Benutzung von Twitter: Hauseigene App oder Dritthersteller-Client?

Seit Jahren bin ich ein großer Fan des Social-Media-Dienstes Twitter. Doch in letzter Zeit frage ich mich immer öfter, wie ich den Dienst zukünftig nutzen soll.

Twitter ist von Beginn an mit einer Programmierschnittstelle ausgestattet gewesen, mit deren Hilfe sich Programmierer eigene Oberflächen bauen und diese natürlich auch an andere weitergeben konnten. So entstand neben der traditionellen Twitter-Webseite z. B. EasyChirp, ein barrierefreier Web-Client. Auch mehrere freie oder kommerzielle Twitter-Clients für diverse Plattformen kamen im Lauf der letzten 10 Jahre auf den Markt. Diese sind besonders auf Smartphones und Tablets beliebt, weil sie in der Regel schneller und übersichtlicher sind als die Webseite. Selbst Twitter bietet für seinen Dienst eigene native Clients für iOS und Android, und sogar Windows 10, an.

Diverse Alleinstellungsmerkmale

Am Anfang war damit auch alles ganz prima. Aber vor einiger Zeit begann Twitter, Funktionen in seinen Dienst einzubauen, die nicht mehr über die öffentlich zugänglichen Programmierschnittstellen erreichbar gemacht wurden. Clients von Drittherstellern konnten diese also nicht nutzen. Zu diesen Funktionen gehören unter anderem:

  • Gruppen-Direktnachrichten. Direktnachrichten zwischen einzelnen Twitter-Nutzern gehen natürlich, aber seit einiger Zeit kann man auch private Gruppen-DMs, ähnlich wie Gruppenchats anderer Dienste, aufbauen. Das geht nur übers Webinterface oder die hauseigenen Twitter-Clients. Schlimmer noch, selbst wenn man welche bekommt, werden diese nicht in die Pushbenachrichtigungen von Dritthersteller-Clients aufgenommen, so dass man gar nicht mitbekommt, wenn man in einen Gruppenchat eingeladen wurde, es sei denn, man schaut regelmäßig auf der Seite oder dem Twitter-Client vorbei.
  • Umfragen. Man sieht zwar den Ursprungstweet, aber nicht, dass es sich um eine Umfrage handelt. Um diese zu beantworten, muss man den Tweet irgendwie an die Webseite oder den Twitter-Client weiterleiten.
  • Twitter-Cards. Dies sind Vorschauen von z. B. Blogartikeln wie dem hier oder anderen Nachrichtenseiten. Auch diese werden nur im Web oder den nativen Clients angezeigt.
  • Twitter-Moments. Das sind Twitter-Serien, die man nur im nativen Client oder der Webseite erstellen und ansehen kann.
  • Betreibt man einen geschützten Account, bei dem man alle Follower bestätigen muss, bevor sie die Tweets lesen können, geht das nur über die Webseite oder nativen Clients. Auch Followeranfragen werden nicht an andere Clients gepusht.
  • Benachrichtigungen im Katastrophenfall. Die mobilen Apps bieten die Möglichkeit, sich gezielt bei Katastrophen benachrichtigen zu lassen, eine Möglichkeit, die Dritthersteller-Clients nicht haben.

Andererseits haben andere Clients über die Jahre natürlich auch einige attraktive Features entwickelt. Zum einen sind dies meist umfangreiche Filterfunktionen nach bestimmten Twitter-Clients (nie wieder paper.ly-Tweets!) oder Hashtags oder Schlüsselwörtern. So wird das Herausfiltern von Tweets zu bestimmten Sportereignissen oder Trash-TV-Sendungen zum Kinderspiel. Manche Clients bieten sogar an, eine solche Stummschaltung nur für bestimmte Zeiträume einzustellen. Zum anderen gibt es natürlich auch die Möglichkeit, dass Clients Tweets anders darstellen, mehrere Zeitleisten parallel zueinander darstellen können oder ähnliches. Gerade die Filterfunktionen nach Hashtags oder Clients lässt Twitter selbst schmerzlich vermissen.

Eine Frage der Ordnung

Auch bei der Darstellung selbst gibt es Unterschiede. Die meisten Clients von Drittherstellern stellen die Tweets chronologisch oder umgekehrt chronologisch dar. Einige bieten auch eine sogenannte Unified Timeline an, in der Tweets (inkl. Antworten von Leuten, denen man folgt) mit den Erwähnungen zusammengelegt werden, in denen dann auch Erwähnungen von solchen Usern stehen, denen man nicht folgt. Twitter auf der anderen Seite zeigt Tweets prinzipiell zwar auch chronologisch an, wenn man die Option „Interessanteste Tweets zuerst“ ausgeschaltet hat, mixt aber munter auch Antworten direkt hinein und holt so manchmal auch viel ältere Tweets zum aktuellen Zeitpunkt. Oft sogar den Ursprungstweet einer Unterhaltung. Auch mischt Twitter öfter mal Tweets von Leuten in die Timeline, denen man gar nicht folgt, dessen Tweets aber z. B. von besonders vielen, denen man folgt, mit einem Like versehen oder retweetet wurden. Die Darstellung ist also viel dynamischer und hält sich eben nicht strikt an die Regel, dass nur Tweets von Leuten, denen man folgt, plus deren Retweets, und Erwähnungen angezeigt werden. Auf der einen Seite ist für Control Freaks diese dynamische Herangehensweise sehr verwirrend, bis hin zu störend, auf der anderen Seite bekommt man so vielleicht aber auch mal Tweets von jemandem zu sehen, dem man noch nicht folgt, dem man aber vielleicht gern folgen möchte.

Apropos folgen möchten: Auch mixt Twitter selbst gern mal Folger-Empfehlungen, Tweets „während Du weg warst“ und natürlich gesponsorte Tweets in die Zeitleiste. Letzteres dient natürlich zum Geld verdienen. Clients von Drittherstellern bekommen diese gesponsorten Tweets nicht mit in die Programmierschnittstelle. An denen verdient Twitter also auch kein Geld.

Ebenfalls gibt es Unterschiede bei den Benachrichtigungen. Twitter selbst ist viel smarter bei den Benachrichtigungen und zeigt z. B. auch an, wenn den eigenen Followern Tweets gefallen, die man retweetet hat. So kann man schnell erfassen, wer eventuell gut bei den eigenen Followern ankommt und wer nicht. Diese Art Benachrichtigung ist mir bisher bei keinem anderen Client begegnet.

Gibt es eine Lösung?

Klar kann man zwei Clients parallel betreiben. Es ist aber schon lästig, für bestimmte Funktionen den Client wechseln zu müssen. Z. B. um nur mal eben eine Umfrage zu beantworten, muss man den Tweet irgendwie an den hauseigenen Twitter-Client senden. Das geht je nach Betriebssystem und verwendetem Dritthersteller-Client mal einfacher, mal weniger.

Die Frage ist also, ob man das möchte, oder ob man vielleicht lieber auf die Filterfunktionen verzichtet, sich dafür aber durch Tweets zum sonntäglichen Krimi quält, den man selbst seit Jahren schon nicht mehr guckt, oder gesponsorte Tweets und solche, die unsortiert in die Timeline gespült werden, erträgt, dafür aber nur noch einen Client nutzt.

Ich habe für mich dafür noch keine Lösung gefunden, empfinde die aktuelle Situation aber als sehr unbefriedigend. Vielleicht, so ein spontaner Gedanke beim Schreiben, sollte ich mal eine Challenge machen, eine Woche oder so nur mit den hauseigenen Twitter-Clients verbringen. Oder gucken, wie lange ich durchhalte, ohne wahnsinnig zu werden. 😉

Bei anderen Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Google+ (nutzt das noch jemand?) gibt es dieses „Problem“ gar nicht, es gibt nämlich keine Schnittstellen für Hersteller von Drittsoftware.

Was meint ihr? Wie handhabt ihr euer Twitter-Dasein? Hinterlasst gern einen Kommentar oder antwortet mir auf Twitter, wenn ihr diesen Beitrag über einen Tweet von mir aufgerufen habt. Ich bin gespannt! 🙂

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