Die deutsche Bank hat relauncht — oh Gott!

Die Deutsche Bank hat ihre Webseite relauncht. Hier sind meine Beobachtungen von Anschauen nur der Hauptseite. Da ich kein Kunde bei diesem Kreditinstitut bin, kann ich Dinge wie das Online-Banking nicht testen. Aber allein der Eindruck der Startseite spricht Bände.

„Unsere vielen Sprungmarken gib uns heute“…Schon fast rekordverdächtig ist die Flut an Sprungmarken, die einen gleich am Anfang der Seite begrüßt. Sechs Stück sind es, und sie sind ausschließlich englischsprachig. Sie fangen alle mit „Jump to…“ an, und sie haben so aussagekräftige Namen wie „Meta Navigation„.

Es folgt: „Index“ link, „Index Grafik“, „Jahres-Pressekonferent am 4. Februar 2010 Grafik“. OK.

Es folgt eine Liste mit „Kontakt“, „Site Map“ usw., Aha, das ist dann wohl die „Meta Navigation“.

„/de/img/tran_pxl.gif Schalter“. Aaaah ja.

„Eingabefeld Volltextsuche“ OK.

Es folgen dann noch diverse Listen mit verschiedenen Möglichkeiten sich über Privatkunden, Private Banking, Geschäftskunden, Jobs o. ä. zu informieren.

Es gibt einen Impressumsbereich. Es gibt einen Link zu „Accessibility„. Es gibt jede Menge Kurztasten.

Und es gibt sogar einen Hauptteil, wie die eine Sprungmarke am Seitenanfang vermuten lässt. Hineingeklatscht zwischen zwei navigationslisten eine Abfolge von Links, nicht strukturiert, von Pressemitteilungen. OK, kann man so machen…

Ganz am Ende findet sich sogar noch die Möglichkeit einer Kontraständerung. Da ich das nicht überprüfen kann, hab ich’s mal nicht ausprobiert.

Es gibt auf dieser Startseite keinen einzigen(!) heading-Tag.

Ich habe mich dann mal getraut und den Link „Privatkunden“ angeklickt.

Es gibt Überschriften! Sogar mehrere, und Unterüberschriften mit niedrigerer Ordnungsebene als die darüber liegenden Abschnitte! Und alle so: Yeah! 🙂

Und es gibt so etwas hier in verschiedener Form: „Link grafik pk-kredit_finanzierung-privatkredit link=pk-index-privatkredit-pbc1400b-pbcde-to-pk-kredit_finanzierung-privatkredit&WT.mc_id=1400&mc_wm=b&mc_wp=90“. Vielen Dank für das Gespräch!

Auf dieser Seite gibt es dann auch tatsächlich mehrere Formularfelder mit sogar richtig beschrifteten Schaltern.

Fazit: Dieser Relaunch ist eine ausgesprochene Peinlichkeit! Dass es im Jahr 2010 in Deutschland noch möglich ist, einen solchen Relaunch mit so offensichtlichen Fehlern in der Barrierefreiheit hinzulegen, ist unter aller Würde und durch NICHTS zu rechtfertigen! Und hier sind eventuelle Probleme für Sehbehinderte noch gar nicht berücksichtigt, und den Quellcode der Seite habe ich mir auch nur flüchtig angeschaut. Es wird zumindest nicht mit Layouttabellen gearbeitet.

Die Deutsche Bank hat im vergangenen Jahr einen Gewinn vor Steuern von 5 milliarden Euro erzielt. Einige Tausend Euro weniger Gewinn hätten dem Webseiten-Relaunch mit Sicherheit nicht geschadet, indem nämlich eine Agentur damit beauftragt worden wäre, die sich damit auskennt.

Setzen: 6!

29 Gedanken zu „Die deutsche Bank hat relauncht — oh Gott!“

  1. Pingback: rt_fail (RT fail)
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  3. „Es gibt auf dieser Startseite keinen einzigen(!) heading-Tag.“

    Doch gibt es, aber es sind nur H4en und die muss man erst Aufklappen im Punkt „Kunden-Login“ 😉

    Der Webauftritt sieht an sich schon irgendwie hingezimmert aus, allein die Ladezeiten der Startseite an die 800 kB und die Folgeseite dann gleich mal gleich an die 1300 kB. Nun gut, wenn das Flash schon gleich mal die ganze Bandbreite auffrisst. 😉

  4. Pingback: y_cas (y_cas)
  5. Wieso berichtet eigentlich niemand über die Trennung zwischen hhtp-und https-Inhalten? Von einer Bankenseite erwarte ich in der heutigen Zeit generell eine https-Verbindung und nicht erst, wenn ich mich ins Online-Banking einlogge…

  6. Pepe, du erwartest ein sicheres Protokoll für das reine Betrachten von Inhalten? In Anbetracht der dadurch zu erwartenden Server-Last halte ich diese Teilung für eine weise Entscheidung …

    PS: Marco, hoffentlich untersucht nicht mal jemand deine Ausdrucksweise auf Barrierefreiheit – unter aller Sau und durch NICHTS zu rechtfertigen 😉

  7. Hallo Marco

    Ich habe dass mit dem Kontrast mal ausprobiert.
    Das ist der berühmte Rheinfall ohne „h“:-(

    Auf der Seite „Accessibility“ steht dazu man solle den Accesskey „K“ verwenden, also im FF ALT+Shift+K

    Wenn man diesen Accesskey verwendet passiert gar nichts ausser das man von Jaws die Bestätigung erhält das man die Tastenkombination auch wirklich gedrückt hat, sofern man Jaws so eingestellt hat.

    Der standardmässige Kontrast ist eine subjekttive Katastrophe.
    Hellstes Grau auf weiss, da wundere ich mich das da überhaupt jemand den Text lesen kann.

  8. Hallo Thomas, Du schriebst gerade:

    PS: Marco, hoffentlich untersucht nicht mal jemand deine Ausdrucksweise auf Barrierefreiheit – unter aller Sau und durch NICHTS zu rechtfertigen 😉

    Nun wir haben in Deutschland zum Glück so etwas wie Meinungs- und Pressefreiheit. Diesen Blogeintrag habe ich als potentieller Anwender geschrieben, und als solcher muss ich zum Glück nicht „political correct“ sein, sondern kann den Verantwortlichen sagen, dass sie Bockmist gebaut haben. Und auch als Behinderter habe ich, mit Verlaub, die Nase inzwischen gestrichen voll von dem in Deutschland immer noch sehr verbreiteten Duckmäusertum. Wir lassen uns von der Politik und der freien Wirtschaft viel zuviel gefallen. Auch die Verbände, die ja eigentlich unsere Interessen vertreten sollen, ergehen sich ständig ausschließlich in langwierigen und fruchtlosen Diskusssionen anstatt einfach mal den Mund aufzumachen und auf den Tisch zu hauen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es offensichtlich nicht mehr reicht, sogenannte Lobbyarbeit im Hinterzimmer zu betreiben. Die BITV 1.0 ist ein zahnloser Tiger. Wenn nicht ein Wunder geschieht wird die BITV 2.0 auch nicht viel besser dastehen. Und die Antidiskriminierungsrichtlinien für Schwerbehinderte der EU wurden in Deutschland nur minimalistisch in Gesetze umgesetzt.

    Mich hätte die Deutsche Bank mit diesem Webauftritt jedenfalls nicht als Kunden gewonnen, wegen dieser massiven Barrierefreiheitsmängel. Und dieses Kind werde ich auch so beim namen nennen. Ich bin zum Glück bei einer Bank, die das wesentlich(!) besser im Griff hat. Freiwillig. Und mit Erfolg.

  9. Das was uns als sehbehinderten/blinden Kunden im Web geboten wird, ist sehr unterschiedlich. Es reicht von hervorragend nutzbar bis zu absolut unzumutbar. Erst dann, wenn die Anbieter erkennen, dass es in mehr als einer Hinsicht fatal sein kein einer potenten Kundengruppe die Tür vor der Nase zuzuschlagen wird sich hieran etwas ändern. Die Anbieter, die derweil bereits tausende Kunden bedienen werden evtl. nie erfahren, dass sich ihr Engagement ausgezahlt hat. Denn wie werden sie je erfahren, dass die 5.000 EUR Bestellung von einem blinden Kunden ausgeführt wurde und das sie soeben einen Stammkunden gewonnen haben?
    Was die Deutsche Bank an zusammen gefuschtem Web-Auftritt bietet ist aber mehr als peinlich! Eine Visittenkarte mit Tipfehler würde man nie aus der Hand geben…
    Da frage ich mich doch gleich, ob die Buchungsprogramme auch so sorgfältig entwickelt wurden.
    Vielleicht fragt sich ja mal jemand bei der „Deutschen Bank“ welche Folgen für das Image des Unternehmens ein so miserables Aushängeschild hat, das man auch nach Jahren noch in Web Archiven finden kann. Die Mitarbeiter im Marketing müssten eigentlich schon am verzweifeln sein.
    Im Einzelhandel kennt man das Phänomen, dass die Kunden mit den Füßen abstimmen. Im Internet
    fehlt diese Erfahrung offensichtlich noch vielen Anbietern. Ich bin bei den Firmen Kunde, die mich
    nicht ausgrenzen und davon gibt es zum Glück schon etliche.

  10. Ich habe mir die Seite der Deutsche Bank als technisch Sehbehinderten angeschaut (Monitor mit hohe Punktdichte, keine Zoom verwendet). Die Schrift für Fließtexte ist zu klein und erinnert an das Kleingedruckte mit verringerten Kontrast. Offenbar sollte der Besucher die Seiten nicht lesen, etwas peinliches könnte vorhanden sein.

Was denkst Du darüber?