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Letzter Feinschliff für Firefox 3

Samstag, 26. April 2008

Entschuldigt, wenn es hier in den letzten Wochen etwas ruhig war. Ich steckte bis zum Hals in den letzten Feinschliffarbeiten für Firefox 3.0. Wir sind nun, wie man so schön sagt, aus dem Gröbsten raus, so dass ich fürs endgültige Release nur noch eventuell aufkommende Absturz-Fixes oder gravierende Mängel zu beheben erwarte.

Hier einige der sichtbaren Änderungen, die in letzter Zeit noch so erfolgt sind:

  • Bei Grafiken, die einen leeren alt-Text, also "", enthalten, jedoch auch mit einem title-Attribut versehen sind, erzeugt Firefox nun einen Namen für das Accessible der Grafik, der aus dem Inhalt des title-Attribut besteht. Bisher wäre diese Art Grafik als sogenannte dekorative Grafik gemeldet worden, weil eben der alt-Text leer ist. Während sich für JAWS und Window-Eyes-Benutzer hieraus keine Änderung ergeben dürfte, werden Anwender von NVDA und Orca die Änderung sehr wohl bemerken. JAWS und Window-Eyes haben in einem solchen Fall bisher schon selbständig nach einem title-Attribut gesucht und dieses verwendet, wenn es vorhanden war.
  • Das src-Attribut von Grafiken wird jetzt über die Attribute eines Accessibles mitveröffentlicht. NVDA muss dann nicht extra für diese Informationen auf die älteren iSimple*-Interfaces zugreifen, die ursprünglich benutzt wurden, um Informationen zu veröffentlichen, die über MSAA (Microsoft Active Accessibility) hinausgingen. Unser Ziel ist es jedoch, alle Informationen, die bisher über iSimple* zu bekommen waren, auch für IAccessible2 zur Verfügung zu stellen.
  • Bei ARIA gab es noch einige Verbesserungen, so dass bestimmte Arten von Listenfeldern und Menüs jetzt noch besser funktionieren.
  • Unter Linux funktioniert das Dialogfeld “Bibliothek” jetzt auch in den Baumtabellen richtig.
  • Durch das Auswerten eingesandter Absturzberichte konnten wir noch einige Fehler ausmerzen, die uns bis dahin nicht aufgefallen waren. Die Beta 5 von Firefox 3.0 wird anscheinend deutlich aktiver genutzt als frühere Betas, und diese Absturzberichte helfen uns wirklich, die Stabilität noch weiter zu verbessern. In diesem Zusammenhang eine Bitte: Es gibt im Dialogfeld zum Absenden eines Berichtes ein Kommentarfeld. Falls euch der Firefox abstürzen sollte, und ihr sendet einen Bericht an Mozilla, schreibt bitte einen Kommentar hinein, so dass wir einen Anhaltspunkt haben, wo euch der Absturz passiert ist. Manchmal ist es nämlich nicht ganz einfach, die Ursache für einen Absturz festzustellen, wenn man keinen Anhaltspunkt hat, auf welcher Seite sich der Berichtende befunden hat.

Einfaches ARIA Tip #1: Das Attribut aria-required

Freitag, 29. Februar 2008

Inspiriert durch eine Unterhaltung, die ich vor einigen Tagen mit Aaron Leventhal, dem Modulbesitzer der Barrierefreiheitsfunktionen in den Mozilla-Produkten, führte, möchte ich mit diesem Posting eine kleine Serie starten, die zeigen soll, mit wie wenig HTML-Code man ARIA in seine Webseiten einbauen kann, ohne gleich ganze ARIA-Steuerelemente programmieren zu müssen, und so die Barrierefreiheit bestimmter Webseiten zu verbessern.

Es gibt in ARIA einige sogenannte universelle Attribute, also Attribute, die nicht nur ARIA-Steuerelementen vorbehalten sind, sondern die auf jedes HTML-Element angewendet werden können. Der Firefox, demnächst auch Opera, und in Zukunft hoffentlich noch mehr Browser, kann dann im Zusammenspiel mit modernen Screen-Readern dem Anwender gleich die richtigen Hinweise zur Bearbeitung eines Formulars geben, ohne dass z. B. ein Sternchen “*” für erforderliche Felder o. ä. verwendet werden muss. Browser, die dieses Attribut noch nicht unterstützen, stolpern aber nicht über das Attribut, so dass es hinzuzufügen nichts kaputtmacht.

Das erste Attribut, das ich vorstellen möchte, heißt aria-required und kann den wert “true” oder “false” annehmen. Schauen wir uns mal folgendes Beispielformular an:


Im obigen Formular sind die Felder firstName und lastName als erforderlich gekennzeichnet, indem man ihnen das Attribut aria-required=”true” zugewiesen hat.

Der NVDA, JAWS 9.0 und Window-Eyes ab Version 5.5 zeigen im Zusammenspiel mit dem Firefox an, dass diese beiden Eingabefelder erforderlich sind. JAWS 8.0 unterstützt dieses Attribut noch nicht, und auch im Orca unter Linux fehlt die Ansage bisher.

Ein Appell also an alle Webautoren: Wenn ihr keine Sternchen oder ähnlich offensichtlichen Kennzeichnungen verwenden könnt/dürft, fügt euren Elementen, die unbedingt erforderlich sind, das Attribut aria-required=”true” hinzu, um die Felder für unterstützende Browser und Screen Reader so kenntlich zu machen.

Einige Benutzbarkeitsverbesserungen dieser Woche

Freitag, 29. Februar 2008

Aaron leventhal, der Modulbesitzer der Barrierefrehieitsfunktionen in der Mozilla-Plattform, und ich trafen uns Anfang dieser Woche in Stuttgart, um gemeinsam an einigen Fehlern zu arbeiten, die uns die letzten Wochen, teilweise sogar Monate, begleitet haben. Als Ergebnis sind hierbei einige deutlich sichtbare Verbesserungen bei der Benutzbarkeit herausgekommen, auf die ich den geneigten Leser kurz aufmerksam machen möchte.

Ungereimtheiten beim Laden von Dokumenten

Beim Laden von Dokumenten im Firefox oder beim Laden von Nachrichten in Thunderbird gab es in den vergangenen Wochen diverse Probleme. Unter Windows kamen Nachrichten manchmal gar nicht in den virtuellen Puffer, unter Linux fehlten Ereignisse, die das vollendete Laden eines Dokumentes anzeigen, oder sie wurden nur unzuverlässig generiert, usw. Diesen ganzen Themenkomplex haben Aaron, diverse Tester und ich mit vereinten Kräften gelöst, so dass sowohl in Firefox als auch in Thunderbird jetzt unter beiden unterstützten Plattformen ein flüssigeres und zuverlässigeres Arbeiten möglich wird.

Fokus-Wechsel, der gar keiner ist

Ist euch auch schon aufgefallen, dass im Dialogfeld Add-Onss, wenn man von der Registerkarte Erweiterungen zur Registerkarte Themes wechselt, dem Screen-Reader vorgegaukelt wird, der Fokus sei gleich auf das gerade gewählte Element (also das Theme oder die Erweiterung) gewechselt, wenn man Pfeiltasten betätigt, ist man aber tatsächlich immer noch in den Registern? Dieses Problem, das ich schon seit Firefox und Thunderbird 1.5 kenne, also seit Beginn ihrer Barrierefreiheit, wurde in dieser Woche endlich behoben und kann in täglichen Builds seit dem 28.02. bewundert werden. Dies bewirkt auch, dass ein angeblicher Fokuswechsel in Thunderbird nicht mehr fälschlicherweise angesagt wird, wenn man z. B. erst im Posteingang eine Nachricht markiert, dann in den Ordner Entwürfe wechselt und später zum Posteingang zurückkehrt. Früher wurde hier gleich die markierte Nachricht vorgelesen, und der Screen-Reader glaubte, der Fokus sei tatsächlich in die Nachrichtenliste gewechselt.

Nicht aktualisierte Strukturelemente

Dies ist vor allem ein Problem in Thunderbird gewesen: Man geht auf eine Newsgroup oder einen IMAP-Ordner, er synchronisiert sich neu, der Screen-Reader kriegt davon aber gar nichts mit. Man muss erst den Fokus woanders hin und dann wieder auf die Strukturansicht zurück bewegen, um die aktualisierten Werte hören oder lesen zu können. Dies gehört seit einigen Tagen auch der Vergangenheit an: Fokusiert man jetzt einen solchen Ordner, und aktualisiert dieser die Anzahl der Nachrichten und eventuell ungelesener Nachrichten, wird dies auf der Braillezeile automatisch aktualisiert, und die Sprache sagt beim Lesen der Zeile auch die richtigen Werte an. Mit ein bisschen Skripting kriegt man sicherlich auch eine automatisierte Ansage bei Aktualisierungen hin.

Ich empfehle allen Interessierten, die eh tägliche Builds verwenden, nach diesen Neuerungen Ausschau zu halten. Die in Bälde zu erwartende Beta 4 von Firefox 3 wird diese Änderungen selbstverständlich auch enthalten.

Yahoo!’s veröffentlicht Menüsteuerelement mit wai-aria-Unterstützung

Montag, 24. Dezember 2007

Yahoo!’s Accessibility-Guru Victor Tsaran hat in diesem Blogeintrag erläutert, wie Yahoo! in seinen angereicherten Steuerelementen jetzt ARIA (Accessible Rich Internet Applications) verwendet, um so komplexe und in HTML normalerweise nicht abbildbare Strukturen wie ein komplettes Menüsystem zugänglich zu machen.

Um das Beispiel ausprobieren zu können, braucht man Firefox 3 Beta 2 und entweder JAWS 8 oder Window-Eyes 6.x. Um zum Beispiel zu gelangen:

  1. Öffne aus dem oben genannten Blogeintrag den Link “New YUI example”.
  2. Wähle in dem Artikel den Link “View example in new window”.
  3. Navigiere mit den Pfeiltasten auf die erste Zeile, die mit “text/html” beginnt und drücke EINGABE für den Formularmodus bzw. das Äquivalent in Deinem Screen-Reader.
  4. Navigiere Links und Rechts durch die Menüleiste und öffne ein Pulldown-Menü mit Pfeil Runter, wie in einer normalen Anwendung.

Ich habe es gerade selbst ausprobiert, und es hat richtig gut funktioniert. Gute Arbeit!

Neuerungen im Bereich der Zugänglichkeit in Firefox 3

Sonntag, 2. Dezember 2007

Die Beta 1 von Firefox 3.0 ist erschienen, und obwohl diese noch nicht alle neuen Funktionen und Bugfixes für die Zugänglichkeit enthält, möchte ich doch einen Überblick geben über die Neuerungen, die Anwender von Screen-Readern oder Großschriftsystemen erwartet.

  • Unterstützung von Gnome ATK/AT-SPI unter Linux, mit dem z. B. der
    Screen-Reader Orca oder das Programm Jambu, welches eine Navigationshilfe für motorisch eingeschränkte Benutzer ist, den Firefox
    auslesen/steuern können.
  • Einführung des Standards IAccessible2 unter Windows, welches die folgenden Möglichkeiten bietet:
    • Screen-Reader, die keine Grafiktreiber-Hooks nutzen, können trotzdem in Eingabefeldern usw. lesen
    • Unterstützung vollständiger Formatierungsfunktionen, sobald Screen-Reader dies unterstützen. Eine E-Mail in Thunderbird oder einem WYSIWYG-Editor im Web können dann so bearbeitet werden wie sie auch später angezeigt werden. Überschriften, Links, Listen usw. werden als solche angesagt.
    • Weiterhin können Programme wie Dragon Naturally Speaking dies nutzen, um z.B. sprachgesteuert Blöcke von Text
      oder anderem HTML-Inhalt zu markieren und dann in die Zwischenablage zu kopieren.
  • Verbesserte Unterstützung von ARIA (Accessible Rich Internet Applications), welches zur Zeit im W3C auf dem Weg ist, die Version 1.0 zu erreichen. Mit ARIA können Internetanwendungen auch für Screen-Reader zugänglich gemacht werden, die über in HTML übliche Elemente wie Eingabefelder usw. hinausgehen. Das JavaScript-Toolkit Dojo verwendet ARIA zum Beispiel, um Elemente wie Strukturansichten, Fortschrittsbalken usw. zu generieren, die mit JAWS oder Orca und Firefox3 richtig gut genutzt werden können.
  • Unterstützung von Live-Regions. Live-Regions sind bestimmte Abschnitte einer Webseite, die, nach verschiedenen Kriterien abgestuft, Programmen wie Orca oder zukünftig dann auch anderen Screen-Readern Änderungen mitteilen können. So kann z. B. ein sich regelmäßig aktualisierender Aktienkurs per Live-Region ausgegeben werden, der dann nach einer wählbaren Einstellung im Screen-Reader per Tastendruck abgefragt oder auch automatisch gesprochen werden kann. Eine erste Anwendung, die dies nutzt, ist der Google Reader. Surft man mit Firefox 3 und der Erweiterung Fire Vox auf Google Reader, werden einige Statusinformationen per Live-Region mitgeteilt, was schon sehr dem Bedienen einer Desktop-Anwendung ähnelt.
  • Vollständiger Seiten-Zoom. In Firefox 3 beinhaltet dies neben Text auch Bilder. Dies ist hauptsächlich für Sehbehinderte spannend.
  • Ein Tool, mit dem nicht barrierefreie Webseiten gemeldet werden können, damit diese dann auf einer Liste veröffentlicht werden und anderen Anwendern bei der Auswahl barrierefreier Angebote helfen können. Das Tool diente bisher schon zum Melden einer nicht funktionierenden Webseite, bietet jetzt jedoch explizit eine Option zum Melden der Nicht-Barrierefreiheit einer Website.
  • Und natürlich tonnenweise Bugfixes. Es gibt z. B. in Firefox 2.0 und früher einen Bug, der auf bestimmten Webseiten auftritt, wo nicht der gesamte Inhalt an den Screen-Reader übermittelt wird. Dieses und viele andere Probleme sind in Firefox 3 behoben.

Es gibt also jede Menge spannende Neuerungen, die bereits jetzt genutzt werden können, die aber natürlich erst dann richtig zur Geltung kommen, sobald Screen-Reader-hersteller diese dann auch aktiv nutzen.