Die Sparda-Bank Hamburg hat ein neues Online-Banking bekommen. Als ich mich dort heute morgen einloggen wollte, erlebte ich eine böse Überraschung.
Das erste, was ich bemerkte, war, dass der Login-Button auf der neuen Startseite des Online-Banking mir als “/portalstatic/spm/gfx/style/buttons/buttonFlach_Jetzt_einloggen.png [Schalter]” vorgelesen wurde. Sämtliche Labels waren den Eingabefeldern aber weiterhin korrekt zugeordnet, und sogar das Audio-Captcha zur Eingabe des Sicherheitscodes war weiterhin vorhanden.
Nachdem ich das Login durchgeführt hatte, erwartete mich dann aber die richtig böse Überraschung. Die ganze Seite ist gepflastert mit grafischen Links, die sich so oder ähnlich anhören: “04_SB8K8xLLM9MSSzPy8xBz9CP0os3gDU3cvAw93IwP3EFMTA08LH0NzC19jAwNfI_2CbEdFAH8_-FQ! [Grafik Link]“. Wenn mir daraus jemand ableiten kann, was dieser spezielle Link tut, ist er/sie gut!
Ich schrieb daraufhin eine Mail an das Service-Team.
Nachdem ich dann auf Twitter mehrere Beobachtungen mitgeteilt hatte und auch unverholen mein Entsetzen über dieses Bremsen von 100% auf 0% Barrierefreiheit zum Ausdruck gebracht hatte, erhielt ich diesen Hinweis von der Sparda-Bank Nürnberg:
@MarcoZehe den barrierefreien Zugang zum SpardaNet-Banking gibt es bei Bedarf weiterhin. Kurze Mail an den Support dann gibt es den Link.
Es stellte sich heraus, dass die Mail an den Support nicht notwendig war. Auf der oben bereits erwähnten neuen Startseite des “modernen” Sparda Banking gibt es folgenden Absatz: “Hier melden Sie sich für kurze Zeit noch im Classic Banking an.” Es folgt ein grafisch nicht korrekt ausgezeichneter Link zum bisher gewohnten Banking.
Wer aufmerksam gelesen hat, dem ist das “für kurze Zeit” in dem obigen Zitat nicht entgangen! Wie lang wird diese Zeit sein? Ein Monat? Sechs Monate? Ein Jahr? Eine Woche?
Und nun kommen wir zum eigentlichen Grund, warum dieser Relaunch des Online-Bankings ein technischer und PR-mäßiger Super-Gau ist.
Wir schreiben das Jahr 2010. Seit über 10 Jahren predigen Organisationen wie von der Aktion Mensch und viele engagierte und technisch sehr gute Webentwickler und -agenturen die Standards der Barrierefreiheit im Webdesign und der Webprogrammierung. Seit 1999 gibt es die WCAG 1.0 des W3C, die im Dezember 2008 durch die WCAG 2.0 ersetzt wurden. Die BITV 1.0 soll noch in diesem Jahr durch die BITV 2.0 ersetzt werden. Unternehmen wie Amazon.de haben es seit Jahren nicht mehr nötig, alternative Textversionen für ihre Angebote anzubieten.
Und hier kommt ein Relaunch, der eine 100%ige Rückwärtsrolle von einem vorbildlichen(!) Online-Banking hin zu einem tut, der für Anwender assistiver Technologien überhaupt nicht mehr bedienbar ist. Und ein Verweis auf eine Alternativfersion, die der vorbildlichen Vorversion entspricht, von der aber nicht klar ist, wie lange diese tatsächlich noch weiter existieren bzw. gepflegt werden wird.
Zum einen ist es schon immer betriebswirtschaftlich und organisatorisch sehr unklug gewesen, Alternativversionen für bestimmte Personenkreise zur Verfügung zu stellen. Die Erfahrung zeigt, dass diese alternativen Angebote gern bei Aktualisierungen vergessen werden. Nun ist diese Aktualisierung bei einem Onlinebanking-Portal vielleicht nicht ganz so häufig wie z. B. auf einer Seite wie Amazon oder irgendeinem Newsportal. Aber es bleibt das Gefühl, man könnte was verpassen. Den größten Gau in diesem Bereich leistet sich GoogleMail, wo nämlich die für Blinde konzipierte HTML-Version viele(!) der Features des Standard-Interface komplett nicht zur Verfügung stellt.
Zweitens ist es betriebswirtschaftlich schlicht unvernünftig, im Jahr 2010 die Barrierefreiheit nicht gleich ins Grundkonzept mit aufzunehmen. Die Gesellschaft wird immer älter, und die Barrierefreiheit betrifft nicht nur Blinde, sondern Menschen mit allen möglichen Einschränkungen, von denen viele mit zunehmendem Alter auftreten. Weiterhin kommen immer mehr Senioren ins Netz, die darauf angewiesen sind, dass sie mit ihren Möglichkeiten der Maus- und Tastaturbedienung die Angebote bedienen können. Und auch Pensionäre machen Online-Banking! Und ich wage mal die Behauptung, dass die Damen und Herren im Management, die diese Entscheidungen die Sparda-Bank betreffend zu fällen haben, entweder schon selbst in einem Alter sind, wo diese Aussagen bald zutreffen könnten, oder Eltern haben, bei denen sie diese Notwendigkeit beobachten können. Man muss keine Menschen mit Behinderungen kennen, man braucht sich nur in der eigenen Familie oder Verwandtschaft umschauen!
Eine Agentur mit entsprechendem Know-How hätte das neue Online-Banking von vornherein barrierefrei gestalten können, und es hätte trotzdem “chic” ausgesehen. Diese Agenturen gibt es in Deutschland. Hier wurde jedoch offensichtlich eine Agentur gewählt, die dieses Know-How entweder nicht besitzt oder die Wichtigkeit einer inklusiven Vorgehensweise nicht herausgestellt hat. Initial wäre das Angebot vielleicht etwas teurer geworden. Aber das, was da jetzt betrieben werden muss, ist auf lange Sicht teurer:
Entweder lässt man den barrierefreien Zugang unbegrenzt(!) weiterlaufen und muss so immer zwei Angebote auf dem aktuellen Stand halten.
Oder man muss die Barrierefreiheit jetzt per Flickschusterei nachrüsten, also eine des Projektes einleiten, um irgendwann den barrierefreien Zugang abschalten und die Phase 2 des neuen, dann barrierefreien Zugangs, ersetzen zu können. Eine Phase 2 kostet immer mehr Geld als eine inkludierende Vorgehensweise gekostet hätte.
Bis zum Tag diesses Relaunches war die Sparda-Bank ein Vorbild an Barrierefreiheit, von dem sich so manch andere Bank in Deutschland mindestens eine dicke Scheibe hätte abschneiden können. Unter anderem deshalb habe ich die Sparda auch zu meiner hausbank erklärt.
Ich fordere die Verantwortlichen hiermit auf, zu dieser Vorbildfunktion zurückzukehren und dieses Onlinebanking-Portal barrierefrei gestalten zu lassen. Denn noch muss ich davon ausgehen, dass der von mir oben zitierte Satz von der Startseite ernstzunehmen ist und der Classic-Zugang tatsächlich nicht ewig bestehen bleibt. Und in diesem Moment wären diverse Kunden von der Teilhabe am Geschäftsleben über die Sparda-Bank ausgeschlossen!
P.S.: Während ich diesen Artikel schrieb, erhielt ich eine Antwort vom Service-Team mit dem Link zum Classic-Banking. Im Gegensatz zur oben zitierten Startseite war hier, wie auch in der zitierten Twitter-Antwort, nicht die Rede von einerzeitlichen Begrenzung.
Sehr geehrter Herr Zehe,
Sie richten sich mit Ihren Ausführungen zwar in erster Linie an die Sparda-Bank Hamburg. Für die anderen Sparda-Banken in Deutschland erfolgt der Relaunch aber sukzessive auch bzw. ist teilweise schon erfolgt.
Barrierefreiheit ist der Gruppe der Sparda-Banken selbstverständlich nach wie vor ein Anliegen. Der barrierefreie Zugang zum SpardaNet-Banking wird bestehen bleiben. Dies war auch in den Planungen zum Relaunch von Beginn an so vorgesehen.
Bitte entschuldigen Sie dass der zitierte Hinweis “..für kurze Zeit…” zur Annahme verleiten konnte dass es zukünftig bei uns kein barrierefreies Online-Banking mehr gäbe. Damit möchten wir Menschen ohne Sehbehinderung beim Wechsel auf die neue, zugegeben deutlich grafik-lastigere Version in einer Übergangszeit einen gleitenden Umstieg ermöglichen.
Auch wenn dieser Hinweis auf der Startseite nicht unbegrenzt bestehen bleibt wird es das barrierefreie Banking weiter geben. Ob wir den bisherigen, von Ihnen als “vorbildlich” empfundenen Zugang dann explizit “barrierefrei” nennen und auf der Startseite anbieten, oder ob die richtige Lösung der Versand eines entsprechenden Links auf Nachfrage ist, das werden wir – auch aus Ihrem Blog – lernen.
Herzlichen Dank für die offene Kommunikation.
Mario Kraus
Leiter Medialer Vertrieb
Sparda-Bank Nürnberg eG
Auch, wenn man nicht auf einen barrierefreien Zugang angewiesen ist, ist das neue Interface ziemlich unglücklich. Es ist jetzt mit Grafiken vollgepropft und hat dadurch deutlich an Nutzbarkeit und Übersichtlichkeit verloren.
Wenn ich mir zum Beispiel die Kontobewegungen anschauen will, hatte ich die früher übersichtlich als Tabelle mit allen Buchungen auf einen Blick. Jetzt sehe ich die Buchungen nur noch teilweise, eine schnelle Übersicht gibt es nicht mehr.
Bei diesem “Relaunch” ist meiner Meinung nach nicht nur die Barrierefreiheit in die Hose gegangen. Das ganze neue Interface ist überladen und unpraktisch. Häßlich finde ich es noch dazu, aber da das Geschmackssache ist, könnte ich damit noch leben. Jetzt benutze ich – so lange es noch geht – das Classic Interface.
Gerade bei etwas so sensiblem wie einem Online-Banking-Bereich ist man doch sowieso besser beraten, nüchterne und grafisch reduzierte Layouts zu etablieren, die dann auch entsprechend einfach barrierefrei umgesetzt werden können. Ich verstehe nicht, wie man dieses wirklich einfache Handwerk nicht anwendet, und statt einem seriösen unifizierten Bankingzugang eine seltsame Hybridlösung auffährt, die Teile der Kundschaft separiert und damit diskriminiert. Uncool.
Es bestätigt sich leider immer wieder der Eindruck, dass Barrierefreiheit meistens immer noch als lästiges Übel angesehen wird. Das erlebt man doch ständig, ob bei Websites, bei denen in jedes Fettnäpfchen getreten wurde, bei iPhone-Apps, die nicht mit VoiceOver kompatibel sind oder bei Gebäuden, wo mal eben schnell noch eine Rampe an den Eingang gepfuscht wurde, im Glauben, damit sei dann alles nötige und mögliche “für die Behinderten” getan. Die Alternativ-Website ist die hingepfuschte Rampe des Internets.
Wo ist denn hier bitte der Supergau???
Eine Bank hat ein neues, für sehen-könnende Menschen echt schönes Online-Banking gelauncht. Diese Bank hat für sehbehinderte Menschen einen Weg gewählt der toll ist: Sie hat für diese Menschen alles gelassen wie sie es gewohnt sind. Prima also null Barriere. Das kostet die Bank etwas mehr (zwei Systeme) bringt dem Sehbehinderten aber null Stress.
Und dann kommt einer der sich (so könnte man denken) im Namen der Blinden äußert und zieht diese Bank so richtig durch den Kakao! Das finde ich nicht fair. Ganz im Gegenteil zur Sparda-Bank. Die nennt sich nicht nur “freundlich und fair” sondern reagiert auch hier noch freundlich.
Lieber Herr Zehe,
wenn ich mal nach Ihrem Vorbild Verbesserungsvorschläge äußern darf, dann fordere ich Sie unverzüglich auf durch Anpassung der Überschrift in diesem Blogg klarzustellen dass hier bei der Sparda-Bank KEIN Supergau passiert ist.
Ich kann sehen und ich bin dankbar dafür. Und ich meine dass das Online-Banking was ich seit zwei Wochen bei der Sparda-Bank sehe sehr gelungen ist, gerade wegen der vielen Grafiken, Einstellungsmöglichkeiten, Bilder. Das ist echt modern. Glückwunsch, Sparda-Bank! Ich habe auch Mitleid mit und Verständnis für Sehbehinderte Menschen. Aber keiner bei der Sparda-Bank hat irgend einem Blinden etwas getan. Sie bloggen hier gegen ein Unternehmen, damit auch gegen die Mitarbeiter die aufgrund solch eines “PR-Supergaus” um ihre Arbeitsplätze fürchten dürfen. Das ist nicht fair! Nehmen auch Sie bitte einmal Rücksicht. Von anderen erwarten Sie das doch auch.
Also bitte, Herr Schwarz! Weil eine große Institution hier hart, aber sachlich kritisiert wird, müssen deren Angestellte um ihre Arbeitsplätze fürchten? Ihren Hang zu dramatischen Übertreibung in allen Ehren; aber das glauben Sie ja wohl selbst nicht.
Zur Sache: Den sehenden Bankkunden möchte hier niemand die neuen Grafiken wegnehmen. Es geht ja gerade darum, dass eine Website grafisch ansprechend UND barrierefrei sein sollte. Das umzusetzen ist auch kein Hexenwerk, wenn man es von Anfang mit berücksichtigt.
“Ich habe auch Mitleid mit und Verständnis für Sehbehinderte Menschen”
Solch eine Bemerkung ist beschämend.
Ich bin zwar nicht Kunden bei der Sparda-Bank aber ich wage es zu behaupten,
dass ein graphisch lästige Seite auf für normal sehende nicht optimal ist, z.B. wenn sie kein Breitband Anschluss besitzen. Ergonomie ist mit Sicherheit auch nicht berücksichtigt gewesen.
Die Seite http://www.sparda-bank.de ist schon ein Beispiel für ein schlecht durchdachte Unterstützung:
- Schrift zu klein
- Mit der Nase am Bildschirm kann ich entdecken, dass eine Vergrößerungs- Verkleinerungsmöglichkeit vorhanden ist, also ein Klick auf +, und was kommt ? nur klein geschriebene Hinweisen.
- Über das Bild unten recht sind Links vorhanden. die zwei untersten sind unvollständig. Statt Festgeld steht festaeld und Jugengiro verkommt zu Juaendairo.
Über ein berechtigten Blog sich ärgern und die eigene Hausaufgaben nicht ordentlich zu bewältigen, dies verstehe ich nicht.
Jean-Jacques Sarton
Also beschämend wollte ich nicht wirken, das tut mir leid. Dann bin ich wohl hier der zweite der aus Sicht eines anderen den richtigen Ton nicht so ganz getroffen hat.
Ich wollte nur zum Ausdruck bringen dass es natürlich wichtig – also heutzutege hoffentlich “normal” ist barrierefrei zu arbeiten. Und das haben die doch recht gut hingekriegt.
“Hart kritisiert” trifft es wohl recht gut. “Supergau” finde ich aber noch immer recht hoch gegriffen.
Guten Tag,
ich schrieb auch, dass die Einstiegsseite der Sparda-Bank nicht Barriere arm ist.
WCAG 2. wird nicht Rechnung getragen, also sind die Seiten nicht Kundenfreundlich.
“Und das haben die doch recht gut hingekriegt.” kann ich in keiner weise beipflichten.
Hallo – es gibt immer verschiedene Sichtweisen (bei sehenden und sehbehinderten) – wenn ich mir die Webseiten von Banken ansehe dann ist der Sparda Banken auf jeden Fall sehr übersichtlich und gut gelungen – da gibts wirklich schlimmeres.
V einem “Supergau” als Titel zu schreiben ist für mich nicht mehr sachlich und beleidigt auch viele Mitarbeiter des Unternehmens – dazu zähle ich mich auch…..
Zudem wird für die Gruppe der Sebehinderten das “alte” Banking weiterhin angeboten – warum deshalb diese harte Kritik ?! Irgendwie nicht ganz fair……
Einige verstehen hier wohl nicht um was es geht. Herr Zehe spricht vom NetBanking der Sparda-Bank und nicht von der Internet-Seite. Und über das NetBanking schreibt er, das es im Gegensatz zur Vorversion nicht mehr barrierefrei ist. Auch als Sehender kann man das neue NetBanking, oder wenn man zum Sparda-Wording übergehen will, Modern-Banking, kritisieren. Man braucht nur das Classic-banking gegen das Modern-Banking gegeneinander zu vergleichen. Man muss kein Usability-Experte sein um festzustellen, das das Classic-Banking nach Usability-Gesichtspunkten gewinnt.
Da hat jemand versucht, die Benutzerführung von Web2.0-Seiten und iPhone zusammenzuwurschteln.
Warum das Modern-Banking bei einer Bank-Onlineanwendung soviel JavaScript einsetzen muss, erklärt sich mir nicht. Früher hat man JavaScript aus Sicherheitsgründen wie Pest und Pickel gemieden. Heute ist das wohl State-of-the-Art.
Ich hoffe für die Sparda, das da kein Sicherheitsgau draus wird.
Ich denke schon dass verstanden wurde worum es geht. Zumindest kenne ich in der Lage den Unterschied zwischen Netbanking und Internetauftritt von Sparda zu unterscheiden. Gerade Usability Experten würden sicher dem Modern-Banking einen deutlichen Vorzug vor dem Classic-Banking geben – es werden beispielsweise aktiv nur die Funktionen angezeigt die auch wirklich sinnvoll sind und die Überweisung läßt automatisch die Empfänger erscheinen – wo gibt es das noch ? – nur in Offline Clients. Zudem läßt sich anhand der besseren und intuitiveren Nutzerführung nachvollziehen, das die neue Anwendung durchaus einfach und schnell zu bedienen ist. Das Thema Java-Script ist schon lange kein Thema mehr – kaum eine Internetseit würde im Internet ohne Java-Script noch funktionieren und sicherheitsmäßig ist das beherrschbar. Zudem verstehe ich immer noch nicht weshalb sich so über das modern-Banking aufgeregt wird, wo doch die Classic-Anwendung für besondere Nutzergruppen nach wie vor zur Verfügung steht.
Meiner Meinung nach sollte aus Sicht der Benutzergruppe der Sehbehinderten das beurteilt werden, was für diese Nutzergruppe zur Verfügung steht das Classic-Banking und nicht eine Anwendung die nach aktuellen Möglichkeiten und Erkenntnissen der Bank erstellt wurde und offensichtlich nicht das Barrierefreiheitsziel hatte.
Hallo Dundo,
ich greife ganz gezielt mal einige Punkte aus Deinem letzten Kommentar auf, um an ihnen zu zeigen, wo das eigentliche Problem liegt. Dein Kommentar macht es nämlich sehr deutlich:
Die BITV 1.0, die JavaScript noch als “böse” und “zu vermeiden” darstellt, ist hoffnungslos veraltet und wird, so denn die Politiker mal in die Hufe kommen und nicht dauernd zurücktreten, noch in diesem Jahr verabschiedet. Diese basiert auf der WCAG 2.0, welche JavaScript als Technologie ausdrücklich nicht mehr ausschließt. Der Mythos, dass eine JavaScript-Anwendung zwangsläufig nicht barrierefrei ist, ist längst widerlegt und von mir in einem englischen Blogbeitrag schon vor über zwei Jahren thematisiert worden.
Du schreibst selbst, dass das Modern Banking usability-mäßig einige Vorzüge bietet und “weniger überladen” ist bzw. nur die tatsächlich zurVerfügung stehenden Funktionen anbietet. GENAU DAS ist es aber auch, was jedem Blinden oder anderweitig behinderten Benutzer ebenfalls helfen würde! Die Aussortierung, die besondere Behandlung ist genau das Problem. Denn sie ist es, die die Diskriminierung darstellt. Richtig, es gibt das besondere Angebot des Classic Banking weiterhin. Aber mir wird die bessere Usability vorenthalten. Es wurde sich AKTIV dafür entschieden, dass – und hier zitiere ich Dich erneut – der neue Onlinebanking-Auftritt “offensichtlich nicht das Barrierefreiheitsziel hatte.”
Und ich wiederhole mich: Es bleibt das Gefühl, dass man auf die Gnade irgendeines weit entfernten Managers bauen muss, der jederzeit entscheiden kann, dass für das Classic Banking in einer Woche, einem Nonat, 6 Monaten oder einem Jahr der Stecker gezogen wird. Und DAS ist definitiv nicht gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben!
Vielen Dank für dein Feedback – das ist auf jeden Fall eine gute Diskussion. Bei Javascript sind wir uns dann prinzipiell einig, dass dies nicht kritisch ist, sondern aus vor allem auf das “wie” bei der Verwendung dieser Technologie ankommt. Ich bein kein Technikspezialist aber auch kein blutiger Laie – prinzipiell stelle ich in meinem Browser “Javascript” auf JA – da ansonsten wirklich so gut wie nichts geht (kein Amazon, kein ebay etc.). Insofern kann eine Javascript Anwendung durchaus barrierefrei sein – aber was ist dann mit den anderen Objekten wie Flash oder andere Videoformate – dass kann ich nicht beurteilen.
Zum zweiten Teil – da hast du sicher recht- das Thema muss die Bank für sich entscheiden. Zum Thema Diskriminierung habe ich einen etwas anderen Standpunkt – ich bin selbst zu 60 % Schwerbehindert – allerdings nicht sehbehindert – nun Messe ich vielem im alltäglichem Leben eine hohe Bedeutung bei – aber ich sehe es nicht so, dass jede Firma oder Bank alls wirtschaftliche tun muss um allem gerecht zu werden. Das schafft keine Firma und Gesetze werden da auch nur bedingt helfen. Trotzdem teile ich deine Meinung dass es wichtig ist Institutionen und Firmen auf die Notwendigkeit hinzuweisen besondere Nutzergruppen in Ihrem Handeln zu berücksichtigen. Deshalb vielen Dank für deine Ausführungen – vielleicht trägt dieser Blog ja dazu bei.
Nur um das abschliessend zu sagen – “supergau” ist für mich einfach eine Wortwahl die nicht passend ist – auch bei dem Blog Artikel zur Deutschen Bank etwas früher war auch eine Wortwahl die ich einfach nicht für angebracht halte.
Jetzt blende ich mich wieder aus – muss jetzt in die Arbeit……
@Marco, Kurzer Hinweis: Der Link im Beitrag zur Startseite des Bankings ist wahrscheinlich dynamisch gewesen und jetzt ungültig. Vielleicht funktioniert der hier dauerhaft:
http://www.sparda-bank-hamburg.de/konto_und_depot/banking/direkt
Zum Thema äußere ich mich demnächst mal bei mehr Zeit.
Grüße,
der Lauscher
Ich hatte mit die Haupt-Seite der Sparda Bank angeschaut. Was ich dort nicht für gut befand gilt zwar nicht unbedingt für das Demo Konto der Sparda Bank Hamburg, dafür ist die Seite nur mit Maus bedienbar. Motorisch behinderten Menschen habe hier das Nachsehen.
Mein Eindruck ist, dass die Sparda-Bank gut beraten wäre das Thema neu aufzurollen und jegliche Diskriminierungen aus deren Internetseiten verbannen sollte.
@Johannes Schwarz: Ich fühle mich total geehrt, dein MItleid zu haben;-) Ich darf mal kurz von meiner Sparkasse KölnBonn berichten: Die barrierefreie Banking-Seite ist regelmäßig nicht einsatzfähig. Ich darf dann eine Mail an deren Support schreiben, die zugebenermaßen schnell darauf reagieren. Ich habe allerdings festgestellt, dass die normale Banking-Seite Funktionen enthält, die der barrierefreie Auftritt nicht hat. Z. b. die Verwaltung von Daueraufträgen. Soll ich das jetzt gut finden, dass mir die Sparkasse die komplexen Funktionen vorenthält, weil ich nix sehen kann?
Wenn du aufgepasst hättest, hättest du Marcos Beitrag auch entnommen, dass solche parallelen Auftritte immer teurer sind als eine einheltiche Lösung. Ich denke, Sparda profitiert von Marcos Kritik, die ansonsten irgendwo untergegangen wäre.
als grafikdesigner finde ich den relaunch äußerst lachhaft.
icons auf teufel komm raus die keinen sinn mit dem inhalt ergeben und sich doppeln. hauptsache icon.
deutlich langsamer als die alte version.
icons werden teils nicht angezeigt.
runde ecken sind ebenfalls schon lange wieder out.
barrierefreiheit ist nicht beachtet worden.
wer das konzipiert hat sollte die finger von bankseiten lassen.
über die optik kann man lange diskutieren – ich persönlich finde die schwer missraten.
größter rückschritt für mich:
bei mehreren konten konnte man beim überweisungsträger aus konto 2 den empfänger aus der liste ziehen und per drop-down auf konto 1 wechseln.
das geht nun nicht mehr. das drop-down ist weg. ich muss nun alle empfängerlisten einzeln erst auf ein blatt papier schreiben und anschließend wieder ins banking. ein abgleich der listen ist nicht möglich.
ich hoffe nur das das alte banking weiterhin online bleibt – auch wenn es nun nicht mehr gepflegt wird (link zum bonuskontostand ist down)
es war schneller
es war übersichtlicher
es hat eine schlichte navigation
es war GENAUSO sicher
und es war nicht mit dummen icons übersät die keinen sinn machen (überweisung mit plus-zeichen)
was schlimmer ist bei der sparda bank ist der verkaufstext zum neuen o.b.
drei unwahrheiten hintereinander weg.
genau wie bei der umstellung der bankkarte mit chip. “durch den chip ist die karte noch sicherer geworden” darauf habe ich angerufen. die dame wusste sofort bescheid und hat sich für den ‘fehler’ entschuldigt – natürlich sei die neue karte dadurch NICHT sicherer geworden. (das als beispiel)
von normalen läden erwarte ich nichts anderess von banken erwarte ich ehrlichkeit und seriösität.
Es ist völlig unverständlich, warum die Sparda ohne Not das vorbildliche “Classic-Banking” durch diesen krötenlahmen, unübersichtlichen Nachfolger ersetzt. Dem KundenServiceCenter Team meiner Sparda-Filiale sind die Schwächen des “Modern-Banking” bekannt, man hält es aber für aussichtslos, sich der Zentrale in Nürnberg zu widersetzen.
Von den zwölf Sparda-Filialen zeigen zur Zeit sechs die Option Classic-Banking schon nicht mehr an: Augsburg 72090500, Baden-Württemberg 60090800, Hessen 50090500, Nürnberg 76090500, Regensburg 75090500 und Südwest 55090500.
Bis die Zentrale die Schotten endgültig dicht macht, kommt man noch mit diesem Link zum Ziel (BBBBBBBB=Bankleitzahl):
https://banking.sparda.de/wps/sparda-classic-banking.jsp?blz=BBBBBBBB
ich hab es nach langer zeit mal wieder getestet … den großen Wurf der sparda.
beim ersten versuch eine Überweisung zu tätigen ist mozilla direkt abgestürzt. das erste mal seit 14 Monaten (so alt ist mein mac) das mozilla abstürzt.
kann ja mal passieren. wieder eingeloggt. Kontostände waren sichtbar nur die Bewegungen nicht (Auszugliste).
dritter versuch: anderer Rechner (pc mit explorer) ewige Wartezeiten bis hin zum weißen Browserfenster – ab da ging nichts mehr.
ich glaube nicht mehr an ein optimieren der Seite. bleibt zu hoffen das die classic-Version weiterhin online bleibt. jedenfalls habe ich alle Aufgaben mit der classic-Variante zügig erledigt.
@Johannes Schwarz,
also wenn ich ehrlich sein soll kriege ich bei Statements wie dem Ihren das kalte Kotzen.
“Diese Bank hat für sehbehinderte Menschen einen Weg gewählt
der toll ist:”
Ja, wirklich toll. Blöd nur, dass dieser “Weg” kein dauerhafter sein kann, oder relauncht man eine Seite und stellt die alte Version dauerhaft zur Verfügung?
- Nein natürlich nicht, wäre ja auch blödsinnig. Und genau dieser Befürchtung hat der Autor in seinem Blogeintrag Ausdruck verliehen. Und sie hat sich bewahrheitet, wie ein Kommentator auch schon feststellte. Darauf sind sie mit keiner Silbe eingegangen – wieso auch, sie braucht das ja nicht zu kümmern, wenn Blinde Spardabank-Kunden das so praktische online-Banking von nun an verschlossen ist und sie stattdessen auf die Hilfe eines Bankangestellten hoffen müssen, der ihnen bei der Bedienung des Touchscreen-Automaten hilft.
Es wird von Blinden so auf Barrierefreiheit gepocht, eben damit sie nicht mer auf die Hilfe und Gnade Sehender angewiesen sind, die ihnen, wie sie, mehr oder weniger explizit mit einem Mitleidsentzug drohen. Das sollten Sie sich mal durch den Kopf gehen lassen, bevor sie sich darüber empören, dass Behinderte, also hilfebedürftige Menschen, die ihrer Erwartung nach wahrscheinlich still und demütig sein sollten, eine große Institution harsch kritisieren. Und ihre an den Haaren herbeigezogene Annahme, durch einen Blog wie diesen könnte die Spardabank ruiniert werden, und ihr darauf basierender Appell an uns Blinde für Rücksicht kann ich mir nur mit der Art von Paranoia erklären, die grundsätzlich Minderheiten – seien es Ausländer, Behinderte oder Homosexuelle – im Visier hat. Paranoia und Ignoranz ist eine üble Mischung, die schon so manche katastrophalen Folgen gezeitigt hat!
An den Betreiber dieses Blogs: Sie leisten wirklich großartige Informations- und Lobbyarbeit, zu der ich Sie nur beglückwünschen kann. Machen Sie auf alle Fälle weiter so!
aus die maus – das classic banking ist abgeschaltet in hamburg.
schön dann darf man jetzt bei jeder dritten überweisung abstürzen
@schreiber:
> .. aus die maus – das classic banking ist abgeschaltet in hamburg ..
Nein, noch nicht ganz. So geht es noch:
https://banking.sparda.de/wps/sparda-classic-banking.jsp?blz=20690500
Wenn das irgendwann auch nicht mehr funktioniert, kündige ich mein Konto bei der Sparda nach über 20 Jahren, denn die neue Banking- Version ist für mich schlicht unbrauchbar.
Vielleicht geben sich die Entwickler beim nächsten Versuch mehr Mühe.
Eine erstklassige Vorlage hätten sie ja: das Classic-Banking
Vielleicht sollten die Genossenschaftsmitglieder der Sparda von ihren Mitwirkungsmöglichkeiten mal Gebrauch machen? Oder wird das von der Zentrale etwa nicht erwünscht?
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