Archiv für die Kategorie „Apple“

Anwendungstipp: Geburtstagsverwaltung und Online-Banking-Anwendungen fürs iPhone

Mittwoch, 13. Januar 2010

Gestern bin ich auf zwei Anwendungen gestoßen, die ich sehr nützlich finde und die fast komplett mit VoiceOver bedienbar sind.

Die erste ist eine Geburts- und Feiertagsverwaltung namens Occasions. Die Anwendung erstellt aus den in den Kontakten hinterlegten Geburtstagen eine Liste und kann den Benutzer an die Geburtstage erinnern. Nett: Es wird das Alter gleich mit angezeigt. Das Programm kann auch Geburtstage von FaceBook abfragen und ebenfalls in die Liste aufnehmen. Eigene Ereignisse und auch Geburtstage für Kontakte können aus der Anwendung heraus nachgetragen werden.

Einziger Haken ist, man muss das Theme von “Wasser” auf “Standard” umstellen. Erst dann bekommen die meisten Schalter eine vernünftige Beschriftung und das Arbeiten mit der Anwendung läuft flüssig. Lobend erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang den Support des Herstellers Hand Carved Code. Ich hatte Verbesserungsvorschläge inklusive dem Link zum iPhone Accessibility Programming Guide per E-Mail an den Support geschickt. Innerhalb von 10 Minuten bekam ich eine Antwort mit dem Tipp, das Theme umzustellen und mit der Ankündigung, Verbesserungen für VoiceOver mit in die Liste von Kundenwünscen aufzunehmen. Hierfür gab’s von mir dann eine 4-Sterne-Rezension im App Store.

Die zweite Anwendung wurde von @GermanStudent empfohlen: iOutBank Pro ist eine Online-Banking-Anwendung, die diverse Banken unterstützt. Auf OutBank.de kann man anhand der Bankleitzahl überprüfen, ob die eigene Bank unterstützt wird. Die Anwendung kostet nur heute (am 13.01.2010) 0,79 € anstatt 6,99€, weil die Anwendung heute ihren ersten Geburtstag feiert.

Die Anmeldung meiner Bankdaten klappte problemlos. Das Ansehen der Kontoumsätze war ebenfalls problemlos möglich, und das Überweisungsformular sieht auch so aus, dass VoiceOver damit prima zurechtkommt. Es fehlen einige Schalterbeschriftungen, und die Anwendung hat die Eigenart, dass man sie nicht gut mit der Geste “Nach links Streichen” bzw. “Nach rechts Streichen” untersuchen kann, sondern den Bildschirm mit dem Finger systematisch absuchen muss, um die Elemente zu erreichen. Für diese zwei Proleme gab es in der ansonsten uneingeschränkt positiven Rezension 1 Stern Abzug von mir, die Bedienung ist aber trotzdem sehr gut und intuitiv gelöst.

Diese zwei Anwendungen haben mein iPhone-Leben definitiv wieder bereichert, und ich freue mich darüber, dass sie von Haus aus schon so weit barrierefrei sind! Ich hoffe natürlich, dass die Entwickler der Anwendungen die verbleibenden Probleme schnell beheben, damit es dann auch 5 Sterne von mir geben kann. ;)

Anwendungstipp: Zuginfo für das iPhone

Mittwoch, 16. September 2009

Ich war gestern beim Stammtisch OSXHH, einer Gruppe, die sich jeden 3. Dienstag im Monat in der Halle 13 nähe der U-Bahn-Station Saarlandstraße in Hamburg trifft. Es ist eine Gruppe von Mac-Enthusiasten, die sich privat und/oder beruflich mit dem Mac befassen.

Ich zeigte dort ein paar Dinge zur Barrierefreiheit in Mac OS X Snow Leopard und dem iPhone.

Ein anderer Stammtischteilnehmer empfahl mir eine Anwendung namens ZugInfo, mit der es ganz einfach möglich ist, sich Verbindungen im ÖPNV herauszusuchen. Die Anwendung arbeitet mit bahn.de und lokalen Verkehrsverbünden und kann auch so nette Dinge tun wie Verspätungen von Zügen herausfinden.

Ich lud mir zunächst die kostenlose Version herunter, um sie mit dem iPhone auszuprobieren. Das klappte ganz prima, ich hatte lediglich ein Verständnisproblem zu einer Funktion, und nach kurzem hatte ich meinen Rückweg nach Hause mit Umsteigezeiten usw. auf dem Handy.

Auf dem Rückweg lud ich mir aus dem App Store noch die Spenden-Version für 1,59 €. Obwohl die kostenlose Version nicht eingeschränkt ist, fand ich es nur fair, die Arbeit zu belohnen, die Anwendung ist nämlich prima mit VoiceOver bedienbar. Hier der Link zu ZugInfo Spendenversion (öffnet in iTunes).

Das zugängliche iPhone 3G S – ein Erfahrungsbericht

Dienstag, 4. August 2009

Nachdem ich kurz nach dessen Erscheinen das iPhone 3G S in einer Gravis-Filiale in Hamburg kurz testen durfte, habe ich seit dem 04.07. mein eigenes iPhone 3G S, und genau einen Monat später ist es nun Zeit für einen ausführlichen Erfahrungsbericht.

Das erste Auspacken und die Inbetriebnahme

Wie alle Apple-Produkte ist auch das iPhone 3G S in einem sehr effizient gestalteten Karton verpackt, in dem neben dem iPhone selbst ein Headset, ein USB-Kabel, das sowohl zum Laden als auch zur Synchronisation dient, ein externes USB-Netzteil mit europäischem Stecker und eine Kurzanleitung Platz finden.

Eine sehr angenehme Eigenschaft ist, dass dieses externe Netzteil genau dieselben Steckverbindungen für die Steckdose hat wie das Netzteil meines MacBooks. Ich kann also meine Stecker für die USA, Großbritanien und andere Systeme ohne Probleme auch für das externe iPhone-Netzteil verwenden, sollte das Notebook zum Laden mal nicht zur Verfügung stehen.

Beim ersten Anschließen ans Notebook meldet iTunes sofort die Verfügbarkeit des iPhones, und ein Assistent wird gestartet, der durch die verschiedenen Schritte der Aktivierung führt. Dieser Prozess ist mit dem des iPod Nano, den ich schon vorher hatte, quasi identisch. Ich selbst habe mit dem iTunes für Mac OS X synchronisiert, es geht aber mit JAWS 10 oder Window-Eyes 7 auch unter Windows ganz prima, habe ich mir berichten lassen.

Von Apple eigentlich angekündigt, wurde bei mir VoiceOver jedoch nicht automatisch auf dem iPhone gestartet. Ich musste in den iPhone-Einstellungen unter “Bedienungshilfen konfigurieren” VoiceOver manuell aktivieren. Dann begann es aber sofort zu sprechen und wies mich darauf hin, dass die SIM-Karte zur Zeit gesperrt sei und dass ich sie entsperren, also die PIN eingeben könne.

Es empfiehlt sich zu diesem Zeitpunkt dringend, mindestens mal einen Blick auf die Liste der Gesten zu werfen, die bei aktiviertem VoiceOver aktiv sind. Ich selbst hatte mich vorher ausführlich über das als PDF zur Verfügung stehenden Handbuches informiert. Tut man dies nicht, läuft man Gefahr, bei den ersten Schritten doch mehr zu stolpern als nötig. Und gerade die Eingabe der PIN ist ja nicht ganz unsensibel, da nur drei Versuche für die richtige Eingabe derselben zur Verfügung stehen, bevor die Karte gesperrt wird und man die PUK usw. bemühen muss.

Ich tippte also doppelt auf die Taste “Entsperren”. Das Ziffernfeld wurde angezeigt, und ich konnte mit dem Finger die einzelnen Elemente ansteuern. Die Eingabe der PIN war dann kein Problem, und kurz darauf hatte ich 5 von 5 möglichen Balken meines T-Mobile-Netzwerkes zur Verfügung.

Es empfiehlt sich weiterhin, möglichst frühzeitig eine WLAN-Verbindung zu seinem AccessPoint einzurichten, es sei denn, man hat sich den Luxus einer mobilen Flatrate geleistet. Das iPhone nimmt als erstes, wenn verfügbar, eine WLAN-Verbindung, bevor es auf UMTS und GPRS zurückgreift.

Die Eingabe gestaltete sich denkbar einfach: Ich ging in die Einstellung, und WLAN war gleich im Eingangsbildschirm als Option verfügbar. Ein Doppeltippen, und ich wurde aufgefordert, das Netz zu wählen, mit dem ich mich verbinden wollte. Da es in der Nachbarschaft mehrere Netze gibt, musste ich tatsächlich eines von mehreren durch doppeltes Tippen auswählen. Die Eingabe des WPA-Schlüssels gestaltete sich dann genauso unproblematisch wie vorher die Eingabe der PIN. Gleich darauf hatte ich Zugriff aufs Internet über meine Festnetzflatrate. Einziger Stolperstein, zumindest für ein paar Sekunden, war die Tatsache, dass die Taste zum Bestätigen des WPA-Schlüssels sich neben der Leertaste befand, also Teil der virtuellen Tastatur war, und nicht ein separates Benutzerinterface-Element wie ein “OK”-Button.

Ein paar Worte zur Handhabung der virtuellen Tastatur

Dies ist wohl der Teil des iPhones, der den größten Lernaufwand erfordert, weil sich die Vorgehensweise so komplett von allem unterscheidet, was man als Nutzer eines Smartphones von z. B. Nokia her kennt: Das iPhone stellt eine komplette Tastatur auf dem Touchscreen dar, aufgeteilt in drei Ebenen: Buchstaben, Ziffern (plus der wichtigsten Satzzeichen) und Symbole. Hierbei ist von Buchstaben lediglich zu Ziffern, aber von Ziffern sowohl zu Symbolen als auch zurück zu Buchstaben umschaltbar. Weiterhin gibt es mehrere Tastaturlayouts. Bei mir war standardmäßig englisch voreingestellt. Neben der Leertaste gibt es aber eine Taste mit der Beschriftung “nächste Tastatur”, mit der sich das Layout dann ganz problemlos auf Deutsch umstellen ließ.

Umlaute sind ein kleiner Spezialfall: Sie sind nicht Bestandteil der Standardtastatur, können aber durch eine Standardgeste zum Vorschein gebracht werden. Will man z. B. ein ü eingeben, tippt man doppelt auf den Buchstaben u und lässt den Finger nach dem zweiten Tippen auf dem Display ruhen. Dies bewirkt, dass als nächstes eine Standardgeste erwartet wird, die nicht von VoiceOver gefiltert wird. Dies entspricht in etwa dem Durchreichen eines Tastaturkommandos an einem herkömmlichen Screen-Reader vorbei. Sobald der Ton für die Aktivierung der Durchreichung ertönt ist, bewegt man den Finger, ohne ihn vom Display zu nehmen, nach links, bis VoiceOver das ü ansagt. Dann hebt man den Finger an. Dies bewirkt das Eingeben des Buchstabens ü ins Eingabefeld. Von jetzt an sind wieder die VoiceOver-Gesten aktiv.

Eingabetechniken gibt es mehrere. Es gibt Leute, die die Zwei-Daumen-Technik verwenden. Ich hingegen halte das iPhone in der rechten Hand und lasse lediglich den Daumen an einer Kante des Displays ruhen. Die Tasten steuere ich mit meinem Lesefinger, dem Zeigefinger der linken Hand, an. Sobald ich den gewünschten Buchstaben gefunden habe, lasse ich den Finger dort liegen und tippe mit dem rechten Daumen auf das Display. Dies bewirkt das sogenannte geteilte Tippen und damit die Eingabe des Buchstabens. Das ist dasselbe wie wenn ich den Buchstaben erst mit einem Finger ausgewählt und dann per Doppeltippen eingegeben hätte.

Am Anfang muss man sich natürlich etwas eingewöhnen, aber ich habe, wie ich schon in meinen ersten Eindrücken schilderte, schnell an Tippgeschwindigkeit gewonnen. Hat man das Gefühl, dass einem die Buchstaben zu dicht nebeneinander liegen, kann man das iPhone auf die Seite ins Querformat drehen und so die Tastatur etwas verbreitern.

Telefonieren

Ich bin, seit ich mein erstes Talks-handy hatte, ein großer Freund gut gepflegter Adressbücher geworden. Als Kind konnte ich mir über 50 Telefonnummern merken. Davon ist heute aber nicht mehr viel übrig, weil ich Telefonnummern inzwischen alle im handy verwalte. Dan eines freien Plugins von Nokia war es mir auch möglich, über Apple’s iSync die Daten von meinem N82 per Mac aufs iPhone zu bekommen, ohne den geringsten Datenverlust. Unter Windows geht das mit Outlook, der PC Suite und iTunes von Apple analog.

Demzufolge war für mich das Telefonieren auch von Anfang an sehr komfortabel: Die Telefonanwendung, die sich auf dem Home-Screen immer unten links befindet, egal welche der Home-Seiten angezeigt wird, hat eine Liste der Kontakte gleich als einen der verfügbaren Tabs im Angebot. Den Kontakt doppelt tippen, und in den Details die gewünschte Telefonnummer doppelt tippen, und schon geht der Anruf los.

Natürlich funktioniert auch das Wählen mit dem Ziffernblock problemlos.

Das Register Favoriten in der Telefonanwendung bietet sogar noch schnelleren Zugriff auf häfugi angerufene Kontakte.

Auch findet man hier die Anruflisten, die man weiter in “alle”, “verpasst”, “eingehend” usw. filtern kann. Ein Doppeltippen startet einen Rückruf.

Schließlich kann man mit dem Register VoiceMail den mobilen Anrufbeantworter anrufen oder, falls verfügbar, die Funktionen von Visual VoiceMail, eine etwas interaktivere Oberfläche für den mobilen AB, nutzen. Ich selbst habe zur Zeit kein Visual VoiceMail zur Verfügung, weiß aber von anderen Anwendern, dass die Elemente alle zugänglich sind.

Eine kleine Schwäche stellte ich fest, als ich mit dem iPhone in einer Schutzhülle telefonierte. Obwohl ich das iPhone eindeutig aufrecht am Ohr hielt, schaltete es zwischendurch immer wieder in den Freisprech-Modus, als wenn ich das Telefon gerade auf den Tisch vor mich gelegt hätte. Es empfiehlt sich also, das iPhone zum Telefonieren immer aus seiner Schutztasche zu nehmen, da diese anscheinend das eine oder andere Signal ans Display sendet und das iPhone zu kleinen Felfunktionen verleitet. Ohne Tasche sind diese Effekte gänzlich verschwunden gewesen.

Nachrichten

Hier werden SMS und MMS gelesen und geschrieben. Die Interaktion ist ähnlich denen anderer Handies, man kann einen Empfänger eingeben oder aus den Kontakten wählen. Einziger Unterschied ist, dass man nicht im Vorwege entscheidet, obman eine SMS oder MMS versendet. Schreibt man nur Text, macht das iPhone automatisch eine SMS, fügt man Anlagen hinzu, wird eine MMS draus.

Mail

Mail ist sehr schnell und mächtig. Es hatte sofort alle Kontendaten von meinem MacBook übernommen und kommt wunderbar mit meinem Googlemail-Konto klar. Informationen wie der Ungelesen-Status werden angesagt, das Verfassen und Versenden sieht dem Verfassen von SMS ähnlich. Filter gibt es keine, da sollte man das GoogleMail-Interface im Web bemühen und die Filterung dort vornehmen lassen.

Safari

Dies ist der erste Browser, der mit Sprachausgabe auf einem handy zugänglich ist, bei dem ich nicht das Gefühl habe, den Finger an einer wackligen Kiste zu haben, die jeden Moment in einen Abgrund stürzt. Seiten wie die des Hamburger Abendblatts, die auf sämtlichen von mir ausprobierten Nokia-Handies immer für eine hoffnungslose Überforderung gesorgt hat, öffnet sich mit Safari auf dem iPhone problemlos und sehr schnell. Dank der Rotoreinstellungen für verschiedene HTML-Elemente ist das Navigieren sehr flexibel und funktioniert zuverlässig und zügig. Lesezeichen, Suchfunktion und sogar mehrere Tabs komplettieren den Funktionsumfang.

Da Safari mit modernen JavaScript-Dialekten umgehen kann, ist es eine sehr sichere Umgebung, um auch Web-2.0-Anwendungen gut nutzen zu können, wenn man unterwegs ist.

Kalender

Der Kalender ist komplett zugänglich und funktioniert sogar noch besser als iCal auf dem Mac. Erinnerungen, Geburtstage o. ä. sind im handumdrehen eingetragen.

Auch die Ansage bei Durchgehen der Daten, ob Termine vorhanden sind, klappt zuverlässig. Es werden alle Ansichten unterstützt.

Kamera und Fotos

Auch diese sind mit VoiceOver gut bedienbar. Wenn man also ein Gefühl dafür hat, wo die Kamera hin zeigt, kann man auch als Blinder hiermit Fotos machen. Sehr positiv fiel mir auf, dass es zwischen der Kamera und VoiceOver keine Konflikte gibt, wie ich sie leider von diversen Nokia-Handys und Talks her kenne. Man muss VoiceOver nicht zum Aufnehmen eines Fotos oder Videos ausschalten.

Das einzige, was ich in diesem Bereich noch nicht probiert habe, ist das Schneiden von Videos. Sobald ich dies mal getan habe, werde ich diesen Absatz aktualisieren.

Youtube, Karten, Aktien

Diese kleinen Anwendungen sind Interfaces zu verschiedenen Diensten wie eben Youtube, Yahoo! Finance und Google Maps. In Karten gibt es einige Möglichkeiten auch für blinde Anwender, zumindest ungefähre Richtungsangaben zu erhalten oder Verkehrsverbundsinformationen nachzuschlagen. Karten ist nicht als Ersatz für ein GPS gedacht und erfüllt auch nicht diese Funktionen, auch nicht für Sehende.

Notizen, Sprachmemos

Zwei sehr schöne kleine Helferlein, die zur Aufnahme von Sprachnotizen oder zum Niederschreiben von Informationen dienen und beide natürlich zugänglich sind. Die Notizen können ebenfalls auch abgeglichen werden, wenn man Mac OS X 10.5.7 oder höher einsetzt.

Uhr

Die Uhr ist ein kleines Wunderwerk. Sie bietet nicht nur die obligatorische Weckfunktion, sondern auch eine Weltuhr mit einstellbaren Orten. Da ich viel mit Kollegen aus sowohl Mountain View, Kalifornien (nähe San Francisco) als auch Aucland, Neuseeland, zusammenarbeite, habe ich mir eingestellt, dass mir diese beiden lokalen Zeiten ganz prominent angezeigt werden. So weiß ich jederzeit, ob meine Kollegen wach sind oder schlafen. Gerade bei Neuseeland auf der Südhalbkugel und verschobenen Sommer- und Winterzeiten ist es immer recht aufwendig, die Zeitverschiebungen zu errechnen, und daher bin ich über dieses Helferlein sehr dankbar.

Eine Stoppuhr und eine Timer-/Countdown-Funktion vervollständigen den Funktionsumfang.

Wetter

Eine kleine, aber nützliche, Anwendung, die sich mit Yahoo! Wetter verbindet und aktuelle Wetterdaten abruft. Ich habe mir Hamburg als Standardort eingestellt, es können aber jede Menge weiterer Orte hinzugefügt werden. Diese Anwendung habe ich auch im Ohrfunk-Podcast während meines Interviews demonstriert.

Der Kompass

Eine Funktion, die ich so auf noch keinem handy gesehen habe, ist ein Kompass, und dieser funktioniert auch ganz prima! Gerade wenn man mal irgendwo unterwegs ist, z. B. im Wald, kann es sehr nützlich sein, die genaue Himmelsrichtung zu wissen, in die man gerade läuft.

Anwendungen aus dem App Store

Ein Modell, das sol angsam Schule macht, ist das Vertreiben von Software von Drittherstellern über eine zentrale Sammelstelle, in diesem Fall dem App Store von Apple. Nokia und Google kopieren diesen Ansatz derzeit, weil über 65000 Anwendungen und weit über 1.000.000.000 Downloads nicht ganz falsch sein können. :) Sowohl das Kaufen von Musik als auch das Kaufen oder Herunterladen kostenloser Software ist sowohl über das iPhone direkt als auch über iTunes auf Mac oder PC möglich. Das iPhone bietet eine sehr schöne Oberfläche für diese Tätigkeiten, die schnörkellos die wichtigsten Daten präsentiert.

Apple haben angekündigt, mit Entwicklern von iPhone-Anwendungen zusammenarbeiten zu wollen, um sicherzustellen, dass neue oder aktualisierte Anwendungen auch mit VoiceOver bedienbar sind. Der Accessibility Programming Guide for iPhone OS ist eine gute Einstiegsseite für Entwickler, deren Anwendungen nicht oder nur teilweise zugänglich sind.

Ich habe mal ein paar Anwendungen getestet und unterschiedliche Ergebnisse bekommen, bin alles in allem aber positiv überrascht, wie viel mit dieser ersten Version von VoiceOver und diversen zufällig gewählten Anwendungen schon geht! Eine viel ausführlichere Liste von Anwendungen, die Anwender weltweit auf die Funktionalität mit VoiceOver hin getestet haben, wird von Communitymitgliedern aus Kanada gepflegt (englisch).

Twitter

Diejenigen, die mir auf Twitter folgen, werden bemerkt haben, dass ich auch vom iPhone aus getwittert habe. Ich habe sowohl Twittelator Pro als auch Tweetero ausprobiert und komme mit beiden gut klar. Twittelator hat deutlich mehr Funktionen, aber auch zur Zeit noch einige Probleme mit Tasten, die von VoiceOver zwar als solche angesagt werden, denen aber die Beschriftungen fehlen. Andrew Stone, der Autor, hat inzwischen über Twitter verlauten lassen, dass er sich über das Feedback gefreut hat, das er aus der Blindenszene bekommen hat und an dem Zustand was ändern möchte. Wir dürfen also aufs nächste Update gespannt sein!

Der Funktionsumfang beider Programme geht deutlich über das hinaus, was z. B. Jibjib auf dem N82 bietet, und es geht flotter von der Hand als über die Twitter-Webseiten zu navigieren. Auch die mobilen Twitter-Seiten sind im Funktionsumfang eingeschränkt, so dass eine native Anwendung für Twitter auf dem iPhone der Produktivität definitiv gut tut.

Facebook

Die Facebook-Anwendung fürs iPhone funktioniert besser als viele Funktionen mit einem Screen Reader auf PC oder Mac. Die Anwendung ist in ihrem Funktionsumfang eingeschränkt, die Funktionen, die drin sind, funktionieren dafür aber prima! Man kann Facebook nur ermutigen, den Weg weiter zu gehen und auch in Zukunft gute und nützliche Funktionen einzubauen.

Radioprogramme

Ich habe sowohl die Anwendung für die Radioprogramme des norddeutschen Rundfunks als auch des Hamburger Lokalsenders Oldie95 getestet. Beide haben Barrierefreiheitsprobleme in Form von nicht beschrifteten Tasten oder Elementen, die sich mit VoiceOver nicht bedienen lassen. Während die Firma, die für Oldie95 diese Anwendung programmiert, auf meine Anmerkungen und Vorschläge innerhalb einer Stunde reagierte und Besserung beim nächsten Update in Aussicht stellte, hat sich der NDR bis heute nicht gerührt, nicht mal geschrieben, dass sie meine Anmerkungen überhaupt erhalten haben.

AroundMe

Eine kleine nützliche Anwendung für das iPhone ist AroundMe, die anhand aktueller GPS-Daten Points Of Interest aus der Umgebung findet. Wenn man also irgendwo fremd ist und ein Restaurant, eine Bank o. ä. sucht, ist dieses Programm ein sehr nützlicher Helfer.

Mobile Butler

Mobile Butler ist eine Anwendung, mit der nicht nur aktuelle Daten zum Mobilfunkvertrag wie verbrauchte Minuten und Volumen abgerufen, sondern ausgehend vom aktuellen Standort auch der nächst gelegene T-Mobile-WLAN-Hotspot gefunden werden kann. Leider hat dieses nützliche Tool noch diverse Probleme bei der Barrierefreiheit. ich habe den Autoren Holger Frank darüber informiert. Ich erhielt als Antwort, dass er sich darum kümmern möchte, jedoch warten muss, bis eine genügend große Sättigung mit iPhone OS 3.0 im Markt vorhanden ist, da die nötigen Änderungen die Kompatibilität mit iPhone OS 2.x nicht mehr gewährleisten würden. Ich versuche zur Zeit herauszufinden, ob es einen Workaround gibt, mit dem beides möglich ist. Wenn jemand eine Idee hat, bitte melden! ;)

heise.de

Diese Anwendung für die Online-Angebote des Heise Zeitschriftenverlages funktioniert in vielen Teilen schon ganz gut, es gibt auch hier jedoch einige nicht beschriftete Tasten und evtl. andere nicht zugängliche Elemente. Auf mein Forumposting hat sich der Autor umgehend bei mir gemeldet, und wir werden jetzt mal gucken, dass das besser wird. ;)

Fazit

Es ist, wie geschrieben, schon erstaunlich, was alles schon ohne weiteres Zutun möglich ist! Apple haben ihr Versprechen definitiv gehalten, dass sämtliche mit dem iPhone ausgelieferte Anwendungen mit VoiceOver kompatibel sind. Bei diversen anderen Anwendungen scheint es auch keine Probleme zu geben, einige Anwendungen, die ich selbst getestet haben, waren auch problemlos bedienbar, andere haben hier und da noch ein paar Haken und Ösen.

Alles in allem bereue ich den Kauf des iPhone 3G S überhaupt nicht. Es ist ein Mainstream-Handy mit eingebautem, vollwertigem, Screen Reader, basierend auf modernen Programmierschnittstellen, die bei korrekter Implementierung keinen Zweifel an der Richtigkeit der Informationen aufkommen lassen. Die Stimmen sind klar und verständlich, die Reaktionsgeschwindigkeit enorm hoch.

Es wäre wünschenswert, wenn Funktionen wie das Markieren von Text und anschließendes Copy & Paste auch bald mit VoiceOver funktionieren werden! Und mit “bald” hoffe ich mal darauf, dass wir nicht bis zur dritten Vollversion nach VoiceOver-Start warten müssen, wie das bei den Sehenden der Fall war.

Auch hoffe ich, dass eine Funktion bald kommt, mit der VoiceOver einfacher vom iPhone aus aus- und vor allem eingeschaltet werden kann. Gerüchten zu Folge soll dies mit dreimaligem Tippen auf die Home-Taste bewerkstelligt werden.

Die große Frage, die sich manche(r) stellt, lautet mit Sicherheit: “Ist das iPhone was für mich?” Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Denn nicht jeder wird mit den Anforderungen, einen Touchscreen zu bedienen, klar kommen. Ähnlich wie auch nicht jedes Blindenhilfsmittel für jeden Blinden gleichermaßen geeignet ist (z. B. fühlbare Armbanduhren versus sprechende), ist auch das iPhone ein Gerät, das nicht jeder (übrigens auch nicht jeder Sehende) bedienen kann. Das beste ist: Ab zum Apple-Händler des Vertrauens, den Verkäufer bitten, VoiceOver über Einstellungen/Allgemein/Bedienungshilfen einzuschalten und selbst ausprobieren. Über dieselbe Einstellung wird es auch rückstandsfrei wieder ausgeschaltet. So kann man sich in Ruhe ein erstes Bild machen, ähnlich wie ich dies getan habe.

Erstes Anfühlen von VoiceOver auf dem iPhone

Montag, 22. Juni 2009

Heute Vormittag war ich bei Gravis in der Hamburger Innenstadt, um mir das am Freitag vergangener Woche erschienene iPhone 3G S anzuschauen. Das 3G S ist das erste iPhone von Apple, welches mit einem Screen Reader ausgestattet ist (die deutsche Seite spiegelt diese Info leider noch nicht wider).

Da Touchscreens bisher ja für Blinde eine unüberwindliche Barriere darstellten, war ich sehr gespannt. Nicht nur, dass es keine oder kaum taktile Orientierungspunkte geben würde, die Angst, etwas falsch zu machen oder auszulösen, was man gar nicht will, war schon vorhanden. Ich habe mal einen Alarm in einem Fahrstuhl ausgelöst, dessen Tasten nur durch Berührung sofort auslösten. Und ich habe natürlich den Alarmknopf getroffen. :)

Als ich bei Gravis ankam, wurde ich nach kurzer Frage sofort zum iPhone-Stand geführt. Ich hatte vorab per E-Mail mit dem Geschäft abgesprochen, dass ich mir das 3G S ausführlich anfühlen dürfe. Einer der beiden anwesenden Verkäufer wusste auch prompt, wie VoiceOver einzuschalten ist. Dies steht in der ganz normalen Anleitung für das iPhone gleichberechtigt neben allen anderen Funktionen, man muss es nicht sonstwo gesondert suchen. Im Gegensatz zur Accessibility-Seite ist die Anleitung sogar schon auf deutsch verfügbar und auf dem aktuellen Stand.

Als VoiceOver startete, begrüßte mich eine altbekannte Stimme: Yannick von den RealSpeak-Stimmen von Nuance. Die Stimme kam klar und deutlich aus dem eingebauten Lautsprecher des iPhone. Die Lautstärke lässt sich gut raufregeln, so dass man selbst in lauten Umgebungen gut verstehen kann. Leider waren die Umgebungsgeräusche jedoch so zahlreich, dass eine von mir ursprünglich geplante Aufnahme meines Tests nicht zustande kam.

Nachdem VoiceOver lief und eie Gesten sich veränderten, kam die Verkäuferin damit nicht mehr ganz so gut klar. :-) So übernahm ich das Handy und startete mit dem linken Zeigefinger (meinem Lesefinger für Punktschrift) eine Fahrt über den Bildschirm. VoiceOver kam sofort mit relevanten Infos daher, in einer sehr schnellen Reaktionszeit. Diese schlägt sogar die Reaktionszeiten meines N82 auf Tastendrücke um Längen. Und noch etwas wurde mir sofort klar: Ich bekam hier ein glasklares Gefühl dafür, wie der Bildschirm aufgebaut ist. Ich wusste ziemlich schnell, dass auf dem Home-Bildschirm das Symbol für Nachrichten ganz links oben unterhalb der Statusanzeige für die Akkulaufzeit, Netzstärke usw. angeordnet ist, dass das iPod-Symbol im rechten unteren Quadranten liegt usw. Man muss also nicht die erforschenden VoiceOver-Kommandos bemühen, sondern geht zielstrebig mit dem Finger in die Richtung, in der man die relevanten Infos vermutet.

Dies erleichtert natürlich auch ungemein die Kommunikation mit Sehenden: Die Verkäuferin sagte mir in der Telefonapplikation, dass man Kontakte, Zahlentastatur und andere Dinge unten umschaltet. Der Finger wanderte nach unten, und schon hatte ich die einzelnen Auswahlmöglichkeiten unterm Finger und konnte das gewünschte fokussieren und mit einem doppelten Tippen auslösen.

Das Tippen auf der Tastatur oder dem Ziffernblock gestaltete sich auch einfacher als erwartet. Dank eines Tipps von James Craig aus der englischsprachigen VIPhone Google Group, mit einem Finger das gewünschte Zeichen anzusteuern, den Finger dort zu belassen und mit einem anderen Finger derselben oder der anderen hand irgendwo auf dem Bildschirm zu tippen (geteiltes Tippen) gestaltete sich dies schon nach kurzer Eingewöhnung recht flüssig. Klar ist dies wahrscheinlich die größte Umstellung von allen, wenn man von einer Zifferntastatur wie dem N82 kommt. Aber die Tastatur erscheint immer anderselben Stelle, so dass es bald ein leichtes sein dürfte, sich darauf zurechtzufinden und schnell die gewünschten Buchstaben anzusteuern. Außerdem gibt es eine weitere Bedienungshilfe namens Autovervollständigung, die Wörter automatisch komplettiert und so Tipparbeit spart. Diese Funktion arbeitet gut mit VoiceOver zusammen.

Auch andere Gesten ließen sich schnell erlernen. So merkte ich ziemlich schnell, wie ich von links nach rechts streichen musste, um die VoiceOver-Funktion “nächstes Element lesen” auszulösen. Auch das Scrollen durch Streichen mit den Fingern nach oben und unten begriff ich schnell. Auch die Bedienung des Rotors, die z. B. die Art der Textnavigation umschaltet (zeichen, wörter) oder im Browser Elemente auswählt, zwischen denen navigiert werden soll (Überschriften, Formulare, Links) ließ sich gut an. Hier kam mir meine Erfahrung mit meinem iPod Nano zu Gute: Die Bewegung mit einem Finger ist dieselbe wie das Navigieren über das Drehrad des iPods, um die Lautstärke zu verändern, durch Alben zu scrollen usw. Sogar der Sound, den das iPhone macht, ist bei dieser Aktion dieselbe wie im Nano. :)

Dies ist natürlich kein erschöpfender Vergleich. Ich besitze auch leider noch kein iPhone, da mein Vertrag vor kurzem erst verlängert wurde und ich mir noch kein neues Handy subventionieren lassen kann, und in Deutschland gibt’s das iPhone nur mit Vertrag. Einige Funktionen konnte ich daher bisher auch noch nicht ausprobieren, da die SIM-karte in dem iPhone gesperrt war.

Apple zeigen aber, dass sie inzwischen an vorderster Front in Puncto Accessibility mit dabei sind und sich nicht scheuen, neue Wege zu gehen und Konventionen aufzubrechen. Oder wie schrieb es Mike Calvo von Serotek neulich in einem Blogeintrag? Why is it that Apple always seems to get to the future first? Sie geben dem iPhone 3G S einen vollwertigen Screen Reader mit, für den man bei Handys mit Symbian oder Windows Mobile-Betriebssystemen mehrere hundert Euro extra zahlen muss, Updatepreise gar nicht mit eingerechnet. Und selbst die im AEGIS-Projekt aktive RIM Ltd arbeitet mit einer Firma zusammen, deren Blackberry-Lösung ein kostenpflichtiger Screen Reader sein wird. Lediglich Google Android scheinen da was ähnliches aufzubauen mit einer kostenlosen Screen-Reader-Lösung. Das, was ich bisher aber gehört habe, kommt bei weitem nicht an das Paket heran, das Apple hier geschnürt hat. Denn nicht nur die Anwendungen, die auf dem iPhone mitgeliefert werden, sondern auch schon diverse Anwendungen des App Store sind zugänglich, und das öffnet natürlich eine ganz große Reihe von Möglichkeiten! Denn auch Entwickler, die ein 3G S haben, können gleich testen, ob ihre Anwendung mit VoiceOver zusammenarbeitet, es ist ja einfach vorhanden.

Wie unschwer zu erkennen ist, bin ich sehr angetan vom iPhone 3G S und hoffe, dass ich in Bälde eines mein Eigen nennen kann, auf welchem Wege auch immer. :)

Neue Mailingliste für Apple-spezifische Themen der Zugänglichkeit

Mittwoch, 24. Dezember 2008

Da mein Beitrag über die Zugänglichkeit von Mac OS X auch außerhalb des Blogs eine rege Resonanz gefunden hat, habe ich mich entschlossen, eine deutschsprachige Mailingliste einzurichten, die sich mit dem Themenkreis Apple und deren zugängliche Produkte wie Mac OS und dessen Anwendungen, den iPod Nano der vierten Generation usw. beschäftigt. Diese Liste soll zum Erfahrungsaustausch zwischen Anwendern dienen, richtet sich aber genauso an diejenigen, die bisher keinen Apple verwenden, sich aber informieren möchten. Hier geht’s zur Infoseite mit Anmeldemöglichkeit.

Also dann, auf einen fruchtbaren Austausch!

Mac OS X Zugänglichkeit: Eine Erfolgsgeschichte

Mittwoch, 19. November 2008

Seit ein paar Jahren schon gibt es neben Windows andere Desktop-Betriebssysteme, die Barrierefreiheitsfunktionen zur Verfügung stellen und für die es Screen Reader gibt. Orca ist seit Version 2.18 des GNOME Desktop fester Bestandteil dieses Pakets und somit in jeder Distribution, die den GNOME Desktop vorinstalliert, ebenfalls verfügbar. Dies ermöglicht auch einigen Distributionen, sprechende Installationen zur Verfügung zu stellen, mit deren Hilfe ein Blinder das Betriebssystem selbständig installieren kann.

Während der Entwicklung von Mac OS X 10.4 Tiger betrat auch Apple das Feld der Zugänglichkeit für sein Betriebssystem und bietet seitdem den Screen Reader VoiceOver als festen Bestandteil des Betriebssystems an. Dies ist nichts Neues, zumal es inzwischen den Nachfolger Mac OS X 10.5 Leopard gibt. Ich hatte jedoch vor ein paar Tagen Gelegenheit, VoiceOver das erste Mal selbst unter den Fingern zu haben und muss gestehen, dass ich hin und weg bin, was die Zugänglichkeit und die Möglichkeiten angeht!

Das geht schon damit los, dass nach dem Einschalten des Macs ein Hinweis gesprochen wird, dass, wenn man nicht sehen kann, man Befehlstaste+F5 (oder Cmd+F5) drücken soll, um Sprachunterstützung bei der Ausführung des Setupassistenten zu bekommen. Kleiner Wehrmutstropfen hierbei ist, dass Apple selbst nur englische Stimmen mitliefert. Wenn Apple ein Abkommen mit einem Hersteller wie Cepstral oder Assistive Ware treffen würde, um auch fremdländische Stimmen gleich von Haus aus mitzuliefern, wäre das Bild perfekt! Die englische Stimme namens Alex, die standardmäßig zu sprechen beginnt, ist an sich aber schon ein echtes Schmankerl. Nicht nur, dass sie sehr schön klar ist, Apple hat ihr auch einen Lufthol-Algorithmus spendiert, der sie noch natürlicher klingen lässt.

Es benötigt also nur einen Tastendruck, um VoiceOver zu starten und den Setupassistenten somit zugänglichdurchlaufen zu können. Nach Beendigung dieses Assistenten war ich per WLAN verbunden und der Mac war sofort einsatzbereit.

Spaßeshalber habe ich dann auch mal die Mac-OS-X-DVD eingelegt und von dieser gebootet. Auch diese lädt ein vollständiges Betriebssystem, und VoiceOver ist, sobald die DVD das erste Mal aufhört, sich zu drehen, nur einen Druck auf Befehlstaste+F5 entfernt. Das Installationsprogramm wird automatisch gestartet, von diesem aus sind aber auch Zugriffe auf das Disk Utility und andere Programme zur Wartung des Computers erreichbar und somit voll sprachunterstützt einsatzfähig.

Im Vergleich hierzu gibt es unter Windows nur im grafischen Teil der Installation, und dann auch nur in englischsprachigen Versionen, die Möglichkeit, Narrator zu starten. Der nichtgrafische Teil, also der Teil, in dem Festplatten partitioniert und formatiert werden können, ist vollständig unzugänglich. Hinzu kommt, dass man unter Windows XP mit Microsoft Sam vorlieb nehmen muss, was ja nun wahrlich kein Vergnügen ist. Unter Vista gibt es eine Stimme namens Anna, die nur unwesentlich besser ist.

Unter Linux ist das Bild uneinheitlich: Während man bei Ubuntu 8.04 Hardy Heron nur eine überschaubare Anzahl Tasten in der richtigen Reihenfolge im Blindflug drücken musste, hat Ubuntu 8.10 hier wieder einen echten Rückschritt hingelegt. Jetzt muss man wieder die Live-CD starten, Orca beenden, als SuperUser neu starten und hoffen, dass man sich auf dem Weg dahin nicht vertippt, Ubiquity hochfahren und hoffen, dass Ubiquity und Orca sich dann auch unterhalten. Andere Distributionen bieten nur brailleunterstützte oder anderweitig klimmzugartige Techniken an, um einen zugänglichen Installationsvorgang hinzubekommen. Nur was für hartgesottene, aber keinesfalls was für Anfänger oder Gelegenheits-Tüftler. Die neue Ausgabe von Open Solaris soll ebenfalls einen zugänglichen Installer bieten, wie der aber funktioniert, weiß ich noch nicht.

Hinzu kommt, dass sowohl unter Windows als auch unter Linux die Gefahr besteht, dass die Hardware, auf die das System installiert werden soll, nicht erkannt wird. Im schlimmsten Fall wird die Soundkarte nicht erkannt, und man sitzt buchstäblich im Dunkeln. Hier zeigt sich der Vorteil der Kopplung von Betriebssystem und Hardware: Apple wissen, was sie in ihren Rechnern für Hardware haben und können so sicherstellen, dass die Unterstützung durch VoiceOver immer gewährleistet ist.

Ist Windows dann mal installiert, kommt man mit Narrator nicht einmal soweit, sich NVDA herunterzuladen, um einen vollwertigen Screen Reader zu haben. Also am besten die portable Version von NVDA vor der Neuinstallation auf einen USB-Stick ziehen, um nach der Installation dann sofort einsatzfähig zu sein.

Auch die Menge an bereits zugänglichen Anwendungen hat mich begeistert. Nicht nur die betriebssystemeigenen Anwendungen wie TextEdit, Mail, Safari o. ä., oder die Zusatzprogramme wie QuickTime und iTunes sind nutzbar, sondern z. B. auch Skype und OpenOffice. Skype ist eine von Blinden sehr häufig genutzte Internettelefonie-Anwendung, und die ist z. B. unter Linux gar nicht zugänglich. Dies ist eine der am häufigsten nachgefragten Anwendungen, wenn man über die Zugänglichkeit von Linux redet. Es steht zu hoffen, dass mit der Umstellung der Kommunikationswege weg von Corba hin zu D-Bus sich hier Verbesserungen auftun. OpenOffice ist seit Version 3.0 eine native Cocoa-Anwendung unter Mac OS und bietet volle Unterstützung von VoiceOver.

Und eben die Tatsache, den Screen Reader mit einem einzigen Tastendruck starten (und auch wieder beenden) zu können, ist ein ziemlich überzeugendes Argument! Wenn also eventuell in nächster Zeit eine Neuanschaffung in Sachen Desktop- oder Notebook-Computer ansteht, warum nicht mal im nächsten Mac-Shop vorbeischauen und sich die Modelle vorführen lassen?

Apple haben eine Zeit gebraucht, um die Zugänglichkeitsbühne zu betreten. Das, was sie aber vorweisen, kann sich wirklich sehen lassen.

Dies unterstreicht die Dringlichkeit, mit der wir bei Mozilla an der Fertigstellung unseres Supports für VoiceOver arbeiten müssen, damit Anwender auch unter diesem Betriebssystem Dinge wie WebVisum werden nutzen können.

Ich plane in naher Zukunft eine Serie von Audiovorführungen zu diesem Thema, die ich der ISCB zur Bereitstellung im Audiobereich anbieten werde.

Warum ich mir noch keinen Apple iPod kaufen würde

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Kürzlich hat Apple eine verbesserte Zugänglichkeit in iTunes 8 und dem iPod Nano vierter Generation verkündet. Dies ist ein wichtiger Durchbruch im Bereich der Barrierefreiheit von Musikplayern von der Stange. Die Hersteller eines weit verbreiteten MP3 Players haben Funktionen eingebaut, damit dieses Gerät auch von Sehgeschädigten verwendet werden kann. Bisher gab es lediglich Projekte wie Rockbox, in denen eine zusätzliche Firmware für bestimmte Geräte programmiert wird, die dann zugänglich ist. Diese Herangehensweise bietet aber immer nur eingeschränkten Zugriff. So ist zum Beispiel das Abspielen DRM-geschützter Inhalte aus dem iTunes Music Store nicht mit der Rockbox-Software für einige ältere iPod-Modelle möglich.

Auf der anderen Seite gibt es neue innovative Ansätze von Firmen wie HumanWare, die Produkte wie den VictorReader Stream herstellen. Dies ist ein kleines Abspielgerät für DAISY- und Audible-Hörbücher und MP3-, Ogg-Vorbis und Flac-Dateien. Das Revolutionäre am Stream ist, dass er mit einer zweisprachigen Sprachausgabe daherkommt, die nicht nur Texte in verschiedenen Formaten vorlesen, sondern auch die Dateinamen und Metadaten von Musikdateien und Hörbüchern sprechen kann.

Die Frage, die ich mir beim Lesen von Apples Bekanntmachung stellte, war, ob dies nun die Notwendigkeit blindenspezifischer Geräte überflüssig macht. Und die Antwort kam fast prompt: Soweit sind wir noch nicht! Erst wenn Hersteller solcher Massenprodukte auch eher blindenspezifische Funktionen und Formate unterstützen, werden sie zu einer echten Alternative. Da ich inzwischen bei Sofort Hören auch Hörbücher im DAISY-Format entdeckt habe, bleibt zu hoffen, dass dieses Format auch bald von herkömmlichen Musikplayern unterstützt wird.

Die zweite Frage, die ich mir stellte, war, würde ich mir einen neuen Player kaufen, wäre dies ein iPod? Ich besitze seit März diesen jahres einen Stream. Für mich stellt sich die Frage konkret also nicht. Aber selbst wenn dem so wäre, würde ich mich zur Zeit dennoch immer noch für einen Stream entscheiden. Und hier sind die Gründe dafür.

Mehr Flexibilität bei der Sprachausgabe

Der Stream bietet eine zweisprachige Sprachausgabe zum Vorlesen von Texten und Dateinamen und Metadaten. Eine Sprache ist immer englisch, die zweite eine individuelle Landessprache. In meinem Fall ist diese natürlich deutsch. Der Ansatz von Apple ist, die Prompts für Menüs und Dateinamen auf dem Desktop-Computer vorzusynthetisieren, indem das im Betriebssystem integrierte oder ein zusätzliches Sprachausgabesystem verwendet wird. Dies ist aber immer einsprachig. Wenn ich also meine Menüprompts in deutscher Sprache haben möchte, werden auch die Dateinamen meiner englischsprachigen MP3-Dateien mit deutschen Ausspracheregeln und Phonemen vorgelesen, was natürlich etwas gewöhnungsbedürftig klingt.

Kein Kauf einer weiteren Sprachausgabe notwendig

Wenn man einen Stream erwirbt, ist die zweisprachige Sprachsynthese gleich an Bord. Um mit iTunes und dem iPod die volle Funktionalität nutzen zu können, ist der Erwerb einer Sprachausgabe notwendig, die mit der Microsoft Speech API 5 kompatibel ist. Anwender des JAWS Screen Readers haben Glück, seit Version 8 liefert JAWS die RealSpeak Solo aus, welche eine mehrsprachige SAPI-5-Sprachausgabe ist. Anwender anderer Screen Reader müssen zu anderen Sprachausgabeangeboten und somit in die Tasche greifen. Und ich möchte meine iPod-Menüs ehrlich gesagt nicht von Microsoft Sam vorgelesen bekommen. Öffnen Sie mal unter Windows XP die Systemsteuerung und wählen Sprachein-/-ausgabe. Lassen Sie sich das Beispiel von der Standardstimme vorsprechen, dann wissen Sie, was ich meine. :-) Die Stimmqualität unter Windows Vista ist nicht viel besser, und außerdem sind diese Sprachen alle nur auf englisch verfügbar.

Unterstützung von Hörbüchern im DAISY-Format

Der Apple iPod unterstützt die in DAISY-Büchern zur Verfügung stehenden Navigationsmöglichkeiten nicht. Man kann diese Hörbücher lediglich als MP3-Dateien hören. Die Navigation durch Abschnitte oder Phrasen ist jedoch nicht möglich. Da meine Maxime ist, mir die größtmögliche Flexibilität zu bewahren, würde ich mich nicht beschränken lassen wollen, aus allen möglichen Quellen Hörbücher zu erhalten. Wenn ich Bücher im DAISY-Format verwenden möchte, möchte ich dies auch im vollen Umfang tun.

Keine Unterstützung für die Formate Ogg Vorbis und Flac

Ich weiß, dies ist ein sehr subjektiver Punkt. Ich bevorzuge es, meine CDs im Format Ogg Vorbis zu rippen, da dieses Format erheblich bessere Klangergebnisse liefert als MP3. Die iPods unterstützen selbst in der neuesten Generation die Formate Ogg Vorbis und Flac nicht.

Unterstützung verschiedener Dateiformate

Der Stream unterstützt das Vorlesen von Dateien unter anderem in den Formaten Text, HTML, XML und RTF. Auch das Vorlesen formatierter Brailledateien ist möglich.

Notizfunktion

Mit dem Stream kann ich Notizen entweder mit einem externen oder dem eingebauten Mikrofon aufnehmen. Abhängig von der eingelegten Speicherkarte kann ich damit sogar ganze Präsentationen mitschneiden. Zugegeben, diese Funktion, wie auch die zuvor genannte, sind sehr spezifisch auf den Bedarf blinder Anwender zugeschnitten. Es ist jedoch sehr effizient, Aufnahmen mit dem Stream zu machen. Es geht wesentlich schneller als mit der Notizfunktion des Handys herumzuwerkeln, ja ich würde sogar behaupten schneller als der Griff zu Stift und Papier.

Mehr Flexibilität bei der Wahl des Speichers

Der Stream arbeitet mit ganz normalen SD- oder SDHC-Speicherkarten, die man in jedem Fotogeschäft bekommt. Der zur Verfügung stehende Speicher ist somit theoretisch endlos. Im iPod Nano der vierten Generation ist man auf 8 oder 16 Gigabyte Flash-Speicher festgelegt. Wenn man bedenkt, dass für die Dateien, in denen die Sprachprompts gespeichert werden, Speicher benötigt wird, hat man sogar weniger für seine Musik zur Verfügung als ein sehender iPod-Benutzer.

Die freie Auswahl bei der Wahl der Quellen für Musikinhalte

Verwendet man den iPod, ist man zwangsläufig auf iTunes und den iTunes Music Store festgelegt. Obwohl dieser auch DRM-freie Inhalte anbietet, steht die große Mehrheit der Inhalte lediglich in dem kopiergeschützten und mit 128 kbit/s nicht gerade üppig codierten Aac-Format zur Verfügung. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass andere Musikdownloadportale mit 128 kbit/s codierte Windows Media Audio (WMA)-Dateien verwenden, die ich ähnlich wenig ansprechend finde. Wenn ich Musik aus dem Internet herunterlade, nehme ich eigentlich nur mit hoher Qualität codierte MP3-Dateien, die nicht kopiergeschützt sind. Finde ich das Gesuchte dort nicht, gehe ich zu Amazon und kaufe mir die CD, um sie dann in meinem favorisierten Ogg-Vorbis-Format zu rippen. Nennen Sie mich altmodisch, aber ich gehöre zu denen, die lieber ganze Alben als einzelne Musikstücke kaufen. Das fühlt sich immer so unvollkommen an.

Der Stream ermöglicht mir diese Flexibilität, während mich der iPod auf iTunes zum Kopieren der Dateien und Kauf der Musikstücke beschränkt. Für den Stream lege ich meine SD-Karte in den Kartenleser, kopiere die Dateien mit meinem bevorzugten Dateiverwaltungsprogramm, schiebe die Karte in den Stream zurück, und ab geht die Post!

Aber gibt es denn gar keine Argumente für den iPod?

Das einzige Argument, das mir zur Zeit einfällt, ist der Preis. Der iPod Nano mit 16 Gigabyte Speicher kostet nur ungefähr die Hälfte von dem, was ein Stream kostet.

Ein anderes Argument, das manche ins Feld führen könnten, ist die “Trendigkeit” des iPods. Aber mehr als die Gewissheit, dass man mit einem iPod trendy wirken könnte, bleibt dabei auch nicht hängen und sollte nie das entscheidende Argument für die Wahl eines Hilfsmittels sein. Zugegeben, der Stream sieht – und hier zitiere ich den 8-jährigen Sohn eines Bekannten – mit seinem Lautsprecher, eingebauten Mikrofon und den recht großen Tasten und dem doch eher eckigen Gehäuse ein bisschen aus wie ein Handy aus der Mitte der 90er Jahre. Für manche wird sich der iPod mit Sicherheit viel attraktiver anfühlen.

Wenn man sich weitere Funktionen des iPod anguckt, so ist meine Meinung, dass das Betrachten von Bildern nun leider völlig am Ziel vorbei schießt und das Angucken von Videos nur dann interessant ist, wenn man sich Filme oder Serienepisoden im Store ausleihen oder diese erwerben möchte. Wenn man vom Fernsehen aufzeichnet oder DVDs verwendet, gibt es genug Möglichkeiten, lediglich die Audiodaten zu extrahieren und diese auf dem Stream mitzunehmen.

Nachdem ich dies nun alles angeführt habe, möchte ich noch einmal verdeutlichen, dass ich Apples Schritte in diese Richtung weder für falsch noch für brotlose Kunst halte. Ich finde es ganz fantastisch, dass sie diese Schritte unternommen haben und möchte sie ausdrücklich ermutigen, diesen Weg weiter zu beschreiten. Ich möchte weiterhin andere ermutigen, diesem Beispiel zu folgen. Je mehr Auswahl zur Verfügung steht, desto besser ist dies für alle!

Und falls jetzt jemand von Apple diese Zeilen liest und daran denkt, mir ein Weihnachtsgeschenk machen zu wollen, so seien Sie versichert, dass ich diese Geste dankbar zur Kenntnis nehmen und auch eine positive Rezension auf meinem Blog veröffentlichen würde. :-)