Firefox 3.1 liefert Textattribute an Screen Reader

Am vergangenen Donnerstag landete wahrscheinlich das größte neue Feature für Firefox 3.1, den designierten nächsten größeren Versionssprung, im Produkt: Die Herausgabe von Textattributen an Screen Reader und andere assistive Software.

Fragte man bisher bei meinem Blog den Link unterhalb der allerobersten Überschrift nach seinen Attributen, z. B. mit dem Windows-Tool AccProbe, bekam man folgende Antwort:


getAttributes(1) = NULL

NULL ist gleichbedeutend mit „Ich hab‘ nichts zu melden“.

Ganz anders mit den nächtlichen Builds von Firefox 3.1a1pre seit der Buildnummer 2008071803. Hier bekommt man nun folgende Antwort:


getAttributes(1) = org.eclipse.actf.accservice.core.win32.ia2.IA2TextSegment[text=font-style:normal;language:de-DE;text-align:start;font-size:12px;background-color:rgb(198, 217, 233);font-weight:400;text-indent:0px;color:rgb(34, 68, 102);font-family:"Lucida Grande","Lucida Sans Unicode",Tahoma,Verdana,sans-serif;text-underline-style:underlinesolid;,start=0,end=14]

Man bekommt also zusätzlich zu den Informationen über die verwendete Schriftfamilie und deren Größe auch die Farben, ob eine Unterstreichung vorhanden ist, wie stark die Schrift ist (ein Wert von 400 besagt eine normale Schriftstärke), die Sprache, in der dieser Teil ausgezeichnet wurde, und auch Informationen zur Ausrichtung des Textes.

In Eingabefeldern, und wenn die automatische Rechtschreibkorrektur, die es seit Firefox 2.0 gibt, eingeschaltet ist, wird bei einem falsch geschriebenen Wort auch die Information „invalid:spelling;“ zur Verfügung gestellt. Beim Tippen wird, sobald ein Satz- oder Leerzeichen gedrückt wird, ein Ereignis ausgelöst, wenn das soeben eingegebene Wort als Rechtschreibfehler erkannt wird. Screen Reader können dieses Ereignis auswerten und umgehend darauf hinweisen, dass ein Rechtschreibfehler aufgetreten ist. Die Korrektur kann dann gleich vorgenommen werden, und man bekommt sofort Feedback darüber, ob die Korrektur erfolgreich war.

Ein Hinweis: Gerade das Attribut „invalid:spelling;“ kann sich noch ändern, je nachdem, ob die IAccessible2- und AT-SPI-Gruppen unseren Vorschlag, diese Werte an die möglichen Werte des Attributes aria-invalid anzulehnen, akzeptieren oder nicht.

In den nächsten Wochen wird dieses neue Feature sicher noch einige Verbesserungen in der Geschwindigkeit und eventuelle Bugfixes erfahren. Der erste Meilenstein ist jedoch geschafft, die Funktion steht prinzipiell zur Verfügung, und erstes Feedback des Orca-Teams und unsere eigenen Tests zeigen, dass es auch schon sehr gut funktioniert.

Sobald Thunderbird 3.0 die dem Firefox 3.1 zugrunde liegende Version Gecko 1.9.1 nutzen wird, was innerhalb der nächsten paar Wochen der Fall sein dürfte, steht diese Funktion auch beim Schreiben von E-Mails zur Verfügung. Bei entsprechenden Auswertungen der Infos durch die Screen-Reader dürfte also einer weiteren Angleichung der Funktionen, die Blinde und Sehende gleichermaßen nutzen können, nichts mehr im Wege stehen!

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