Meine erste Woche mit dem iPhone 4S

Pünktlich zum Verkaufsstart am 14.10. brachte mir der UPS-Fahrer vor jetzt genau einer Woche mein iPhone 4S. Dessen größte Neuerung gegenüber dem iPhone 4, das ich bisher besaß, ist natürlich Siri, die Spracherkennung und der persönliche Assistent. Und genau das ist es, was Siri ist, ein persönlicher Assistent, viel mehr als nur eine Spracherkennung.

Zunächst wurde ich allerdings von dem inzwischen allgegenwärtigen SIM-PIN-Problem heimgesucht. Zunächst glaubte ich, ein Montagsgerät erwischt zu haben. Übers Wochenende entdeckte ich dann jedoch im Internet, dass ich hier durchaus nicht der einzige war.

Dies hielt mich aber nicht davon ab, Siri und auch das iPhone sonst auf Herz und Nieren zu prüfen. Siri zeigt sich auch im Deutschen schon sehr fähig und reaktionsschnell. Fragen wie „Wie wird das Wetter morgen in Hamburg“ oder „Brauche ich einen Regenschirm“ beantwortet Siri im Deutschen genauso zuverlässig, wie dies in den von der Apple Keynote gezeigten Demos zu sehen und hören war. Das Erstellen von Terminen, Timern, das Wecken zu einer bestimmten Uhrzeit und das Erstellen und Versenden von SMS bzw. iMessages funktioniert ebenso reibungslos. Das Einrichten von Erinnerungen klappte ebenso.

Ich musste Siri auch nicht trainieren. Ich spreche ein relativ akzentfreies Hochdeutsch und hatte somit mit ihr keine Verständigungsschwierigkeiten. Wie Siri allerdings auf stärkere Dialekte wie schwäbisch, bayerisch oder fränkisch reagiert, weiß ich nicht.

Einige Dinge beherrscht Siri noch nicht, so kann es im Deutschen keine Abfragen machen wie „wie viel US$ sind 50 Euro?“, da es hierzu die Integration mit der Suchmaschine Wolfram Alpha braucht, die es bisher nur auf englisch gibt. Auch die Anbindung an die Karten-Anwendung gibt es noch nicht, also funktionieren Fragen nach in der Nähe gelegenen Restaurants o. ä. noch nicht. Auch das Finden eines Ortes, an dem man eine Leiche verschwinden lassen kann, ist im Deutschen noch nicht verfügbar. Siri fragt lediglich erstaunt: „Tatsächlich?“ 😉

Aber auch Scherzfragen kann man ihr im Deutschen stellen. So bekommt man als Antwort auf die Bemerkung „Ich finde dich sexy“ ein robustes „Jeder ist berechtigt, eine Meinung zu haben.“ Mehrfache Fragen nach dem Sinn des Lebens fördern Antworten zu Tage wie „42“, „darüber nachzudenken“ bis hin zu „Alles deutet darauf hin, dass es Schokolade ist“. Auf die mehrfache Frage „Willst du mich heiraten?“ kommen Antworten wie „Lass uns einfach Freunde sein“, „Wir kennen uns doch kaum“, „dass ist nett von dir, kann ich dir sonst noch irgendwie helfen?“ oder „Entschuldige, aber in meinem Lizenzvertrag steht nichts über Ehe!“.

Die Integration mit dem iPhone geht sogar so weit, dass Siri auf ein „Gute Nacht“, das am Vormittag ausgesprochen wird, entgeistert antwortet: „Gute Nacht? Es ist 11:15!“.

Abgesehen von diesen Spielereien ist die Integration mit dem iPhone aber schon sehr gut gelungen, und Siri wird ständig weiterentwickelt. So deklariert Apple Siri selbst noch als in der Betaphase befindlich. man darf also gespannt sein, ob z. B. das Versenden von Tweets und die im Deutschen fehlenden Funktionen bald nachgerüstet werden.

Genauso stark funktioniert die Diktatfunktion. Ist Siri aktiviert, gibt es auf der Tastatur neben der Leertaste eine Taste, um ein Diktat zu starten. In jede Anwendung kann so diktierter Text eingefügt werden. Bis auf wenige Worte und Sonderbegriffe oder auch mal unsauber zusammengeschmierte Worte hat Siri bisher alles erkannt, was ich ihr diktiert habe. Dies verkürzt das Antworten auf SMS oder WhatsApp-Nachrichten oder auch das Schreiben von tweets in der Regel erheblich, da man (übrigens auch auf anderen Handys) nie so schnell schreiben kann wie man spricht. Die Erkennung ist quasi sofort verfügbar.

Siri braucht jedoch zur Arbeit Netzanbindung, da die Sprachanalyse selbst in der Cloud stattfindet und nicht lokal auf dem iPhone. Es reicht eine Verbindung per Handynetz, über WLAN geht es natürlich schneller. Auch was mit den Sprachdaten passiert, die man so an Apple überträgt, ist noch nicht abschließend von Apple beantwortet.

Abseits von Siri begeistert die neue Kamera. Es gibt eine Gesichtserkennung, die per VoiceOver sogar ansagt, wo sich das Gesicht befindet. Ein Ausrichten auf eine Person, so dass deren Gesicht im Zentrum des Bildes sein wird, ist also auch als Blinder selbständig möglich.

Auch die neue Mitteilungszentrale begeistert. Push-Benachrichtigungen werden von VoiceOver beim Eintreffen und kurzen Aufblinken am oberen Bildschirmrand selbständig gesprochen, aber sie geraten einem nicht mehr in den Weg, wenn man gerade einen Text schreibt.

Einziges Manko, das ich bisher festgestellt habe, ist eine verkürzte Akkulaufzeit. Obwohl alle Apps geschlossen sind und das iPhone neu gestartet ist, verbraucht es im Standby deutlich mehr Strom und ist am Ende eines Tages in der Regel komplett leer. Das 4 hält mit der gleichen Version von iOS und gleichen Benutzungsmustern (von Siri mal abgesehen) deutlich länger durch. [Update vom 24.10.2011]: Ich weiß inzwischen, was den erhöhten Akkuverbrauch bei mir verursacht hat. Es ist die Funktion „Sprechen“ von Siri. Diese etwas verwirrend klingende Option ist lediglich dafür zuständig, Siri dazu zu befähigen, auch dann „aufzuhorchen“, wenn man sich das iPhone ans Ohr hält und gerade kein Telefongespräch im Gange ist. Siri scheint da in einem dauerhaften Lauscherzustand zu sein und auf Bewegungen des iPhones aufzupassen. Ich habe diese Funktion abgeschaltet. Somit ist Siri lediglich noch durch das längere Drücken der Home-Taste aktivierbar. Seitdem hat sich der Akkuverbrauch wieder auf ein gewohntes Maß reduziert.[/Update]

Von diesem Manko abgesehen kann ich aber sagen, dass ich den Kauf des 4S nicht bereue. Siri ist für jeden eine Erleichterung und stellt somit ein Rundum-Feature dar, mit dem z.B. Blinde, Sehende, motorisch eingeschränkte Menschen und Menschen mit Lese-Rechtschreib-Schwäche gleichermaßen eine große Erleichterung im Umgang mit dem iPhone erfahren. So schnell wie ich Siri z. B. sage, dass sie mich morgen um 8 Uhr wecken soll, kriege ich das in der Uhr-Anwendung nicht eingestellt!

9 Gedanken zu „Meine erste Woche mit dem iPhone 4S“

  1. Zum Thema Datensicherheit möchte ich anmerken:

    Es hat zwar schon sog. Datenskandale um Apple gegeben. Allerdings gab es m. W. noch keinen Fall, wo Apple mit den Daten der Kunden irgendetwas Unerwünschtes gemacht hätte.

    Der Hauptunterschied zwischen Apple einerseits und vielen anderen sog. Diensteanbietern wie Google und Facebook etc. ist: Bei Apple bist du der Kunde, sie wollen dir etwas verkaufen. Bei den anderen bist du das Produkt, die von dir generierten Daten werden an die Werbekunden verkauft. Ich kann mir vorstellen, dass schon deshalb die Nutzerpflege bei Apple anders aussieht.

  2. Hallo marco!
    Der Blogeintrag war sehr interessant. kann man Siri auch sagen, dass sie t.b. eine Videoaufnahme starten soll oder funktioniert es nur mit Wecker- und Timereinstellungen?

    Gruß Susanne

  3. @Susanne, bisher funktioniert das Starten einer Videoaufnahme oder das Schießen eines Fotos noch nicht, vermutlich weil man dazu ja sehen muss, worauf man mit der Kamera hält, und das zeigt einem nur die Kamera-App. Ob das kommt, weiß ich natürlich auch nicht.

  4. Habe den Absatz über den Akkuverbrauch des iPhones aktualisiert. Der Übeltäter ist identifiziert. 🙂 Sucht einfach nach der Zeichenfolge „[Update“, um die Textstelle zu finden.

  5. Danke für den Artikel über das 4S.
    Ich habe seit einigen Monaten auch eines und bin ebenso begeistert.
    Allerdings muss ich das Thema Akku ebenfalls sehr bemängeln.
    Bei anderen Handys kann man ein leeres Akku wenigstens einfach gegen ein geladenes wechseln und es kann weitergehen. Apple ermöglicht das leider nicht.

    Wir waren aktuell einige Tage mit dem Rad unterwegs. Zum Tracking nützte ich eine App. Leider hielt das Akku nicht einmal einen einigen Tag durch.

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