens,

    vielen Dank für Deinen Kommentar, und euch allen für diese wirklich sehr interessante Diskussion!

    Ich habe irgendwo mal gelesen, weiß aber nicht mehr wo, dass Google selbst sagt, dass man bitte um Himmels Willen Headings benutzen sollte! Sie nutzen sie ja in ihren Angeboten auch. Also Google selbst entkräftet mit solchen Statements meiner Meinung nach diese Ansicht der SEO-Experten, dass sich eine gute Heading-Struktur negativ auf die Suchindizierung o. ä. auswirken würde. Das wäre für mich, wäre ich in dieser Situation, dann neben dem „erstmal für den Menschen“-Aspekt wesentlich ausschlaggebender für eine Entscheidung!

  24. Noch ein letztes Wort.

    Man darf jetzt pauschal sagen, dass Headlines nicht zu verwenden für Google die beste Strategie ist.

    Wir haben bei diesem Thema von
    * News-Seite und speziell für den Google-News-Crawler gesprochen
    * Nachrichten- / News-Seiten haben sehr viele Backlinks auf die Startseite
    * Onpage-Optimierung und der SEO-Boost von der Homepage spielt eine enorme Rolle
    geredet.

    Sobald diese Sonderfälle nicht mehr betrachtet werden, reicht ein Link mehr, um unsauberes HTML im Google Ranking zu korrigieren.

    Sobald man jedoch von News-Seiten redet, bei denen die Homepage die stärkste Seite und wo es speziell darum geht, dass die Artikeln innerhalb von kürzester Zeit allein mit der Semantik aus dem HTML ranken müssen, garantiere ich, dass sich bestimmte HTML-Konstrukte derzeit besser ranken als andere.

    In diesem Thema geht es auch um Relaunches von Nachrichtenseiten.

    vielen herzlichen Dank für die interessante Diskussion,
    Sebastian

  25. Es erstaunt mich immer wieder zu sehen, wie viele Website schlecht dargestellt und userunfreundlich aufgezogen werden. Ich spreche in diesem Bereich über den Content, der abgedruckt und veröffentlicht wird. Einige Unternehmen scheinen sich darüber nicht im Klaren zu sein, dass Artikel, die einmal veröffentlicht werden, auf immer und ewig im Netz verbleiben. Wer geht auf das Leseverhalten der User ein und wer schafft den Sprung aus dem verworrenen Einheitsbrei?

Was denkst Du darüber?