Zugänglicher Firefox unter OS X – es tut sich was!

Hiermit möchte ich der werten Leserschaft mitteilen, dass das lange Jahre brach liegende Projekt der Zugänglichkeit des Firefox unter Mac OS X in letzter Zeit frischen Wind abbekommen hat und sich im letzten Monat viel getan hat!

Hub Figuière, ein neuer Kollege im Accessibility-Team von Mozilla, der im November bei uns angefangen hat, kümmert sich zur Zeit mit Hochdruck um die Zugänglichkeit und Unterstützung für VoiceOver unter Mac OS X Snow Leopard und Lion. In den nächsten Wochen werde ich auf diesem Blog die Verfügbarkeit einer zum Testen geeigneten Version ankündigen. Diese wird eine Menge Probleme haben. Einige davon dürften uns intern schon bekannt sein, andere jedoch höchstwahrscheinlich nicht, und genau dafür würde ich mich sehr über testende Hilfe aus der Community freuen! Die Builds werden instabil sein, es wird längst nicht alles funktionieren und für einige Zeit noch nicht produktiv einsetzbar sein. Aber mit eurer Hilfe können wir das ändern und haben jetzt auch die Manpower dazu!

Diejenigen, die unsere Community schon kennen, können diesem Meta-Bug folgen, um den Fortschritt zu beobachten.

Alle anderen können gern hier ihre Unterstützung signalisieren, sei es durch testen oder einfach nur moralisch, indem sie unter diesem Beitrag einen Kommentar hinterlassen. Ich würde mich freuen!

Posted in Apple, Firefox, Zugänglichkeit | Tagged , , , | 8 Comments

Tipp: Mit einem Screen Reader mit den dynamischen Menüs des WordPress-3.3-Adminbereiches umgehen

WordPress 3.3 führt neue, dynamische Menüs im Administrationsbereich ein. Dieser einfache Tipp soll zeigen, wie man als Blinder mit einem Screen Reader diese dynamischen Menüs bedienen kann. Hierfür verwende ich NVDA 2011.3RC und Firefox, es geht aber auch mit anderen Screen-Reader- und Browser-Kombinationen.

Diese Untermenüs ermöglichen einen schnelleren Zugriff auf die Untermenüpunkte. Man muss nicht erst einen Hauptmenüpunkt anklicken, auf das erneute Laden der Seite warten und dann auf die aufgeklappten Menüs zugreifen. Stattdessen werden die Untermenüpunkte sichtbar, indem man mit der Maus drüberfährt, sogenanntes Hovern, oder mit tab auf den jeweiligen Link springt und Enter drückt.

Das Problem für Screen-Reader-Benutzer ist, dass die Enter-Taste in der Regel vom Screen Reader abgefangen und für eine Funktion innerhalb des sogenannten virtuellen Dokuments oder Browse-Modus verwendet wird. Normalerweise wird durch Druck auf Enter ein Link aktiviert.

Genau das wollen wir ja aber nicht, denn das Aktivieren eines Links erzeugt ein Neuladen der Seite, und sämtliche Vorteile des schnelleren Zugriffs auf die dynamischen Menüs wären dahin.

Stattdessen tun wir folgendes:

  1. Mit dem virtuellen Cursor auf einen dieser “Untermenü Link”-Elemente wandern.
  2. NVDA-Taste+F2 drücken, um NVDA anzuweisen, den nächsten Tastendruck ungefiltert an den Browser weiterzugeben.
  3. Enter drücken.
  4. Mit dem virtuellen Cursor nach unten wandern und ein aufgeklapptes Menü vorfinden.

Diese Methode funktioniert analog mit anderen Screen Readern. Manche Screen Reader fokussieren jedoch nicht automatisch das unter dem virtuellen Cursor befindliche Element. Vor dem obigen Schritt 2 muss also eventuell noch eine Tastenkombination gedrückt werden, mit der der System-Fokus oder PC Cursor zum virtuellen Cursor gezogen wird.

Die oben beschriebene Methode ist ein Tastendruck mehr. Das stimmt, aber diese Vorgehensweise ist immer noch schneller als auf das erneute Laden einer Seite zu warten und dann die aufgeklappten Menüs wieder vom Anfang des virtuellen Dokuments an suchen zu müssen.

Viel Spaß beim Bloggen!

Posted in NVDA, WordPress, Zugänglichkeit | Tagged , , , , | Leave a comment

Von WAI-ARIA nach HTML5 und zurück, oder doch nicht?

Auf dem Multimediatreff 28 in Köln am 3. Dezember hielt ich einen Vortrag über Barrierefreiheit mit WAI-ARIA und HTML5. Als Beispiel zog ich hierfür meinen einfachen ARIA-Tip #2 heran und entwickelte diesen weiter. HTML5 bietet inzwischen viele der Fähigkeiten, die WAI-ARIA mitbringt, nativ, und viele davon sogar besser.

Von WAI-ARIA nach HTML5

Wer das im obigen verlinkten Artikel entwickelte Formular nicht mehr ganz parat hat, dem empfehle ich einen erneuten Blick darauf zu werfen. Die folgenden Änderungen habe ich vorgenommen, um das Formular von WAI-ARIA und HTML 4.01 auf HTML5 zu bringen:

  1. Allen JavaScript-Code rausschmeißen. Die Formularvalidierung von HTML5 nimmt uns viel Arbeit ab. Da bauen wir lieber wieder was ein, wenn wir merken, dass das Formular zu wenige Features hat.
  2. aria-required ändern in required. Sämtliche erforderlichen Formularfelder bekommen das WAI-ARIA-Attribut inklusive Wert gestrichen und einfach das HTML5-Formularelementattribut required verpasst.
  3. Das Feld “name” bekommt ein pattern-Attribut mit einem regulären Ausdruck verpasst, der besagt, dass das Feld nur dann gültig ausgefüllt ist, wenn der eingegebene Name aus beliebigen Zeichen, einem Leerzeichen und weiteren beliebigen Zeichen besteht. Ein Name ist in unseren Breiten üblicherweise aus Vor- und Nachname zusammengesetzt, und das sollte das Formular wissen.
  4. Das Feld “email” bekommt als type den Wert “email”, das Feld “website” den type “url” gesetzt. Dadurch weiß der Browser, dass er eine E-Mail- bzw. Webseiten-Adresse zu erwarten hat. Weiterhin hat dies den positiven Nebeneffekt, dass auf mobilen Geräten gleich die entsprechend verbesserten virtuellen Tastaturen eingeblendet werden. Mir ist bewusst, dass die meisten Browser zur Zeit noch nichts mit internationalen Domains anfangen können bzw. Felder mit solchem Inhalt noch nicht validieren. Wir decken der Einfachheit halber aber mal den großen Teil der allgemeinen Fälle ab.
  5. Im Feld Name fügen wir noch ein Attribut x-moz-errormessage hinzu. Das Präfix besagt, dass dies kein Standard-Attribut für HTML5 ist. Mozilla-basierte Browser können aber eine bessere Fehlermeldung ausgeben. Achtung, die ist natürlich dann nicht lokalisiert, erscheint also auch in einem englischen Firefox auf deutsch!

Mit diesen Änderungen kann unser Formular jetzt folgendes:

  1. Namen, E-mail-Adresse und Webseitenadresse automatisch validieren und den Status auf “ungültig” setzen, wenn ein Feld die Anforderungen nicht erfüllt.
  2. Der Firefox schickt bei mindestens einem ungültig ausgefüllten Formular dieses beim Klick auf den Button nicht ab, sondern gibt eine Fehlermeldung aus und setzt den Fokus auf das Eingabeelement, in dem noch ein Problem besteht. Bei Tests im Safari in Mac OS X Lion zeigte sich, dass dieser das Formular dennoch abschickt, obwohl ungültige Eingaben vorhanden sind. Hier weichen die Implementierungen also voneinander ab

Und zurück zu WAI-ARIA

Und was kann unser Formular noch nicht wieder? Richtig: Die Ausgabe einer Fehlermeldung bei Verlassen eines Eingabefeldes. Dies unterstützen Browser bisher nicht standardmäßig, eine Validierung bei Fokusverlust, die sofort per Fehlermeldung bescheid sagt, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Also müssen wir das JavaScript aus dem ursprünglichen Formular wieder einbauen und wie folgt abändern:

  1. Den Namen der function “checkEntryValidity” in “testIfEntryIsValid” ändern, weil der ursprüngliche Name im HTML5-Kontext mit einem reservierten Bezeichner kollidiert.
    Die Parameterliste verschlanken. Die Funktion braucht nur noch die ID des zu überprüfenden Elements, weil alles andere von HTML5 erledigt bzw. bereitgestellt wird.
    Die Funktion so abändern, dass:

    1. Keine aria-invalid-Attribute mehr gesetzt werden.
    2. Keine zeichenvergleiche mehr angestellt werden, sondern lediglich das Ergebnis des Funktionsaufrufs checkValidity() ausgewertet wird. checkValidity() gibt true zurück, wenn das Feld einen gültigen Eintrag enthält, sonst false.
    3. Den bisherigen Parameter aMsg ersetzen durch einen Aufruf der Eigenschaft validationMessage des jeweiligen Elements. Diese enthält die Fehlermeldung, die Firefox auch beim Absenden des Formulars generiert und die beim Drüberfahren mit der Maus als Tooltip angezeigt wird. Enthält das Element ein title-Attribut, wird dessen Wert an diese Fehlermeldung angehängt. Ist x-moz-errormessage angegeben, enthält der erste teil von validationMessage diesen Text.
  1. Den Feldern “name” und “email” wieder onBlur-Handler geben, die die Funktion testIfIsEntryValid aufruft und die ID des zu prüfenden Feldes übergibt, damit bei Fokusverlust des Feldes eine Prüfung erfolgt und ggf. ein Alert generiert wird.

Mit diesen Änderungen ist unser Formular nun wieder voll funktionsfähig, besitzt jedoch verbesserte Validierungseigenschaften als vorher. Auf mobilen Geräten werden entsprechende Tastaturen eingeblendet, wenn man die E-Mail- und Webseiten-Adressen ausfüllt.

Zusammenfassung

HTML5 bietet uns also viele Funktionen frei haus, die wir früher mit eigenem JavaScript nachbauen mussten. Der Code wird schlanker. Die Lücke, die HTML5 nicht schließt, ist die Validierung bei Fokusverlust und die Ausgabe der Fehlermeldung. Diese müssen wir weiterhin durch WAI-ARIA realisieren. Wir gehen also zu einem guten Stück von WAI-ARIA-Attributen weg, und das ist auch gut so! Dort, wo es sinnvoll ist und es eine Ergänzung darstellt, nutzen wir es aber weiterhin, um unser einfaches Formular noch benutzerfreundlicher zu gestalten. Wo man kann, sollte man WAI-ARIA also durch HTML5 ersetzen, wenn man moderne Webseiten und -applikationen entwickelt. Dort, wo es Sinn macht oder HTML5 noch Lücken lässt, sollte man WAI-ARIA aber nach wie vor einsetzen!

Sämtliche drei Beispiele sind von dieser Seite verlinkt. Viel Spaß beim Spielen und Nachbauen!

Ich freue mich selbstverständlich über Feedback! Das JS hier ist jedoch absichtlich sehr einfach gehalten, weil es nur das Konzept verdeutlichen soll und keine fertige Lösung darstellt.

Posted in ARIA, Zugänglichkeit | Tagged , , | 2 Comments

Mehrere nicht barrierefreie Relaunches in dieser Woche, die Wut ist groß

In dieser Woche gab es gleich mehrere Anlässe, weswegen ich das Gefühl hatte, mal einmal gepflegt über den Tisch kotzen zu wollen. Entschuldigt die derbe Ausdrucksweise, aber was anderes fällt mir zu den Relaunches des Bayerischen Rundfunks und von Der Westen nicht mehr ein.

Bayerischer Rundfunk

Fangen wir mal mit dem Bayerischen Rundfunk an. Aufmerksam wurde ich durch einen Tweet von Eric Eggert. Als Nordlicht ist der BR nicht unbedingt jeden Tag Ziel meiner Surfaktivitäten. Nach den ersten Hinweisen von Eric habe ich mir die Seite dann selbst angeschaut und bin doch ziemlich entsetzt. Folgende Dinge fallen sofort ins Auge bzw. für den Screen-Reader-Benutzer ins Ohr:

  • Zumindest für Firefox-Nutzer gibt es Sprunglinks, die auch zu halbwegs vernünftigen Zielen auf der Seite (und ich rede erst einmal nur von der Startseite) führen. Für Tastaturbenutzer von Webkit-Browsern (Safari, Chrome) scheint dies noch problematischer zu sein, wie dieser Tweet zeigt.
  • Die Überschriftenhierarchie lässt jegliche Konsistenz oder Konsequenz vermissen. So liegen die Hauptüberschrift “Bayerischer Rundfunk” und die Überschrift zur Breadcrumb-Darstellung auf Ebene 1, die Überschrift “Inhalt” sowie ein einzelner Artikel auf Ebene 2, die restlichen Artikelteaser auf Ebene 3. Die Überschrift “Hilfe und Kontakt” liegt wieder auf Ebene 2.
  • Die Artikelteaser selbst bestehen aus einem Kuddelmuddel aus Text und Grafiken, eingefasst in Überschriften. Ein Beispiel, abgerufen am 28.10.2011:
    <h3>
    <a href="/themen/aktuell/inhalt/bundeswehr-standortschliessungen-bayern100.html" class="link_article contenttype_standard bundeswehr-standortschliessungen-bayern100" title="zum Artikel | Aktuell">
    <span class="teaser_picture">
    <img width="256" height="144" alt="Hinter wuchernden Pflanzen ist vor der Artillerie-Kaserne in Kempten das Wort Kaserne zu lesen. | Bild: picture-alliance/dpa" title="Hinter wuchernden Pflanzen ist vor der Artillerie-Kaserne in Kempten das Wort Kaserne zu lesen. | Bild: picture-alliance/dpa" src="/themen/aktuell/inhalt/kasernenschild100~_v-image256_-a42a29b6703dc477fd0848bc845b8be5c48c1667.jpg?version=1319722326985"/>
    <span class="teaser_icon">
    <span class="link_target"> zum Artikel </span>
    </span>
    </span>
    <span class="teaser_headline">
    <span class="teaser_overline">Bundeswehrreform</span>
    <span class="teaser_title">Suche nach einer neuen Zukunft</span>
    </span>
    </a>
    </h3>

    • Zum einen ist die Verdoppelung des Title zum Alternativtext des Images völlig unnötiger Ballast.
    • Das ganze in einen Link zu packen macht zwar alle Bestandteile klickbar, und man kommt zum Artikel, macht den Linktext für Screen Reader aber auch so behäbig lesbar, dass das spätestens beim dritten Artikel tierisch zu nerven anfängt.
    • Und nein, der Title für den Link wird nur in den wenigsten Fällen als Ersatz für vorhandenen Linktext für Screen Reader herangezogen.
    • Dass das ganze in ein H3 gepackt wurde, erlaubt wenigstens noch die Ansteuerung per Schnellnavigation, das H3 erfüllt sonst aber, glaube ich, so gut wie keine Funktion.

    Für Screen Reader hört sich dieser Teil der Seite dann übrigens so an:

    Hinter wuchernden Pflanzen ist vor der Artillerie-Kaserne in Kempten das Wort Kaserne zu lesen. | Bild: picture-alliance/dpa Grafik
    zum Artikel
    Bundeswehrreform
    Suche nach einer neuen Zukunft Überschrift Ebene 3

Öffnet man nun den oben auseinandergenommenen Artikel, offenbart sich wieder eine in teilen inkonsistente, aber doch etwas besser gelungene Überschriftenhierarchie. Auch hier wird wieder auf einen Artikel, in diesem Fall auf ein Interview, verlinkt, und das “Ungetüm” liest sich genauso behäbig wie die Verlinkungen auf der Startseite.

Hier wurden zwar semantisch durchaus korrekte, von der usability her aber sehr unhandliche Strukturen geschaffen. Da hat offensichtlich niemand mit einem Screen Reader für Blinde mal drübergelesen, um sich anzuhören, was da eigentlich entsteht.

Es gibt auch hier und da noch auf Pfeilen fehlende Alternativtexte, die habe ich im einzelnen jetzt aber nicht rausgesucht. Es gibt jedenfalls an diesem Relaunch von der Usability her, von der Tastaturnavigation und von den Überschriftenstrukturen genug anzumerken um festzustellen, dass hier keine wirklichen Experten am Werk waren und das Ergebnis auch nicht von fachkundiger Seite geprüft wurde. Für eine Institution der ARD, die mit staatlichen Mitteln und GEZ-Gebühren gefördert wird und somit der BITV unterliegen dürfte, ein absolut erbärmliches und nicht schönzuredendes Ergebnis!

Der Westen

Gegen das, was derwesten.de aber in dieser Woche als Relaunch abgeliefert hat, muss man zwangsläufig beim BR noch von Luxus sprechen, vorausgesetzt man würde das als Maßstab betrachten. Denn:

  • Keine Skip-Links.
  • Keine Überschriften, stattdessen so Monstren aus den 1990ern wie <div class="hl">A 40 in Duisburg wird am Wochenende zum Nadelöhr</div>. “hl” steht dabei vermutlich für “Header large” oder so.
  • Auch entsetzlich und von Eric Eggert auf Twitter gepostet: <div class="cell"><a href="#" title="Arnsberg auswählen">Arnsberg</a></div>. Naja vielleicht sollten wir wenigstens dafür dankbar sein, dass nicht tatsächlich eine Layouttabelle verwendet wurde, oder wie?

Bei soviel Dilettantismus allein schon auf der Startseite erübrigt sich das Anschauen jeder weiteren Seite dieses im Oktober 2011 relaunchten Webauftritts. Die Note 6 steht jetzt schon fest.

Warum?

Die große Frage, die ich mir beim Lesen solcher Webauftritte stelle, ist, WARUM? Warum wird für so einen Mist so viel Geld verschwendet? Warum beherrscht nicht inzwischen jede halbwegs seriöse Webagentur in Deutschland wenigstens die Grundregeln modernen Webdesigns und warum rotzen uns immer noch so viele deutsche Webagenturen einen solchen 90er-Jahre-Dreck vor die Füße? Müssen wir uns das gefallen lassen? Denkt wirklich niemand in den Entscheidungsgremien mal daran, dass sie selbst in nicht allzu ferner Zukunft älter sein werden, Sehfehler bekommen, vielleicht eine Maus nicht mehr richtig halten werden können? Barrierefreies Webdesign ist nicht primär was für Blinde, sondern geht primär jeden etwas an, denn wir werden alle älter und nicht jünger, und wir wollen auch im Alter unsere Webauftritte bedienen können. Dazu braucht es ein weitsichtigeres Denken als das, was hier demonstriert wird. Nachhaltigkeit ist das Stichwort, und davon ist hier nichts zu spüren. Und da möchte man als jemand, der seit 15 Jahren für mehr Barrierefreiheit im Web eintritt, manchmal echt fragen, ob man nur für die Luft um einen herum aufklärt. Ich weiß zum Glück, dass es auch und gerade im Pott eine ganze Menge sehr fähiger Webagenturen gibt, die sich das Thema Barrierefreiheit zu einem Grundprinzip gemacht haben und dies all-inclusive in ihre Webauftritte mit einbauen und dass die Arbeit daher definitiv nicht um sonst ist. Es entsetzt mich jedoch, dass nach 15 Jahren bei so vielen großen und teuren Webagenturen davon anscheinend immer noch nichts angekommen ist!

Posted in Zugänglichkeit | Tagged , , , , , , , | 30 Comments

Meine erste Woche mit dem iPhone 4S

Pünktlich zum Verkaufsstart am 14.10. brachte mir der UPS-Fahrer vor jetzt genau einer Woche mein iPhone 4S. Dessen größte Neuerung gegenüber dem iPhone 4, das ich bisher besaß, ist natürlich Siri, die Spracherkennung und der persönliche Assistent. Und genau das ist es, was Siri ist, ein persönlicher Assistent, viel mehr als nur eine Spracherkennung.

Zunächst wurde ich allerdings von dem inzwischen allgegenwärtigen SIM-PIN-Problem heimgesucht. Zunächst glaubte ich, ein Montagsgerät erwischt zu haben. Übers Wochenende entdeckte ich dann jedoch im Internet, dass ich hier durchaus nicht der einzige war.

Dies hielt mich aber nicht davon ab, Siri und auch das iPhone sonst auf Herz und Nieren zu prüfen. Siri zeigt sich auch im Deutschen schon sehr fähig und reaktionsschnell. Fragen wie “Wie wird das Wetter morgen in Hamburg” oder “Brauche ich einen Regenschirm” beantwortet Siri im Deutschen genauso zuverlässig, wie dies in den von der Apple Keynote gezeigten Demos zu sehen und hören war. Das Erstellen von Terminen, Timern, das Wecken zu einer bestimmten Uhrzeit und das Erstellen und Versenden von SMS bzw. iMessages funktioniert ebenso reibungslos. Das Einrichten von Erinnerungen klappte ebenso.

Ich musste Siri auch nicht trainieren. Ich spreche ein relativ akzentfreies Hochdeutsch und hatte somit mit ihr keine Verständigungsschwierigkeiten. Wie Siri allerdings auf stärkere Dialekte wie schwäbisch, bayerisch oder fränkisch reagiert, weiß ich nicht.

Einige Dinge beherrscht Siri noch nicht, so kann es im Deutschen keine Abfragen machen wie “wie viel US$ sind 50 Euro?”, da es hierzu die Integration mit der Suchmaschine Wolfram Alpha braucht, die es bisher nur auf englisch gibt. Auch die Anbindung an die Karten-Anwendung gibt es noch nicht, also funktionieren Fragen nach in der Nähe gelegenen Restaurants o. ä. noch nicht. Auch das Finden eines Ortes, an dem man eine Leiche verschwinden lassen kann, ist im Deutschen noch nicht verfügbar. Siri fragt lediglich erstaunt: “Tatsächlich?” ;-)

Aber auch Scherzfragen kann man ihr im Deutschen stellen. So bekommt man als Antwort auf die Bemerkung “Ich finde dich sexy” ein robustes “Jeder ist berechtigt, eine Meinung zu haben.” Mehrfache Fragen nach dem Sinn des Lebens fördern Antworten zu Tage wie “42″, “darüber nachzudenken” bis hin zu “Alles deutet darauf hin, dass es Schokolade ist”. Auf die mehrfache Frage “Willst du mich heiraten?” kommen Antworten wie “Lass uns einfach Freunde sein”, “Wir kennen uns doch kaum”, “dass ist nett von dir, kann ich dir sonst noch irgendwie helfen?” oder “Entschuldige, aber in meinem Lizenzvertrag steht nichts über Ehe!”.

Die Integration mit dem iPhone geht sogar so weit, dass Siri auf ein “Gute Nacht”, das am Vormittag ausgesprochen wird, entgeistert antwortet: “Gute Nacht? Es ist 11:15!”.

Abgesehen von diesen Spielereien ist die Integration mit dem iPhone aber schon sehr gut gelungen, und Siri wird ständig weiterentwickelt. So deklariert Apple Siri selbst noch als in der Betaphase befindlich. man darf also gespannt sein, ob z. B. das Versenden von Tweets und die im Deutschen fehlenden Funktionen bald nachgerüstet werden.

Genauso stark funktioniert die Diktatfunktion. Ist Siri aktiviert, gibt es auf der Tastatur neben der Leertaste eine Taste, um ein Diktat zu starten. In jede Anwendung kann so diktierter Text eingefügt werden. Bis auf wenige Worte und Sonderbegriffe oder auch mal unsauber zusammengeschmierte Worte hat Siri bisher alles erkannt, was ich ihr diktiert habe. Dies verkürzt das Antworten auf SMS oder WhatsApp-Nachrichten oder auch das Schreiben von tweets in der Regel erheblich, da man (übrigens auch auf anderen Handys) nie so schnell schreiben kann wie man spricht. Die Erkennung ist quasi sofort verfügbar.

Siri braucht jedoch zur Arbeit Netzanbindung, da die Sprachanalyse selbst in der Cloud stattfindet und nicht lokal auf dem iPhone. Es reicht eine Verbindung per Handynetz, über WLAN geht es natürlich schneller. Auch was mit den Sprachdaten passiert, die man so an Apple überträgt, ist noch nicht abschließend von Apple beantwortet.

Abseits von Siri begeistert die neue Kamera. Es gibt eine Gesichtserkennung, die per VoiceOver sogar ansagt, wo sich das Gesicht befindet. Ein Ausrichten auf eine Person, so dass deren Gesicht im Zentrum des Bildes sein wird, ist also auch als Blinder selbständig möglich.

Auch die neue Mitteilungszentrale begeistert. Push-Benachrichtigungen werden von VoiceOver beim Eintreffen und kurzen Aufblinken am oberen Bildschirmrand selbständig gesprochen, aber sie geraten einem nicht mehr in den Weg, wenn man gerade einen Text schreibt.

Einziges Manko, das ich bisher festgestellt habe, ist eine verkürzte Akkulaufzeit. Obwohl alle Apps geschlossen sind und das iPhone neu gestartet ist, verbraucht es im Standby deutlich mehr Strom und ist am Ende eines Tages in der Regel komplett leer. Das 4 hält mit der gleichen Version von iOS und gleichen Benutzungsmustern (von Siri mal abgesehen) deutlich länger durch. [Update vom 24.10.2011]: Ich weiß inzwischen, was den erhöhten Akkuverbrauch bei mir verursacht hat. Es ist die Funktion “Sprechen” von Siri. Diese etwas verwirrend klingende Option ist lediglich dafür zuständig, Siri dazu zu befähigen, auch dann “aufzuhorchen”, wenn man sich das iPhone ans Ohr hält und gerade kein Telefongespräch im Gange ist. Siri scheint da in einem dauerhaften Lauscherzustand zu sein und auf Bewegungen des iPhones aufzupassen. Ich habe diese Funktion abgeschaltet. Somit ist Siri lediglich noch durch das längere Drücken der Home-Taste aktivierbar. Seitdem hat sich der Akkuverbrauch wieder auf ein gewohntes Maß reduziert.[/Update]

Von diesem Manko abgesehen kann ich aber sagen, dass ich den Kauf des 4S nicht bereue. Siri ist für jeden eine Erleichterung und stellt somit ein Rundum-Feature dar, mit dem z.B. Blinde, Sehende, motorisch eingeschränkte Menschen und Menschen mit Lese-Rechtschreib-Schwäche gleichermaßen eine große Erleichterung im Umgang mit dem iPhone erfahren. So schnell wie ich Siri z. B. sage, dass sie mich morgen um 8 Uhr wecken soll, kriege ich das in der Uhr-Anwendung nicht eingestellt!

Posted in Apple, Zugänglichkeit | Tagged , , , , , , , | 7 Comments

Prüfstand: Das neue Yahoo! Mail

Dieser Artikel wurde am 21.09.2011 ursprünglich auf meinem englischen Blog veröffentlicht.

Yahoo! haben vor nicht allzu langer Zeit eine neue Version von Yahoo! Mail angekündigt. Im Zuge dieser Ankündigung wurde auf den einschlägigen Kanälen auch vermehrt auf eine deutlich verbesserte Zugänglichkeit dieser Webanwendung hingewiesen. Es ist nun an der Zeit, dieser verbesserten Zugänglichkeit auf den Zahn zu fühlen. Also los geht’s!

Zum Testen verwendete ich den aktuellen Firefox sowie die aktuelle Version 2011.2 des Screen Readers NVDA. Weiterhin fand ich es ratsam, mir in der englischsprachigen Hilfe zur Yahoo! Mail Accessibility, speziell hier auch die Übersicht der Tastaturkürzel, einen Überblick über die Funktionalität zu verschaffen. Die deutsche Hilfe bietet hier leider noch gar keine diesbezüglichen Inhalte, so dass ich auf die englischsprachige Version zurückgriff.

Erste Schritte

Mit diesen Informationen ausgestattet loggte ich mich in mein Yahoo! Mail-Konto ein. Ich wurde aufgefordert, auf das neue Yahoo! Mail umzustellen. Dies muss gemacht werden, um die neuen Funktionen nutzen zu können.

Es begrüßte mich der Reiter “Neuigkeiten” des neuen Yahoo-Mail-Interfaces. Dies ist eine Sammlung aktueller Schlagzeilen. Am oberen Rand gibt es jedoch auch einen Link, der den Anwender direkt in den Posteingang führt. Hier wird einem auch mitgeteilt, wie viele ungelesene Nachrichten und wie viele Nachrichten insgesamt vorhanden sind.

Der Posteingang

Ich aktivierte nun den Link, der mich zum Posteingang führen sollte. Was nun folgte war ein Umschalten in den Fokus-Modus, weg vom standardmäßig aktiven Browse-Modus (virtueller Cursor). Der Grund wurde sehr schnell offensichtlich: Die Nachrichtenliste im Posteingang ist ein sehr funktionales Widget, in dem man mit den Pfeiltasten rauf und runter durch die Nachrichten navigieren kann. Die Rückmeldungen per Sprachausgabe sind einfach traumhaft! Man bekommt automatisch alle relevanten Informationen zur gewählten Nachricht angesagt, genauso als wäre man in einem Desktop-E-Mail-Programm wie Thunderbird oder Outlook.

Es stehen, wie man aus der oben verlinkten Liste von Tastaturkürzeln ersehen kann, eine ganze Reihe weiterer Tastaturkürzel, mit denen man Funktionen ausführen kann, zur Verfügung. Entfernen löscht eine Nachricht und sorgt für sehr gutes Feedback durch die Sprachausgabe, mit r leitet man eine Antwort ein, mit w leitet man eine Nachricht weiter. Ja, diese Tastenkürzel sind anders als in Thunderbird oder Outlook, aber wenn man von Outlook auf Thunderbird wechselt, muss man ja auch neue Tastaturkürzel lernen! :-)

Lesen einer Nachricht

Mit einem Druck auf die Eingabetaste wird eine Nachricht zum Lesen geöffnet. Und hier zeigt sich eine der absolut gelungensten Implementierungen von WAI-ARIA: Die Rollen “Application” und “Document” werden hier sehr intelligent und vor allem korrekt eingesetzt und sorgen für einen reibungslosen Wechsel zwischen Fokus- und Browse-Modus des Screen Readers. Die Nachrichtenliste muss definitiv als Applikation behandelt werden, eine individuelle Nachricht ist hingegen ganz eindeutig ein Dokument. Und genau das passiert hier auch. Nachdem die Nachricht geöffnet wurde, schaltet NVDA automatisch zum Browse-Modus um und beginnt, die Nachricht zu lesen. Handelt es sich hier um eine einfache Nachricht, befindet sich am unteren Rand gleich eine Antwort-Box, so dass man sofort auf die Nachricht antworten kann. Es gibt hier allerdings keine Zitat-Funktion. Wenn man also eine vollständige Bearbeitung wünscht, sollte man die Nachricht schließen und mit r in der Nachrichtenliste ein großes Antwort-Fenster öffnen.

Mit escape wird eine Nachricht geschlossen, und man landet wieder in der Nachrichtenliste. Dabei wird die letzte Position beibehalten, man kann also mit dem Durchsehen der Nachrichten dort weitermachen, wo man die Nachricht geöffnet hatte.

Da gibt’s aber noch mehr

Mit tab wandert man durch das Hauptfenster von Mail. Hierbei ist die Tastaturnavigation äußerst clever: Tab springt nur gruppierende Elemente wie Symbolleisten an. Möchte man die Elemente innerhalb einer Symbolleiste erkunden, nutzt man dazu die Pfeiltasten rechts und links. Enthält eine Symbolleiste also 10 Elemente, muss man diese nicht alle durchtabben, sondern springt mit tab gleich zum nächsten Gruppenelement oder anderen Widget weiter.

Kontakte

Der Reiter “Kontakte” ist der Ort, an dem man seine Kontakte durchsehen, Kontakte aus anderen Konten importieren kann usw. Die Kontaktliste ist der Nachrichtenliste sehr ähnlich: Man wählt auch hier mit den Pfeiltasten einen Kontakt aus. Das Umschalten zwischen Applikations- und Browse-Modus funktioniert auch hier einwandfrei, und das Feedback durch die Sprachausgabe ist genauso durchdacht wie in Mails.

Apropos Reiter: Wann immer etwas nicht ganz so implementiert wurde, wie man es vom Desktop her gewohnt ist, gibt es automatisch gesprochene Hilfestellungen, die die Besonderheiten der Navigation und Interaktion erklären. Ist man z. B. auf der Liste der Reiter (Tabs) gelandet, wird man angewiesen, dass die Pfeiltasten links und rechts einen anderen Reiter auswählen, und dass erst ein Druck auf Eingabe diesen Reiter tatsächlich aktiv schaltet. In Windows-Anwendungen bewirkt allein das Umschalten mit den Pfeiltasten ein aktiv Schalten der entsprechenden Dialogseite. Dieser Unterschied in der Interaktion wird also sehr deutlich kommuniziert. Sehr gut gelungen!

Soziale Netzwerke

Der vierte der standardmäßig gezeigten Reiter heißt “Updates”. Hier verlinkt man sein Yahoo!-Profil mit denen, die man auf Facebook, Twitter usw. hat. Der Reiter selbst ist hauptsächlich dazu da, die Verbindungen zu konfigurieren und selbst Updates an seine sozialen Netzwerke zu schicken. Das eigentliche Lesen wird von einer separaten Webanwendung erledigt, die in einem eigenen Browsertab oder -fenster gestartet wird und eine ganz normale Webseite ist. Diese gibt einen schnellen und vor allem barrierefreien Überblick über die Timelines von Twitter und Facebook. Während beide sozialen Netzwerke immer noch Probleme bei der Zugänglichkeit ihrer Webanwendungen ausmerzen müssen, ist das Interface von Yahoo! vollständig zugänglich und lässt kaum etwas zu wünschen übrig.

Optionen setzen

Von der Hauptnavigation von Yahoo! Mail aus kann man Optionen konfigurieren, die auf Mail und andere Yahoo!-Anwendungen angewandt werden. In den Maileinstellungen kann man z. B. eine seitenweise Nachrichtenanzeige einstellen (Standardeinstellung), so dass kein Vorschaubereich oder andere Dinge angezeigt werden, die die Barrierefreiheit beeinträchtigen könnten. Hier kann man außerdem einstellen, dass der Posteingang standardmäßig nach der Anmeldung geöffnet wird. Ich habe dies so eingestellt, denn wenn ich Mail aufrufe, will ich auch Mails lesen!

Hier kann man auch weitere Konten hinzufügen, von denen Mail abgerufen werden soll. Hier ist einer der wenigen irritierenden Punkte aufgetaucht: Der Link zum Hinzufügen eines Kontos befindet sich am oberen Ende des virtuellen Dokuments, direkt oberhalb des Schalters “Änderungen speichern”. Ich hätte erwartet, den Link dort zu finden, wo auch die Erklärung für das Verwenden weiterer Konten steht.

Anwendungen von Drittanbietern

Man kann Anwendungen von Drittanbietern in Yahoo! Mail einbinden. Es gibt z. B. eine Anwendung namens “meine sozialen Netze”. Da diese Anwendungen von Drittanbietern hergestellt und ausgeliefert werden, ist nicht gewährleistet, dass sie dieselbe Zugänglichkeit bieten wie das eigentliche Yahoo! Mail. Manche können sogar vollständig unzugänglich sein. Sie können auch in Flash oder Silverlight entwickelt worden sein und nicht den Zugänglichkeitsstandards für diese Plattformen entsprechen. Yahoo! kann man dafür aber nicht die Schuld geben. Stattdessen sollte man sich an die Hersteller dieser Anwendungen wenden und sie auffordern, Zugänglichkeit in ihre Anwendungen einzubauen.

Fazit

Was Yahoo! hier abliefert ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie WAI-ARIA und andere Techniken zur Barrierefreiheit von HTML-Anwendungen richtig genutzt werden. WAI-ARIA wurde bisher hauptsächlich in größeren Firmen und/oder Intranet-Anwendungen, oder auf einigen spezialisierten öffentlichen Webangeboten eingesetzt und erlangte so nur eingeschränkte Verbreitung. Yahoo! Mail ist jedoch eine “Anwendung von der Stange”, die an Millionen von Nutzern ausgeliefert wird und gibt so der Technologie einen sehr breit gefächerten Einsatz.

Dies ist auch der erste webbasierte E-Mail-Client, auf den umzustellen ich mir persönlich vorstellen kann. Er ist der erste, der mir das Gefühl gibt, ihn genauso effektiv nutzen zu können wie meinen geliebten Desktop-Client. Die Angebote anderer Firmen wie die mit dem großen G sind viel zu ineffizient. An meinem Arbeitsplatz wird der Zimbra Webmail-Client eingesetzt, welcher völlig unzugänglich ist, so dass ich hier gar keine Wahl habe als einen zugänglichen Desktop-Client einzusetzen.

Yahoo! liefert hier zusammen mit der ebenfalls sehr zugänglichen Suche eine zugängliche, inkludierende Webanwendung aus, der gegenüber sich andere Anbieter in Grund und Boden schämen müssen, wenn sie ihren blinden Anwendern raten, vom Standard- zu einem Basis-Angebot zu wechseln, das natürlich drastisch im Funktionsumfang eingeschränkt ist. Dieselbe Firma, die ihren Screen-Reader-Nutzern empfiehlt, ihr Instant-Feature abzuschalten, weil sonst selbst Suchergebnisse nicht mehr garantiert barrierefrei sind. Yahoo! verfolgen hier eine Inklusions-Strategie, die unter den durch Aktionäre getragenen Webfirmen einmalig ist.

Es gibt natürlich hier und da noch unrunde Ecken zum Glätten. So ist in der deutschen Version von Yahoo! Mail das Tastaturkürzel zum Schließen eines Tabs nicht das englische Ctrl+\, sondern etwas anderes. Dies habe ich jedoch bisher nicht herausgefunden, und wie oben bereits erwähnt gibt es noch keine deutschsprachige Liste von Tastaturkürzeln. Auch der Rest der Hilfe für die Zugänglichkeit ist noch nicht übersetzt. Eine Suche innerhalb der Hilfe nach Barrierefreiheit förderte keine, eine Suche nach Zugänglichkeit nur eine allgemein gehaltene Seite zur Zugänglichkeit von Mein Yahoo! zu Tage. Aber man kann sicher sein, dass diese Dinge innerhalb kurzer Zeit bereinigt werden, so dass auch Anwender, deren Muttersprache nicht englisch ist, in den vollen Genuss des neuen Yahoo! Mail kommen.

Einen großen Applaus für Yahoo!’s Inclusive-Design-Prinzip in Mail und ihre gute Zugänglichkeit!

Posted in Yahoo!, Zugänglichkeit | Tagged , , , | 4 Comments

Canon iP3600 unter Mac OS X Lion als Netzwerkdrucker einrichten

Heute ist mir das erste mal etwas untergekommen, das so richtig abenteuerlich war und was von “von hinten durch die Brust ins Auge” hatte. ich wollte einen Canon PIXMA iP3600 Drucker per Fritz!Box als Netzwerkdrucker von Windows und Mac OS X aus nutzen.

Erstaunlicherweise ging die Installation bzw. das Umschalten des am Windows-PC vorhandenen Druckertreibers von USB auf Netzwerkbetrieb erstaunlich einfach vonstatten. Ich folgte dieser Anleitung bei AVM, um den Drucker als Netzwerkdrucker zu nutzen. Der Teil für Windows klappte ohne Murren, ich musste den Drucker bei erster Verwendung lediglich wieder online schalten.

Unter Mac OS X hingegen verlief die Installation, die ich laut Anleitung genauso vornahm, nicht reibungslos. Ich bekam immer eine Fehlermeldung “Kommunikation mit dem Drucker ist zur Zeit nicht möglich”, und die Konfiguration bzw. das Hinzufügen wurde abgebrochen.

Ich habe es nach vielem Herumprobieren schließlich aber doch geschafft, und hier kommt, wie:

  1. Den Drucker an den Mac stecken. Ich verwende Mac OS X Lion. Der Drucker wird sofort erkannt und ist verfügbar, das Ausdrucken einer Testseite klappt problemlos.
  2. Per Softwareaktualisierung eine neue Version der Canon Gerätetreiber von Apple laden. Dieser Schritt ist sehr wichtig und darf nicht ausgelassen werden!
  3. Einen neuen IP-Drucker hinzufügen, wie in der o. g. Anleitung beschrieben. Allerdings stellt man die Wahl des Druckertreibers “Drucken mit” auf “Allgemeiner PCL-Drucker”. Den Treiber ändern wir gleich. So klappt nämlich das Hinzufügen. Achtung: Bei den angezeigten Optionen sicherstellen, dass Vollduplex deaktiviert ist! Dies ist bei mir die Standardeinstellung gewesen, also nicht ändern, wenn’s bei euch auch so steht.
  4. Den neu hinzugefügten Drucker jetzt in der Liste auswählen und auf “Optionen und Füllstände” klicken.
  5. Auf dem Reiter “Treiber” jetzt per “Software auswählen…” den Canon iP3600 Series-Treiber wählen. Das Dialogfeld “Optionen und Füllstände” danach mit “OK” schließen.
  6. Den zuerst eingerichteten USB-Drucker, wahrscheinlich der oberste unter Druckern, löschen, so dass nur noch der Netzwerkdrucker vorhanden ist.
  7. Wieder “Konfiguration und Füllstände” für den Netzwerkdrucker aufrufen und auf dem Reiter “Sonstiges” auf “Tesseite drucken” klicken, um zu prüfen, ob auch alles funktioniert.

Führt man die obigen Schritte aus, ohne Schritt 2, also das Softwareupdate, durchzuführen, funktioniert es nicht. Offensichtlich verbessert diese Version der Druckersoftware die Kommunikation übers Netzwerk, sobald man die Konfiguration einmal ausgetrickst hat.

Posted in Apple | Tagged , , , , , | 5 Comments

Mac OS X Lion ist da, Eindrücke von den neuen Barrierefreiheitsfunktionen

Apple hat soeben die neueste Version seines Betriebssystems Mac OS X, Lion, veröffentlicht. Eine gute Gelegenheit, einen Blick auf die neuen Barrierefreiheitsmerkmale der jüngsten Raubkatze zu werfen!

Neue Stimmen in vielen Sprachen

Apple bietet für Lion Stimmen in niedriger und hoher Qualität in über 40 Sprachen und Dialekten an. Diese sind in kompakter Version für viele Sprachen bereits vorinstalliert. So kommt die deutsche Variante mit der Stimme Yannick daher, die bereits aus aktuellen iOS-Veröffentlichungen vom iPhone/iPod Touch und iPad bekannt ist. Eine höherwertige Version dieser Stimme sowie die Stimmen Steffi und Anna können nachgeladen werden. All diese Stimmen, also auch die ausländischen, werden von Apple kostenlos zur Verfügung gestellt. Man wählt sie einfach im VoiceOver-Dienstprogramm unter Sprachausgabe, Standard-Stimme, Menüpunkt “Anpassen”… aus und lädt sie dann über die automatisch sich öffnende Softwareaktualisierung herunter.

Aber auch für die Freunde der bereits für Leopard und Snow Leopard verfügbaren Stimmen der á Capella Group, die über AssistiveWare heruntergeladen und käuflich erworben werden können, gibt es Entwarnung: Diese funktionieren weiterhin, bei mir nach einem Upgrade von Snow Leopard auf Lion sogar ohne neuinstallation oder erneute Aktivierung. Wem also die Nuance-Stimmen nicht gefallen, der kann weiterhin Infovox iVox nutzen. AssistiveWare sagen selbst, dass sie bis Ende des Monats ihre Produkte auf mit Lion kompatible Versionen aktualisieren wollen, meine Tests mit den Stimmen haben allerdings gezeigt, dass die reinen Stimmenpakete anscheinend weiterhin problemlos funktionieren.

Die Tatsache, dass Stimmen u. a. für Deutsch vorinstalliert sind, bedeutet, dass man jetzt in einem Apple oder Gravis Store nicht nur iPhones und iPads in seiner Muttersprache ausprobieren kann, sondern auch alle Varianten des Macs. Bei einer frischen Installation von Lion auf deutsch wird automatisch mit Yannick Compact gesprochen, so dass VoiceOver ohne Installation einer externen Sprachausgabe sofort in deutsch zu sprechen beginnt.

Einziger Wermutstropfen: Während der Installation wird diese Stimme noch nicht verwendet, hier quatscht immer noch die Decktalk-Variante “Fred” in allen Sprachen. Dies gilt aber nur für den Installationsvorgang von der Recovery-Partition, nicht für das Setup nach der allerersten Installation. Der Assistent, bei dem man u. a. nach seiner Apple-ID gefragt wird, wird bereits mit einer deutschen Stimme begleitet.

Neue Braille-Funktionen

VoiceOver liefert jetzt Brailletabellen in verschiedenen Sprachen mit, unter anderem deutsch. Auch die Kurzschriftübersetzung ist für deutsch und weitere unterstützte Sprachen verfügbar. Leider gibt es zur Zeit keine Möglichkeit, bei der Kurzschriftübersetzung die Anzeige von Großbuchstaben abzuschalten, so dass die Kurzschriftdarstellung nicht ganz der eines Standard-Buches entspricht, in der es ja keine Anzeige von Großbuchstaben gibt.

Durch Brailleausführlichkeit kann man jetzt angeben, was in verschiedenen Situationen angezeigt werden soll und somit gerade auf kleineren Displays den Platz effizienter nutzen.

Aktivitäten

VoiceOver-Aktivitäten sind Sätze von Einstellungen, auf Wunsch alle, die das VoiceOver-Dienstprogramm zur Verfügung stellt, die für bestimmte Situationen oder bestimmte Anwendungen angepasst werden können. So kann man z. B. eine Aktivität für eine Anwendung einstellen, oder man öffnet mit VO+X ein Menü aller verfügbaren Aktivitäten, weil man im Web zum Einkaufen vielleicht eine schnellere Sprechgeschwindigkeit und andere Stimme verwendet als zum Lesen von Artikeln, Blogs usw. Eine Aktivität kann hierbei durchaus auch auf mehrere Anwendungen automatisch angewendet werden.

Ziehen und Ablegen (Drag and Drop)

VoiceOver unterstützt jetzt das automatisierte Drag and Drop. Dies war bisher durch eine Kombination mehrerer Befehle bereits möglich, wurde jetzt jedoch erheblich vereinfacht.

  1. Man wählt mit den VoiceOver-navigationsbefehlen oder der Tastatur das zu ziehende Objekt an und drückt VO+Komma.
  2. Man navigiert mit dem VoiceOver-Cursor an die gewünschte Zielstelle am Bildschirm und drückt eine der folgenden Tasten:
    1. VO+Punkt zum Fallenlassen auf dem Objekt, auf dem sich der VoiceOver-Cursor gerade befindet. Das Resultat hängt von der Anwendung ab.
    2. VO+< (Kleiner als Das Objekt auf dem Objekt, das dem Objekt, auf dem der VoiceOver-Cursor steht, voransteht. Hierbei ist die Navigationsreihenfolge gemeint, nicht die visuelle Anordnung auf dem Bildschirm.
    3. VO+> (Größer als zum Fallenlassen auf dem Objekt, das dem Objekt unterm VoiceOver-Cursor navigationsmäßig nachfolgt.

Hierbei unterliegt der Vorgang denselben Beschränkungen wie von Windows-Screen-Readern her gewohnt: Sind nicht mehr beide Objekte visuell am Bildschirm sichtbar, weil eines in der Zwischenzeit verdeckt wurde oder weggescrollt ist, schlägt der Vorgang fehl. Auch sind nicht alle Objekte von VoiceOver zum Ziehen freigegeben: Auf den meisten Webelementen erlaubt es schon das Markieren als zu ziehendes Objekt nicht. So kann man z.B. nicht wie der Sehende in Google Plus einen Kontakt auf einen Kreis ziehen, um ihn diesem Kreis hinzuzufügen.

Schnelle Navigation mit einzelnen Buchstaben auf Webseiten

Ähnlich dem Modell von Windows-Screen-Readern kann man in VoiceOver jetzt optional einstellen, dass man durch das Tippen einzelner Buchstaben ohne Umschalttasten wie Befehlstaste zu bestimmten Elementen navigieren kann. Dies sollte Umsteigern den Umstieg noch weiter erleichtern.

Aufgeräumteres VoiceOver-Dienstprogramm

Die Benutzeroberfläche des Dienstprogrammes für VoiceOver wurde an einigen Stellen überarbeitet, um neue Funktionen elegant zu integrieren und einige Tabs übersichtlicher zu gestalten. Weiterhin gibt es jetzt eine Suchfunktion, mit der eine bestimmte Funktion leicht aufgefunden werden kann, wenn man vergessen hat, wo genau sie sich verbirgt.

Unterstützung von Anwendungen

Kalender

Die Navigation und Interaktion mit Kalenderobjekten wurde stark verbessert, auch die Überarbeitung des Kalenders selbst bringt für VoiceOver eine weitere Verbesserung der Zugänglichkeit des ohnehin schon sehr zugänglichen Kalenders.

Mail

Das neue, für meine Begriffe sehr gelungene, mail wird von VoiceOver unterstützt. Es ist also nicht nötig, außer man möchte es aus Gewohnheit tun, auf die klassische Darstellung, die man aus Snow Leopard gewohnt ist, umzuschalten. Die neue, konversationsorientierte, darstellung ist mit VoiceOver genauso nutzbar. Nach wenigen Minuten des Eingewöhnens möchte ich diese Darstellung, die auch schon vom iPad und iPhone bekannt ist, nicht mehr missen. Die Vorschau der einzelnen Mails wird automatisch vorgelesen und gibt so einen schnellen Überblick über den wichtigsten Inhalt der Mail.

Safari

Es werden jetzt Navigationspunkte (WAI-ARIA Landmarks) erkannt. Die deutsche Übersetzung ist etwas hakelig geworden, so sagt VoiceOver beim Erreichen eines Orientierungspunkts z. B. "Banner eingeben". Warum man nicht einfach die gut funktionierende Übersetzung von iOS genommen hat, erschließt sich mir nicht.

VoiceOver sagt jetzt erforderliche und ungültige Einträge an, wenn diese mit HTML5 oder WAI-ARIA ausgezeichnet sind. Auch werden WAI-ARIA Dialoge und Live Regions unterstützt.

Die Interaktion mit formatierbarem Text, z. B. beim Verfassen einer Mail in GoogleMail, wurde verbessert.

VoiceOver kommt spürbar besser und schneller mit sich dynamisch aktualisierenden Seiten wie Facebook zurecht.

LaunchPad und Mission Control

Auch die neuen Funktionen LaunchPad und Mission Control sind mit VoiceOver bedienbar. Der wirkliche Nutzen erschließt sich mir aber nur, wenn ich die Trackpad-Steuerung aktiviert habe und somit die Objekte tatsächlich berühre. Die Navigation im Gitter mit der Tastatur ist nicht effizienter als das Wählen einer Anwendung aus dem Dock oder dem Programme-Ordner im Finder, sondern eher langsamer, weil man hier keine Möglichkeit der Eingabe von Buchstaben hat, um ein Programm gezielt anzuspringen.

Die neue Rechtschreibkorrektur und Autovervollständigung

Die neue Autovervollständigung wird von VoiceOver unterstützt. Ertönt der auch vom iPhone bekannte Blubberton, kann man mit Pfeil runter die Rechtschreibvorschläge ansteuern, mit rechts und links die einzelnen Vorschläge auswählen und mit Eingabe von z. B. Leerzeichen oder einem Satzzeichen übernehmen, oder man drückt Pfeil rauf, um keinen der Vorschläge zu akzeptieren.

Kleine Detailverbesserungen

Es sind aber auch die Detailverbesserungen, die das Arbeiten unter Lion mit VoiceOver zu einem schönen Erlebnis machen. So werden bei Tabellen, denen von einem programm Zeilen hinzugefügt werden, die gewählten Zeilen nicht automatisch erneut vorgelesen, nur weil neue Inhalte dazugekommen sind. Gerade bei einem Programm wie dem Twitter-Client Syrinx ist dies eine angenehme Reduzierung der Geschwätzigkeit.

Das Vorlesen im Web geht meines Erachtens nach etwas flüssiger vonstatten als unter Snow Leopard. In manchen Situationen (ich habe noch nicht genau herausgefunden, welche) kann man sogar während des Vorlesens eines Absatzes VO+A drücken, und das Vorlesen wird nicht unterbrochen, sondern das Objekt wird zu Ende gelesen und dann mit dem nächsten weitergemacht.

Fazit

Von vielen wird bemängelt, dass Lion kein großer Fortschritt sei. In Bezug auf die Zugänglichkeit dynamischer und mit neuen Technologien wie HTML5 und WAI-ARIA zugänglich gemachter Webinhalte ist VoiceOver in Lion hingegen doch ein sehr großer Fortschritt, da die Menge an unterstützten Widgets dramatisch zugenommen hat.

Auch die neuen Oberflächen von Mail und Kalender sind, wenn man viel mit diesen Programmen arbeitet, das Upgrade definitiv wert.

Etwas weniger sinnvoll ist LaunchPad für VoiceOver-Benutzer, die die Trackpad-Steuerung nicht benutzen.

Die eingebauten und kostenlos herunterladbaren Stimmen sind ein echter Zugewinn! Man ist nicht mehr zwangsweise auf den Erwerb von Stimmen eines Drittanbieters angewiesen, sondern bekommt schön klingende und dennoch sehr reaktionsschnelle Stimmen frei haus mitgeliefert, man muss lediglich ein bisschen Zeit aufwenden, sie per Softwareaktualisierung herunterzuladen.

Für €23,99 bekommt man hier definitiv eine ganze Menge Neues fürs Geld geboten, und ich kann das Upgrade nur wärmstens empfehlen!

Posted in Apple, ARIA, Zugänglichkeit | Tagged , , , , , , , | 1 Comment

Positive Überraschung: Privatwirtschaftliches Unternehmen mit barrierefreiem Webauftritt

Bei meiner aktuell laufenden Wohnungssuche bin ich auf das Angebot des Wohnquartiers am osterbekkanal in Hamburg gestoßen. Beim ersten Aufruf der Seite fiel mir auf, dass es Skip-Links gibt, die Seite eine Überschriftenstruktur hat und auch ansonsten sehr übersichtlich gegliedert ist.

Die wahre Überraschung erlebte ich, als ich neugierig auf einzelne Wohnungen wurde und wissen wollte, ob die hinterlegten PDFs eventuell noch mehr Informationen als nur den bloßen Grundriss enthalten. Als das PDF herunterlud und sich öffnete, begann mein Screen Reader sofort mit dem Lesen der PDF-Datei! Kein lästiges Dialogfeld des Adobe Readers “Lesen eines Dokuments ohne Tags”, kein “Dokument wird verarbeitet”-Fortschrittsbalken nach Bestätigung des vorigen Dialogs. Nein, die PDF-Datei öffnete sich ohne weiteres Murren, was bedeutet, dass sich jemand die Mühe gemacht hat, sie zu taggen und somit barrierefreier zu gestalten! Das erschloss mir nicht den Grundriss selber, aber einige weitere Informationen. Und allein die Tatsache, dass hier mit Barrierefreiheits-Tags versehene (AKA “durchsuchbare”) PDFs hinterlegt sind, ist eine große Überraschung, die es positiv hervorzuheben gilt! 99,9% aller im Netz befindlicher PDFs sind nicht getaggt, und das schließt viele von Behörden und anderen Regierungsorganisationen zur Verfügung gestellte PDFs mit ein! Das Tagging selbst verlangt (bewusst überspitzt formuliert) fast einen eigenen Studienabschluss. ;-)

Und hier ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das für den Auftritt für dieses Wohnquartier nicht nur diese, sondern auch noch einige weitere Richtlinien zur barrierefreien Webgestaltung erfüllt:

  • Es gibt mit der Tastatur navigierbare und sichtbar werdende Skip-Links.
  • Verschiedene Sektionen wie die Navigation werden mit versteckten Überschriften für Screen Reader eingeleitet.
  • Der zur Zeit hervorgehobene Menüpunkt ist zwar nicht optisch hervorgehoben, wird aber in der Hauptüberschrift deutlich sichtbar wiederholt.
  • Die Schriften sind skalierbar.
  • Die Kontraste sind ausreichend.
  • Die Seite macht auch ohne Farben eine gute Figur.

Vielen Dank an Kerstin für die visuell feststellbaren Punkte, die ich oben aufgeführt habe!

Ich möchte einfach mal hervorheben, dass ich sehr positiv angetan bin vom Webauftritt für dieses Wohnquartier! Es geht also, man kann eigeninitiativ barrierefreie Webinhalte auch als privatwirtschaftliches Unternehmen gestalten, ohne zwangsweise der BITV zu unterliegen!

Ich hoffe, dass sich an diesem Vorbild so manches andere Unternehmen jeder Branche ein Beispiel nimmt!

Super gemacht, weiter so!

Posted in Zugänglichkeit | Tagged , | 1 Comment

Neues Bezahlsystem mit Bezahlcode ein Gewinn für die Barrierefreiheit

Ich bin seit einiger Zeit Betatester für die iPhone- und iPad-Anwendung iOutBank. Das folgende ist ein Ausblick auf die kommende Version von iOutbank, speziell für das iPhone, die einen riesigen Schritt für mehr Barrierefreiheit beim Bezahlen per Überweisung darstellen kann, wenn entsprechend die Firmen mitziehen. Ich habe von der Stöger IT GmbH die Genehmigung, über dieses noch nicht veröffentlichte Feature zu bloggen.

Zunächst einmal folgt ein kleiner Einblick darin, wie ich als Blinder heute eine Überweisung tätige:

  1. Rechnung kommt mit der Post oder als PDF.
  2. Rechnung wird auf Scanner gepackt bzw. das PDF wird geöffnet.
  3. Wenn das PDF ordentlich ausgezeichnet ist, was die wenigsten sind, kann ich die Rechnung sofort verarbeiten. In den meisten Fällen muss ich aber die PDF-Rechnung durch eine Texterkennung jagen, um den Text überhaupt lesen zu können. Mit der Papierrechnung muss ich das auf jeden Fall tun.
  4. Die generierte Textdatei durchsuche ich nun nach den Daten wie Kontonummer, BLZ, genauen Namen der Firma, Rechnungsbetrag und Rechnungsnummer.
  5. Jetzt logge ich mich in mein Online-Banking-Portal ein und wähle “Überweisung”.
  6. Wenn ich Glück habe, kann ich mit Copy & Paste die Daten in die einzelnen Felder übernehmen. Wenn ich Pech habe, muss ich Dinge wie Bankleitzahl oder Kontonummer in kleineren Portionen kopieren oder im Kopf behalten, nämlich immer dann, wenn aus Gründen der optischen Verschönerung und besseren Lesbarkeit mit den Augen Leerzeichen in den Ziffernfolgen stehen. Und ich kenne bisher kein Onlinebanking-Portal, das so klug wäre, die Leerzeichen beim Einfügen rauszufiltern oder ggf. für übliche Ziffernaufteilungen in den Eingabefeldern genug Platz zu lassen. Die Folge sind abgeschnittene Kontonummern oder Bankleitzahlen, die ich erst noch mühsam nachbearbeiten und vervollständigen muss.
  7. Ist alles ausgefüllt, dann noch die indizierte TAN eingeben und die Überweisung absenden. Bei Firmen, mit denen ich öfters Zahlungsverkehr habe, kann ich die Empfängerdaten speichern und mir in Zukunft vielleicht einige Tipparbeit sparen.

Vor einigen Wochen nun sprach mich der Inhaber der Stöger IT GmbH an, dass da eine neue Funktion in IOutbank käme namens Bezahlcode-Unterstützung. Er verwies mich dann auch auf die Webseite bezahlcode.de, auf der das Verfahren näher erklärt wird und sogar ein Bezahlcode-Generator zum Ausprobieren vorhanden ist.

Ich habe dann mal einen Test gemacht und mir selbst eine Rechnung gestellt. Der Bezahlcode war auf der Seite schnell generiert, die entsprechende Grafik in die Zwischenablage kopiert und in ein Word-Dokument eingefügt.

Als nächstes die neueste Beta von iOutbank gestartet, die entsprechenden Knöpfe betätigt und die Kamera ca. 10-20 cm über das ausgedruckte Blatt Papier gehalten. Ein bisschen hin und her bewegt, und nach wenigen Sekunden ertönte ein Signal, und iOutbank teilte mir mit, dass es einen Bezahlcode identifiziert hat. Nach dem Bestätigen wurde automatisch ein Überweisungsfenster geöffnet und die Daten eingetragen. Es war alles da: Name, Kontonummer, Bankleitzahl, Betrag und Verwendungszweck! Kein Abtippen, keine Gefahr von zahlen- oder Buchstabendrehern. Ich hätte die Überweisung jetzt einfach absenden, eine i-Tan eingeben und die Überweisung tätigen können.

Einen Audioeindruck (ganz bewusst kein Video!) gibt es in diesem AudioBoo von mir.

Ich hoffe sehr, dass sich dieser Bezahlcode durchsetzt und in Zukunft auf jeder Rechnung zu finden sein wird! Dies wird blinden und sehenden Anwendern das Bezahlen von Rechnungen ganz erheblich erleichtern und gerade Blinden viel viel Arbeit, Frust und evtl. doppelt auszuführende Überweisungen ersparen (weil eine z. B. wegen Zifferndrehern oder unvollständiger Kontonummer zurückgebucht wird).

Und hiermit möchte ich einen Aufruf an alle Firmenmitentscheider, die diesen Blog lesen, starten, diesen Bezahlcode in Zukunft zu unterstützen! Es wird weitere Anwendungen geben, die diese Bezahlcodes werden auswerten können, nicht nur die iPhone-Anwendung, und Sie werden Ihren Kunden damit einen sehr großen Dienst erweisen, egal ob diese blind sind oder nicht!

Posted in Allgemein, Apple, Zugänglichkeit | 3 Comments