Warum ich Adblocker nutze

Seit Montag schwappen zwei gegenläufige Wellen der Empörung durchs Netz. Auslöser ist der Aufruf mehrerer im Print verursprungter Online-Präsenzen, doch auf Adblocker zu verzichten. Adblocker sind Erweiterungen für diverse Browser, die Werbeanzeigen ausblenden oder dafür sorgen, dass diese gar nicht erst mitgeladen werden.

Die Motivationen der zwei Wellen der Empörung sind klar: Die einen, zumeist Privatpersonen und Blogger, empören sich über den Aufruf. Die anderen empören sich über die Empörung. Da werden so Argumente ins Feld geworfen wie “wer kostenlose Inhalte will, muss eben mit Werbung leben”. Es wird also eine indirekte Finanzierung durch das bloße Anschauen der Seite gefordert.

Diese Argumentation empfinde ich als äußerst schwach. Man wird dazu aufgefordert, die Katze im Sack zu finanzieren. Wenn ich mir z. B. überlege, wie viele schlecht recherchierte, ja sogar Gruppen von Menschen verunglimpfende Artikel ich schon auf Spiegel Online lesen musste, bin ich sehr froh darüber, dass mein Adblocker dafür gesorgt hat, dass die diese Artikel begleitende Werbung mich nicht erreicht hat!

Aber mein Hauptgrund, Adblocker einzusetzen, ist ein ganz anderer. Online-Anzeigen sind in den allermeisten Fällen so im HTML-Code plaziert, dass sie das flüssige Lesen des eigentlichen Inhalts massiv behindern. Ich lese Artikel (und Webseiten allgemein) mit Hilfe eines Screen Readers, der die Inhalte in synthetisch erzeugte Sprache umsetzt und mir vorliest. Dank sich immer weiter durchsetzender semantischer Tags wie Überschriften ist es inzwischen weitgehend gut möglich, gezielt zum Artikel einer Seite zu gelangen. Sehende können dies in der Regel mit einem Blick, während Screen-Reader-Nutzer wie ich Seiten ja immer mehr oder weniger sequentiell durchackern müssen.

Habe ich einen Artikel erst einmal gefunden, will ich ihn dann bitteschön auch lesen und nicht den Lesefluss mehrmals unterbrechen müssen, weil Artikel mittendrin durch Werbung unterbrochen werden, die meistens aus Grafiken bestehen, deren Markup so schrottig ist, dass nur Hieroglyphen vorgelesen werden wie “ad_1437634571_anzeige Grafik”. Wäre die Werbung konsequent außerhalb des eigentlichen Artikelflusses plaziert, wäre dies weniger störend, es sei denn ich suche etwas anderes auf der Seite.

Ähnlich nervig sind übrigens auch mitten in den Textfluss eingestreute Blocks wie “Weitere Artikel zum Thema”. Aber das ist ein anderes Thema für einen anderen Blog Post. ;)

Inzwischen zum Glück eher am Aussterben, aber vor einigen Jahren sehr präsent sind auf Flash basierende Werbungen. Diese machten und machen einige Seiten fast unleserlich, weil diese Flash-Inhalte durch ihre ständige Aktualisierung, oder manchmal auch durch eingespielten Sound, ein Lesen des eigentlichen Inhalts quasi unmöglich machen.

Da ich als Blinder keine Printerzeugnisse konsumieren kann, denn auch trotz gut funktionierender Texterkennung ist das Lesen einer Tageszeitung schlicht unmöglich, und die meisten Tagesausgaben von Zeitungen aus grafischen und absolut unzugänglichen PDFs bestehen und somit für mich auch nicht zugänglich sind, bleibt mir nur der Zugriff auf Online-Inhalte von Zeitungen und Magazinen, um mich unabhängig zu informieren. Und um dies möglichst barrierearm zu tun, nehme ich mir heraus, alles zu tun, um mir dieses Lesen so leicht wie möglich zu machen. Und dazu gehört für mich auch, dass ich behindernde Elemente wie Werbung filtern lasse. Denn sie schränken meinen Zugriff auf diese Inhalte erheblich ein.

Heißt das aber im Umkehrschluss, dass ich die Inhalte grundsätzlich kostenlos will, dass ich mich auf den Seiten “durchschmarotzen” will? Mitnichten! Ich nutze z. B. Flattr, um Artikel, die es mir Wert sind, zu honorieren. Leider bieten keine der an der Initiative beteiligten Online-Ausgaben der Printerzeugnisse diese Möglichkeit. Und die einzige, die halbwegs vernünftige iPad-Ausgaben ihrer Magazine anbietet, ist die Zeit. Aber auch da gibt’s immer noch ungelöste Barrierefreiheitsprobleme in der App, so dass ich bisher noch nicht bereit war, mir regelmäßig Zeit-Ausgaben zu kaufen.

Da kann ich also nur sagen: ich bin durchaus bereit, Artikel, die ich für gut befunden habe, zu honorieren, und zwar nach eigener Wahl. Qualität soll sich durchaus auszahlen! Wenn ihr mir aber keine Möglichkeit gebt, liebe Print-Medien im Online-Gewand, dann seid ihr selbst Schuld und solltet endlich mal anfangen, über vernünftige Geschäftsmodelle nachzudenken! Ich jedenfalls werde meine Adblocker nicht deaktivieren.

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Experiment “Umstieg auf Android” – Teil 4: Das Ergebnis

13 Tage lang ist das Nexus 4 jetzt in meinem Besitz. Und ich habe in diesen 13 Tagen versucht, all das zu tun und einen ähnlichen Grad der Produktivität zu erreichen wie auf meinem iPhone. Dies alles natürlich in der Hauptsache mit dem Augenmerk auf die Zugänglichkeit für mich und andere Blinde. Hier folgen jetzt nochmals die wichtigsten Punkte und am Ende das Ergebnis meines Versuchs.

Die Hardware

An der Hardware des Nexus 4 ist kaum etwas auszusetzen. Es liegt gut in der Hand, fühlt sich stabil an und hat auch einen Akku, der nach meinem Empfinden und meinem Nutzerverhalten adäquat lang durchhält.

Einziges großes Manko, welches ich in dieser letzten Woche entdeckte, ist die stark eingeschränkte Unterstützung des 802.11N-Standards im 5-GHZ-Band. Wie ich feststellen musste, kann weder das Nexus 4 noch das ältere Galaxy Nexus, mit dem ich Firefox für Android auch teste, sich z. B. mit einer auf Kanal 100 funkenden Basisstation verbinden. Sie wird einfach nicht gefunden. Das HTC One der Herzdame hat hingegen keinerlei Probleme, sich zu verbinden.

Auch ansonsten scheint der WLAN-Support in Android 4.2.x in Verbindung mit dem Nexus 4 eine wackelige Angelegenheit zu sein, wie man z. B. in diesem Ticket im Android-Projekt nachlesen kann. Ich hatte seit ein paar Tagen mit miserablen Downloadgeschwindigkeiten oder sogar Abbrüchen zu kämpfen, die andere Geräte im gleichen WLAN nicht hatten. Nach einigem herumspielen und dem Löschen und Neuanlegen der AccessPoint-Verbindung waren diese dann zumindest vorübergehend behoben. Da es schon mal rund lief, steht zu befürchten, dass sich Android wieder verschluckt und das Spiel von vorn losgeht. Eine solche Unzuverlässigkeit kenne ich von meinem iPhone her nicht.

Beim Telefonieren klingt sowohl die Stimme aus dem Lautsprecher als auch meine Stimme recht dumpf. Mein bester Freund, der eine Hörschädigung hat, versteht mich mit dem Nexus 4 deutlich schlechter als mit anderen handys. Und auch ich habe den Eindruck, dass der Sound beim normalen Telefonieren sehr muffelig klingt.

Der Lautsprecher auf der Rückseite ist recht kläglich, fällt definitiv auch hinter den des iPhones zurück. Außerdem verdeckt er sehr leicht, wenn man das Nexus auf eine Oberfläche legt. Die Sprachausgabe ist dann kaum noch zu verstehen.

Die Grundfunktionen

Ja, ich kann mit dem Nexus 4 telefonieren. Ich kann auch mit der Kontakte-App arbeiten und daraus Nummern anrufen. Ich kann auch SMS senden und empfangen.

Aber ein Smartphone kann ja noch viel mehr Grundsätzliches. So habe ich Schwierigkeiten mit dem Kalender, der immer noch nicht richtig funktioniert. Es werden viele Dinge einfach nicht gesprochen, die bei iOS selbstverständlich funktionieren. Und trotz intensiver Forschung und Nachfragen in der Eyes-Free Community wurde mir keine gute Alternative unterbreitet.

Ich mache mit dem Smartphone seit Jahren erfolgreich Fotos. Ich verarbeite sie nicht kommerziell, aber die Fähigkeit hat mir schon in vielen Lebenslagen weitergeholfen, und sei es nur, dass ich das Foto mit der Frage “was steht da drauf?” o. ä. in ein soziales Netzwerk gepostet habe. Fotos machen kann ich mit dem Nexus 4 auch. Auf sie zugreifen jedoch nicht. Die Gallerie ist komplett nicht zugänglich. Wie im 3. Teil schon erwähnt, ist dies unter iOS seit jeher ein Selbstgänger.

Auch beim Machen von Fotos gibt es deutliche Einschränkungen. So sagt mir die Kamera-App auf dem Nexus 4 nicht an, ob die Kamera sich focussiert hat. ich kann hinterher nicht feststellen, ob das Bild im Hoch- oder Querformat aufgenommen wurde. Fotografiere ich eine Person, sagt mir VoiceOver an, wenn die Kamera-App ein Gesicht erkannt hat, wo sich dieses im Bildausschnitt befindet, so dass ich das iPhone zentrieren und so eine gute Aufnahme des Gesichts der Person hinbekommen kann. Bei Panoramaaufnahmen werden mir nicht die Richtung und die Geschwindigkeit angesagt, wie ich das Telefon halten und mich dabei drehen soll. VoiceOver auf dem iPhone 4S und 5 gibt Anweisungen wie “höher”, “tiefer”, “langsamer drehen” oder “schneller drehen”. So sind schon sehr schöne Panoramen entstanden, die ich mit dem Android so nicht hinbekommen habe.

Karten und GPS sind gar nicht bis sehr mangelhaft unterstützt. Es gibt zwar eine Richtungsansage ähnlich wie beim geführten Fahren in einem Fahrzeug, aber dies funktioniert längst nicht so zuverlässig wie mit der Karten-App von iOS 6 oder Alternativen wie Ariadne. Auch wer schon mal in einer dieser Apps die Umgebung mit dem Finger erforscht hat, wird sich schwer tun, diese Unabhängigkeit und diesen Zugriff wieder freiwillig aus der Hand zu geben. Nichts von dem ist unter Android möglich, und GPS-Lösungen für Blinde sind unter Android im Moment noch auf dem Stand von Forschungsprojekten im Anfangsstadium in Universitäten, also längst nicht marktreif.

Apps & Co.

Ergänzend zu den in Teil 2 und Teil 3 beschriebenen Erfolgen und Problemen bei Apps und der Tastatur haben sich noch folgende neue Erkenntnisse ergeben:

Ein Versuch, mit dem ABBYY TextGrabber für Android ein brauchbares Texterkennungsergebnis hinzubekommen, schlug komplett fehl. Mit dem iPhone hatte ich in wenigen Schritten ein Ergebnis, das mich zumindest erfassen ließ, was in dem von mir gescannten Schreiben stand. Die Qualität war nicht so gut wie unter einer Desktop-OCR, aber brauchbar genug. Unter Android konnte ich zwar ein Bild machen, aber nicht kontrollieren, ob das Schriftstück im Hoch- oder Querformat erfasst wurde. Die Hälfte der Versuche schlug mit der Fehlermeldung fehl, dass die Vorlage zu schlecht und eine Erkennung daher nicht möglich wäre. Die restlichen 50% lieferte die Erkennung völlig unbrauchbare Ergebnisse.

Ich nutze auf dem iPhone den LookTel Money Reader, eine App zum Erkennen von Geldscheinen vieler verschiedener Währungen. Gerade US-amerikanisches und kanadisches Geld zeichnet sich dadurch aus, dass es keine Größenunterschiede zwischen einer 1-Dollar- und einer 100-Dollar-Note gibt. Diese App funktionierte bisher zu 100% zuverlässig, egal welche Währung ich ihr vor die Kamera hielt. Unter Android gibt es von Ideal Accessibility einen Currency Recognizer, der lediglich US-amerikanische Geldscheine erkennen kann. Eine andere Lösung habe ich auch nach längerer Suche nicht finden können. Damit ist dieses Problem für mich unter Android nicht lösbar, da ich oft genug in Kanada bin und diese Funktion für mich daher unverzichtbar ist.

Das leidige Thema scrollen

Ja, ich muss darauf nochmals zurückkommen, da dies für mich ein extrem wichtiger Punkt ist. Selbst mit den Gesten zum seitenweisen Scrollen bin ich in Apps wie einem Twitter- oder App.net-Client deutlich weniger effizient als unter den Entsprechungen unter iOS. Selbst mit dem alternativen Screen Reader Spiel, der das Scrollen beim Wischen in manchen Apps unterstützt, geht dies nicht viel besser, weil Spiel diese Funktionalität nicht in allen Apps anbieten kann. Hinzu kommt, dass ich TalkBack nicht allein aus- und Spiel einschalten kann. Denn die Geste zum Starten der Sprachausgabe kann nur TalkBack starten. Sobald es aus ist, muss ein sehender Spiel für mich starten. Das ist eine inakzeptable Lösung! Dies ist ein absoluter Produktivitätskiller.

Auf Spiel als dauerhafte TalkBack-Alternative umzusteigen ist auch keine Lösung, da dieser noch weniger Möglichkeiten zum Editieren von Text bietet als TalkBack und außerdem keine Sounds bei der Navigation abspielt. Gerade beim Erforschen des Bildschirms irritiert mich das zu sehr als dass ich auf Dauer flüssig damit arbeiten könnte.

Fazit

Android ist in der aktuellen Version für mich weiterhin keine Alternative zum iPhone im Produktiveinsatz. Es fehlen einfach zu viele Dinge, die unter iOS selbstverständlich sind wie der umfassende Zugriff auf eBooks (siehe Teil 3), das zuverlässige Erstellen und das Verwalten von Bildern und Videos, Kartennavigation und Fußgängerunterstützung, vernünftige Eingabe von Umlauten (siehe Teil 3), und die doch sehr weit verbreiteten fehlenden Texte für nur bebilderte Buttons in Benutzeroberflächen sind zu große Hinderungsgründe. Auch die Tatsache, dass ich den DB-Navigator nicht benutzen kann, weil die Datumseingabe nicht funktioniert, ist ein absoluter K.O.-Faktor.

Ich bleibe also auch in Zukunft iPhone-User. Ich werde das Nexus 4 aber aller Wahrscheinlichkeit nach behalten, um zeitnah neue Entwicklungen bei Android 5.0 ausprobieren zu können. Ich werde zu gegebener Zeit auch darauf eingehen, was sich gegenüber 4.2.x verbessert haben wird.

Die gesamte Benutzeroberfläche von Android hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht und viel weniger den Bastelcharakter, der Android früher anheftete. Im Bereich der Zugänglichkeit jedoch macht das alles einen sehr akademischen Eindruck: Es geht im Prinzip bzw. in der Theorie, in der Praxis fehlen aber viele Dinge, die “ein Blinder ja wahrscheinlich eh nicht braucht”. Unter iOS ist der Ansatz ein anderer: Hier ist ein Feature, und alle sollen es nutzen können. Bestes Beispiel sind die schon beschriebenen Features in der Kamera-App, die selbstverständlich auch für blinde VoiceOver-Nutzer funktionieren, weil alle anderen die Funktion ja auch nutzen können.

Hier muss sich bei Google eine grundlegende Änderung der Haltung vollziehen, um diesen Level der Inklusion zu erreichen, wie wir ihn von Apple gewohnt sind und den – und das muss man so sagen – kein anderer Hersteller bisher erreicht hat.

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Experiment “Umstieg auf Android” – Teil 3: Geht… geht nicht… geht… geht nicht…

Die erste Woche mit dem Nexus 4 ist vorbei, und die Eindrücke sind sehr gemischt. Vieles geht, diverses geht auch, aber sehr umständlich, und manches, das man von iOS als No-Brainer gewohnt ist, geht auch gar nicht. Dabei ist gerade das, was nur umständlicher geht, nicht mal unbedingt immer der Zugänglichkeit geschuldet, sondern häufig einfach allgemein der Benutzeroberfläche bestimmter Apps.

Ein paar Nachträge zu Teil 2

Zunächst möchte ich ein paar lose Fäden des letzten Teils noch einmal aufgreifen.

Zum einen schrieb ich über die Amazon-App, dass es in ihr im Gegensatz zur Android-Version keine Möglichkeit gäbe, nach Wunschzetteln anderer zu suchen. Dank der Findigkeit der Herzdame wurde diese Funktion letztendlich doch ausgegraben. Und hier zeigt sich das etwas umständlichere Handling mancher Apps zum ersten mal: Man geht ins Menü, das man wahlweise über einen Soft-Key auf seinem Androiden öffnet oder mit dem Button ganz unten rechts auf dem Nexus 4 und anderen Geräten, die keine Soft Keys haben. Dann wählt man Wunschzettel. Der aktuelle eigene Wunschzettel wird nun angezeigt. Jetzt tippt man unten links auf “Listen anzeigen”. Der unterste Eintrag in dieser Liste lautet “Wunschzettel von Freunden suchen”. Hier kann man nun Namen oder E-Mail-Adresse eingeben und bekommt dann bei Antippen des richtigen Namens die Wunschzettel derjenigen Person angezeigt. Im weiteren Verlauf zeigt sich, dass mit TalkBack der eigentlich schon in der Liste verfügbare Button “In den Warenkorb” nicht immer zuverlässig funktioniert, sondern oft genug der Artikel selbst geöffnet wird. Auch nachdem man dann einen Artikel in den Warenkorb gelegt hat, wird man erst einmal mit einem Dialog konfrontiert, in dem man entweder zum Warenkorb gehen oder zum Artikel zurückkehren kann.

Zum Vergleich: Mit der iOS-App auf dem iPhone tippt man einfach unten auf den Reiter “Wunschzettel”, dann oben auf “Wunschzettel suchen”, gibt den Namen ein oder übernimmt einfach den zuletzt eingegebenen, und schon ist man in der Liste der Wunschzettel. Auch beim Legen in den Warenkorb besteht das Feedback lediglich aus einem kurzen Vibrieren und der Aktualisierung des Badges auf dem entsprechenden, immer sichtbaren, Reiter unten.

Weiterhin habe ich nach dem letzten Teil einige Entwickler auf ihre fehlenden contentDescription-Einträge für Image Buttons hingewiesen. Die Ausbeute an Antworten ist gemischt: myTaxi antworteten sofort und sagten mir, sie würden sich drum kümmern. Auch die Macher von Evernote antworteten zeitnah und werden dies in Kürze nachbessern. Für das gerade am 29.03. erschienene Sicherheitsupdate war die Zeit dann wohl aber doch zu knapp. ;-)

Die Macher von Öffi, FahrInfo Hamburg, WhatsApp und Pakete haben sich hingegen noch gar nicht zurückgemeldet. Weitere Rückmeldungen gab es auch, die werden aber weiter unten in den entsprechenden Abschnitten erwähnt.

Push und Antwort

Etwas, das ich gleich am ersten Tag der Benutzung des Nexus 4 schmerzlich vermisste, war die Funktion, eine Push-Benachrichtigung direkt im Sperrbildschirm angezeigt zu bekommen und gleich darauf reagieren zu können. Auf dem iPhone ist dies eine sehr häufig von mir verwendete Arbeitsweise.

Glücklicherweise gibt es dafür eine App bzw. ein Widget namens Notification Lock Screen Widget. Die App ist kostenlos und erlaubt genau das, was ich brauche. Selbst die Apps, die in diesem Widget angezeigt werden, sind konfigurier- bzw. filterbar. Man kann ihm mitteilen, ob es bei Entsperren alle Einträge behalten oder löschen und auch während des entsperrten Zustands weitersammeln soll oder nicht. Als TalkBack-Anwender doppeltippt man eine Benachrichtigung und entsperrt das Telefon dann auf übliche Weise. Es wird danach die App geöffnet, so als hätte man die Benachrichtigung im entsprechenden Fenster angeklickt.

Einziger Haken: Die Installation als Widget für den Sperrbildschirm muss eine sehende Person bei ausgeschaltetem TalkBack machen.

Auch dieses Widget hat einige nicht beschriftete Image Buttons. Als ich den Autoren anschrieb und ihm kurz erklärte, wofür die contentDescription gut ist und ihn bat, dass er sie doch bitte hinzufügen möge, erhielt ich eine im positiven Sinne bemerkenswerte Antwort. Sinngemäß schrieb er: “Ich hatte ständig diese Warnungen über die fehlenden contentDescription-Einträge, habe sie aber immer ignoriert. Und TalkBack hielt ich immer für nutzlosen Krempel. Ich wusste ja gar nicht, dass das dafür da ist, dass Blinde Smartphones bedienen können! Die Buttons sind im nächsten Update beschriftet. Vielen Dank für den Hinweis! Gibt es solche Funktionen für Blinde auch bei anderen?” Ich schrieb ihm daraufhin noch kurz über die Möglichkeiten, die iOS bietet und wo er für beide Plattformen weitere Hinweise findet. Das nenne ich mal eine tolle Reaktion! Ehrlich und absolut konstruktiv!

Ein Hinweis noch: Dieses Widget läuft erst ab Jelly Bean 4.2 richtig rund. Bei älteren Android-Versionen muss man ein paar Klimmzüge machen und Einschränkungen in kauf nehmen.

Mit der Bahn sicher ans Ziel

…dachte ich mir so und startete die App DB Navigator. Die beiden Eingabefelder zum Erfassen von Start und Ziel waren kein Problem. OK, die Buttons daneben waren unbeschriftet, aber das ist bei Android leider noch in vielen Fällen Standard. Dann kam ich zur Auswahl des Abfahrts- oder Ankunftszeitpunkts. Und hier gab es eine böse Überraschung. Man bekommt ein Dialogfeld angezeigt, dessen Fenstertitel dem aktuell eingestellten Datum und der Uhrzeit entspricht und zwei Buttons, nämlich “Abbrechen” und “OK”. Dazwischen ist eine große, für TalkBack leere, Fläche. Tatsächlich befindet sich dort ein Einstellrad, das man durch hoch- und runterscrollen einstellt und somit den Wert des Fenstertitels ändert. Dass dies nicht kontrolliert möglich ist, dürfte jedem klar sein! :( Hier gibt es also zur Zeit eine unüberwindbare Barriere. Ohne sehende Hilfe kommt man hier nicht weiter.

Dies ist unter iOS seit jeher ein No-Brainer. Die Datums- und Zeitauswahl funktioniert einfach, da es sich dort um Standard-Widgets handelt, Schieberegler, die mit VoiceOver problemlos bedienbar sind.

Als ich die Bahn auf Twitter darauf ansprach, kam innerhalb einer halben Stunde eine Antwort, dass man dies an die zuständige Entwicklungsabteilung weitergeleitet habe. Wie die Lösung letztendlich aussieht, weiß ich natürlich noch nicht. Ob man dieses Widget zugänglich macht oder bei eingeschaltetem Screen Reader vielleicht eine alternative Benutzeroberfläche in Form von individuellen Eingabefeldern anzeigt… Da ist einiges an kreativem Spielraum gegeben.

Da ich momentan keine tatsächliche Zugfahrt plane, konnte ich die App DB Tickets nur oberflächlich anschauen. Hier gibt es bisher keine unbeschrifteten Buttons, und die App sieht soweit zugänglich aus. Ob dies auch in der Ansicht des Reiseplans, der unter iOS wunderschön auch die Reservierung anzeigt, der Fall ist, muss sich im praktischen Einsatz zeigen, der sicher bald mal wieder kommen wird. Vielleicht kann ich ja bis dahin auch schon selbst den Abfahrtszeitpunkt bestimmen. ;-)

Äääääääh, ööööööhm…

Ja, schön wär’s! Aber was eindeutig fehlt, sind Umlaute. Ja, sie sind auf der Android-Tastatur definitiv vorhanden, wenn man lange auf einen Buchstaben wie a, o oder u drückt. Aber nur, wenn man TalkBack nicht verwendet. Sobald TalkBack an ist, wird bei Heben eines Fingers von einer Taste sofort das Zeichen eingegeben. Man hat nicht, wie bei iOS üblich, die Möglichkeit, einen Buchstaben anzuvisieren, mit einem zweiten Finger irgendwo aufs Display zu tippen und die Tastatur so in einen speziellen Modus zu schalten, um dann zu doppeltippen und zu halten, um das Umlaute-Popup zu bedienen. Das alles funktioniert unter Android nicht. Weiterhin gibt es keine mit TalkBack kompatible Tastatur, die Umlaute gleich als Extra-Tasten mitliefert. Die Standard-Tastatur von Android kann es nicht, Swype, SwiftKey oder die “Deutsche Tastatur mit Umlauten” aus dem Store sind nicht nutzbar. Die Fläche, wo sich die Tasten befinden, ist für TalkBack leer.

Im Moment bleibt einem also nur, sich auf die Autokorrektur zu verlassen und zu hoffen, dass sie die meisten Fälle abdeckt. Sonst schreiben wir wieder wie zu Zeiten der ersten amerikanischen IBM-Tastaturen mit oe, ae usw.

Klar, extern gekoppelte Bluetooth-Tastaturen gehen natürlich, aber die hat man ja nicht immer dabei.

Textauswahl, Copy & Paste

An alle Android-Enthusiasten, die gern darüber lästern, dass iOS bis zur Version 3.0 kein Copy & Paste konnte: TalkBack-User können dies bis heute nicht! Bzw. nur mit extern gekoppelter Tastatur. Eingebaut sind weder Textauswahl/-markierung noch Copy & Paste möglich. Selbst das Entmarkieren von gewähltem Text gestaltet sich schwierig, man muss erst mit einem schnellen Auf- und Abwärtsstreichen des Fingers die Cursorbewegung auf Wörter (nicht auf Zeichen!) umstellen und den Cursor dann bewegen, um vorher markierten Text loszuwerden. Auch sagt TalkBack einem nicht an, welcher Text markiert ist.

Dies ist also noch eine riesige Baustelle. Copy & Paste beherrscht VoiceOver seit iOS 3.1, also etwa 4-6 Wochen nach Erscheinen der Version von iOS 3.0, die Copy & Paste für alle eingeführt hat.

eBooks

eBooks sind seit drei Jahren, seit Erscheinen des ersten iPad, eine absolute Freude, wenn sie entweder aus dem iBook Store oder im ePub-Format auf iOS-Geräten gelesen werden. PDFs funktionieren längst nicht so gut, aber auch hier gibt es Fortschritte, sowohl in der Anzeige von iBooks als auch im Adobe Reader für iOS. Apple bietet für die Textdarstellung sogar ein eigenes Protokoll der UIAccessibility-Familie an, das Anwendungsentwickler implementieren können, um ihre Apps besser zugänglich zu machen.

Unter Android sieht die Realität leider viel weniger gut aus. Nicht nur, dass man im Google Play Book Store sogar gescannte PDFs, also solche, die nur aus reinen Bildern bestehen, kaufen kann, ohne vorher zu wissen, dass ein solches eBook hinter dem gewählten Produkt steckt, nein, sämtliche eBook-Reader gehen entweder gar nicht oder nur sehr sehr eingeschränkt. Selbst der Go Read von Bookshare, der als explizit zugänglicher eBook-Reader angepriesen wird, beschränkt sich lediglich darauf, zugängliche Buttons zur Navigation zu bieten. Die Darstellungsfläche des eBook selbst ist eine Blackbox für TalkBack, und sämtliche Textinhalte werden einfach direkt an die Sprachausgabe geschoben. Ähnlich wie bei von Menschen vorgelesenen Hörbüchern kann man hier also den Text konsumieren, sich aber z. B. Schreibweisen nicht näher angucken, keine Links verfolgen usw.

Im Gegensatz zu iOS steckt das Thema eBook unter Android also noch ganz tief in den Kinderschuhen. Es geht deutlich weniger als bei der allerersten Version von iBooks unter iOS 3.2.

Tweet, tweet, aber wie?

Diese Frage stellte ich mir natürlich ziemlich gleich zu Anfang, und sie wurde mir auch von meinen blinden Followern auf Twitter gestellt. Zunächst einmal ist die hauseigene Twitter-App seit kurzem weitgehend zugänglich. Weitgehend deshalb, weil z. B. das Aktivieren von Links in Tweets nicht geht. Man kann aber schreiben, die Timeline lesen usw.

Für höhere Ansprüche probierte ich sowohl Seesmic, das wegen seiner diversen unbeschrifteten Buttons und einiger anderer UI-Probleme für mich nicht in Frage kam. Bei Tweetcaster konnte ich mich gar nicht erst anmelden.

In der Eyes-Free Google Group (englisch) erhielt ich dann den Tipp, es mit Plume for Twitter zu versuchen. Dieser funktioniert tatsächlich deutlich besser, aber auch er hat noch an vielen Stellen unbeschriftete Buttons. So brauchte ich im Fenster zum Erstellen eines Tweets drei Versuche, bis ich den richtigen Button zum Senden gefunden hatte. Der befindet sich nämlich nicht, wie bei fast allen Social Networking Clients üblich, oben rechts, sondern unterhalb des Eingabefeldes irgendwo in der Mitte, ähnlich eines OK-Buttons eines Dialogfeldes. Allein die Tatsache, dass dies von der Eyes-Free Community als zugänglichster Twitter-Client angesehen wird, zeigt mir, dass die Ansprüche anscheinend deutlich auseinanderklaffen. Man begnügt sich häufig mit relativ wenig, was geht.

Allerdings muss man fairerweise sagen, dass der Client schon viele schöne Features hat, u. a. auch das Stummschalten beherrscht, Listen verwalten kann und vieles mehr. Ich werde auch hier die Entwickler anschreiben und hoffen, dass sie die fehlenden contentDescriptions bald nachreichen. Dann wäre ich sogar bereit, für die 4,41€ teure Premium-Version zu bezahlen.

Braille

Ja, es gibt inzwischen auch eine Brailleunterstützung für Android. Diese nennt sich BrailleBack und stammt ebenfalls vom Eyes-Free Project wie auch TalkBack. BrailleBack ist eine separat zu installierende Komponente. Man aktiviert es ähnlich wie TalkBack im Dialogfeld Einstellungen/Bedienungshilfen. Danach verpartnert man über die Bluetooth-Einstellungen seine kompatible Zeile, und sie wird automatisch von BrailleBack erkannt.

Soweit die Theorie. Die Praxis sieht so aus, dass meine in einer Suche gefundene Focus 14 Blue noch nicht unterstützt wird. BrailleBack stützt sich auf die Unterstützung von BRLTTY, einer Unix-Braillesoftware, und die hat die Unterstützung erst in der nächsten Release-Version drin. Daher konnte ich auch bisher die Qualität der Brailleausgabe, der Kurzschrift usw. nicht testen. Da sich BrailleBack aber, ähnlich wie NVDA und Orca, auf die Dienste der Open-Source-Bibliothek Liblouis stützt, dürfte sie mit diesen vergleichbar sein.

Tune in!

Ja, TuneIn Radio ist eine App, die wirklich schön zu bedienen ist. Elemente sind beschriftet, Funktionen sind erreichbar, und die App läuft sehr flüssig. Ich empfehle allerdings die Pro-Version. Neulich wurde mir in der werbefinanzierten Version bei Aufruf meines Lieblingssenders glatt das Browser-Fenster mit einer Pornowerbung davorgeschoben. Fand ich nicht so prickelnd.

Fazit

Ein endgültiges Fazit kann es, denke ich, nach einer Woche noch nicht geben. Allerdings gibt es durchaus Tendenzen. Man merkt deutlich, dass die Zugänglichkeit von Android von einem viel akademischeren Standpunkt her kommt als die von Apple, die deutlich auf den Endanwender eingerichtet ist. Man gewinnt nach wie vor den Eindruck, bei Google geht es zunächst einmal darum: “Hauptsache es geht irgendwie.” Jelly Bean hat viel dazugelernt, wenn man es mit Ice Cream Sandwich vergleicht, aber die API ist längst nicht so ausgereift und in vielen Details komplexer gestaltet als es die von Apple von Anfang an war. Gerade das Zugänglich machen von Custom Widgets wie dem Einstell-Rad im DB Navigator dürfte eine echte Herausforderung sein, im Gegensatz zu Apple, welches für den App-Entwickler viele Werkzeuge zur Verfügung stellt, um selbst so komplexe Anwendungen wie Karten oder die Kursverläufe in der Aktien-App zugänglich zu machen.

Ich werde das Nexus 4 noch mindestens eine weitere Woche testen. Es gibt noch einige Bereiche und Apps, die ich bisher noch nicht testen konnte, und die zu vergleichen mir definitiv noch wichtig ist. Stay tuned!

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Experiment “Umstieg auf Android” – Teil 2: Das NEXUS 4 ist da

Am 23. März, also einen Tag bevor ich diesen Blogbeitrag schreibe, kam das Google NEXUS 4 bei mir an. Es ist ein wirklich schön verarbeitetes Smartphone. Es fühlt sich solide an, auch bei leichtem Druck der Finger. Nicht so wie das Galaxy Nexus, dessen Polykarbonat-Gehäuse doch gern mal etwas quietscht und sich matschig anfühlt, gerade im Bereich der Akkuklappe. Das Glas schmiegt sich wie Samt in die Hand, die Breite passt wunderbar zu meinen nicht ganz so großen Händen. Die Bedienelemente sind sehr typisch angeordnet: Auf der rechten Seite der Ein-/Ausschalter, auf der linken oben ein etwas längerer Kippschalter für die Lautstärke. Darunter befindet sich das Fach für die Micro-SIM. Ein Werkzeug zum Herausdrücken des Trays wird mitgeliefert, das vom iPhone funktioniert aber auch wunderbar. Die Micro-SIM wird auf genau dieselbe Weise auf den Schlitten gelegt wie beim iPhone, ich musste also nichts neu lernen.

An der Unterseite befindet sich die Buchse für den Mikro-USB-Anschluss, wie ich ihn von Android-Geräten her nur kenne. Das Kabel sitzt nach dem Einstecken sehr solide und rutschfest in der Buchse. Die Buchse des NEXUS 7 z. B. neigt dazu, gern mal Stecker auszuspucken. Auf der Oberseite links befindet sich die 3,5-mm-Klinkenbuchse für ein Headset. Einzige haptische Merkmale auf den Glasflächen sind die Kamera auf der Rückseite oben rechts und der Lautsprecherschlitz unten links, sowie der Lautsprecherschlitz oben quer auf der Vorderseite.

Auspacken, einschalten, geht nicht

Nun ja, das NEXUS 4 an sich ging schon, aber die Geste zum Einschalten von TalkBack auf dem Willkommensbildschirm funktionierte nicht. Weder bei mir, noch bei der Herzdame. Auch nicht mit verschieden breit voneinander entfernt liegenden zwei Fingern. Eigentlich soll man für einige Sekunden zwei Finger aufs Display legen, auf die Ansage der Sprachausgabe warten und die Finger zwei weitere Sekunden liegen lassen, um TalkBack zu starten.

Ich wurde also um die Ersteinrichtung betrogen, die die Herzdame für mich vornehmen musste. Sie schaltete mir dann auch TalkBack zu, das danach anstandslos lief.

Dieser erste Eindruck war, gerade weil es auf dem NEXUS 7 im letzten Jahr so gut geklappt hatte, doch erstmal sehr enttäuschend.

Später habe ich dann eingestellt, dass TalkBack durch die Kombination von Ein-/Ausschalter und nachfolgendem Auflegen zweier Finger auf das Display eingeschaltet werden können soll. Dies funktionierte dann auch zuverlässig. Ich vermute daher, dass es sich bei den Startschwierigkeiten um einen Bug in dieser Android-Version handelt.

Eine vernünftige Sprachausgabe

Da ich die von Google mitgelieferte Sprachausgabe sehr anstrengend finde und sie von der Soundqualität her auch sehr zu Wünschen übrig lässt, habe ich im Play Store erst einmal nach Alternativen gesucht. Zu meiner Freude stellte ich fest, dass es die im Deutschen inzwischen sehr gut klingenden Á Capella TTS Voices, die früher unter dem Namen Infovox bekannt waren, für Android gibt. Die Basis-App ist kostenlos und bietet eine Übersicht über die verfügbaren Stimmen. Man kann sich von jeder eine Hörprobe anhören. Gefällt einem eine Stimme, kann man sie als In-App-Kauf für 3,99€ erwerben. Da mir die neueste der deutschen Stimmen, der Andreas, etwas zu angespannt klingt und Julia zu hauchig, habe ich mich für Klaus entschieden, eine Stimme, die mich unter Mac OS X Leopard und Snow Leopard treu begleitet hat.

Nach der Installation muss man in den Einstellungen unter Text und Sprache lediglich die Sprachausgabe von der Android auf die Á Capella umstellen, und Klaus beginnt sofort zu sprechen. In TalkBack sind keine weiteren Einstellungen nötig.

Und was für ein himmelweiter Unterschied! Nicht nur, dass die Sprachausgabe erfreulich gut klingt, nein, sie ist auch sehr antwortschnell bei Gesten. Es gibt nichts schlimmeres, als eine Sprachausgabe, auf die man nach einer Wisch- oder Berührungsgeste gefühlte 100 Jahre warten muss, bis sie sich zu sprechen bequemt!

Erstmal alles updaten

Ja, so ein Android ist bei Auslieferung oft auch nicht ganz auf dem neuesten Stand. Neben 11 automatischen und drei manuellen Updates, u. a. TalkBack, wurde mir auch gleich ein Systemupdate auf Android 4.2.2 angeboten. Das habe ich dann auch alles gleich mal installiert, denn Google hat an der Zuverlässigkeit der Gestenerkennung bei aktivem TalkBack noch einiges gedreht.

Nach diesen Updates lief das Handy dann soweit auch richtig rund. Und ja, es läuft auch sehr schnell und flüssig.

Endlich wieder Firefox!

Ja, die erste Amtshandlung war, den Firefox zu installieren. Da ich erfahrungsgemäß die meisten Bugs im täglichen Betrieb finde, entschied ich mich nicht für die Play-Store-Version von Firefox oder Firefox Beta, sondern für die aktuellen Nightly Builds, also das, was ganz heiß aus der Entwicklerpresse kommt. So fahre ich seit Jahren erfolgreich unter Windows, und so will ich es auch hier tun.

Für den Download nutzte ich Chrome. Chrome ist, wie der IE unter Windows, ja schließlich nur ein Tool, um Firefox herunterzuladen. ;) Nachdem ich Android mitgeteilt hatte, dass es bitteschön auch Software aus unbekannten Quellen installieren darf, lief die Installation des Firefox problemlos durch, und wie erwartet war er sofort einsatzbereit, ohne jegliche Konfiguration für TalkBack-Support. Der wird nämlich automatisch zugeschaltet, sobald Firefox merkt, dass TalkBack oder ein anderer Screen Reader laufen. Dann noch schnell Firefox Sync eingerichtet, und ein paar Sekunden später hatte ich meine Lesezeichen, Chronik und anderes auf dem Handy.

Erste Anpassungen und Unterschiede bei gewohnten Abläufen

Da ich oft deutsche und englische Texte schreibe, galt es zunächst, der Android-Tastatur klarzumachen, dass ich nicht nur eine Sprache eingeben möchte. Dazu geht man in Einstellungen, Text und Sprache und dort in die Einstellungen der Android-Tastatur. man deaktiviert das Häkchen bei “Systemsprache”. Deutsch bleibt danach weiterhin aktiviert, man kann aber auch weitere hinzufügen wie in meinem Fall Englisch. Ab sofort erscheint unten links ein Button zur Sprachumschaltung, der auch gleich die Sprache für die Autokorrektur usw. mit umschaltet, so dass das Eingeben englischer Texte jetzt auch kein Problem mehr darstellt.

Beim Einrichten des in Teil 1 erwähnten Exchange-Servers zeigte sich das NEXUS 4 weniger automatisierungsfreudig als das HTC One der Herzdame. Bei ihr reichte das Eingeben von E-Mail-Adresse und Kennwort, bei mir mussten die Serverdaten von Hand nachgetragen werden. Danach lief die Synchronisierung allerdings sehr flüssig und zuverlässig.

Bei den Gesten von TalkBack gibt es einige Unterschiede zu den von VoiceOver gewohnten. So gibt es keinen Rotor. Um zeichen-, wort- oder absatzweise zu lesen, schaltet man die Lesestufe für die Wischgesten links und rechts um, indem man mit dem Finger schnell in einer flüssigen Bewegung nach oben und dann unten streicht. Erst nach unten und dann nach oben streichen schaltet die Stufen in entgegengesetzter Richtung um. Diese Geste erfordert ein wenig Übung, um das Timing, den Bewegungsablauf richtig in die Finger zu bekommen. Ich erinnere mich aber, dass dies beim Rotor von iOS genauso war. So ist es dann auch möglich, Text in Textfeldern zu editieren.

Einen weiteren Unterschied gibt es beim Scrollen. Man kann mit der Wischgeste links und rechts nur Elemente erreichen, die gerade auf dem Bildschirm sichtbar sind. Will man also weitere Elemente erreichen, muss man scrollen. Dies kann man auf zwei Arten tun. man streicht entweder kontinuierlich mit zwei Fingern nach oben, um weiter unten stehende Einträge anzuzeigen, oder nach unten, um weiter oben stehende sichtbar zu machen. TalkBack zeigt dies durch auf- bzw. absteigende Tonfolgen an. Oder, und das ist neu in der neuesten TalkBack-Version, man streicht erst nach rechts und dann nach links, in einer flüssigen Bewegung, um bildschirmweise nach unten, bzw. nach links und dann nach rechts, um nach oben zu scrollen. Auch diese Geste erfordert einige Eingewöhnung, bis sie richtig in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Zum Scrollen beim Bewegen der Wischgesten sei noch angemerkt, dass es im alternativen Screen-Reader Spiel möglich sein soll, dass er sich eher wie iOS verhält, also versucht, den Bildschirm mitzuscrollen. In einer der nächsten Teile dieses Experiments werde ich darauf näher eingehen.

Eine Sache, die bisher nicht zu gehen scheint, und welche unter iOS seit Jahren zu einem No-Brainer geworden ist, ist, Bilder aus einer Galerie auszuwählen. Wenn ich also an einen Post für App.net oder Twitter ein Bild anhängen möchte, ist das Fenster, das erscheint, nicht zugänglich. Lediglich die Überschrift und der Abbrechen-Button sind auffindbar. Die Bilder selbst sind für TalkBack nicht sichtbare Elemente. Wenn ich also ein Foto hinzufügen will, sollte ich es direkt aus der App heraus machen. Die Kamera-App bzw. das hier eingebundene Modul ist nämlich benutzbar. Man kann also Fotos schießen, sie nachher aber nicht nochmal auswählen. ;-)

Die ersten Apps

Einige Apps habe ich ja in Teil 1 schon erwähnt, die ich dann auch installiert habe. Aber da hörte der Spaß natürlich nicht auf.

Die Amazon-App läuft unter Android ähnlich gut wie unter iOS. Lediglich die Funktion zum Suchen eines Wunschzettels eines anderen Amazon-Teilnehmers scheint es, wie auch in der iPad-Variante der iOS-Amazon-App, nicht zu geben, sondern lediglich für iPhone & iPod Touch.

Foursquare läuft ähnlich gut wie auf iOS. Die Oberfläche sieht ganz anders aus, der Checkin-Button ist z. B. unten links anstatt oben rechts, aber das ist reine Gewöhnungssache.

WhatsApp, ein kostengünstiger SMS-Ersatz, läuft bis auf einige wenige unbeschriftete Buttons, die ich mir leicht merken kann, auch gut. Nach über einem Jahr iMessage von Apple bin ich jetzt also wieder plattformübergreifend unterwegs.

FahrInfo Hamburg und Öffi sind zwei ÖPNV-Auskunfts-Apps, die die Fahrplan-Info unter iOS ersetzen sollen. Auch hier sind einige Buttons unbeschriftet, aber deren Funktion kann man sich ebenfalls merken. Außerdem werde ich die Entwickler anschreiben, ob sie bereit sind, diesen grafischen Buttons contentDescription-Attribute zu spendieren. Das ist eigentlich nicht aufwendig.

Pakete ist eine App zum Verfolgen von Paketen von verschiedenen Kurierdiensten. Das Gegenstück unter iOS heißt Parcel und hat mir jahrelang treue Dienste geleistet. Auch diese App ist bis auf einige wenige unbeschriftete Buttons gut bedienbar.

Im nächsten Teil werde ich auf weitere Apps eingehen wie den DB Navigator und DB Tickets, Apps, die unter iOS inzwischen zu essentiellen Tools des barrierefreien Kartenkaufs geworden sind. Außerdem schaue ich mir an, wie gut myTaxi läuft, nachdem es unter iOS in letzter Zeit erfreuliche Fortschritte gemacht hat. Stay tuned!

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Experiment “Umstieg auf Android” – Teil 1: Das Vorspiel

Ja, ihr habt richtig gelesen! Dieser Blogpost beginnt die Dokumentation meines Experiments, nach fast vier Jahren iPhone auf Android umzusteigen.

Und manche werden sich fragen: Warum? Gründe gibt es einige. Zum einen ist es immer gut, über den Tellerrand zu schauen. Außerdem will ich endlich regelmäßig den Firefox für Android als mobilen Browser nutzen, und da es auf absehbare Zeit wegen Apples restriktiver Politik keinen Gecko-basierten Browser unter iOS geben wird, bleibt zunächst nur dieser Weg, um das Ziel zu erreichen.

Weiterhin hat sich die Zugänglichkeit von Android in den letzten Jahren echt gemausert. Gab’s unter Android 2.3 noch viele gute Gründe, die Zugänglichkeit für Android als nicht alltagstauglich zu deklarieren, änderte sich in Android 4.0 schon einiges, und in Android 4.1 noch vieles mehr, um die Zugänglichkeit immer näher an die von iOS heranzuführen. Selbst in kleineren Updates wie Android 4.2 und den dazu separat ausgelieferten Updates zu Talkback waren ständige Fortschritte zu erkennen. Seit Android 4.2.2, das vor einigen Wochen für die Google NEXUS Familie ausgeliefert wurde, habe ich keine Fehlsteuerungen der Gesten mehr feststellen können, wie sie unter 4.1.x noch Gang und Gäbe waren.

Wie auch in diesem englischsprachigen Blogeintrag angemerkt wird, hat sich Android selbst auch von einem noch sehr durch den Charakter des Experimentellen gekennzeichneten zu einem gereiften System entwickelt.

Ich habe mich im Laufe dieser Woche also dazu entschlossen, das Experiment zu wagen und einen Anlauf für einen Umstieg auf Android zu unternehmen. Die spannendste aller Fragen wird sein, welche App-Äquivalente ich brauchen werde, um ein adäquates Erlebnis auf einem Android-Smartphone zu bekommen.

Vorbereitungen

Welches Smartphone?

Die erste Frage, die es zu klären galt, war, welches Smartphone es denn nun sein sollte. Im Gegensatz zu iOS besteht bei Android nämlich der Umstand, dass jeder Hersteller dem Betriebssystem seine eigene Oberfläche spendieren kann. Samsung, HTC und wie sie alle heißen können die Oberfläche nach ihren Bedürfnissen anpassen oder gar ganz ersetzen. Und wie bei jeder App besteht auch hier die Möglichkeit, dass diese Oberfläche nicht für Talkback zugänglich ist.

Samsung schied von vornherein aus. Zum einen wusste ich aus einem Gespräch mit einem Bekannten, dass das Galaxy S III, trotz Android 4.1, eine Oberfläche hat, die mit Talkback nicht läuft. Außerdem habe ich politische Gründe, diesen Hersteller zu boykottieren.

Obwohl ich das HTC One, das dieser Tage ausgeliefert wird, von den Spezifikationen her sehr sexy finde, weiß ich, dass zumindest frühere Versionen der Oberfläche HTC Sense sich nicht mit Talkback kooperativ zeigten.

Ich habe daher einen vorsichtigen Weg eingeschlagen und mir das NEXUS 4 von Google bestellt. Bei der von Google ausgelieferten Version von Android weiß ich, dass sie zugänglich ist.

Mails, Kontakte, Kalender

Man könnte jetzt denken: “Prima! Google bietet ja sowohl Mail, als auch Kontakte und Kalender an, und das ist ja sowohl von iOS als auch von Android aus zugänglich!”

Und jetzt kommt aber das große ABER. Spätestens nach dem am 13.03.2013 angekündigten Tod von Google Reader und früheren Kapriolen des Suchmaschinen- und Android-Anbieters dürfte jedem klar sein, dass Google einem alles unter dem Hintern wegziehen kann, wonach den Entscheidern dort gerade zumute ist. Auch das Hin und Her mit der Unterstützung von CalDav im Google Calendar erweckt nicht gerade Vertrauen in die nachhaltige Interoperabilität der Dienste.

Frei nach dem Motto “Nutze dafür jetzt keinen Dienst, für den du nicht bezahlt hast” entschied ich mich nach kurzer Recherche für die Option “Managed Exchange” bei meinem Webhosting-Provider Domain Factory. Für einen monatlichen Preis habe ich hier Zugriff auf einen MS Exchange Server mit allen Möglichkeiten. Exchange wird sowohl unter Android als auch iOS und Mac OS X, und natürlich auch von Windows her, unterstützt. Dadurch bin ich sowohl von Googles Willkür als auch Apples iCloud unabhängig.

Apps, Apps, Apps

Während unter iOS sämtliche vom Betriebssystem mitgelieferten Apps auch mit VoiceOver zugänglich sind, ist dies bei Android mit Talkback leider (noch?) nicht der Fall. So gibt es Probleme bei der GMail- und Kalender-App, die die Bedienung teils hakelig, teils unmöglich machen. Es gilt also, für einige der Apps Ersatz zu finden, die mit Talkback vernünftig laufen. Aufgrund der offeneren Struktur von Android gibt es auch für vom Betriebssystem mitgelieferte Apps problemlos Ersatzangebote im Play Store.

Die unten stehende Tabelle zeigt eine Liste der Apps, die ich auf dem iPhone regelmäßig nutze und welche App ich auf dem NEXUS 4 dafür verwende. Da ich iOS keinesfalls komplett ersetzen werde, sondern mein geliebtes iPad Mini weiterhin zu meiner Standardausrüstung gehört, werden einige Aufgaben, für die es unter Android keinen adäquaten Ersatz gibt, weiter diesem vorbehalten sein. Ein Beispiel hierfür ist der e-Book-Reader iBooks, für den es unter Android keinen Ersatz gibt. Auch der Reader des Play Book Store ist nicht als solcher zu betrachten, da er zu den Apps gehört, die nicht gut bedienbar sind.

Liste der Aufgabenstellungen mit zugänglichen iOS- und Android-Apps
Aufgabe iOS Android
Browsen Safari (integriert) Firefox für Android
E-Mail Mail K-9 Mail
Kalender Kalender ?
Kontakte Kontakte Kontakte
SMS, MMS Nachrichten Nachrichten
App.net

Diese Liste ist nicht erschöpfend und wird mit der zeit mit Sicherheit noch erweitert. Es fehlen z. B. noch gute Lösungen zur Navigation und für Karten. Da habe ich bisher nichts vergleichbares zu den Karten von iOS 6 oder auch Ariadne GPS gefunden.

Und wie geht es jetzt weiter?

Ich warte täglich auf die Auslieferung des NEXUS 4. Sobald dieses da ist, werde ich zur Einrichtung schreiten und die ersten ernsthaften Schritte machen, die Alltagstauglichkeit zu testen, es also mit raus nehmen, damit alles zu tun versuchen, wofür ich sonst das iPhone verwendet habe.

Seid also gespannt auf Teil 2 des Experiments!

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Eine neue Dimension des Patentwahnsinns, oder: Ein Ertrinkender klammert sich an einen letzten Strohhalm

Der Patentkrieg zwischen Samsung und Apple hat eine neue Dimension erreicht. Diese könnte gerade auf Blinde weltweit eine massive Auswirkung haben, sollte die Klage, die momentan vor dem Landgericht Mannheim anhängig ist und über die Ende der Woche ein Urteil gesprochen werden soll, Erfolg haben.

Wie ich von Caschys Blog erfuhr, verklagt Samsung Apple darauf, mit dem Trippel-Klick auf den Home-Button auf iOS-Geräten, um VoiceOver ein- und auszuschalten, ein Patent zu verletzen.

Diese Funktion, die jedem Blinden unabhängig von jeglicher sehender Hilfe das Einschalten von VoiceOver auf jedem beliebigen iOS-Gerät ermöglicht, existiert seit mindestens iOS 5.0, welches im Oktober 2011 zusammen mit dem iPhone 4S vorgestellt wurde. Dabei ist in den Bedienungshilfen-Einstellungen sogar noch konfigurierbar, ob der Trippel-Klick überhaupt eine Funktion aktiviert oder ob diese Funktion VoiceOver, Zoom, Farben umkehren oder Assistive Touch ein- und ausschaltet.

Damit ist es möglich, dass Blinde nach dem Auspacken eines iPhones, iPads oder iPod Touches dieses nicht nur allein einschalten, sondern auch selbstständig, ohne jegliche sehende Hilfe, konfigurieren können. Denn während der Konfiguration ist der Trippel-Klick tatsächlich mit VoiceOver vorbelegt, weil Blinde die einzigen Benutzer sind, die ohne dieses den Touchscreen überhaupt nicht bedienen könnten.

Zum Vergleich: Als iOS dies lernte, wurde Android 4.0 (Ice Cream Sandwich) vorgestellt. Wie ich hier schon schrieb, funktionierte dies bei weitem nicht so zuverlässig wie iOS es schon seit der Version 3.0 tat. Man konnte zwar auch in Android 4.0 zum Konfigurieren TalkBack und die Funktion Explore By Touch einschalten, musste dafür aber eine komplizierte Geste ausführen, nämlich ein Rechteck mit dem Finger auf den Bildschirm malen, und dieses musste dem Betriebssystem dann auch gefallen. Tat es dies nicht, blieb das Gerät stumm. Dazu kommt, dass diese Funktion trotz Googles Ansinnen längst nicht auf allen Geräten funktionierte. Zu diesen Geräten gehören auch diejenigen von Samsung, die mit Ice Cream Sandwich ausgeliefert werden. Denn jeder Hersteller kann bei Android seine eigene Oberfläche draufflanschen, und außer bei den von Google vertriebenen Geräten Galaxy Nexus, NEXUS 4, 7 und 10, hat man bei keinem Android die Garantie, dass Dinge auch so funktionieren, wie Google es will.

Mit Android 4.1 (Jelly Bean) verbesserte sich die Situation nur marginal. Man musste jetzt zwei Finger auf das Display tippen und bei Anspringen der Sprachausgabe ja nicht zucken, oder sie stellte sich sofort wieder aus.

In Android 4.2 schließlich kam eine Funktion hinzu, TalkBack auch im laufenden Betrieb einzuschalten. Man musste dazu die Ein-/Aus-Taste länger festhalten (und hoffen, dass man stattdessen nicht versehentlich das Gerät in den Runterfahr-Dialog stellte) und dann die gleichen Fingerübungen wie bei 4.1 machen. Lustigerweise kann man TalkBack so zwar ein-, aber entgegen der Werbung nicht wieder ausschalten. Und wieder hat man die Garantie, dass dies überhaupt funktionieren könnte, nur bei Google-Geräten selbst. Samsungs Galaxy S III, das inzwischen großzügigerweise auch über Jelly Bean verfügen soll, so Gerüchte es besagen, ist bei weitem nicht so bedienbar wie die Google Nexus-Reihe. Dank ihrer eigenen verkorksten Oberfläche funktioniert TalkBack, so es denn mal läuft, quasi nirgends richtig.

Ach ja, und laut recht aktueller Zahlen sind auf 54% aller Android-Geräte in Umlauf eh noch Varianten von Android 2.3 (Gingerbread) installiert und am laufen, und bei dieser Version konnten Blinde mit Touchscreens noch gar nicht arbeiten und somit diese Geräte nur eingeschränkt über eingebaute oder gekoppelte Bluetooth-Tastaturen bedienen.

Übrigens war das erste Gerät von Apple, bei dem man als Blinder den Screen Reader überhaupt einschalten konnte, der im September 2008 erschienene iPod Nano der 4. Generation. man musste die Funktion zwar über iTunes auf dem mac oder PC ausführen, aber man konnte auch bei diesen Geräten, sowie später bei iPhone 3G S und iPad 1 usw., VoiceOver selbstständig einschalten, ohne sehende Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen.

Sollte Samsung also Recht bekommen, wäre dies ein herber Rückschlag für hunderttausende Blinde weltweit. Es würde zwar nicht bedeuten, dass VoiceOver gar nicht mehr funktioniert, aber das Aktivieren für die erste Konfiguration wäre erheblich erschwert. Dass Samsung sich jetzt ausgerechnet diesen Schauplatz für seinen nächsten Zug im Patentkrieg ausgesucht hat, ist zutiefst beschämend. Hier wird auf dem Rücken einer Minderheit ein Teil einer Schlacht geschlagen, die Samsung schon ziemlich verloren gegeben haben muss. Diese Klage macht echt den Eindruck, dass man sich hier wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm klammert. Android an sich, und das Android von Samsung im besonderen, ist noch lange nicht soweit, dass es für viele ernsthaft als Alternative in Betracht käme. Navigationslösungen wie z. B. die eingebaute Karten-App, viele Apps von Drittherstellern, das Lesen von eBooks, all das geht unbestritten auf Apple-Geräten teilweise seit Jahren wunderbar, und Android kann es bis heute nicht oder nur sehr unzulänglich. Ja, Google Maps ist weder unter iOS noch unter Android zugänglich! Bücher aus dem Google Book Store sind selten wirklich lesbar, während alles, was man bei iBooks kauft, zugänglich ist. Und die Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen.

Es ist meine tief empfundene Hoffnung, dass die Richter am Landgericht Mannheim den gesunden Menschenverstand und nicht nur die bloßen Paragraphen sprechen lassen, wenn sie über diese irrsinnige Patentklage entscheiden. Ein für Samsung positives Urteil hätte massive negative Auswirkungen auf hunderttausende Blinde und Sehbehinderte iOS-Nutzer weltweit!

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Meine Suche nach einer kleinen mobilen Braillezeile

Nachdem ich jetzt länger mit iOS-Geräten unterwegs bin und gerade mit dem iPad Mini auch deutlich mehr schreibe als mit dem großen iPad früher, stelle ich fest, dass ich mir des öfteren eine Braillezeile wünsche, um bestimmte Dinge nochmals besser nachlesen zu können als dies mit der Sprachausgabe allein möglich ist. Das Lesen mit dem Finger ist einfach noch einmal was ganz anderes als nur der Zugriff per Sprachausgabe.

Für die Suche nach einer geeigneten Zeile sind für mich folgende Kriterien wichtig:

  • Sie soll deutlich kleiner als eine herkömmliche 40-stellige Braillezeile sein, wie sie gern für Notebooks verwendet wird. Gerade wenn man nur mit kleinen Geräten wie iPad & Co. unterwegs ist, ist eine Notebook-Zeile einfach zu groß und unhandlich.
  • Das hauptsächliche Augenmerk liegt auf der Ausgabe, nicht auf der Eingabe per Brailletastatur. Ich kann Blindenschrift nur in der verkürzten Form, der Kurzschrift, wie sie auch bei herkömmlicher Belletristik verwendet wird, schnell schreiben. Vollschrift, Basisschrift oder gar Computerbraille sind sehr umständlich für mich einzugeben, da bin ich auf dem Touch Screen schneller. Nun ist aber im Deutschen die Rückübersetzung von Kurzschrift in normal lesbare Schrift nicht immer eindeutig und somit nicht, anders als im Englischen, zu 100% fehlerfrei maschinell rückübersetzbar.

Nun gibt es durchaus mehrere kleine Braillezeilen auf dem Hilfsmittelmarkt. Aber alle scheinen mit einer Brailletastatur ausgestattet zu sein. Es ist also wichtig, dass diese Tastatur abschaltbar ist und ich auch weiterhin mit der Bildschirmtastatur des iOS-Gerätes Text eingeben kann. Hier folgt nun mein kleiner Testbericht zu mehreren ultramobilen Zeilen, wie ich sie mit meinem iPhone und iPad ausprobieren konnte.

BraillePen12

Das Harpo BraillePen12 ist eine 12-stellige Braillezeile und Brailletastatur. Sechs Brailletasten, eine Leertaste plus zwei weitere größere Tasten links und rechts für Punkte 7 und 8, ein Joystick in der Mitte, und zwei kleine Navigationstasten links und rechts des Blindenschriftfeldes sind die einzigen Bedienelemente. Die Navigationstasten bewegen die Braillezeile ausschnittsweise, der Joystick simuliert die vier Wischgesten mit einem Finger, und ein Drücken auf den Joystick simuliert ein Doppeltippen zum Aktivieren des Elements im Focus. Ansonsten gelten die allgemeinen Braillekommandos zur VoiceOver-Steuerung in iOS. Diese sind auf allen Zeilen gleich, die eine Brailletastatur haben.

Die BraillePen12 wird ausschließlich über Bluetooth mit dem iOS-Gerät verbunden. Die Kopplung und Ansteuerung klappen problemlos. Das Schriftbild ist angenehm und die Zeile lässt sich flüssig lesen.

Das Gehäuse ist solide verarbeitet und hat eine geschwungene Form mit abgerundeten Ecken und einer Delle in der Gehäuserückseite. Man hat also keinen Klotz in der Hand. Allerdings ist sie mit 15,1×9,6×2,1 cm (Breite x Länge x Höhe) nicht sonderlich klein und mit 260 Gramm das absolute Schwergewicht im Test. Die Delle verleiht den beiden hinteren Ecken ein bisschen die Form von langgezogenen Ohren. Als Zubehör gibt es einen dünnen Trageriemen und eine Schutztasche, in der die Zeile mit zwei Klettverschlüssen fixiert wird, so dass sie nicht nur geschützt, sondern auch gegen versehentliches Herausfallen gesichert ist. Allerdings bewirken die an der Unterseite der Zeile angebrachten Klettaufkleber, dass die Gummifüßchen die Tischplatte oder eine andere Unterlage nicht mehr erreichen können, so dass die Zeile beim Tippen und Arbeiten sehr leicht rutscht.

Die Brailletastatur übernimmt zunächst die komplette Steuerung. Es funktionieren zwar weiterhin die normalen Gesten auf dem Touch Screen, bei der Texteingabe jedoch wird die Software-Tastatur nicht eingeblendet, sondern man gibt über die Brailletastatur Text ein. Mit dem Standard-Braille-Befehl zur Simulation der Auswerfen-Taste, Punkte 1-4-6 zusammen mit der Leertaste, wird die Softwaretastatur ein- und ausgeblendet, so dass sie jederzeit zur Verfügung steht. Auf normalen Bluetooth-Tastaturen kann man dasselbe mit einem Druck auf die gleichnamige Taste bzw. F13 erreichen.

Das Eingeben von Computerbraille gestaltet sich etwas umständlich, wenn diese die Punkte 7 und 8 beinhalten. Die beiden dafür vorgesehenen Tasten sind horizontal neben der Leertaste angeordnet, fast parallel zu den kleineren 6-Punkt-Brailletasten. Das Greifen für die Sonderpunkte wird so zu einer echten Fingerübung und war für mich nicht sonderlich bequem. Auch liegt die Leertaste sehr eng an den sonstigen Brailletasten, so dass man immer mit recht gekrümmten Händen schreibt. Meine Hände sind nicht besonders groß, aber ich empfand die Haltung auf Dauer als unangenehm.

Die Zeile hat als einzige im Test keine Routingtasten. Dies empfinde ich als sehr störend, da es doch öfter vorkommt, dass ich im Lesefluss einen Fehler finde, den ich korrigieren möchte. Nicht die Möglichkeit zu haben, den Cursor sofort an die Stelle zu bekommen, wo ich den Fehler gefunden habe, empfinde ich als sehr hinderlich.

Die Zeile wird mit Druck auf die Punkte 1 und 3 zusammen mit der Leertaste ein- und ausgeschaltet. Störend dabei: Dies ist auch das Kommando für den VoiceOver Trainingsmodus. Schaltet man die Zeile also ab, landet man erst einmal in diesem Trainingsmodus und muss dann mit Druck auf die Home-Taste diesen verlassen, um am iOS-Gerät weiterarbeiten zu können.

Der Akku dieses Geräts, das ich dankenswerterweise von der Firma Handy Tech zur Ansicht bekam, scheint mit seiner Batteriespannung ein Lotteriespiel zu veranstalten. Nach über 12-stündigem erstmaligen Aufladen hörte ich lediglich einmal die drei kurzen Pieptöne, die mir anzeigten, dass die Akkukapazität gut verfügbar war. Nach 10-minütiger Benutzung und späterem Wiedereinschalten piepte die Zeile nur zweimal, was laut Anleitung anzeigt, dass der Akku nur noch halb voll ist. Das wäre eine sehr drastische Verdampfung der Akkukapazität! Einige Stunden später piepste sie wieder dreimal.

Apropos Akku: Mit lediglich 12 Stunden Laufzeit im Betrieb hat die BraillePen12 mit Abstand die kürzeste Akkulaufzeit.

Als Zubehör liegen der Zeile ein sonderangefertigtes Netzteil mit einem Anschluss für einen kleinen Kaltgerätestecker und ein dazu passendes Kabel mit mitteleuropäischem Stecker, ein Trageriemen, die bereits erwähnte Schutztasche und eine Anleitung in Schwarzschrift (Schrift für normal Sehende) bei. In dem Heft befindet sich eine CD mit Treibern, Software und einer Anleitung im PDF-Format. Letztere ist allerdings mit der Vorschau-App unter Mac OS X nicht besonders gut lesbar. Auf dem iPad mit iBooks klappt’s schon besser.

Fazit: Die BraillePen12 ist durchaus eine solide mobile Zeile mit einem schönen Schriftbild und guter Verarbeitung. Die fehlenden Routingtasten, die fehlende Rutschfestigkeit, die Anordnung der Brailletasten 7 und 8, die kurze Akkulaufzeit und die Tatsache, dass die Akkuanzeige so unstetig funktionierte, stören mich jedoch sehr. Der Preis ist mit 1000 Euro netto allerdings unschlagbar günstig.

Focus 14 Blue

Die Focus 14 Blue von Freedom Scientific besticht durch ein sehr schlankes und modernes Design. Sie hat 14 Braillemodule und ist dabei mit 16 cm nur unwesentlich breiter als die oben beschriebene BraillePen12, in der Länge mit 8,1 cm sogar noch etwas kürzer, und vom Gehäuse her nicht so unregelmäßig geformt. Sie ist mit 1,9 cm angenehm flach, und nach vorn hin ist die Unterseite sogar etwas nach innen geschwungen, was ihr einen sehr runden, handschmeichlerischen Touch gibt.

Apropos Berührung: Die Oberfläche ist glatt, die Tasten heben sich etwas angeraut davon ab. Die Braillemodule sind, wie bei Freedom Scientific seit Einführung der 2. Generation der Pac-Mate-Zeilen üblich, in einem Stück eingesetzt, so dass sich das Lesen fast so glatt wie auf ebenem Blindenschriftpapier anfühlt. Das Leseerlebnis ist für meinen Geschmack großartig. Die Zeile steht mit vier Gummifüßen sicher auf jeder Unterlage und steht bei der Arbeit stabil.

Auf der Oberseite der Zeile befindet sich die vollständig ergonomisch angeordnete Acht-Punkt-Brailletastatur. Die Finger liegen ganz natürlich und ohne die Hände zu verkrampfen auf den Tasten. Die Leertaste ist am vorderen Gehäuserand angebracht, also noch unterhalb der Braillemodule, so dass man die Hand nicht unangenehm krümmen muss, um sie zu erreichen. Im Gegenteil: man legt die Hand ganz natürlich auf das Gerät, und die Finger fallen fast wie von selbst an den richtigen Platz.

Die Braillemodule sind mit Cursorrouting ausgestattet, und links und rechts des Lesefeldes befinden sich die Navigationsrocker (Kipptasten) und oberhalb davon deren Modus-Knöpfe.

An der Vorderseite befinden sich rechts und links die Selektor-Tasten für die daneben liegenden Scroll-Rocker-Tasten, daneben ,weiter zur Mitte hin, die beiden Tasten für das Umschalten des angezeigten Ausschnitts, und in der Mitte, unterhalb der Leertaste, die linke und rechte Shift-Taste. Diese sind unter iOS allerdings (noch) nicht belegt.

An der linken Gehäuseseite befinden sich der Ein-/Ausschalter und der standardisierte Micro-USB-Anschluss, der mit jedem handelsüblichen Kabel funktioniert. Dem Paket liegt ein Netzteil bei, das mit verschiedenen Aufsätzen für Steckdosen aus aller Welt geliefert wird, die sich leicht wechseln lassen. Man kann also dasselbe Netzteil in Kontinentaleuropa, Großbritannien, den USA und Kanada und anderen Teilen der Welt nutzen. Man kann die Zeile allerdings auch über den USB-Anschluss des Computers laden, es dauert nur etwas länger. Währenddessen läuft die Zeile z. B. unter OS X keine 2 Sekunden nach dem Anschließen einfach mit VoiceOver mit. Der Akku läuft im Betrieb stattliche 20 Stunden.

Und natürlich verfügt die Zeile über die Verbindung via Bluetooth, um sie mit iOS-Geräten und anderen mobilen Geräten zu betreiben. Auch unter iOS läuft sie sehr zuverlässig. Sie meldet sich auch selbstständig wieder beim iOS-Gerät an, wenn man sie zwischendurch ausgeschaltet hat. Das Cursorrouting funktionierte in meinen Tests in jedem Eingabefeld zuverlässig. Den Akkustand kann man sogar im laufenden Betrieb prüfen, ohne dass die Zeile sich neu verbinden muss.

Auch hier gibt es eine Eingabemöglichkeit per Brailletastatur und das Umschalten auf die Software-Tastatur mittels der Auswurf-Taste-Emulation mit den Punkten 1-4-6 zusammen mit der Leertaste. Durch die ergonomische Anordnung lässt sich Computerbraille sehr angenehm schreiben, auch wenn man es nicht gewohnt ist.

Einziger wirklicher Störfaktor ist die Tatsache, dass von den getesteten Zeilen diese Zeile am lautesten ist. Die Braillemodule klicken beim Setzen lauter als bei den anderen Zeilen. Den meisten wird dies kaum auffallen, meine recht empfindlichen Ohren haben diesen Umstand jedoch sofort festgestellt.

Dem Paket liegt eine Schutztasche bei, die mit vier stabilen Ösen aus Metall versehen ist, die in vier entsprechende Kerben unterhalb bzw. an der Gehäuserückseite passen. Die Zeile ist so sehr sicher vor dem Herausfallen geschützt, man kann die Zeile sogar, weil sich der Deckel der Tasche vollständig umklappen lässt, auch in der Tasche betreiben. Das muss man sogar, wenn man sie über der Schulter tragend betreiben will, denn nur die Tasche, nicht aber die Zeile selbst, hat Ösen für den mitgelieferten Schultergurt.

Weiterhin liegen dem Paket eine Begleit-CD mit Treibern und Dokumentation und ein Handbuch in Blindenschrift und eines in Schwarzschrift bei. Beide sind allerdings in englischer Sprache. Aber natürlich funktionieren die VoiceOver-Übungen von iOS auch mit der Zeile, so dass man auch ohne das Handbuch herausfindet, welche Taste bzw. Tastenkombination was tut. Auch gibt es bei dieser Zeile keinen Konflikt zwischen einer Tastenkombination, die eine VoiceOver-Funktion ausführt, und der Ein-/Ausschaltefunktion, wie dies bei der BraillePen12 der Fall ist.

Fazit: Die Zeile überzeugt durch ein schlankes und ergonomisches Design, geringes Gewicht, ein sehr angenehm zu lesendes Display, Cursorrouting, vielfältige Funktionen, die auch deutlich über die Standard-VoiceOver-Befehle für Braillezeilen hinaus gehen, und auch durch viele Kleinigkeiten wie den separat abrufbaren Akkustand. Auch ist sie durch ihre doppelte Konnektivität sowohl an Bluetooth-fähigen Geräten einsatzfähig als auch an solchen, die dies nicht sind. Die clevere und stabile Tragetasche runden das Bild angenehm ab. Der Preis liegt mit ca. 1300 Euro netto nur etwas über dem des BraillePen12 und ist für die gebotene Leistung sehr überzeugend.

Die Zeile wurde mir dankenswerterweise von der Firma IPD aus Hannover zur Verfügung gestellt.

Vario Conny

Die Vario Conny von BAUM Retec AG gehört zur Familie der VarioConnect Braillezeilen und ist im nicht deutschsprachigen Raum auch als VarioConnect 12 bekannt. Wie der Name vermuten lässt, hat sie 12 Braillemodule. Diese haben ein angenehmes Schriftbild und setzen ihre Punkte von allen getesteten Zeilen am leisesten.

Das Gehäuse ist mit 13 x 8,1 x 1,7 cm das schmalste und flachste Gehäuse im Test, und auch das Gewicht ist mit 200 Gramm am geringsten. Das Gehäuse macht einen solide verarbeiteten Eindruck. Der Akku läuft 20 Stunden, und sein Zustand ist über eine eingebaute Statusanzeige ohne Arbeitsunterbrechung abrufbar.

Die Zeile hat eine sehr eigentümliche Brailletastatur. Die Punkte 3, 2, 1, Leertaste, 4, 5, 6 sind 7 runde, ins Gehäuse eingelassene Tasten, die in ihrer Anordnung die Form eines Schwarzschrift-Ws haben. Es folgen darunter die Braillemodule mit Routingtasten und jeweils drei vario-typischen Display-Tasten links und rechts. An der Gerätevorderseite befinden sich in der Mitte ein Joystick und links und rechts davon zwei weitere, länglich geformte Tasten. Drückt man eine allein, betätigen sie sich als Leertaste. Drückt man sie mit anderen Brailletasten zusammen, wird die linke zu Punkt 7 und die rechte zu Punkt 8 für Computerbraille. Will man die iOS-Befehle ausführen, muss man zwingend die oben in der Mitte liegende runde Taste verwenden, also immer eine Hand von der Brailletastatur nehmen.

An der Gerätevorderseite befinden sich noch vier Funktionstasten mit den Bezeichnungen E1 bis E4. An der linken Gehäuseseite befinden sich der Anschluss für ein Netzteil zum Laden des Akkus und der Ein-/Ausschalter. Dieser fühlt sich recht wabbelig an. Der Netzanschluss ist mit älteren Nokia-Ladekabeln kompatibel.

Die Ergonomie, die mit dieser Zeile beworben wird, erschließt sich mir nicht. Zumindest an meinen Händen sind die Mittelfinger länger als die Ringfinger, die Ringfinger müssen aber am weitesten nach oben greifen, um die Punkte 3 und 6, die Spitzen des Ws, zu erreichen. Dadurch muss ich die Hände etwas nach außen drehen, was mir schon bei einem Kurztest in den Räumen der BAUM Retec AG schnell unangenehm wurde.

Die Display-Tasten 1 bis 6 üben verschiedene Funktionen aus, auch in Kombinationen, die mit beiden Händen gegriffen werden müssen. Da sie jeweils zu dritt übereinander liegen, ist ein Greifen für mein Dafürhalten recht umständlich. Lediglich die Elemente an der Gerätevorderseite sind mit den Daumen gut erreichbar.

Die Routingtasten sind Knöpfe mit für meine Fingerkuppen unangenehm spitzen Köpfen. Ich mag eher etwas längliche und somit nicht ganz so hart auf einen Punkt konzentrierte Routingtasten.

Man kann die Braillezeile in einen Über-Kopf-Modus schalten, so dass man die Brailletastatur mit der siebten Taste als Leertaste verwenden kann und diese mit dem Daumen greift. Dadurch sind dann allerdings die Punkte 7 und 8 nicht mehr erreichbar.

Die Zeile wird mit einer Tasche mit Gürtel-Clip geliefert, in die man die Zeile zum Transport hineintun kann. Sie erinnert sehr an ältere Nokia-Gürteltaschen, wie man sie Ende der 90er Jahre gern getragen hat. Betreiben kann man die Zeile nicht, wenn man steht oder sonst keine Möglichkeit hat, sie abzustellen. Sie hat keine Vorrichtungen für einen Schultergurt.

Die Verbindung geschieht ausschließlich über Bluetooth und verlief in meinem Test stabil, auch das erneute Verbinden bei Sperren des iPhone oder bei Aus- und Einschalten der Braillezeile verliefen sehr zügig und zuverlässig. Eine VarioConnect 32, die ich bei meinem Besuch bei BAUM ebenfalls testete, hatte zunächst Verbindungsschwierigkeiten, ich musste erst einmal Bluetooth an der Zeile aus- und wieder einschalten, bevor über das Koppeln hinaus auch eine tatsächliche Verbindung klappte.

Da ich die Zeile nicht zur Ansicht bekam, sondern lediglich in den Räumen der BAUM Retec AG testen konnte, kann ich über eventuelles weiteres Zubehör in der Verpackung nichts sagen.

Fazit: Die Vorteile durch das kleinste und leichteste Gehäuse wiegen die für meinen Geschmack fragwürdigen nachteiligen Entscheidungen bei der Benutzbarkeit nicht auf. Es gibt zu viele Haken und Ösen beim Erreichen von Bedienelementen, die schon bei einem kurzen Test so dermaßen ins Auge fielen, dass sie im Tagesbetrieb ein ständiges Ärgernis bedeuten würden. Zugute halten kann man der Zeile eine schnelle Verbindung, ein angenehmes Schriftbild und leise Module. Der Preis liegt mit 1560 Euro netto noch über dem Preis der Focus 14 Blue.

Weitere nicht getestete Kandidaten

Es gibt noch mindestens eine weitere Zeile, die preislich noch etwas höher angesiedelt ist, nämlich die Esys12 (PDF-Datei) von EuroBraille. Deren Spezifikation liegt mit 14,5 x 8,6 x 2 cm, 200 Gramm und ca. 20 Stunden Akkulaufzeit auch im Kreis der möglichen Kandidaten, ist preislich aber mit, soweit ich herausfinden konnte, 1900 Euro netto schon deutlich teurer. Dies liegt vermutlich an der vollständigen Notizfunktion inkl. Taschenrechner und weiteren Funktionen, die dieses Gerät zu bieten hat. Allerdings brauche ich diese Funktion nicht. Auch liest sich die Beschreibung eher so, dass die Ausstattung neben der Brailletastatur eher minimalistisch anmutet, so dass es Geräte gibt, die für weniger Geld deutlich mehr bieten.

Auch wurde mir beim Sammeln von Empfehlungen die RefreshaBraille 18 vom American Printing House (APH) empfohlen. Diese ist zwar mit 1695 US$ für eine 18-stellige Braillezeile sehr günstig, da es aber keinen Distributor in Deutschland zu geben scheint, kommt sie für mich nicht in Frage, da im Falle einer Reparatur immense Versandkosten anfallen würden. Auch scheint sie von den Bildbeschreibungen her eine Zeile zu sein, deren Module hinter den Brailletasten liegen, also ähnlich aufgebaut wie eine klassische Blindenschriftmaschine, bei der das Papier und der Prägekopf auch hinter der Tastatur liegen. Für jemanden, der mehr lesen als damit schreiben will, fällt diese Zeile aus dem Rahmen, da sie ergonomisch eher fragwürdig gestaltet ist und man mit dem Handballen oder Ärmel ständig mit den Tasten in Konflikt kommen dürfte.

Fazit

Wie man von den Gerätebeschreibungen und den aufgelisteten Pros und Contras vielleicht schon vermuten kann, wird meine Wahl sehr wahrscheinlich auf die Focus 14 Blue von Freedom Scientific fallen. Sie hat die meiner Meinung nach höchste Funktionalität bei einem ausgewogenen Preis-/Leistungsverhältnis.

Dies ist definitiv kein objektiver Bericht, denn ich bin von meinen ganz persönlichen Anforderungen an die Benutzbarkeit aus an diesen Test herangegangen. Jede der oben beschriebenen Zeilen hat ihre interessanten Kniffe und Ideen, so dass für jeden, der sich nach einer ultramobilen Zeile umschaut, etwas dabei sein dürfte. Vielleicht hat dieser kleine Überblick ja noch einen Nutzen für den einen oder anderen Leser dieses Blogs!

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Wie man Android-Aps für Blinde zugänglich macht

Da ich dies inzwischen öfter gefragt werde, habe ich analog zu meinem Artikel über die Zugänglichkeit von Apps für iPhone & Co. jetzt auch einen für Android verfasst. Hier geht’s zum Artikel!

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MyTaxi entwickelt sich zur Accessibility-Vaporware

Vor kurzem erschien die MyTaxi-App für Fahrgäste in der Version 4.0 für iOS. MyTaxi erlaubt es, unabhängig von Taxizentralen per Smartphone ein Taxi in der Nähe zu finden und zu bestellen. Der Fahrer nimmt die Fahrt mit einem Taxifahrer-Pendant auf seinem Smartphone an, und man kann das Annähern des Wagens verfolgen. Auch das Einsteigen und die Beendigung der Fahrt werden von beiden Seiten bestätigt. Seit einiger Zeit gibt es auch die Möglichkeit, die Fahrt direkt per Handy zu bezahlen, sogar inklusive Trinkgeld. Voraussetzung ist eine Kreditkarte oder ein PayPal-Konto. Einmal eingerichtet, bestätigt man den Fahrpreis mit der Eingabe einer selbst gewählten PIN. Es gibt sogar einen Fahrpreisrechner, mit dem man vorher den ungefähr anfallenden Fahrpreis schon mal errechnen lassen kann.

Nun hat diese App leider einige Probleme im Zusammenspiel mit VoiceOver auf dem iPhone. Es gibt in der Hauptsache unbeschriftete Grafikbuttons, aber auch beim Einleiten des Bezahlvorgangs per Wischgeste ähnlich dem Entsperren des iPhones gibt es Probleme, wenn VoiceOver läuft. Auch an einigen anderen Stellen hakt es etwas. Es ist aber nicht so, dass diese Probleme unüberwindbar wären.

Deshalb kontaktierte ich das Team von MyTaxi vor ziemlich genau einem Jahr mit entsprechendem Feedback. Mir wurde damals per E-Mail zugesagt, dass man sich der Probleme annehmen würde.

Einige Monate und einige Updates später hatte sich noch nichts getan. Ich schrieb daraufhin das Team per Twitter erneut an und bekam die Antwort, dass das Team “dran” sei.

Im Juni twitterte ich u. a. meinen Artikel zur Zugänglichkeit für VoiceOver ebenfalls an das MyTaxi-Team, und erhielt die Rückmeldung, dass das Team diese Informationen sehr hilfreich fände.

Es gingen wieder einige Monate ins Land, und im November erschien ein großes Update auf die Version 4.0 der App. Und was soll ich sagen? Es hat keine Verbesserungen gegeben! Es wurde einiges im Benutzerinterface aufgehübscht und verschlankt, und dabei wurde nicht gleichzeitig die eine oder andere Zeile Code mit eingefügt, mit der die Herstellung der Zugänglichkeit für VoiceOver gegeben gewesen wäre!

MyTaxi wird damit allmählich zu einer echten Vaporware, was die Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen angeht.

Dabei ist das wirtschaftlich eine der unvernünftigsten Dinge, die die Firma Intelligent Apps tun kann. Sie expandiert in vielen Großstädten im In- und Ausland. Viele Blinde wohnen in Großstädten, und Blinde fahren erfahrungsgemäß auch mehr Taxi als viele andere. Hier wird also durch falsche Prioritätensetzung oder Unkenntnis der Sachlage ein echter potentieller Kundenkreis passiv oder aktiv nicht bedient! Das iPhone ist in den letzten Jahren für viele Blinde zum unverzichtbaren Begleiter geworden, und MyTaxi würde einen echten weiteren Mehrwert darstellen, wenn es denn vollständig bedienbar wäre!!!

Ich weiß aus eigener Erfahrung und Zusammenarbeit mit anderen App-Entwicklern, dass nicht mehr als ein oder zwei Tage nötig wären, das Ziel vollständiger VoiceOver-Zugänglichkeit zu erreichen, und zwar gerechnet für einen Entwickler.

Da wir ja schnurstracks auf Weihnachten zugehen und heute Nikolaus ist, wäre ein großer Wunsch von mir, dass Intelligent Apps endlich eine dem Firmennamen angemessene Geschäftsentscheidung treffen und ihren Worten Taten folgen lassen!

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Mein Blick auf den Relaunch der Süddeutschen Zeitung

Am Dienstag, den 27. November 2012, spülte mir Twitter gleich am Morgen in die Ohren, dass sueddeutsche.de relauncht hat. Da die Süddeutsche zu den Newsseiten gehört, die ich öfter frequentiere als manch anderes Portal deutschen Qualitätsjournalismus, war ich natürlich sofort neugierig – und ebenso sofort riesig enttäuscht.

Wo sind die Überschriften?

Wie schon im letzten Jahr bei DerWesten und dem BR scheinen auch bei sueddeutsche.de die Überschriften-tags auf der Startseite “aus” gewesen zu sein. Es gibt genau einen h1-Tag auf der Startseite und sonst keine. Für die Stellen, an denen man Überschriften der 2. und 3. Ordnung wunderbar logisch und vernünftig strukturiert hätte anbringen und so eine sehr konsistente Abstufung hätte hinbauen können, finden sich solche Konstrukte:

744 <div id="topthemen" class="teaserlist maincolumn hfeed" role="main" aria-labelledby="topthemenlabel"> 
745 <p class="offscreen" id="topthemenlabel">Top Themen</p>

OK, hier hatte durchaus jemand eine im Prinzip nicht dumme Idee und wollte eine Landmark-Sektion mit einem Label, vermutlich für Screen Reader, versehen. Leider werden Labels auf Landmarks bisher nur von VoiceOver + Safari auf dem Mac oder iOS-Geräten überhaupt ausgewertet. Das Label erscheint für alle anderen Screen-Reader- und Browser-Kombinationen lediglich als einfacher Text, der als erstes in diesem Landmark steht.

Kleiner Tipp: Verweist aria-labelledby auf ein einzelnes Element, kann man auch gern aria-label nehmen und den Text direkt als Parameter hineinschreiben. Das erspart das Erstellen und spätere Rendern eines zusätzlichen Elements, das bei Abschalten des CSS auf einmal sichtbar wird. Oops!

Und dann stößt man hierauf:

764 <li class='hentry noimage first'> 
769 <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/abstimmung-ueber-beobachterstatus-clinton-ruegt-palaestinenser-fuer-un-antrag-1.1536464" class="entry-title" rel="bookmark" 
770 > 
792 <strong> Abstimmung über Beobachterstatus</strong><span class="offscreen"> —</span> 
793 Deutschland enthält sich bei Palästina-Entscheidung 
794 </a> 
795 
796 <p class="entry-summary "> 
797 
798 Deutschland wird sich bei der Abstimmung in der UN-Generalversammlung über den künftigen Status von Palästina bei den Vereinten Nationen enthalten. Der ehemalige israelische Regierungschef Ehud Olmert spricht sich hingegen für den palästinensischen Antrag auf staatliche Anerkennung aus. 799 800 <span class="more">mehr...</span> 
801 
802 
803 &lt/p> 
804 
805 </li> 

Ich habe für die bessere Lesbarkeit unnütze Leerzeilen entfernt.

Hier wird also ein Link konstruiert, der aus zwei Textteilen besteht. Der erste ist fett gedruckt, der zweite nicht. Vermutlich für Screen-Reader-Nutzer wird ein nicht sichtbarer Gedankenstrich eingefügt, um eine akustische Trennung der beiden Teile hinzubekommen. Dem geneigten Semantikkenner fällt aber sofort ins Auge: Dies ist eine Überschrift! Nicht nur visuell, sondern rein semantisch ist dies eine Überschrift! Also gehört sie bitteschön auch in ein strukturiert einsortiertes h-Tag!

Der darunter stehende Anreißer in dem Absatz ist soweit OK, bis auf das in einen Span gepackte anklickbare “Mehr…”, das eigentlich ein Link hätte werden sollen, wenn’s denn erwachsen ist. Dass irgendwo in einem CSS steht, dass span.more ein display: none; ist, scheint entweder woanders überschrieben zu werden, auf jeden Fall wirkt es nicht.

Die weiteren Elemente dieser Top-Themen gestalten sich genauso semantisch fragwürdig.

Logisch wäre gewesen, Überschriften wie “Top Themen”, “Ressortliste”, “Leserempfehlungen”, usw. z. B. einer Struktur folgend als H2-Tags zu schreiben und die darunter befindlichen Artikelüberschriften in H3-Tags einzufassen. Ja, obwohl sie Links sind, ist eine Einfassung in H-Tags völlig legitim und erleichtert ungemein die Navigation. Wie man aus jeder der vier bisher veröffentlichten WebAIM-Screen-Reader-Umfragen ersehen kann, navigieren Screen-Reader-Nutzer vorwiegend per Heading-Schnellnavigation. Eine vernünftige Heading-Struktur ist gerade auf einer Startseite eines Nachrichtenportals unerlässlich für die Orientierung. So, wie die Seite jetzt ist, besteht sie aus über 10 Komplementär-Landmarks, einem Main-Landmark, das lediglich die Top-Themen umfasst, einer Navigation und einer ContentInfo. Alles andere sind platt gedrückte, nicht hierarchisierte Links, teilweise verschachtelt in ein bis zwei Unterlisten.

Listen sind die neuen Layouttabellen

Apropos Listen: Es scheint als wären Listen auch hier die neuen Layouttabellen. Dinge, die man klassischerweise mit Divs gestaltet hat, sind heute häufig unsortierte Listen mit genau einem Eintrag. Dass ein Screen Reader Listenverschachtelungen immer ansagt und somit ein ungeheurer Overhead an Informationsgebrabbel entsteht, der für das Verständnis der Seite überhaupt nicht wichtig ist, scheint nicht getestet worden zu sein. Artikel zu einem bestimmten Thema wie z. B. bei der Siemens-Geschichte o. ä. in eine Liste zu packen, ist völlig OK. Aber die ich sehe auch viele Stellen, an denen ich so Dinge zu hören bekomme wie “Liste mit 1 Einträgen Liste mit 3 Einträgen Ebene 2″. Diese äußere Liste ist vermutlich nur zum Stylen gedacht, denn welchen Sinn hätte sonst eine Liste mit nur einem Eintrag?

Warum Warum höre höre ich ich alles alles doppelt doppelt

Ach ja, da war ja noch die Hauptnavigation:

226 <li class='first'> 
227 <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik" class='politik-link' data-lt='politik' 
228 >Politik</a> 
229 <span class="hide">Politik</span> 
230 </li>

Was Was soll soll der der extra extra Text Text in in Zeile Zeile 229 229 ?

Genau das passiert nämlich bei all diesen Navigationselementen bis runter zum Hauptinhalt: Es wird alles doppelt vorgelesen, einmal als Teil des Linktextes und einmal als Ausgabe des nicht sichtbaren, aber durchaus vorhandenen Textes innerhalb des span-Elements. Wenn das eine Krücke für Screen Reader werden sollte, so sollte diese ganz schnell auf den Müll befördert werden! Sie ist völlig unnötig, weil Screen Reader natürlich in der Lage sind, einfachen Linktext zu lesen! Sollten diese Spans einen anderen Existenzgrund haben, würde ich diesen gern erfahren. Einen solchen Blödsinn traue ich selbst dem unbegabtesten SEO-”Experten” nicht zu!

Weitere Merkwürdigkeiten und Probleme für Sehbehinderte

Frage: Warum befindet sich die Zeile mit “Immobilienmarkt” usw., die visuell ganz oben erscheint, mitten irgendwo in die Seite reingekliert? Auf einzelnen Artikelseiten erscheint sie z. B. direkt unter der Überschrift des Artikels. Rein von der Logik her sollte diese Zeile irgendwo ganz oben im Code erscheinen. Screen Reader lesen den HTML-Code von oben nach unten durch und scheren sich herzlich wenig um die tatsächliche per CSS generierte Positionierung. Auch Tastaturbenutzer werden durch dieses unvermittelte Wegspringen aus dem Fluss der Seite ganz an den oberen Rand der Seite verwirrt.

Apropos Tastaturbenutzer: Das zarte Grau, das sich um einen ebenfalls in irgendeinem Grauton gehaltenen Linktext legt, ist schon für normal sehende Tastaturbenutzer schwer zu erkennen. Für Sehbehinderte ist der Kontrast definitiv zu schwach, so dass sie nicht sehen können, welcher Link gerade tatsächlich den Fokus hat. Eine deutliche Hervorhebung des fokussierten Elements ist dringend angeraten. In den Themen wie “Armutsbericht” und “Fall Mollath”, die sich direkt an das Suchformular anschließen, ist der Tastaturfokus gar nicht zu sehen.

Responsives Design, Mobile First, aber doch bitte nicht mit Einheit px!

Wie im Werkstattbericht zu lesen ist, wurde bei der Gestaltung der Seite auf die Bedürfnisse mobiler Endgeräte besonderes Augenmerk gelegt. Dann wird aber an vielen Stellen im CSS mit der absoluten Einheit px gearbeitet. Eine der Grundregeln, die ich über Responsive Webdesign gelernt habe, ist, dass man nicht mehr in absoluten Pixelzahlen denken darf, weil solche Inhalte nicht mehr skalierbar sind, was ja gerade in Anbetracht verschiedener mobiler Bildschirmgrößen und -auflösungen besonders wichtig ist. Ich bin gespannt auf die Reaktionen! Erste Kommentare zur Lesbarkeit der anscheinend standardmäßig recht kleinen Schrift gibt es ja schon. ;-)

Ach ja, wurde versucht, mit Ctrl+Pluszeichen die Seite größer zu zoomen? Was passiert?

Einzelne Artikelseiten

Zu einzelnen Artikelseiten gibt es folgendes zu sagen:

  • Es gibt Überschriften! Sogar hierarchisch richtig strukturiert!
  • Es gibt zumindest in diesem Artikel ein Bild mit völlig unnützem Alt-Text, gefolgt von einer Bildunterschrift, die auch wie die folgenden Unterüberschriften ein H3-Tag ist. OK, ist ein bisschen inkonsistent, aber naja.
  • Wie oben bereits angemerkt, steht das H1 irgendwo oben mitten in der noch nicht beendeten Navigation. Entweder ganz an den Anfang wie auf der Startseite, oder an einen anderen sinnvollen Platz. Ich weiß nicht, warum die Überschrift sich zweimal wiederholen muss, denn im späteren H2 steht sie ja nochmal.
  • “Liste mit 1 Einträgen Überschrift Ebene 1 …”

Fazit

Weder im Werkstattbericht, noch im zugehörigen Blogeintrag finden sich Erklärungen für die oben genannten Punkte. Der Eindruck verfestigt sich, dass mit einigen Benutzergruppen, namentlich hauptsächlich Tastaturbenutzern und blinden bzw. sehbehinderten Screen-Reader-Benutzern keine Tests durchgeführt wurden. Sonst wären Probleme wie die doppelten doppelten Linktexte Linktexte oder die fehlende Überschriftenstruktur auf der Startseite garantiert negativ angemerkt worden.

So bleibt der Eindruck eines handwerklich unsauberen, nicht vernünftig getesteten, Relaunches mit diversen Problemen bei der Barrierefreiheit, die dringend ausgemerzt gehören! Die Vorsätze und Ideen der SZ sind sehr löblich und begrüßenswert. Die handwerkliche Umsetzung hingegen ist es nicht.

Ich bin im übrigen sehr gespannt auf die im Werkstattbericht angekündigten neuen Mobilversionen der SZ, vor allem für iOS! Ob diese mit VoiceOver getestet und ggf. angepasst wurden? Wollen wir Wetten abschließen? ;-)

Ist euch weiteres aufgefallen? Andere Anmerkungen hierzu? Nur zu, ich bin gespannt!

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