MyTaxi entwickelt sich zur Accessibility-Vaporware

Update Mai 2016: Dieser Artikel ist nicht länger relevant, wird hier aber aus historischen Gründen weiter stehen. Ein aktuellerer Beitrag zu mytaxi findet sich in meinem Mobilitätstipp.

Vor kurzem erschien die MyTaxi-App für Fahrgäste in der Version 4.0 für iOS. MyTaxi erlaubt es, unabhängig von Taxizentralen per Smartphone ein Taxi in der Nähe zu finden und zu bestellen. Der Fahrer nimmt die Fahrt mit einem Taxifahrer-Pendant auf seinem Smartphone an, und man kann das Annähern des Wagens verfolgen. Auch das Einsteigen und die Beendigung der Fahrt werden von beiden Seiten bestätigt. Seit einiger Zeit gibt es auch die Möglichkeit, die Fahrt direkt per Handy zu bezahlen, sogar inklusive Trinkgeld. Voraussetzung ist eine Kreditkarte oder ein PayPal-Konto. Einmal eingerichtet, bestätigt man den Fahrpreis mit der Eingabe einer selbst gewählten PIN. Es gibt sogar einen Fahrpreisrechner, mit dem man vorher den ungefähr anfallenden Fahrpreis schon mal errechnen lassen kann.

Nun hat diese App leider einige Probleme im Zusammenspiel mit VoiceOver auf dem iPhone. Es gibt in der Hauptsache unbeschriftete Grafikbuttons, aber auch beim Einleiten des Bezahlvorgangs per Wischgeste ähnlich dem Entsperren des iPhones gibt es Probleme, wenn VoiceOver läuft. Auch an einigen anderen Stellen hakt es etwas. Es ist aber nicht so, dass diese Probleme unüberwindbar wären.

Deshalb kontaktierte ich das Team von MyTaxi vor ziemlich genau einem Jahr mit entsprechendem Feedback. Mir wurde damals per E-Mail zugesagt, dass man sich der Probleme annehmen würde.

Einige Monate und einige Updates später hatte sich noch nichts getan. Ich schrieb daraufhin das Team per Twitter erneut an und bekam die Antwort, dass das Team „dran“ sei.

Im Juni twitterte ich u. a. meinen Artikel zur Zugänglichkeit für VoiceOver ebenfalls an das MyTaxi-Team, und erhielt die Rückmeldung, dass das Team diese Informationen sehr hilfreich fände.

Es gingen wieder einige Monate ins Land, und im November erschien ein großes Update auf die Version 4.0 der App. Und was soll ich sagen? Es hat keine Verbesserungen gegeben! Es wurde einiges im Benutzerinterface aufgehübscht und verschlankt, und dabei wurde nicht gleichzeitig die eine oder andere Zeile Code mit eingefügt, mit der die Herstellung der Zugänglichkeit für VoiceOver gegeben gewesen wäre!

MyTaxi wird damit allmählich zu einer echten Vaporware, was die Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen angeht.

Dabei ist das wirtschaftlich eine der unvernünftigsten Dinge, die die Firma Intelligent Apps tun kann. Sie expandiert in vielen Großstädten im In- und Ausland. Viele Blinde wohnen in Großstädten, und Blinde fahren erfahrungsgemäß auch mehr Taxi als viele andere. Hier wird also durch falsche Prioritätensetzung oder Unkenntnis der Sachlage ein echter potentieller Kundenkreis passiv oder aktiv nicht bedient! Das iPhone ist in den letzten Jahren für viele Blinde zum unverzichtbaren Begleiter geworden, und MyTaxi würde einen echten weiteren Mehrwert darstellen, wenn es denn vollständig bedienbar wäre!!!

Ich weiß aus eigener Erfahrung und Zusammenarbeit mit anderen App-Entwicklern, dass nicht mehr als ein oder zwei Tage nötig wären, das Ziel vollständiger VoiceOver-Zugänglichkeit zu erreichen, und zwar gerechnet für einen Entwickler.

Da wir ja schnurstracks auf Weihnachten zugehen und heute Nikolaus ist, wäre ein großer Wunsch von mir, dass Intelligent Apps endlich eine dem Firmennamen angemessene Geschäftsentscheidung treffen und ihren Worten Taten folgen lassen!

4 Gedanken zu „MyTaxi entwickelt sich zur Accessibility-Vaporware“

  1. Also um hier mal den Wind aus den Segeln zu nehmen, Taxi Berlin hat viele blinde Stammkunden, die z.B. einfach Ihre Festnetznummer hinterlegt haben, die Taxinummer wählen, die 1 drücken und das Taxi kommt automatisch. Im Auftrag für den Fahrer steht sogar drin, dass es sich um eine blinde Person handelt.

    Ich hatte auch schon mal mit einer Blinden persönlich gesprochen, als es Probleme gab, weil sie an einen falschen Fahrer gelangt ist und sie meinte, dass dieses Verfahren ausgezeichnet funktioniert, bis auf diesen Ausnahmefall. Die Taxizentralen haben übrigens auch eine App, bitte mal ausprobieren ob das besser funktioniert. Mobile Payment, was in diesem Fall wirklich ein eindeutiger Mehrwert wäre. Wie weit man damit jedoch mit VoiceOver kommt, kann ich leider nicht sagen, ansonsten einfach mal beim Hansa Funk wegen der Hinterlegung der Abholadresse anfragen, dann gibt es zumindest bei der Abholung von zuhause schon mal ein Problem weniger. Auch die Fahrpreisermittlung stelle ich mir persönlich am Telefon auch einfacher als vor als mit einer VoiceOver, denke mal dass die Kollegen vom Hansa Funk Ihnen gerne weiterhelfen werden. Gerade bei Menschen mit einer Sehbehinderung sollte die Funkzentrale doch ein echter Mehrwert darbieten, desto ärgerlicher dass ein Projekt wie myTaxi über die KfW mitfinanziert wurde – um die Taxizentralen und die damit verbundenen Arbeitsplätze zu gefährden -, wo die Taxizentralen doch gerade in diesem Fall eine unverzichtbare soziale Aufgabe erfüllen!

    Und es gibt noch mehr Vorteile, die die Taxizentralen in ihrer heutigen Situation bieten können, denn eine gut organisierte Zentrale hat zudem i.d.R. viel viel mehr Fahrer als in der jeweiligen Stadt an myTaxi in der nächsten absehbarer Zeit verfügbar sein werden, sodass man auch nur wirklich Fahrer bekommt, die auch wirklich blinde Fahrgäste transportieren möchten. Bei etwaigen Problem wird ihnen natürlich diese Lizenz entzogen.

  2. Bedauerlich, dass ich so etwas ähnliches bei dem Support auch erleben musste… es gab ein gemeldetes Problem, wo der Support vergleichbar reagiert hat und sich – wie hier auch – leider in Folge gar nichts getan hat.
    Ich habe daraufhin das einzige getan, was einem hier wohl übrig bleibt – die App. konsequent von meinen Geräten gelöscht!

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