Anwendungstipp: Geburtstagsverwaltung und Online-Banking-Anwendungen fürs iPhone

Gestern bin ich auf zwei Anwendungen gestoßen, die ich sehr nützlich finde und die fast komplett mit VoiceOver bedienbar sind.

Die erste ist eine Geburts- und Feiertagsverwaltung namens Occasions. Die Anwendung erstellt aus den in den Kontakten hinterlegten Geburtstagen eine Liste und kann den Benutzer an die Geburtstage erinnern. Nett: Es wird das Alter gleich mit angezeigt. Das Programm kann auch Geburtstage von FaceBook abfragen und ebenfalls in die Liste aufnehmen. Eigene Ereignisse und auch Geburtstage für Kontakte können aus der Anwendung heraus nachgetragen werden.

Einziger Haken ist, man muss das Theme von “Wasser” auf “Standard” umstellen. Erst dann bekommen die meisten Schalter eine vernünftige Beschriftung und das Arbeiten mit der Anwendung läuft flüssig. Lobend erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang den Support des Herstellers Hand Carved Code. Ich hatte Verbesserungsvorschläge inklusive dem Link zum iPhone Accessibility Programming Guide per E-Mail an den Support geschickt. Innerhalb von 10 Minuten bekam ich eine Antwort mit dem Tipp, das Theme umzustellen und mit der Ankündigung, Verbesserungen für VoiceOver mit in die Liste von Kundenwünscen aufzunehmen. Hierfür gab’s von mir dann eine 4-Sterne-Rezension im App Store.

Die zweite Anwendung wurde von @GermanStudent empfohlen: iOutBank Pro ist eine Online-Banking-Anwendung, die diverse Banken unterstützt. Auf OutBank.de kann man anhand der Bankleitzahl überprüfen, ob die eigene Bank unterstützt wird. Die Anwendung kostet nur heute (am 13.01.2010) 0,79 € anstatt 6,99€, weil die Anwendung heute ihren ersten Geburtstag feiert.

Die Anmeldung meiner Bankdaten klappte problemlos. Das Ansehen der Kontoumsätze war ebenfalls problemlos möglich, und das Überweisungsformular sieht auch so aus, dass VoiceOver damit prima zurechtkommt. Es fehlen einige Schalterbeschriftungen, und die Anwendung hat die Eigenart, dass man sie nicht gut mit der Geste “Nach links Streichen” bzw. “Nach rechts Streichen” untersuchen kann, sondern den Bildschirm mit dem Finger systematisch absuchen muss, um die Elemente zu erreichen. Für diese zwei Proleme gab es in der ansonsten uneingeschränkt positiven Rezension 1 Stern Abzug von mir, die Bedienung ist aber trotzdem sehr gut und intuitiv gelöst.

Diese zwei Anwendungen haben mein iPhone-Leben definitiv wieder bereichert, und ich freue mich darüber, dass sie von Haus aus schon so weit barrierefrei sind! Ich hoffe natürlich, dass die Entwickler der Anwendungen die verbleibenden Probleme schnell beheben, damit es dann auch 5 Sterne von mir geben kann. ;)

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Windows 7 und die Barrierefreiheit für die, die sie eigentlich gar nicht brauchen

Es gibt Dinge, die sich kein Filmemacher ausdenken kann. Bestimmter Slapstick, der sich aus einer Situation ergibt und später nie wieder so reproduzierbar ist, ohne die Komik komplett zu zerstören, ist ein Beispiel.

Ein anderes Beispiel ist die Erfahrung, die meine Frau (sehend) und ich (blind) heute mit Windows 7 gemacht haben. Wir sind beide ziemlich eingefleischte Windows-XP-Nutzer. Ich habe vor 1 1/2 Jahren mal aus beruflichen Gründen einen kurzen Ausflug in die Vista-Welt machen müssen und es dann wegen eines großen Produktivitätsdefizits dann wieder drangegeben. Der Arbeitsrechner meiner Frau läuft auch unter Vista, und sie tut damit das nötigste, ist aber so frustriert, dass sie doch das meiste mit dem unter XP laufenden Privat-PC macht.

Vor zehn Tagen nun installierte ich mir Windows 7 parallel zu meinem XP auf den PC und muss sagen, dass es sich damit doch deutlich besser arbeiten lässt als mit Vista. Heute nun wollten wir den neuen Arbeitsrechner meiner Frau auf Windows 7 umrüsten.

Der erste Installationsversuch schlug schon mal fehl. Die Installation bot uns keine Möglichkeit, die Vista-Partition komplett zu formatieren. Es bestand darauf, eine Sicherheitskopie vom alten Windows anzufertigen. Ganz so sauber scheint es sich den Hintern nicht geputzt zu haben, denn nachdem Windows 7 fertig installiert war, kam beim ersten Anmeldeversuch diese Meldung:

Der Dienst “Profil-Anmelde-Dienst” konnte nicht gestartet werden. Eine Anmeldung ist nicht möglich.

Das einzige, was man mit diesem Computer machen konnte, war, ihn herunterzufahren.

Im zweiten Anlauf merkte die DVD wohl das schlechte Karma und bot diesmal eine Option zur Neuformatierung der Option (nach vorherigem Löschen und Wiedereinrichten). Und danach klappte es dann auch mit der Anmeldung.

Dann ging es ans Einrichten der wichtigen Dinge wie Thunderbird für die E-Mails. Das Herunterladen und Installieren von Firefox und Thunderbird klappte. Dann wollte meine Frau die profiles.ini von Thunderbird auf das auf dem Datenlaufwerk liegende Profil umbiegen. Und hier wurde es lustig:

Sie machte also den Explorer auf. Ich meinte zu ihr: “Gehe mal nach Extras/Ordneroptionen und schalte Dir sämtliche Systemdateien und -ordner ein.”

Sie: “Ich hab’ hier kein ‘Extras’!”

Ich: “Wie jetzt…”

Sie: “Ich habe hier keine Menüleiste! Ich habe hier nur “‘Organisieren’ und ‘Neuer Ordner’ in einer Symbolleiste.”

Ich (nach kurzem Überlegen): “Drücke mal Alt+X.”

Sie: “Oh ja! Jetzt ist das Menü erschienen. Aber mit der Maus kriege ich es nicht auf. Sobald ich es zumache, ist es weg.”

Wir waren beide total baff. Es erscheint uns beiden schlicht unfassbar, dass Microsoft eine so elementare Geschichte wie ein Menü so dermaßen verstecken sollte. Denn wenn man ehrlich ist: So viele Sehende werden nicht zur Tastatur greifen und probieren, ob irgendeine Tastenkombination zufällig ein Menü aufklappt.

Aber ich war noch aus einem anderen Grund baff. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir überhaupt nicht klar, dass diese Menüleiste standardmäßig nicht im Explorer angezeigt wird. Ich habe Windows 7 ohne sehende Hilfe eingerichtet und halt meine Tastaturkürzel verwendet wie eh und je. Alt+X für “Extras”, Alt+A für Ansicht und mir meine Optionen so eingestellt wie ich sie brauchte.

Durch Googeln (das muss man sich mal reinziehen!) fanden wir schließlich heraus, dass man unter dem Symbolleistenpunkt “Organisieren” einen Punkt “Layout” findet, wo man sich die Menüleiste permanent wieder einschalten kann. WTF!

Und jetzt meine Frage an diejenige verehrte sehende Leserschaft, die auch von XP auf Windows 7 umgestiegen ist: Ging euch das auch so? Oder gibt es einen so offensichtlichen Hinweis auf diesen Umstand mit den Menüleisten, dass er schon so offensichtlich ist, dass wir einfach “betriebsblind” waren?

Ich bin gespannt auf eure Antworten!

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Thunderbird 3 erscheint bald, und es ist zugänglich!

Die Veröffentlichung von Thunderbird 3 steht kurz bevor. Gegenüber der bisherigen Version Thunderbird 2 bietet sie nicht nur im allgemeinen eine Fülle neuer großartiger Funktionen, sondern auch eine ehreblich verbesserte Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen. Dieses Release darf also auch in diesem Punkt gern groß gefeiert werden! :)

Thunderbird 3 basiert auf der Plattform Gecko 1.9.1. Dies ist dieselbe Version, auf der auch Firefox 3.5 basiert. Somit lernt Thunderbird automatisch alle neuen Funktionen, die auch Firefox 3.0 und 3.5 plattformseitig bekommen haben. Die für Anwender wichtigsten möchte ich hier einmal hervorheben:

Unterstützung für neue APIs unter Windows

Thunderbird 3 unterstützt IAccessible2. IAccessible2 ist ein Standard, der Microsoft Active Accessibility (MSAA) ganz erheblich erweitert. Mit diesen Schnittstellen können Bildschirmleseprogramme für Blinde z. B. beim Verfassen einer HTML-Mail eindeutig feststellen, ob es sich beim aktuellen Text um eine Überschrift, einen Zitatblock (z. B. beim Zitieren einer Mail) usw. handelt. Es müssen keine veralteten Methoden wie das Abgreifen von Informationen aus den Bildschirmtreibern verwendet werden, sondern durch definierte Schnittstellen ist eine zweifelsfreie Identifizierung jedes Elements möglich. Auch Formatierungsfunktionen wie Schriftart, Schriftgrad und Stile können eindeutig erfasst werden.

Weiterhin wird die Rechtschreibung bei der Eingabe unterstützt. Ist sie aktiviert, können moderne Versionen von Screen Readern Rechtschreibfehler beim nachlesen erkennen und diese können korrigiert werden, ohne dass extra das Dialogfeld zur Rechtschreibprüfung geöffnet werden muss.

NVDA 2009.1, Window-Eyes 7.1x und JAWS 10 und neuer nutzen diese neuen Möglichkeiten bereits aus und bieten ihren Anwendern dadurch eine deutlich verbesserte Zugänglicchkeit gegenüber dem, was mit Thunderbird 2 möglich oder auch nicht möglich war.

Zugänglichkeit unter dem GNOME Desktop

Thunderbird 3 ist auch unter dem GNOME Desktop unter Linux nutzbar. Anwender des Bildschirmleseprogrammes Orca können somit die Benutzeroberfläche weitestgehend nutzen. Anwender des GNOME On-Screen Keyboard (GOK) können über die ATK/AT-SPI-Schnittstellen Thunderbird 3 ebenfalls bedienen. Somit ist Thunderbird auch unter Linux jetzt mehreren Gruppen von Menschen mit Behinderungen zugänglich.

Mit Tastatur erreichbare und richtig beschriftete Kopfzeilen

Beim Lesen von Mails sind jetzt fast alle Kopfzeilenelemente einer Nachricht mit tab erreichbar. Außerdem werden die Elemente richtig an Bildschirmleseprogramme für Blinde kommuniziert. Auch das “Sternchen”, mit dem eine Adresse schnell ins Adressbuch aufgenommen oder geändert werden kann, ist nutzbar.

Dies ist eine große Verbesserung gegenüber Thunderbird 2, die allen Tastaturbenutzern helfen wird.

Eine bessere Unterstützung beim Verfassen von Mails

Beim Verfassen von Mails gibt es jetzt eine verbesserte Tastaturnavigation, und die Felder werden richtig an Bildschirmleseprogramme kommuniziert. Das Ausfüllen und die Auswahl von Kopfzeilentypen sorgt jetzt nicht mehr dafür, dass Screen Reader denken, der Fokus sei im Nirgendwo gelandet. Auch die Nutzung der Adressbuch-Sidebar ist jetzt möglich.

Allgemeine Verbesserungen der Benutzeroberfläche

Die Benutzeroberfläche wurde dahingehend verbessert, dass Textfeldern, Gruppen von Auswahlschaltern o. ä. jetzt überall vernünftige Beschriftungen zugewiesen wurden. Das Navigieren in Dialogen wie Extras/Einstellungen oder Extras/Konteneinstellungen sorgt dadurch für ein vernünftiges Sprechen der Elemente. Eine dieser Verbesserungen war übrigens mein allererster Patch, als ich anfing, zum Mozilla-Projekt beizutragen.

Neue Funktionen wurden gleich barrierearm gestaltet

Neue Funktionen wie die ganz neue Suchfunktion wurden von vornherein barrierearm gestaltet. In der Suchfunktion wurde z. B. sehr viel WAI-ARIA verwendet, um die Benutzeroberfläche sowohl optisch ansprechend gestalten als auch für Bildschirmleser zugänglich machen zu können.

Ein bekanntes Problem in dieser Suchfunktion ist, dass die grafische Darstellung der zeitlichen Aufteilung von Suchergebnissen nicht für Screen Reader zugänglich ist. Diese basiert auf SVG, welches bisher nicht zugänglich ist.

Ein Aufruf an Entwickler von Thunderbird-Erweiterungen

Durch die oben beschriebenen Verbesserungen ist es jetzt noch wichtiger als bisher, dass auch Erweiterungen möglichst barrierefrei gestaltet werden. Dies gilt in gleichem Maße für Entwickler von Erweiterungen von Firefox. Wenn diese einfachen Regeln (englisch) beachtet werden, wird auch in Thunderbird bereits eine weitgehende Barrierearmut hergestellt sein. Außerdem erlaubt der DOM Inspector auch in Thunderbird das Anschauen des Baums der accessible objects, so dass sofort gesehen z. B. werden kann, ob die Zuordnung eines Labels zu einem Textfeld geklappt hat. Also: Keine falsche Scheu beim Stellen von Fragen! Das Accessibility Team von Mozilla ist auf dem Channel #accessibility auf irc.mozilla.org zu finden. “Amtssprache” ist dort englisch, ich spreche aber natürlich auch deutsch. :)

Ein paar bekannte Probleme

Ein paar Probleme gibt es leider. Wir versuchen zwar immer, perfekt zu sein, aber ganz gelingt auch uns das nicht immer. :) Einige bekannte Probleme werden sich lösen, sobald eine Nachfolgeversion von Thunderbird 3 auf der Version 1.9.2 oder höher von Gecko aufsetzt und somit deren neue Funktionen bekommt. Es gibt also einen Silberstreif am Horizont für diese Probleme!

  • In der Nachrichtenliste wird bei einer nach Thema gruppierten Ansicht nach wie vor nicht angesagt, ob ein Thema auf- oder zugeklappt ist. Dies wird sich ändern, wenn Thunderbird die neue Version von Gecko nutzt.
  • Selbiges gilt für das Abonnieren von IMAP-Ordnern oder newsgroups. Hier wird bisher nicht angesagt, ob ein Ordner aktiviert ist oder nicht.
  • In der Ordnerliste ist leider immer noch keine Navigation nach Anfangsbuchstaben möglich. Ich hoffe, dass dieses oft gewünschte Feature bald implementiert werden kann!
  • Die Spaltenauswahl in der Nachrichtenliste ist bisher nicht mit der Tastatur erreichbar. Sie kann mit der Mausemulation des Lieblingsbildschirmlesers erreicht werden.

Danksagungen

Ein großes Dankeschön möchte ich all denen aussprechen, die mich im Verlauf der letzten zwei jahre bereits angeschrieben und Probleme bei der Benutzung von Thunderbird gemeldet haben. Euer Feedback hat sehr geholfen, die wichtigsten Bereiche des Programmes zu verbessern. Macht weiter so!

Auch danken möchte ich den Mitarbeitern von Mozilla Messaging und den freiwilligen Kontributoren, die durch Implementierungen, Reviews, Vorschlägen und Rat geholfen haben, die Benutzeroberfläche von Thunderbird zugänglicher zu machen. Das Sortieren der Vorschläge und die Prioritisierung der zu implementierenden Korrekturen waren eine großartige Gemeinschaftsanstrengung! Ich hoffe, dass möglichst viele Anwender Thunderbird 3 herunterladen und ausprobieren werden, wenn es erscheint, und so ihre Unterstützung für das Projekt zu signalisieren! Ich selbst bin vor über zwei jahren auf Thunderbird umgestiegen und habe dies nicht bereut.

Weiter so!

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    Neue Funktionen zur Barrierefreiheit in Firefox 3.6

    Die zweite Beta von Firefox 3.6 ist gerade erschienen, so dass es ein guter Zeitpunkt ist, mal auf die Funktionen zu schauen, die Anwender von assistiven Technologien von der neuen Version des Browsers erwarten können.

    Unterstützung für die Spracheingabefunktion von Windows Vista und Windows 7

    Windows Vista und Windows 7 haben eine eingebaute Spracheingabefunktion, mit der motorisch eingeschränkte Benutzer oder solche mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche Texte in verschiedene Programme diktieren können. Ab der Version 3.6 gehört auch Firefox zu diesen Programmen. Dies wird erreicht, indem das Microsoft Text Services Framework (TSF) unterstützt wird.

    Da es sich hierbei um sehr neue Technologie handelt und es eventuell ungewollte Nebeneffekte geben kann, die erst in den nächsten Updates beseitigt werden können, ist die Unterstützung für TSF standardmäßig ausgeschaltet. Durch folgende Schritte kann sie eingeschaltet werden:

    1. Gib in die Adresszeile von Firefox die Adresse about:config ein.
    2. Bestätige den Warnhinweis mit einem Klick auf “Ich werde vorsichtig sein, versprochen!”.
    3. Gib in das Textfeld für die Filterung die Buchstaben tsf ein.
    4. Wähle in der Liste die Einstellung intl.enable_tsf_support.
    5. Führe einen Rechtsklick auf diesem Eintrag aus und wähle “umschalten” aus dem Popup-Menü.
    6. Starte Firefox neu.

    Von nun an kann in Eingabefelder wie z. B. das Eingabefeld für Blogkommentare diktiert werden.

    Dies erweitert die von Firefox und der Gecko-Plattform nativ unterstützten Technologien um eine weitere und schließt somit eine weitere Gruppe von Benutzern mit einer Behinderung ein.

    Die neue Taskleistenvorschau in Windows 7 ist zugänglich

    In Windows 7 kann die Taskleiste bei mehreren geöffneten Fenstern oder Tabs eine Vorschau der geöffneten Tabs anzeigen, und man kann direkt in dieser Vorschau wählen, mit welchem Fenster oder Tab das Programm in den Vordergrund geholt werden soll. Diese Funktion wird ab Version 3.6 auch von Firefox unterstützt und ist mit Screen Readern wie dem NVDA auch zugänglich. Bietet Firefox mehrere Tabs zur Vorschau an, sagt NVDA beim navigieren in der Taskleiste für das Symbol des Firefox “Untermenü” an. Jetzt kann mit den Pfeiltasten rauf und runter der gewünschte Tab ausgewählt und mit Eingabe oder Leertaste Firefox mit diesem Tab im Vordergrund der Fokus übergeben werden.

    Bessere Behandlung des Eingabefokus

    Dies betrifft Maus- und Tastaturbenutzer gleichermaßen, wird hier aber extra erwähnt, weil die Verbesserungen auch Benutzer von Bildschirmleseprogrammen betreffen. So gibt es jetzt ein verbessertes Navigieren auf Seiten, wo das Attribut tabindex für einige Elemente definiert ist und für andere nicht. Weiterhin wird beim Speichern von ausführbaren Dateien das Dialogfeld, das erscheint, jetzt automatisch angesagt.

    Unterstützung für die Programmierschnittstelle IAccessibleTable2

    Diese Erweiterung des Standards IAccessible2 ermöglicht es assistiven Technologien, exaktere Informationen über Tabellenstrukturen zu erhalten und dem Anwender mitzuteilen. Hierbei ist es unerheblich, ob es sich um eine Datentabelle im Web, eine mehrspaltige Strukturansicht wie die Lesezeichenverwaltung, ein ARIA tree grid oder ähnliches handelt. Die Informationen werden von Gecko gesammelt und über diese neue Schnittstelle transparent und konsistent zur Verfügung gestellt. Hersteller von assistiven Technologien können Firefox 3.6 somit zur Implementierung dieser neuen nSchnittstelle verwenden und ihren Anwender somit eine verbesserte Wiedergabe verschiedendster Tabellenstrukturen bieten.

    Verbesserte Regeln zum Errechnen des accessible name

    Der Name eines accessible Objekts, der häufig dem Bildschirmtext entspricht, ist der Hauptbestandteil dessen, was Anwendern von Bildschirmleseprogrammen beim Navigieren mit Tab oder im virtuellen Puffer angezeigt wird. Im Einklang mit dem User Agent Implementor’s Guide des WAI-ARIA-Standards haben wir das Errechnen dieses Namens verbessert, so dass der Programmcode jetzt besser wartbar, vorhersagbarer und somit robuster auch für zukünftige Implementierungen neuer Elemente z. B. aus dem HTML5-Standard geworden ist.

    Unterstützung für sich ändernde Objektattribute

    Für eine bessere Unterstützung von drag and drop in WAI-ARIA, aber auch im Hinblick auf HTML5, haben wir das Ereignis IAccessible2 Object Attribute Changed implementiert. Dieses wird immer dann ausgelöst, wenn der Wert eines Attributes eines HTML-Elements, der durch ein Objektattribut des entsprechenden accessibles veröffentlicht wurde, sich ändert. Diese Änderung passiert üblicherweise durch JavaScript. Bildschirmleseprogramme können hierauf reagieren und ihren Anwendern diese Änderung mitteilen und/oder ihren virtuellen Puffer aktualisieren.

    …und wieder jede Menge Bugfixes

    Und natürlich haben wir auch wieder an der Stabilität und Zuverlässigkeit des Firefox gearbeitet! Wenn bestehende Funktionen nicht so funktionierten wie gewünscht und dies uns von Anwendern und Herstellern assistiver Technologien gemeldet wurde, haben wir uns um schnelle Verbesserungen gekümmert. Weiterhin sind wir auch am Ball geblieben, was späte Änderungen in der Spezifizierung von WAI-ARIA anging und haben unsere Implementierungen entsprechend angepasst.

    Das gesamte Accessibility Team bei Mozilla hofft, dass euch der Firefox 3.6 genauso gefällt und soviel Freude bereitet wie es uns Spaß gemacht hat, an ihm zu arbeiten und ihn zu testen!

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    HTML-Elemente in einem Dokument richtig zu plazieren ist wichtig!

    Ich bekam heute eine Frage zur Barrierefreiheit bestimmter dynamischer Inhalte gestellt, die mich zu diesem Blogeintrag veranlasst hat.

    Beim Anzeigen und Verstecken dynamischer Inhalte gibt es zwei gängige Prinzipien, die sich herauskristallisiert haben: Der eine Ansatz ist, den Inhalt direkt dort in das Dokument einzufügen, wo sich der Auslöser für die Veränderung befindet. Ein Beispiel hierfür ist die englischsprachige Careers-Seite von Mozilla. Das Klicken auf einen der Links “Meet Mozilla”, “The Team”, “Life at Mozilla” bewirkt, dass der Text zu dem jeweiligen Thema den vorherigen Text ersetzt.

    Ein weiterer Ansatz ist, den neuen Inhalt einfach ans Ende des document-Elements anzuhängen und dann mit Hilfe von CSS einen Overlay-Effekt oder eine Positionierung, die optisch korrekt ist, zu erreichen. Ein Beispiel hierfür ist die Demo der jQuery Thickbox. Das Klicken auf eine der Demos wie Image, Gallery oder Keep In Mind bewirkt, dass das Bild oder der Text ans Ende des Dokuments, wahrscheinlich durch eine document.addXxx-Methode, angehängt wird.

    Optisch unterscheiden sich diese Beispiele vielleicht ein bisschen im Styling, aber das Prinzip ist dasselbe: Du klickst auf etwas, und ein neues Bild oder Text erscheinen und ersetzen ggf. anderen Inhalt. Die Seite wird hierbei jedoch nicht neu geladen.

    Für den Anwender eines Bildschirmleseprogrammes macht die Wahl einer der beiden Methoden jedoch einen gravierenden Unterschied. Damit ein Screen Reader einem blinden Anwender eine Webseite vorlesen kann, muss ein Durchlaufen einer Hierarchie von zugänglichen Objekten oder des Dokumentenobjektmodells, oder in manchen Fällen sogar eine Analyse des HTML-Quellcodes selbst, stattfinden. CSS wird dann herangezogen, um festzustellen, ob bestimmte Elemente sichtbar sind, als Block o. ä. formatiert werden, und welche Textformatierungen vorliegen. Positionierungsinformationen stehen jedoch immer der Reihenfolge im tatsächlichen HTML-Quellcode nach, egal ob dieser schon vorcodiert ist oder durch JavaScript erzeugt wird.

    Um es noch anders auszudrücken: Sogar ein dreispaltiges Seitenlayout erscheint dem Anwender eines Screen Readers als einspaltiges Dokument von oben nach unten. Die Spalten werden aufgelöst und der Reihenfolge entsprechend formatiert.

    In der Konsequenz bedeutet dies, dass im zweiten Beispiel der neue Inhalt grundsätzlich am Ende erscheint. Unter Windows ist dies das Ende des virtuellen Puffers. Unter Linux und Mac ist dies das letzte, was in einem HTML-Dokument angezeigt wird. Man muss also zum Ende des Dokuments springen bzw. mit Orca unter Linux zum letzten Element navigieren oder unter Mac OS mit VoiceOver zum letzten Element des HTML-Inhalts, mit dem man gerade interagiert, springen. Dies gilt für alle Plattformen und Browser (Firefox, IE, Safari).

    Um nun also den Inhalt der Thickbox lesen zu können, löst man erst die Demo aus, navigiert mit seinem Screen Reader dann ganz ans Ende, guckt, was es dort zu sehen gibt und kehrt dann zum Anfang der Seite zurück, um mit Navigationsmethoden wie dem Springen von Überschrift zu Überschrift wieder dorthin zu gelangen, wo man ursprünglich angefangen hat mit dem Auslösen der Demo. Dies ist weder besonders effizient noch besonders intuitiv.

    Dasselbe kann man auf Facebook beobachten: Wenn man einen Freund hinzufügt, erscheint die Abfrage, ob man die Anfrage wirklich versenden möchte, für den Screen-Reader-Anwender ganz am Ende der Seite. Optisch erscheint die Abfrage jedoch in der Nähe des “Als Freund hinzufügen”-Schalters.

    Im Mozilla-Beispiel jedoch wird der neue Inhalt gleich unterhalb der Liste der Auswahlmöglichkeiten angezeigt, also in der Umgebung, in der der Anwender eh gerade arbeitet. Es ist so also problemlos möglich, von “Meet Mozilla” zu “Team” usw. zu gelangen. Die Navigation ist intuitiv und effizient.

    Wenn ihr also dynamische Inhalte erzeugt, ein Accordeon-Widget programmiert usw., helft Anwendern von Screen Readern bitte bitte bitte, indem ihr ein Element wählt, das sich in der Umgebung der Action befindet und fügt die neuen Inhalte dort ein, anstatt die Inhalte einfach ans Ende des Dokuments anzuhängen oder sie von dort zu entfernen. Ihr werdet Screen-Reader-Anwendern ein sehr viel effizienteres Navigieren auf euren Seiten ermöglichen, indem ihr nicht von ihnen verlangt, zwischen Teilen der Seite hin- und herzunavigieren, die weit voneinander entfernt liegen.

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    Neue Wege der Zugänglichkeit zu Flash- und Java-Inhalten auf Webseiten

    In seinem neuesten Entwicklersnapshot hat das NVDA-Team die Zugänglichkeit zu Flash- und Java-Anwendungen, die im Browser laufen, verbessert. Hierbei gehen Mick und Jamie neue Wege in der Art der Benutzung dieser Rich Internet Applications.

    Bisher werden Flash-Inhalte von kommerziellen Screen Readern innerhalb des virtuellen Puffers, also als Teil der Webseite, dem Benutzer zur Verfügung gestellt. Java-Applets werden gar nicht im virtuellen Puffer angezeigt, sie muss man durch Tabben bei ausgeschaltetem virtuellen Cursor suchen.

    Das Einschließen von Flash-Inhalten im virtuellen Puffer birgt das Problem, dass diese Inhalte, so sie denn überhaupt zugänglich sind, so dynamisch sind, dass das Lesen oft schwierig ist, da sich diese Inhalte regelmäßig verändern oder aktualisieren. Auch andere Teile der Webseite können davon betroffen sein, und je nach Screen Reader ist dann ein ständiges Wechseln der Inhalte unterm virtuellen Cursor die Folge, oder die Inhalte werden gar nicht aktualisiert und sind dementsprechend veraltet.

    Nicht umsonst finden 71% der Teilnehmer der ersten Screen-Reader-Umfrage von WebAIM Flash schwer oder sehr schwer zu benutzen. Dies ist mit Abstand der höchste Wert aller in dieser Kategorie vertretenen Technologien.

    NVDA verfolgt hier einen anderen Ansatz. Befindet sich Flash oder ein Java-Applet auf einer Seite, wird im virtuellen Puffer lediglich ein eingebettetes Objekt angezeigt. Um mit diesem Objekt zu arbeiten, macht man folgendes:

    1. Man navigiert mit dem virtuellen Cursor auf das eingebettete Objekt. NVDA sagt so etwas wie “Eingebettetes Objekt anklickbar”.
    2. Nun drückt man Eingabe. NVDA wiederholt den Namen des Objekts, um anzuzeigen, dass sich der Fokus jetzt hier befindet.
    3. Als nächstes drückt man Tab. Wichtig, wirklich Tab drücken und nicht etwa die Pfeiltasten, da sonst der Fokus wieder aus dem Objekt herausfällt und auf das nächste Objekt wandert, das der virtuelle Cursor unter sich findet. Erst durch Tab wird tatsächlich in das Objekt hineingezoomt und die Interaktion mit den Elementen des Flash- oder Java-Objekts gestartet.
    4. Man kann jetzt Schalter drücken oder andere Dinge in diesem Flash-Element tun, welche es zulässt. In einem gerade wiedergegebenen YouTube-Video spulen z. B. die Tasten Pfeil links und rechts vor und zurück.
    5. Will man das Objekt verlassen, drückt man NVDA+Leertaste. Hierdurch landet man wieder im virtuellen Puffer und kann weiter navigieren.

    Anwendern von VoiceOver auf dem Mac kommt diese Art des Hineinzoomens bekannt vor: VoiceOver verwendet diese Technik des Interagierens in allen möglichen sich bietenden Momenten, um alles um ein bestimmtes Objekt herum auszublenden und nur die Inhalte dieses Objekts zu präsentieren.

    Hinweis: Damit die obige Vorgehensweise mit Java-Applets funktioniert, muss diese natürlich die Tastaturnavigation unterstützen, mit SWING-Komponenten gebaut sein, und der Anwender muss neben der eigentlichen Java-Laufzeitumgebung auch die Java AccessBridge für Microsoft Windows installiert haben.

    Dieser neuartige Ansatz des Interagierens mit solchen eingebetteten Objekten bietet eine ganze Menge Chancen, mit Flash wesentlich kontrollierter umzugehen als dies bisher der Fall war. Man interagiert hier wieder mit dem Objekt selber und hat nicht den virtuellen Puffer dazwischengeschaltet, der Tasteneingaben filtert und auch anderweitige Ungenauigkeiten zur Folge haben kann.

    Für Flash- und Java-Entwickler bedeutet dies, dass sie noch mehr denn je darauf achten müssen, dass ihre Anwendungen barrierefrei sind. Mit NVDA haben sie glücklicherweise ein kostenloses Werkzeug zur Verfügung, damit dies gleich getestet werden kann.

    Für Adobe, die das NVDA-Projekt ja finanziell unterstützen, sollte dies ein Anreiz sein, den Flash Player auch unter Linux und Mac OS X zugänglich zu machen. Hierfür hat maccessibility.net eine Petition laufen, die Adobe dazu auffordert, dies zumindest für die Mac-Version bald umzusetzen. Wenn Du diese Petition noch nicht unterschrieben haben solltest, wäre es toll, wenn Du Deine Unterstützung signalisieren würdest, indem Du sie unterschreibst!

    Dem NVDA-Team einen herzlichen Glückwunsch zu dieser wirklich gelungenen Umsetzung!

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    Anwendungstipp: Zuginfo für das iPhone

    Ich war gestern beim Stammtisch OSXHH, einer Gruppe, die sich jeden 3. Dienstag im Monat in der Halle 13 nähe der U-Bahn-Station Saarlandstraße in Hamburg trifft. Es ist eine Gruppe von Mac-Enthusiasten, die sich privat und/oder beruflich mit dem Mac befassen.

    Ich zeigte dort ein paar Dinge zur Barrierefreiheit in Mac OS X Snow Leopard und dem iPhone.

    Ein anderer Stammtischteilnehmer empfahl mir eine Anwendung namens ZugInfo, mit der es ganz einfach möglich ist, sich Verbindungen im ÖPNV herauszusuchen. Die Anwendung arbeitet mit bahn.de und lokalen Verkehrsverbünden und kann auch so nette Dinge tun wie Verspätungen von Zügen herausfinden.

    Ich lud mir zunächst die kostenlose Version herunter, um sie mit dem iPhone auszuprobieren. Das klappte ganz prima, ich hatte lediglich ein Verständnisproblem zu einer Funktion, und nach kurzem hatte ich meinen Rückweg nach Hause mit Umsteigezeiten usw. auf dem Handy.

    Auf dem Rückweg lud ich mir aus dem App Store noch die Spenden-Version für 1,59 €. Obwohl die kostenlose Version nicht eingeschränkt ist, fand ich es nur fair, die Arbeit zu belohnen, die Anwendung ist nämlich prima mit VoiceOver bedienbar. Hier der Link zu ZugInfo Spendenversion (öffnet in iTunes).

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    Besuch beim Best Practices Stammtisch Essen am vergangenen Montag

    Am vergangenen Montag war ich zu Besuch im Ruhrgebiet. Sandra, die Initiatorin des Best Practices Stammtisch Essen hatte mich schon vor längerer Zeit eingeladen, mal vorbeizukommen. Im Gepäck hatte ich einige Infos über WAI-ARIA.

    Der BPSE findet jeden 1. Donnerstag und 3. Montag im Monat im Unperfekthaus statt. Das Unperfekthaus ist ein spannender Ort: Es ist ein Gebäude, das früher mal mindestens zwei waren, und eines davon war mal ein Kloster. An einigen Stellen fühlt man auch richtig altes Mauergestein. Es gibt viele Räume, die Galerien, Tanzveranstaltungen oder andere Aktivitäten beherbergen. Überall stehen Skulpturen von im Unperfekthaus aktiven Künstlern, und man darf sie, wenn man vorsichtig ist, auch anfassen. Überall sind Treppen, und das Haus ist so verwinkelt, dass das eine echte Herausforderung für jedes O&M-Training wäre, da mal durchzunavigieren. Es gibt freies WLAN und ein Buffet, das je nach Tageszeit das Angebot wechselt. Vor dem offiziellen Teil des BPSE gab es ein Grillbuffet mit leckeren Beilagen, gutem Kaffee und kalten Getränken.

    Im offiziellen Teil auf der “Internetcouch” sprach Maxx Hilberer zunächst über CSS3 Transforms. Hierbei handelt es sich um visuelle Effekte, mit denen Text gedreht, verschoben und verzerrt werden kann, ohne dass er als Grafik eingebunden werden muss. Wie ein Teilnehmer feststellte und ich inzwischen per Test bestätigen konnte, liegt hier auch ein großer Vorteil für die Barrierefreiheit: Der Text steht im HTML-Code und kann aussehen wie er will, Screen Reader werden ihn trotzdem richtig lesen können. Fehler wie fehlende Alt-Texte für Bilder, die man für solche Effekte früher einbinden musste, sind so vermeidbar. Maxx zeigte sogar einen Workaround für den IE, der von Peter Kröner hier beschrieben wird, aber nicht für den IE 8 funktioniert.

    Als nächstes Sprach Maik Wagner über die sinnvolle und sinnfreie Anwendung von Sprungmarken. Wir schauten uns einige Beispiele in der Praxis an und zogen auch die WebAIM-Umfrage hierzu heran.

    Wir leiteten dann über zu meinem kurzen Überblick über WAI-ARIA, und ich begann sinnvollerweise mit den ARIA Landmarks. In der Diskussion stellten wir sie auch in Bezug zu HTML5-Elementen, die hiervon inspiriert worden sind. Ich sprach dann auch über Roles, States und Live Regions. Wir schauten uns Accessible Twitter an, welches ja sowohl Landmarks als auch einige weitere Roles und Attribute wie aria-required verwendet.

    Der Abend ging zu Ende mit einem letzten gemütlichen Klönschnack vor der Tür des Unperfekthauses. Wir haben es natürlich geschafft, bis zur Schließung um 23 Uhr zu bleiben und verstreuten uns danach erst allmählich in alle Himmelsrichtungen.

    Vielen Dank an alle, die zu so einem netten Abend beigetragen haben! Hat mir Spaß gemacht, und ich komme gern mal wieder, wenn sich die Gelegenheit bietet und es terminlich passt.

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    Neues Forum “Barrierefreiheit” bei camp-firefox.de

    Die deutschsprachige Firefox-Community Camp-Firefox hat ein Forum “Barrierefreiheit” eingerichtet. Hier geht’s direkt dorthin.

    Ziel ist es, Anwendern von Screen Readern und anderen assistiven Technologien, aber auch Webentwicklern, die sich mit Barrierefreiheit beschäftigen (müssen), eine Plattform zu geben, die den Austausch fördert und dabei helfen soll, gemeinsam Lösungen für Probleme zu finden.

    Auch werde ich dort regelmäßig über Neuerungen im Bereich Barrierefreiheit bei Mozilla informieren.

    Und nun viel Spaß!

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    Das zugängliche iPhone 3G S – ein Erfahrungsbericht

    Nachdem ich kurz nach dessen Erscheinen das iPhone 3G S in einer Gravis-Filiale in Hamburg kurz testen durfte, habe ich seit dem 04.07. mein eigenes iPhone 3G S, und genau einen Monat später ist es nun Zeit für einen ausführlichen Erfahrungsbericht.

    Das erste Auspacken und die Inbetriebnahme

    Wie alle Apple-Produkte ist auch das iPhone 3G S in einem sehr effizient gestalteten Karton verpackt, in dem neben dem iPhone selbst ein Headset, ein USB-Kabel, das sowohl zum Laden als auch zur Synchronisation dient, ein externes USB-Netzteil mit europäischem Stecker und eine Kurzanleitung Platz finden.

    Eine sehr angenehme Eigenschaft ist, dass dieses externe Netzteil genau dieselben Steckverbindungen für die Steckdose hat wie das Netzteil meines MacBooks. Ich kann also meine Stecker für die USA, Großbritanien und andere Systeme ohne Probleme auch für das externe iPhone-Netzteil verwenden, sollte das Notebook zum Laden mal nicht zur Verfügung stehen.

    Beim ersten Anschließen ans Notebook meldet iTunes sofort die Verfügbarkeit des iPhones, und ein Assistent wird gestartet, der durch die verschiedenen Schritte der Aktivierung führt. Dieser Prozess ist mit dem des iPod Nano, den ich schon vorher hatte, quasi identisch. Ich selbst habe mit dem iTunes für Mac OS X synchronisiert, es geht aber mit JAWS 10 oder Window-Eyes 7 auch unter Windows ganz prima, habe ich mir berichten lassen.

    Von Apple eigentlich angekündigt, wurde bei mir VoiceOver jedoch nicht automatisch auf dem iPhone gestartet. Ich musste in den iPhone-Einstellungen unter “Bedienungshilfen konfigurieren” VoiceOver manuell aktivieren. Dann begann es aber sofort zu sprechen und wies mich darauf hin, dass die SIM-Karte zur Zeit gesperrt sei und dass ich sie entsperren, also die PIN eingeben könne.

    Es empfiehlt sich zu diesem Zeitpunkt dringend, mindestens mal einen Blick auf die Liste der Gesten zu werfen, die bei aktiviertem VoiceOver aktiv sind. Ich selbst hatte mich vorher ausführlich über das als PDF zur Verfügung stehenden Handbuches informiert. Tut man dies nicht, läuft man Gefahr, bei den ersten Schritten doch mehr zu stolpern als nötig. Und gerade die Eingabe der PIN ist ja nicht ganz unsensibel, da nur drei Versuche für die richtige Eingabe derselben zur Verfügung stehen, bevor die Karte gesperrt wird und man die PUK usw. bemühen muss.

    Ich tippte also doppelt auf die Taste “Entsperren”. Das Ziffernfeld wurde angezeigt, und ich konnte mit dem Finger die einzelnen Elemente ansteuern. Die Eingabe der PIN war dann kein Problem, und kurz darauf hatte ich 5 von 5 möglichen Balken meines T-Mobile-Netzwerkes zur Verfügung.

    Es empfiehlt sich weiterhin, möglichst frühzeitig eine WLAN-Verbindung zu seinem AccessPoint einzurichten, es sei denn, man hat sich den Luxus einer mobilen Flatrate geleistet. Das iPhone nimmt als erstes, wenn verfügbar, eine WLAN-Verbindung, bevor es auf UMTS und GPRS zurückgreift.

    Die Eingabe gestaltete sich denkbar einfach: Ich ging in die Einstellung, und WLAN war gleich im Eingangsbildschirm als Option verfügbar. Ein Doppeltippen, und ich wurde aufgefordert, das Netz zu wählen, mit dem ich mich verbinden wollte. Da es in der Nachbarschaft mehrere Netze gibt, musste ich tatsächlich eines von mehreren durch doppeltes Tippen auswählen. Die Eingabe des WPA-Schlüssels gestaltete sich dann genauso unproblematisch wie vorher die Eingabe der PIN. Gleich darauf hatte ich Zugriff aufs Internet über meine Festnetzflatrate. Einziger Stolperstein, zumindest für ein paar Sekunden, war die Tatsache, dass die Taste zum Bestätigen des WPA-Schlüssels sich neben der Leertaste befand, also Teil der virtuellen Tastatur war, und nicht ein separates Benutzerinterface-Element wie ein “OK”-Button.

    Ein paar Worte zur Handhabung der virtuellen Tastatur

    Dies ist wohl der Teil des iPhones, der den größten Lernaufwand erfordert, weil sich die Vorgehensweise so komplett von allem unterscheidet, was man als Nutzer eines Smartphones von z. B. Nokia her kennt: Das iPhone stellt eine komplette Tastatur auf dem Touchscreen dar, aufgeteilt in drei Ebenen: Buchstaben, Ziffern (plus der wichtigsten Satzzeichen) und Symbole. Hierbei ist von Buchstaben lediglich zu Ziffern, aber von Ziffern sowohl zu Symbolen als auch zurück zu Buchstaben umschaltbar. Weiterhin gibt es mehrere Tastaturlayouts. Bei mir war standardmäßig englisch voreingestellt. Neben der Leertaste gibt es aber eine Taste mit der Beschriftung “nächste Tastatur”, mit der sich das Layout dann ganz problemlos auf Deutsch umstellen ließ.

    Umlaute sind ein kleiner Spezialfall: Sie sind nicht Bestandteil der Standardtastatur, können aber durch eine Standardgeste zum Vorschein gebracht werden. Will man z. B. ein ü eingeben, tippt man doppelt auf den Buchstaben u und lässt den Finger nach dem zweiten Tippen auf dem Display ruhen. Dies bewirkt, dass als nächstes eine Standardgeste erwartet wird, die nicht von VoiceOver gefiltert wird. Dies entspricht in etwa dem Durchreichen eines Tastaturkommandos an einem herkömmlichen Screen-Reader vorbei. Sobald der Ton für die Aktivierung der Durchreichung ertönt ist, bewegt man den Finger, ohne ihn vom Display zu nehmen, nach links, bis VoiceOver das ü ansagt. Dann hebt man den Finger an. Dies bewirkt das Eingeben des Buchstabens ü ins Eingabefeld. Von jetzt an sind wieder die VoiceOver-Gesten aktiv.

    Eingabetechniken gibt es mehrere. Es gibt Leute, die die Zwei-Daumen-Technik verwenden. Ich hingegen halte das iPhone in der rechten Hand und lasse lediglich den Daumen an einer Kante des Displays ruhen. Die Tasten steuere ich mit meinem Lesefinger, dem Zeigefinger der linken Hand, an. Sobald ich den gewünschten Buchstaben gefunden habe, lasse ich den Finger dort liegen und tippe mit dem rechten Daumen auf das Display. Dies bewirkt das sogenannte geteilte Tippen und damit die Eingabe des Buchstabens. Das ist dasselbe wie wenn ich den Buchstaben erst mit einem Finger ausgewählt und dann per Doppeltippen eingegeben hätte.

    Am Anfang muss man sich natürlich etwas eingewöhnen, aber ich habe, wie ich schon in meinen ersten Eindrücken schilderte, schnell an Tippgeschwindigkeit gewonnen. Hat man das Gefühl, dass einem die Buchstaben zu dicht nebeneinander liegen, kann man das iPhone auf die Seite ins Querformat drehen und so die Tastatur etwas verbreitern.

    Telefonieren

    Ich bin, seit ich mein erstes Talks-handy hatte, ein großer Freund gut gepflegter Adressbücher geworden. Als Kind konnte ich mir über 50 Telefonnummern merken. Davon ist heute aber nicht mehr viel übrig, weil ich Telefonnummern inzwischen alle im handy verwalte. Dan eines freien Plugins von Nokia war es mir auch möglich, über Apple’s iSync die Daten von meinem N82 per Mac aufs iPhone zu bekommen, ohne den geringsten Datenverlust. Unter Windows geht das mit Outlook, der PC Suite und iTunes von Apple analog.

    Demzufolge war für mich das Telefonieren auch von Anfang an sehr komfortabel: Die Telefonanwendung, die sich auf dem Home-Screen immer unten links befindet, egal welche der Home-Seiten angezeigt wird, hat eine Liste der Kontakte gleich als einen der verfügbaren Tabs im Angebot. Den Kontakt doppelt tippen, und in den Details die gewünschte Telefonnummer doppelt tippen, und schon geht der Anruf los.

    Natürlich funktioniert auch das Wählen mit dem Ziffernblock problemlos.

    Das Register Favoriten in der Telefonanwendung bietet sogar noch schnelleren Zugriff auf häfugi angerufene Kontakte.

    Auch findet man hier die Anruflisten, die man weiter in “alle”, “verpasst”, “eingehend” usw. filtern kann. Ein Doppeltippen startet einen Rückruf.

    Schließlich kann man mit dem Register VoiceMail den mobilen Anrufbeantworter anrufen oder, falls verfügbar, die Funktionen von Visual VoiceMail, eine etwas interaktivere Oberfläche für den mobilen AB, nutzen. Ich selbst habe zur Zeit kein Visual VoiceMail zur Verfügung, weiß aber von anderen Anwendern, dass die Elemente alle zugänglich sind.

    Eine kleine Schwäche stellte ich fest, als ich mit dem iPhone in einer Schutzhülle telefonierte. Obwohl ich das iPhone eindeutig aufrecht am Ohr hielt, schaltete es zwischendurch immer wieder in den Freisprech-Modus, als wenn ich das Telefon gerade auf den Tisch vor mich gelegt hätte. Es empfiehlt sich also, das iPhone zum Telefonieren immer aus seiner Schutztasche zu nehmen, da diese anscheinend das eine oder andere Signal ans Display sendet und das iPhone zu kleinen Felfunktionen verleitet. Ohne Tasche sind diese Effekte gänzlich verschwunden gewesen.

    Nachrichten

    Hier werden SMS und MMS gelesen und geschrieben. Die Interaktion ist ähnlich denen anderer Handies, man kann einen Empfänger eingeben oder aus den Kontakten wählen. Einziger Unterschied ist, dass man nicht im Vorwege entscheidet, obman eine SMS oder MMS versendet. Schreibt man nur Text, macht das iPhone automatisch eine SMS, fügt man Anlagen hinzu, wird eine MMS draus.

    Mail

    Mail ist sehr schnell und mächtig. Es hatte sofort alle Kontendaten von meinem MacBook übernommen und kommt wunderbar mit meinem Googlemail-Konto klar. Informationen wie der Ungelesen-Status werden angesagt, das Verfassen und Versenden sieht dem Verfassen von SMS ähnlich. Filter gibt es keine, da sollte man das GoogleMail-Interface im Web bemühen und die Filterung dort vornehmen lassen.

    Safari

    Dies ist der erste Browser, der mit Sprachausgabe auf einem handy zugänglich ist, bei dem ich nicht das Gefühl habe, den Finger an einer wackligen Kiste zu haben, die jeden Moment in einen Abgrund stürzt. Seiten wie die des Hamburger Abendblatts, die auf sämtlichen von mir ausprobierten Nokia-Handies immer für eine hoffnungslose Überforderung gesorgt hat, öffnet sich mit Safari auf dem iPhone problemlos und sehr schnell. Dank der Rotoreinstellungen für verschiedene HTML-Elemente ist das Navigieren sehr flexibel und funktioniert zuverlässig und zügig. Lesezeichen, Suchfunktion und sogar mehrere Tabs komplettieren den Funktionsumfang.

    Da Safari mit modernen JavaScript-Dialekten umgehen kann, ist es eine sehr sichere Umgebung, um auch Web-2.0-Anwendungen gut nutzen zu können, wenn man unterwegs ist.

    Kalender

    Der Kalender ist komplett zugänglich und funktioniert sogar noch besser als iCal auf dem Mac. Erinnerungen, Geburtstage o. ä. sind im handumdrehen eingetragen.

    Auch die Ansage bei Durchgehen der Daten, ob Termine vorhanden sind, klappt zuverlässig. Es werden alle Ansichten unterstützt.

    Kamera und Fotos

    Auch diese sind mit VoiceOver gut bedienbar. Wenn man also ein Gefühl dafür hat, wo die Kamera hin zeigt, kann man auch als Blinder hiermit Fotos machen. Sehr positiv fiel mir auf, dass es zwischen der Kamera und VoiceOver keine Konflikte gibt, wie ich sie leider von diversen Nokia-Handys und Talks her kenne. Man muss VoiceOver nicht zum Aufnehmen eines Fotos oder Videos ausschalten.

    Das einzige, was ich in diesem Bereich noch nicht probiert habe, ist das Schneiden von Videos. Sobald ich dies mal getan habe, werde ich diesen Absatz aktualisieren.

    Youtube, Karten, Aktien

    Diese kleinen Anwendungen sind Interfaces zu verschiedenen Diensten wie eben Youtube, Yahoo! Finance und Google Maps. In Karten gibt es einige Möglichkeiten auch für blinde Anwender, zumindest ungefähre Richtungsangaben zu erhalten oder Verkehrsverbundsinformationen nachzuschlagen. Karten ist nicht als Ersatz für ein GPS gedacht und erfüllt auch nicht diese Funktionen, auch nicht für Sehende.

    Notizen, Sprachmemos

    Zwei sehr schöne kleine Helferlein, die zur Aufnahme von Sprachnotizen oder zum Niederschreiben von Informationen dienen und beide natürlich zugänglich sind. Die Notizen können ebenfalls auch abgeglichen werden, wenn man Mac OS X 10.5.7 oder höher einsetzt.

    Uhr

    Die Uhr ist ein kleines Wunderwerk. Sie bietet nicht nur die obligatorische Weckfunktion, sondern auch eine Weltuhr mit einstellbaren Orten. Da ich viel mit Kollegen aus sowohl Mountain View, Kalifornien (nähe San Francisco) als auch Aucland, Neuseeland, zusammenarbeite, habe ich mir eingestellt, dass mir diese beiden lokalen Zeiten ganz prominent angezeigt werden. So weiß ich jederzeit, ob meine Kollegen wach sind oder schlafen. Gerade bei Neuseeland auf der Südhalbkugel und verschobenen Sommer- und Winterzeiten ist es immer recht aufwendig, die Zeitverschiebungen zu errechnen, und daher bin ich über dieses Helferlein sehr dankbar.

    Eine Stoppuhr und eine Timer-/Countdown-Funktion vervollständigen den Funktionsumfang.

    Wetter

    Eine kleine, aber nützliche, Anwendung, die sich mit Yahoo! Wetter verbindet und aktuelle Wetterdaten abruft. Ich habe mir Hamburg als Standardort eingestellt, es können aber jede Menge weiterer Orte hinzugefügt werden. Diese Anwendung habe ich auch im Ohrfunk-Podcast während meines Interviews demonstriert.

    Der Kompass

    Eine Funktion, die ich so auf noch keinem handy gesehen habe, ist ein Kompass, und dieser funktioniert auch ganz prima! Gerade wenn man mal irgendwo unterwegs ist, z. B. im Wald, kann es sehr nützlich sein, die genaue Himmelsrichtung zu wissen, in die man gerade läuft.

    Anwendungen aus dem App Store

    Ein Modell, das sol angsam Schule macht, ist das Vertreiben von Software von Drittherstellern über eine zentrale Sammelstelle, in diesem Fall dem App Store von Apple. Nokia und Google kopieren diesen Ansatz derzeit, weil über 65000 Anwendungen und weit über 1.000.000.000 Downloads nicht ganz falsch sein können. :) Sowohl das Kaufen von Musik als auch das Kaufen oder Herunterladen kostenloser Software ist sowohl über das iPhone direkt als auch über iTunes auf Mac oder PC möglich. Das iPhone bietet eine sehr schöne Oberfläche für diese Tätigkeiten, die schnörkellos die wichtigsten Daten präsentiert.

    Apple haben angekündigt, mit Entwicklern von iPhone-Anwendungen zusammenarbeiten zu wollen, um sicherzustellen, dass neue oder aktualisierte Anwendungen auch mit VoiceOver bedienbar sind. Der Accessibility Programming Guide for iPhone OS ist eine gute Einstiegsseite für Entwickler, deren Anwendungen nicht oder nur teilweise zugänglich sind.

    Ich habe mal ein paar Anwendungen getestet und unterschiedliche Ergebnisse bekommen, bin alles in allem aber positiv überrascht, wie viel mit dieser ersten Version von VoiceOver und diversen zufällig gewählten Anwendungen schon geht! Eine viel ausführlichere Liste von Anwendungen, die Anwender weltweit auf die Funktionalität mit VoiceOver hin getestet haben, wird von Communitymitgliedern aus Kanada gepflegt (englisch).

    Twitter

    Diejenigen, die mir auf Twitter folgen, werden bemerkt haben, dass ich auch vom iPhone aus getwittert habe. Ich habe sowohl Twittelator Pro als auch Tweetero ausprobiert und komme mit beiden gut klar. Twittelator hat deutlich mehr Funktionen, aber auch zur Zeit noch einige Probleme mit Tasten, die von VoiceOver zwar als solche angesagt werden, denen aber die Beschriftungen fehlen. Andrew Stone, der Autor, hat inzwischen über Twitter verlauten lassen, dass er sich über das Feedback gefreut hat, das er aus der Blindenszene bekommen hat und an dem Zustand was ändern möchte. Wir dürfen also aufs nächste Update gespannt sein!

    Der Funktionsumfang beider Programme geht deutlich über das hinaus, was z. B. Jibjib auf dem N82 bietet, und es geht flotter von der Hand als über die Twitter-Webseiten zu navigieren. Auch die mobilen Twitter-Seiten sind im Funktionsumfang eingeschränkt, so dass eine native Anwendung für Twitter auf dem iPhone der Produktivität definitiv gut tut.

    Facebook

    Die Facebook-Anwendung fürs iPhone funktioniert besser als viele Funktionen mit einem Screen Reader auf PC oder Mac. Die Anwendung ist in ihrem Funktionsumfang eingeschränkt, die Funktionen, die drin sind, funktionieren dafür aber prima! Man kann Facebook nur ermutigen, den Weg weiter zu gehen und auch in Zukunft gute und nützliche Funktionen einzubauen.

    Radioprogramme

    Ich habe sowohl die Anwendung für die Radioprogramme des norddeutschen Rundfunks als auch des Hamburger Lokalsenders Oldie95 getestet. Beide haben Barrierefreiheitsprobleme in Form von nicht beschrifteten Tasten oder Elementen, die sich mit VoiceOver nicht bedienen lassen. Während die Firma, die für Oldie95 diese Anwendung programmiert, auf meine Anmerkungen und Vorschläge innerhalb einer Stunde reagierte und Besserung beim nächsten Update in Aussicht stellte, hat sich der NDR bis heute nicht gerührt, nicht mal geschrieben, dass sie meine Anmerkungen überhaupt erhalten haben.

    AroundMe

    Eine kleine nützliche Anwendung für das iPhone ist AroundMe, die anhand aktueller GPS-Daten Points Of Interest aus der Umgebung findet. Wenn man also irgendwo fremd ist und ein Restaurant, eine Bank o. ä. sucht, ist dieses Programm ein sehr nützlicher Helfer.

    Mobile Butler

    Mobile Butler ist eine Anwendung, mit der nicht nur aktuelle Daten zum Mobilfunkvertrag wie verbrauchte Minuten und Volumen abgerufen, sondern ausgehend vom aktuellen Standort auch der nächst gelegene T-Mobile-WLAN-Hotspot gefunden werden kann. Leider hat dieses nützliche Tool noch diverse Probleme bei der Barrierefreiheit. ich habe den Autoren Holger Frank darüber informiert. Ich erhielt als Antwort, dass er sich darum kümmern möchte, jedoch warten muss, bis eine genügend große Sättigung mit iPhone OS 3.0 im Markt vorhanden ist, da die nötigen Änderungen die Kompatibilität mit iPhone OS 2.x nicht mehr gewährleisten würden. Ich versuche zur Zeit herauszufinden, ob es einen Workaround gibt, mit dem beides möglich ist. Wenn jemand eine Idee hat, bitte melden! ;)

    heise.de

    Diese Anwendung für die Online-Angebote des Heise Zeitschriftenverlages funktioniert in vielen Teilen schon ganz gut, es gibt auch hier jedoch einige nicht beschriftete Tasten und evtl. andere nicht zugängliche Elemente. Auf mein Forumposting hat sich der Autor umgehend bei mir gemeldet, und wir werden jetzt mal gucken, dass das besser wird. ;)

    Fazit

    Es ist, wie geschrieben, schon erstaunlich, was alles schon ohne weiteres Zutun möglich ist! Apple haben ihr Versprechen definitiv gehalten, dass sämtliche mit dem iPhone ausgelieferte Anwendungen mit VoiceOver kompatibel sind. Bei diversen anderen Anwendungen scheint es auch keine Probleme zu geben, einige Anwendungen, die ich selbst getestet haben, waren auch problemlos bedienbar, andere haben hier und da noch ein paar Haken und Ösen.

    Alles in allem bereue ich den Kauf des iPhone 3G S überhaupt nicht. Es ist ein Mainstream-Handy mit eingebautem, vollwertigem, Screen Reader, basierend auf modernen Programmierschnittstellen, die bei korrekter Implementierung keinen Zweifel an der Richtigkeit der Informationen aufkommen lassen. Die Stimmen sind klar und verständlich, die Reaktionsgeschwindigkeit enorm hoch.

    Es wäre wünschenswert, wenn Funktionen wie das Markieren von Text und anschließendes Copy & Paste auch bald mit VoiceOver funktionieren werden! Und mit “bald” hoffe ich mal darauf, dass wir nicht bis zur dritten Vollversion nach VoiceOver-Start warten müssen, wie das bei den Sehenden der Fall war.

    Auch hoffe ich, dass eine Funktion bald kommt, mit der VoiceOver einfacher vom iPhone aus aus- und vor allem eingeschaltet werden kann. Gerüchten zu Folge soll dies mit dreimaligem Tippen auf die Home-Taste bewerkstelligt werden.

    Die große Frage, die sich manche(r) stellt, lautet mit Sicherheit: “Ist das iPhone was für mich?” Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Denn nicht jeder wird mit den Anforderungen, einen Touchscreen zu bedienen, klar kommen. Ähnlich wie auch nicht jedes Blindenhilfsmittel für jeden Blinden gleichermaßen geeignet ist (z. B. fühlbare Armbanduhren versus sprechende), ist auch das iPhone ein Gerät, das nicht jeder (übrigens auch nicht jeder Sehende) bedienen kann. Das beste ist: Ab zum Apple-Händler des Vertrauens, den Verkäufer bitten, VoiceOver über Einstellungen/Allgemein/Bedienungshilfen einzuschalten und selbst ausprobieren. Über dieselbe Einstellung wird es auch rückstandsfrei wieder ausgeschaltet. So kann man sich in Ruhe ein erstes Bild machen, ähnlich wie ich dies getan habe.

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