Neue Funktionen zur Barrierefreiheit in Firefox 3.6

Die zweite Beta von Firefox 3.6 ist gerade erschienen, so dass es ein guter Zeitpunkt ist, mal auf die Funktionen zu schauen, die Anwender von assistiven Technologien von der neuen Version des Browsers erwarten können.

Unterstützung für die Spracheingabefunktion von Windows Vista und Windows 7

Windows Vista und Windows 7 haben eine eingebaute Spracheingabefunktion, mit der motorisch eingeschränkte Benutzer oder solche mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche Texte in verschiedene Programme diktieren können. Ab der Version 3.6 gehört auch Firefox zu diesen Programmen. Dies wird erreicht, indem das Microsoft Text Services Framework (TSF) unterstützt wird.

Da es sich hierbei um sehr neue Technologie handelt und es eventuell ungewollte Nebeneffekte geben kann, die erst in den nächsten Updates beseitigt werden können, ist die Unterstützung für TSF standardmäßig ausgeschaltet. Durch folgende Schritte kann sie eingeschaltet werden:

  1. Gib in die Adresszeile von Firefox die Adresse about:config ein.
  2. Bestätige den Warnhinweis mit einem Klick auf „Ich werde vorsichtig sein, versprochen!“.
  3. Gib in das Textfeld für die Filterung die Buchstaben tsf ein.
  4. Wähle in der Liste die Einstellung intl.enable_tsf_support.
  5. Führe einen Rechtsklick auf diesem Eintrag aus und wähle „umschalten“ aus dem Popup-Menü.
  6. Starte Firefox neu.

Von nun an kann in Eingabefelder wie z. B. das Eingabefeld für Blogkommentare diktiert werden.

Dies erweitert die von Firefox und der Gecko-Plattform nativ unterstützten Technologien um eine weitere und schließt somit eine weitere Gruppe von Benutzern mit einer Behinderung ein.

Die neue Taskleistenvorschau in Windows 7 ist zugänglich

In Windows 7 kann die Taskleiste bei mehreren geöffneten Fenstern oder Tabs eine Vorschau der geöffneten Tabs anzeigen, und man kann direkt in dieser Vorschau wählen, mit welchem Fenster oder Tab das Programm in den Vordergrund geholt werden soll. Diese Funktion wird ab Version 3.6 auch von Firefox unterstützt und ist mit Screen Readern wie dem NVDA auch zugänglich. Bietet Firefox mehrere Tabs zur Vorschau an, sagt NVDA beim navigieren in der Taskleiste für das Symbol des Firefox „Untermenü“ an. Jetzt kann mit den Pfeiltasten rauf und runter der gewünschte Tab ausgewählt und mit Eingabe oder Leertaste Firefox mit diesem Tab im Vordergrund der Fokus übergeben werden.

Bessere Behandlung des Eingabefokus

Dies betrifft Maus- und Tastaturbenutzer gleichermaßen, wird hier aber extra erwähnt, weil die Verbesserungen auch Benutzer von Bildschirmleseprogrammen betreffen. So gibt es jetzt ein verbessertes Navigieren auf Seiten, wo das Attribut tabindex für einige Elemente definiert ist und für andere nicht. Weiterhin wird beim Speichern von ausführbaren Dateien das Dialogfeld, das erscheint, jetzt automatisch angesagt.

Unterstützung für die Programmierschnittstelle IAccessibleTable2

Diese Erweiterung des Standards IAccessible2 ermöglicht es assistiven Technologien, exaktere Informationen über Tabellenstrukturen zu erhalten und dem Anwender mitzuteilen. Hierbei ist es unerheblich, ob es sich um eine Datentabelle im Web, eine mehrspaltige Strukturansicht wie die Lesezeichenverwaltung, ein ARIA tree grid oder ähnliches handelt. Die Informationen werden von Gecko gesammelt und über diese neue Schnittstelle transparent und konsistent zur Verfügung gestellt. Hersteller von assistiven Technologien können Firefox 3.6 somit zur Implementierung dieser neuen nSchnittstelle verwenden und ihren Anwender somit eine verbesserte Wiedergabe verschiedendster Tabellenstrukturen bieten.

Verbesserte Regeln zum Errechnen des accessible name

Der Name eines accessible Objekts, der häufig dem Bildschirmtext entspricht, ist der Hauptbestandteil dessen, was Anwendern von Bildschirmleseprogrammen beim Navigieren mit Tab oder im virtuellen Puffer angezeigt wird. Im Einklang mit dem User Agent Implementor’s Guide des WAI-ARIA-Standards haben wir das Errechnen dieses Namens verbessert, so dass der Programmcode jetzt besser wartbar, vorhersagbarer und somit robuster auch für zukünftige Implementierungen neuer Elemente z. B. aus dem HTML5-Standard geworden ist.

Unterstützung für sich ändernde Objektattribute

Für eine bessere Unterstützung von drag and drop in WAI-ARIA, aber auch im Hinblick auf HTML5, haben wir das Ereignis IAccessible2 Object Attribute Changed implementiert. Dieses wird immer dann ausgelöst, wenn der Wert eines Attributes eines HTML-Elements, der durch ein Objektattribut des entsprechenden accessibles veröffentlicht wurde, sich ändert. Diese Änderung passiert üblicherweise durch JavaScript. Bildschirmleseprogramme können hierauf reagieren und ihren Anwendern diese Änderung mitteilen und/oder ihren virtuellen Puffer aktualisieren.

…und wieder jede Menge Bugfixes

Und natürlich haben wir auch wieder an der Stabilität und Zuverlässigkeit des Firefox gearbeitet! Wenn bestehende Funktionen nicht so funktionierten wie gewünscht und dies uns von Anwendern und Herstellern assistiver Technologien gemeldet wurde, haben wir uns um schnelle Verbesserungen gekümmert. Weiterhin sind wir auch am Ball geblieben, was späte Änderungen in der Spezifizierung von WAI-ARIA anging und haben unsere Implementierungen entsprechend angepasst.

Das gesamte Accessibility Team bei Mozilla hofft, dass euch der Firefox 3.6 genauso gefällt und soviel Freude bereitet wie es uns Spaß gemacht hat, an ihm zu arbeiten und ihn zu testen!

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